Was jahrzehntelang undenkbar war, wird ab der kommenden Saison Realität, in der russischen Premier League wird künftig wie in den meisten anderen europäischen Ligen... Ganzjahresmeisterschaft: Russland passt sich den europäischen Topligen an

Was jahrzehntelang undenkbar war, wird ab der kommenden Saison Realität, in der russischen Premier League wird künftig wie in den meisten anderen europäischen Ligen nicht mehr nach dem Kalenderjahr gespielt, sondern Meister und Absteiger im Zuge einer Ganzjahresmeisterschaft ermittelt. Einen entscheidenden Schub für diese Umstellung des Spielbetriebs war der Zuschlag für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im Jahres 2018 an Russland, im Zuge derer zahlreiche moderne Arenen errichtet werden, die es nun ermöglichen sollen, auch bei tiefwinterlichen Verhältnissen dem Fußballsport zu frönen.

Russland setzt auf neue Stadien

In den letzten zehn Jahren konnte sich der russische Fußball auch dank millionschwerer Investitionen immer weiter der europäischen Spitze annähren, so dass es durchaus schlüssig ist, nun auch den Spielplan an ebendiese anzugleichen, um etwa künftig die Haupttransferzeit im Sommer abhalten zu können.

Dennoch bleibt Russland ein Land, das großteils durch stark kontinentales Klima geprägt ist, was klirrend kalte Winter und heiße Sommer bedeutet. Mit der Infrastruktur von vor zehn Jahren wäre es somit nur sehr schwer möglich gewesen, bereits Anfang März bzw. noch Ende November einen geregelten Spielbetrieb abzuhalten. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurden zahlreiche neue Stadionprojekte ins Leben gerufen, die Teils natürlich in starkem Konnex mit der Weltmeisterschaft 2018 stehen.

So erhält etwa Rubin Kazan eine moderne Arena für 45.000 Zuschauer und wird nach Bezug dieser in der Europa League wohl nicht mehr nach Moskau ausweichen müssen, wie dies im Februar des Vorjahres der Fall war. Zenit St. Petersburg wird künftig statt im alles andere als modernen Petrowski-Stadion in der Gazprom-Arena spielen und auch in Moskau, Nizhni Nowgorod, Jaroslawl, Königsberg, Samara, Wolgograd, Saransk, Krasnodar, Rostow und Sotchi werden neue Stadien errichtet.

Nach 44 Runden steht der neue Meister fest

Um die Meisterschaft auf das neue Format umzustellen, bedarf es eines Zwischenschritts, um nicht den Spielbetrieb von Herbst 2011 bis Sommer 2012 einstellen zu müssen. Aus diesem Grunde umfasst die aktuelle Saison rund 44 Spieltage mit Beginn im März 2011 und Ende im Mai 2012. Nach einem Grunddurchgang von 30 Spielen, der bisher die gesamte Saison darstellte, wurden die sechzehn Mannschaften in zwei Gruppen zu je acht Teams eingeteilt, in denen Meister und Europacupplätze sowie die Absteiger ausgespielt werden.

Beide Gruppen umfassen 14 Spieltage, wobei die beiden ersten noch Ende November ausgetragen werden, ehe mit dem 33. Spieltag Anfang März 2012 fortgesetzt wird.

Nach dem Ende des Grunddurchgangs stellen sich die Tabellen wie folgt dar:

Meisterschaftsgruppe:

Rang

Verein

Punkte

Europacup

1Zenit St. Petersburg61Champions League Gruppenphase
2CSKA Moskau59Champions League Qualifikation (Q3)
3Dynamo Moskau55Europa League Playoff (Q4)
4Spartak Moskau:53Europa League Qualifikation (Q3)
5Lokomotive Moskau53Europa League Qualifikation (Q2)
6Kuban Krasnodar49 
7Rubin Kazan49 
8Anzhi Machachkala48 

Abstiegsgruppe:

Rang

Verein

Punkte

Abstieg

1FK Krasnodar38
2FK Rostov32 
3Terek Grozny31 
4Wolga Nischni Nowgorod28 
5Amkar Perm27Relegations-Playoff
6Krylia Sowjetov Samara27Relegations-Playoff
7Spartak Nalchik24Direktabstieg
8Tom Tomsk20Direktabstieg

Im Gegensatz zu anderen Meisterschaften, wie etwa der belgischen Jupiler League mit ihrem durchaus komplexen Playoff-System, kommt es somit nach der Einteilung in die Gruppen zu keiner Reduktion der bisher erspielten Punkte, z.B. in Form einer Halbierung. Während der Spielplan der Meisterschaftsgruppe manuell ausgelost wurde, wurde jener der Abstiegsgruppe per Computerverfahren bestimmt.

Auch der Unterbau wird angepasst

Da es wenig Sinn machen würde, nur die oberste Liga umzustellen, wird ab kommender Saison auch in der zweiten Liga, der National League, nach dem Ganzjahresprinzip gespielt. Der Modus ist hier jenem der Premier League sehr ähnlich, nach 38 Spieltagen wurden die zwanzig Mannschaften in eine Gruppe mit acht Teams, die sich die Aufstiegsplätze ausspielen und eine mit elf, die gegen den Abstieg kämpfen, eingeteilt. Da der Club aus der Olympiastadt von 2014, Zhemchuzhina-Sochi, im August den Spielbetrieb einstellte, geht die Saison mit einer ungeraden Anzahl an Mannschaften zu Ende.

Während es dank der massiven Investition in die Infrastruktur in der Premier League kaum Probleme bei der Umstellung geben sollte, bleibt abzuwarten, wie dies in den unteren Ligen aussieht, vor allem wenn wieder einmal die für Russland so charakteristischen langen und strengen Winter ins Land ziehen.

Die Kalendermeisterschaft, ein Auslaufmodell?

Würde man in Österreich, wie fast nach jedem Wintereinbruch von so manchen Trainern und Journalisten gefordert, auf eine Kalendermeisterschaft umstellen, läge man somit alles andere als im europäischen Trend, denn auch in Schweden wird beispielsweise darüber nachgedacht, eine Änderung durchzuführen, um dem Versinken des Clubfußballs in der internationalen Bedeutungslosigkeit gegenzusteuern.

OoK_PS, abseits.at

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