Viele träumen vom Profisport, nur für wenige wird er Realität. Nachfolgende Auswahl wollte ihr Hobby zum Beruf machen und scheiterte. Alle folgenden Herren können... G’schichterln ums runde Leder (4) – Leider nein: Die Fußballkarrieren dieser Herren blieben im Konjunktiv

Viele träumen vom Profisport, nur für wenige wird er Realität. Nachfolgende Auswahl wollte ihr Hobby zum Beruf machen und scheiterte. Alle folgenden Herren können jedoch mit einem mehr als passablem zweiten Standbein aufwarten.  

Existenzialismus zwischen Pfosten

Philosoph Albert Camus hat aus seiner Liebe zum Fußball nie einen Hehl gemacht. „Alles, was ich am Sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Sport“, ist eines der bekanntesten Zitate des Existenzialisten. Das Fußballfieber hatte den an der algerischen Küste geborenen Autor und Philosophen schon als Kind gepackt: Er spielte als Student auf der Position des Torwarts für die Uni-Mannschaft Racing Universitaire d’Algier. In einem Interview, das Camus (natürlich) während eines Matches gab, erzählte er stolz, dass sein Team Racing Club Paris nacheiferte und auch deren Farben trug.

Camus stammte aus einfachen Verhältnissen. Der Legende nach, war das auch der Grund, warum der spätere Schöpfer des Romans „Der Fremde“ „nur“ zwischen den Pfosten stand: Viel herumzulaufen und die teuren Schuhe abzunutzen konnte sich Camus schlicht nicht leisten. Notdürftig flickte seine Großmutter nach jedem Match seine Kickstiefel.

Obwohl er dem Fußball mehr Zeit als seinem Studium der Philosophie widmete, war die Sportkarriere des Franzosen nach nur wenigen Monaten beendet: Eines Tages hing ihm „die Zunge wie einem kabylischen Hund um zwei Uhr mittags aus dem Hals“. Camus musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: Tuberkulose. Nachdem die Krankheit überstanden war, war an eine Fortsetzung des Fußballspielens nicht mehr zu denken. Trotzdem begeisterte er sich weiter für den Sport und sponserte als wohlhabender Nobelpreisträger ein lokales Jugendteam.

Der Stürmer, den sie Acker nannten

Gerhard Schröder hat nie gerne über seine Herkunft gesprochen. Erst als 60-jähriger, gegen Ende seiner Zeit als deutscher Bundeskanzler, erzählte er von seiner Familie. Der SPD-Politiker unter schwierigen Bedingungen auf. Hart formulierte er: „Wir waren die Asozialen.“ Schröder hatte seinen Vater nie kennengelernt. Fritz Schröder war ein halbes Jahr nach der Geburt seines Sohnes an der Ostfront gefallen. Die Mutter heiratete nach dem Krieg wieder und bekam noch drei weitere Kinder. Die siebenköpfige Familie (Schröder hatte auch eine ältere Schwester) lebte an verschiedenen Orten in Westfalen: Mal war ein umgebauter Schafstall ihr Zuhause, dann wieder eine Zwei-Zimmer-Wohnung.

Die Volksschule besuchte Schröder in Talle, einem kleinen Dorf im Kreis Lippe. Beim TuS Talle 1923 durchlief er als Fußballer sämtliche Jugendmannschaften. Mit 18 Jahren spielte der Mittelstürmer in der Ersten. Seine Kollegen riefen ihn „Acker“, weil er so „flink und wendig wie Uwe Seeler war“. Die Schröders wohnten damals direkt neben dem Fußballplatz. Sport bestimmte Gerhards Leben: Als Fußballer erlangte er soziales Prestige. Fest entschlossen, die ökonomischen Verhältnisse, in denen er lebte, zu ändern, absolvierte er neben seiner Lehre als Einzelhandelskaufmann die Abendschule. Ab 1963 war er für die SPD aktiv. Der Angreifer studierte Jus und wurde Anwalt, ehe er ausschließlich auf politischer Ebene aktiv war. Der Kontakt zu seinem Heimatdorf und zum TuS Talle riss aber auch als Kanzler nie ab. Bei seinen seltenen Besuchen konnte man Schröder auch immer wieder auf dem örtlichen Fußballplatz antreffen. Sein Motto: „Wenn ich meine Schuhe anziehe, will ich auch gewinnen.“ Dafür mochte ihn nicht nur seine alten Kumpels in Talle.

Vatikan All Stars

„Tut mir leid. Ich habe jetzt keine Zeit, ich muss Fußball spielen.“, sagt der Mann in Weiß und spielt den Ball zu einem Zwerg, der noch kaum laufen kann. Der Mann hat den Sohn seines Gärtners länger beobachtet ehe ihn die Lust gepackt hat mitzuspielen. Jetzt spielt er dem Kleinen vorsichtig die Kugel zu. Die Anwesenden schmunzeln. Die Würdenträger, die in der Halle auf den weißhaarigen Mann warten, müssen sich gedulden. Sie ahnen nicht, womit sich dieser gerade die Zeit vertreibt.

Castel Gandolfo liegt 24 Kilometer südöstlich von Rom und ist dafür bekannt die Sommerresidenz des Papstes zu beherbergen. Mit Papst Franziskus wohnt heute Argentiniens größter Fußballfan während der heißen Zeit des Jahres dort. Der Herr, der mit dem Knirps unbedingt spielen wollte, hieß aber Karol Wojtyla alias Papst Johannes Paul II.

Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in der Nähe von Krakau geboren. Schon früh musste er lernen, Schicksalsschläge zu verarbeiten. Als er acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Vier Jahre später verlor er seinen älteren Bruder. Der Glaube half dem Buben immer. Auch als er sein Studium während des Weltkrieges und der Besatzung Polens durch Deutschland im Untergrund fortsetzen musste. 1942 trat er ins geheime Priesterseminar ein, mit 26 Jahren wurde er geweiht. Zwei Jahre später beendete er sein Philosophiestudium als Doktor. Doch nur wenige wussten, dass Wojtyla auch ein guter Fußballer war.

Als Junger spielte er als Torwart beim FC Wadowice, seinem Heimatverein, sowie in seiner katholischen Schule. „Lolek“, wie er gerufen wurde, war ein guter Schüler, ein begeisterter Kicker und liebte das Theater. Seine zwei Leidenschaften gab er auch während der schwierigen Jahre des Krieges nicht auf:  Er war in einer Experimentaltheatergruppe aktiv und drückte als Fan KS Cracovia die Daumen. Die Initialzündung für seine sportliche Leidenschaft lieferte Bruder Edmund: Er nahm Klein-Karol eines Nachmittags einfach auf den Fußballplatz mit. Der Kleine musste als Torstange herhalten. Erst als er Talent und Willen zeigte, durfte er aktiv mitmachen. Später als Bischof, Kardinal und Papst musste Karol Wojtyla das Fußballspielen sein lassen. Darum waren solche Zwischenfälle, wie mit dem Sohn des Gärtners, für ihn bedeutsam.

Fast ein Königlicher

Wer 300 Millionen Tonträger verkauft, hat Einiges erreicht. Der 19-jährige Julio Iglesias hätte sich nie träumen lassen als Sänger sein Geld zu verdienen, als er nach einem schweren Verkehrsunfall im Krankenhaus wach wurde. Der Madrilene war am Boden zerstört, denn die behandelten Ärzte machten ihm klar, er müsse seine Karriere als Torhüter aufgeben.

Zwar sagt Iglesias heute selbst, dass er als Spieler immer mehr Mut und Einstellung als Talent gehabt hätte. Wer aber bei den „kleinen“ Galaktischen in der Segunda División spielt, muss schon einiges an Begabung mitbringen. Julio Iglesias, 1943 als Sohn eines bekannten Gynäkologen geboren, liebt den Fußball wie alle Spanier. Das „weiße Ballet“ war immer seine Mannschaft. Julio kickte anfangs als Feldspieler und träumte davon spanischer Torschützenkönig zu werden. Für ihn grenzte es an Wahnsinn, als er schließlich in die Jugend von Real wechselte. Als er älter wurde, erkannte er jedoch, dass er es als Stürmer nie zum Profi schaffen würde. Der spätere Sänger besann sich auf seine Fähigkeiten auf der Linie und wechselte zwischen die Pfosten. Tatsächlich schaffte er es bis in die zweite Mannschaft. Sein Schicksalstag war jedoch der 22. September 1962: Einen Tag vor seinem 19. Geburtstag zechte Julio mit Freunden eine Nacht durch. Die Quittung kam in Form eines Autounfalls. Bis heute ist nicht geklärt, wer Schuld an der Tragödie trägt. Fakt ist, dass Iglesias untere Wirbelsäule derart geschädigt war, dass zunächst unklar war, ob er je wieder gehen werden können. Iglesias kämpfte sich zurück, doch die Karriere als Fußballer war vorbei.

Marie Samstag