Richard Windbichler bestreitet Anfang 2017 mit seinem Wechsel zu Ulsan Hyundai neu Wege. Ulsan liegt im Südosten der Halbinsel, die etwa so groß ist... Fußball in Korea: Zwischen Kirschblüten und Wolkenkratzern

_Südkorea - FlaggeRichard Windbichler bestreitet Anfang 2017 mit seinem Wechsel zu Ulsan Hyundai neu Wege. Ulsan liegt im Südosten der Halbinsel, die etwa so groß ist wie Österreich, aber auf der mehr als fünfmal (!) so viele Menschen leben. Gemeint ist Südkorea. Die Sprachbarriere ist sicher die schwierigste Hürde bei der Integration in die Gesellschaft, denn ohne sie zu verstehen fällt die Kommunikation naturgemäß schwer. Bekanntlich kennt man ein Land erst, wenn man dessen Einheimische kennen lernt. Dies ist somit ein wichtiger Faktor für einen Fußballer um erfolgreich zu sein.

Auf dem Trikot mit der Rückennummer 40 steht nur „Richard“, um den Einheimischen die Chance zu geben den Namen aussprechen zu lernen. Typisch koreanisch gibt es auch eine Übersetzung in deren Schrift, ein traditioneller Name besteht dort aus drei Silben. Jedes koreanische Schriftzeichen repräsentiert eine Silbe, im Gegensatz zum Chinesischen wo die Zeichen bildlich interpretiert werden. Umgekehrt geben sich Koreaner zusätzlich gerne englische Vornamen um Konversationen mit westlichen Besuchern zu erleichtern.

Spätestens seit China den Markt mit Geld überschwemmt und diese Transfers medial stark diskutiert werden, sollte man auch die Entwicklungen außerhalb Europas beobachten und ernst nehmen. Der Koreaner mag Baseball und Fußball. Auch das Computerspiel Starcraft professionell zu betreiben und zu verfolgen ist beliebt, genauso wie die traditionelle Kampfsportart Taekwondo. Die asiatische Königsklasse im Fußball-Klubgeschäft nennt sich AFC Champions League, seit 2009 gelang es vier verschiedenen koreanischen Vereinen sie jeweils einmal zu gewinnen. Darunter Ulsan Hyundai und Jeonbuk Hyundai Motors. Im selben Zeitraum konnte Jeonbuk Hyundai Motors viermal die nationale Meisterschaft gewinnen und der Hautstadtverein FC Seoul dreimal. Dies zeigt die Stärke, Bedeutung und Stellenwert der Liga für den Kontinent auf. Die nationale Saison wird im Jahresrhythmus mit 12 Mannschaften gespielt, wobei Anfang März der erste Spieltag stattfindet.

Österreichische Verhältnisse in der koreanischen Liga

Vergleicht man die K-League mit der österreichischen Bundesliga gibt es interessanter Weise einige Parallelen, wie man sie gar nicht erwartet hat. Fünf Mannschaften schafften 2016 einen Zuschauerschnitt höher als 10.000, was durchaus mit dem Interesse in Österreich vergleichbar ist. Der durchschnittliche Marktwert beträgt ungefähr die Hälfte der österreichischen Verhältnisse, wertvollster Spieler ist Bo-Kyung Kim der mit Vergangenheit in England auf 2,00 Mio. € kommt. Den größten Stellenwert und das Potential die Massen zu elektrisieren bietet aber sicher das Nationalteam. Ähnlich wie in unserer Alpenrepublik, werden euphorisch die großen Stadien des Landes gefüllt.

Weltmeisterliche Infrastruktur

Mancher erinnert sich vielleicht noch an die Weltmeisterschaft 2002, die Südkorea gemeinsam mit Japan ausgetragen hat. Die sympathischen Koreaner konnten hier mit dem Einzug ins Halbfinale viel internationale Anerkennung gewinnen. Als Vorreiter eines Sommermärchens stand das Land Kopf. Viel wurde investiert für Infrastruktur und Stadien von denen das Land noch immer profitiert. So spielt der FC Seoul im 2001 gebauten sogenannten World-Cup-Stadium, in welchem auch das Eröffnungsspiel gespielt wurde. Im „Big Bird“ in Suwon, welches auch für die WM eröffnet wurde, konnte das lokale Team, die Bluewings, beachtliche Erfolge in der asiatischen Champions League feiern.

Betrachtet man die Olympiageschichte des Landes, beachtet man die Sommerspiele 1988 in Seoul. 30 Jahre später werden in Pyeongchang wieder Spiele stattfinden, dieses Mal im Winter. Die eifrigen Koreaner arbeiten an der Schnellzugverbindung vom größten Flughafen des Landes in Incheon. Aus der Hauptstadt soll man in 70 Minuten vor Ort sein. Die Sportanlagen haben die Testläufe in diesem Winter bereits erfolgreich überstanden, nur die Unterkunftssituation in der Bergregion rund um den Austragungsort muss noch grundlegend verbessert werden.

Der Hochgeschwindigkeitszug KTX (Korean Train eXpress), der weitgehend auf der Technik des französischen TGV basiert, durchquert das Land mit bis zu 300 km/h in wenigen Stunden. Busan ist von der Hauptstadt Seoul aus in unter drei Stunden zu erreichen, was die größte Distanz im ganzen Land von Nordwest nach Südost wiederspiegelt. Korea kann wie auch Japan in allen Bereichen mit westlichen Standards mithalten. Das System profitiert von der wirtschaftlichen Stärke der heimischen Großkonzerne wie Samsung und Hyundai und der Staat baut auf die breite Mittelschicht. Bedingt durch die begrenzte Fläche muss der vorhandene Raum optimal ausgenutzt werden und das Erscheinungsbild prägen riesigen Wohnblocks in denen Familien zusammengepfercht leben. Schöner ist da im Frühling die rosane Kirschblüte, die sich sehr auffällig im alltäglichen Anblick präsentiert.

Das Exportgeschäft Fußball

Die heißeste koreanische Fußballaktie ist sicher Heung-Min Son, der über den Zwischenstopp Deutschland nun bei Tottenham Hotspur zu den Leistungsträgern zählt.  Mit Sung-Yong Ki bei Swansea City und Ja-Cheol Koo beim FC Augsburg sind noch wenige weitere Namen manchen ein Begriff. Wenn man das Ziel hat sich mit den Besten der Besten zu messen, ist der Schritt nach Europa unumgänglich im Fußballgeschäft. Auch der 21-jährige Hee-Chan Hwang von Red Bull Salzburg ist sicherlich ein Spieler mit Perspektive.

Ein Lokalaugenschein

„Fritz Walter-Wetter“ in Seoul, es regnet in Strömen. Der FC Seoul empfängt den Jeju United FC und die wenigen Tausend Zuschauer verlaufen sich in der riesigen Arena. Die schlechte Partie erweist sich als sehr zerfahren und es wird weder körperbetont noch technisch stark gespielt. Jedoch taktisch diszipliniert und flink sind sie, die Koreaner. Daraus resultieren wenig Unterbrechungen – es viel wird über außen gespielt – aber es entstehen wenige Torchancen. Zyniker würden behaupten, das Niveau ist ähnlich dem in Österreich. Objektiv betrachtet ist das Beste beim 1:1, dass man bei freier Platzwahl den Sitz wechseln kann, falls man auf den vorderen Rängen des überdachten Stadions einen Tropfen abbekommt. Das Erlebnis jedoch ist einzigartig. Die obligatorische Stadionjause lässt sich identifizieren als Reisbällchen mit Chilipaste und der überbackene Spieß bringt eine Tofu- oder Fischmasse zum Vorschein. Besonders interessant zu beobachten ist auch wie sich die Fangruppen organisieren, da es eine Art Animateur und auch Cheerleader gibt und der Großteil der Besucher Fanartikel tragen.

Der unberechenbare Nachbar

In den politischen Medien viel beobachtet werden die nördlichen Nachbarn, wo die Folgeschäden des Kalten Krieges nicht mehr Rückgängig gemacht werden können. Ein Volk wurde gespalten, ähnlich wie es in Deutschland mit der Bundesrepublik und der DDR der Fall war. Nur ist ein Zusammenschluss noch immer nicht in Sichtweite. Beide Seiten haben kein Interesse, Südkorea kann es sich nicht leisten Nordkorea aufzubauen und Nordkorea kann einen Konflikt trotz des einzigen Verbündeten China nicht gewinnen. Die Metropolregion um Seoul mit 25 Mio. Einwohnern liegt auffallend nahe an der Grenze, nicht Auszudenken welcher Schaden hier angerichtet werden könnte, im Alltag spürt man diese Spannung aber ganz und gar nicht. Die Bewohner sind die Situation mit dem unberechenbaren Nachbarn gewohnt. Deren Propaganda, die auch schon WM Siege verkündet hat, kann belächelt werden.

Wer einmal nach Korea reist kommt an Kimchi, eine Art eingelegter, scharfer Kohl, nicht vorbei. Das koreanische Nationalgericht, welches es immer und überall als Beilage zu finden gibt, ist für den europäischen Magen sicher gewöhnungsbedürftig. Korean Barbecue, bei dem Fleisch in der Tischmitte über Kohlen gegrillt wird und Hotpot bzw. Ramen Nudelsuppen, sind da bei auswärtigen Gourmets sicher beliebter zu genießen.

Bleibt Richard Windbichler nur zu wünschen sich bestmöglich in die Kultur integrieren zu können und dass die einzigen österreichischen Erfolge auf koreanischen Boden nicht 2018 in Pyeongchang in Form von Olympiamedaillen stattfinden.

Die folgenden Bilder stammen von meinen zahlreichen Koreaaufenthalten:

Paul Stelzhammer, www.abseits.at – Fan von Borussia Dortmund und Groundhopper aus Leidenschaft.

Paul Stelzhammer