In diesem Teil der Reihe beschäftigen wir uns mit Kawasaki Frontale. Der Verein ist erst seit 2005 ein fester Bestandteil der J. League, spielt... Kawasaki Frontale – Die Delfine aus Kanagawa (2)

Fußball in JapanIn diesem Teil der Reihe beschäftigen wir uns mit Kawasaki Frontale. Der Verein ist erst seit 2005 ein fester Bestandteil der J. League, spielt jedoch seitdem meistens um die oberen Plätze mit. Wie immer widmen wir uns im ersten Teil der Geschichte und den Besonderheiten um den Leserinnen und Lesern ein Gefühl dafür zu geben, welche Rolle dieser Verein in der japanischen Fußballwelt spielt. Im zweiten Teil gehen wir dann auf den Kader und das Spielsystem ein. Hierbei legen wir besonders Wert darauf Talente zu erwähnen, die möglicherweise in den nächsten Jahren nach Europa wechseln könnten.

Spielsystem

Kawasaki Frontale läuft in dieser Saison meist in einem 4-2-3-1 auf, wobei oft der 10er als hängende Spitze, oder sogar als zweiter Stürmer agiert. In den Spielen, in denen ein defensiverer 10er aufgestellt wird, spielen die Flankenspieler meist eine etwas höhere Position, wodurch man auf den ersten Blick beinahe ein 4-3-3 erkennen kann.

Torwart

Im Tor von Kawasaki ist eigentlich Yohei Nishibe gesetzt. Der 33-Jährige spielt seit 2012 für Frontale und ist ein solider Rückhalt, der jedoch immer wieder durch kleinere Verletzungen ausfällt. Davon profitiert hauptsächlich Rikihiro Sugiyama. Der 27-Jährige wurde 2006 aus der eigenen Jugend hochgezogen, schaffte es jedoch nie über den Posten als Nummer 2 hinaus. Als Nummer 3 fungiert der talentierte 24-jährige Shunsuke Ando. Auch er entstammt der eigenen Jugendschmiede und konnte 2013 beim Absteiger Shonan Bellmare mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen. Allerdings sollte er in den nächsten Jahren den nächsten Schritt machen und versuchen Spielpraxis zu bekommen. Als Nummer 4 steht auch noch der ein Jahr ältere Shota Arai im Kader. Er kann jedoch noch keinen einzigen Profieinsatz vorweisen und ist auch derzeit nur Ergänzungsspieler.

Innenverteidigung

In der Innenverteidigung ist in dieser Saison der Brasilianer Jeci gesetzt. Während der 34-Jährige in den letzten Jahren noch oft um seinen Platz kämpfen musste, ist er dieses Jahr kaum aus der Startelf wegzudenken. In seiner dritten Saison in Japan scheint er sich nun vollständig eingelebt zu haben und ist durch seine Zweikampfstärke und sein Stellungsspiel ein wichtiger Teil dieser Mannschaft. Die Position neben ihm nimmt etatmäßig der 31-jährige Yusuke Igawa ein. Er kam 2006 von Gamba Osaka und ist seitdem eine feste Größe in der Innenverteidigung. Laut manchen Experten hätte er durch seine Defensivqualitäten durchaus das Zeug zu einer größeren Karriere gehabt, allerdings scheiterte er immer wieder an diversen Verletzungen. So kam auch in dieser Saison sein größter Konkurrent Sota Nakazawa auf einige Einsätze. Der großgewachsene Innenverteidiger kam 2013 von Gamba Osaka und sollte, nachdem er dort jahrelang Stammspieler war, ein fester Bestandteil der Mannschaft sein. Allerdings hatte er bei seiner Ankunft in Kawasaki mit den Nachwehen eines Wadenbeinbruches zu kämpfen, was ihm bei seinem Trainer einen schweren Stand einbrachte. Leistungstechnisch sind derzeit sowohl Igawa, als auch der nur vier Tage jüngere Nakazawa, auf einem ähnlichen Niveau, wobei Igawa durch seine Abgeklärtheit und Ruhe wahrscheinlich leicht die Nase vorne hat. Als vierter Innenverteidiger steht außerdem noch der 25-jährige Yuki Saneto im Kader. Er galt in seiner Jugend als großes Talent und hatte eigentlich auch schon den Sprung in den Profifußball geschafft, als er gegen Ende der letzten Saison einen großen Leistungseinbruch erlitt und seitdem nur noch als Ergänzungsspieler in Erscheinung tritt. Technisch ist er allerdings im Vergleich zu seinen Konkurrenten besser, weswegen er in der Vergangenheit auch ein paar Mal als Außenverteidiger agierte.

Außenverteidiger

Auf der rechten Seite ist der 28-jährige Yusuke Tanaka gesetzt. Er kam 2011 von den Yokohama F. Marinos, wo er auf diversen Positionen (rechts, links und Innenverteidigung, rechtes und linkes Mittelfeld) eingesetzt wurde. Bei Kawasaki spielte er fast ausschließlich auf der rechten Seite, wo er sich durch seine gute Balance beim Offensiv- und Defensivspiel einen Namen machte. Ein weiterer Spieler für seine Position ist der gleichaltrige Yuto Takeoka. Er stand 2011 schon kurz vor dem verletzungsbedingten Karriereende, kämpfte sich jedoch gut zurück und spielt dieses Jahr zum ersten Mal in der ersten Liga. Allerdings hatte er bisher noch Anpassungsprobleme, wodurch er nur als Ergänzungsspieler fungierte.

Auf der gegenüberliegenden Seite kam in dieser Saison bisher Kyohei Noborizato auf die meisten Spielanteile. Der 23-Jährige begann seine Karriere auf den Flügeln beziehungsweise auf der 10, wobei er mit 1,68 und einer wuseligen, trickreichen Spielweise auch perfekt für diese Positionen geeignet ist. Allerdings war er für diese Aufgaben viel zu ineffizient, und zeigte zeitgleich ein gutes Zweikampfverhalten, weswegen er in dieser Saison hauptsächlich als Außenverteidiger eingesetzt wird. Trotzdem ist seiner Spielweise noch anzumerken, dass seine Stärken klar in der Offensive liegen. Als einer der Backups für ihn, aber auch für die gegenüberliegende Seite, fungiert der 28-jährige Takanobu Komiyama. Er war bis vor ein paar Jahren eigentlich Stammspieler, wurde dann aber durch diverse Verletzungen zum Backup degradiert. Er ist für diese Aufgabe perfekt geeignet, da er beidfüßig ist und somit auf beiden Außenverteidigerpositionen einspringen kann. Weitere Talente für die linke Außenverteidigung, die jedoch kaum Einsätze bekommen, sind Kyotaro Yamakoshi (23) und Akito Fukumori (21). Besonders Letztgenanntem wurde in dieser Saison der Durchbruch zugetraut, doch dieser wurde durch die starken Leistungen von Shogo Taniguchi verhindert. Der 23-Jährige spielte in den Jugendnationalmannschaften kaum eine Rolle und bekam in der letzten Saison keinen einzigen Einsatz. In dieser Saison jedoch überzeugte er durch seine Flexibilität und sein taktisches Verhalten. Er half zuerst als Außenverteidiger aus, dann in der Innenverteidigung und spielte sich nun in den letzten Wochen auf seiner angestammten Position als Sechser fest.

Zentrales Mittelfeld

Das zentrale Mittelfeld ist einer der Hauptgründe für den beeindruckenden Offensivfußball Kawasakis. Denn im Laufe der Saison entwickelte sich aus dem System mit einer 6 und einer 8 eher eine Doppel-8 aus zwei Spielstarken, passsicheren Spielmachern, die beide ihre Stärken in der Offensive haben. So kommen im Zentrum Nakamura und Oshima auf die meisten Einsatzzeiten. Einer der beiden ist die Vereinslegende Kengo Nakamura. Der 33-Jährige ist Kawasakis Kapitän und war lange Zeit auch im Nationalteam eine feste Größe. Seine größten Stärken sind seine Übersicht und sein präzises Passspiel, durch das er oft mit langen Lochpässen seine Mitspieler in Szene setzt. Sein Pendant, Ryota Oshima, ist erst 21 Jahre alt und soll in Zukunft Nakamuras Nachfolger werden. Er hat einen sehr ähnlichen Spielstil und gilt als großes Talent. Da beide besonders mit ihrem Spielverständnis glänzen ist es auch selten ein Problem, dass beide ähnliche Spielertypen sind.

Sollte jedoch einmal ein defensiveres Spielsystem gebraucht werden, stehen im Kader mehrere Alternativen bereit. Einer dieser Kandidaten ist der 27-jährige Masaki Yamamoto. Er war letztes Jahr auf der 6 gesetzt, bekam in dieser Saison aufgrund der großen Konkurrenz jedoch kaum Einsätze. Ein Spieler, mit dem er dieses Schicksal teilt, ist der Brasilianer Paulinho. Der 25-Jährige wurde vom Tochigi SC ausgeliehen und gilt als klassischer Abräumer vor der Abwehr. Er geht oft relativ rustikal zu Werke und zeigt auf dem Platz sein Temperament. Einerseits brachte ihm diese Eigenschaft schon diverse Sperren ein, andererseits bekam er durch seinen Einsatz auch schon die Kapitänsbinde übertragen. Ein weiterer Spieler für diese Position ist der 35-jährige Junichi Inamoto. Der Altstar kommt derzeit nur mehr zu Kurzeinsätzen, ist aber durch seine Routine sehr wichtig für das Mannschaftsgefüge. Der ehemalige Europa-Legionär war für Arsenal, Fulham, West Bromwich, Cardiff, Galatasaray, Eintracht Frankfurt und Rennes engagiert und spielte auch bei der Heim-WM 2002 eine wichtige Rolle im Nationalteam. Mit Masataka Kani steht außerdem noch ein weiteres Talent im Kader.

Flankenspieler

Auf der linken Flanke ist der Brasilianer Renato gesetzt. Der 25-Jährige ist seit seinem Wechsel nach Japan Stammspieler und bekannt für sein Zweikampfverhalten, seine Tempodribblings und seinen guten Abschluss. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sein Konkurrent Jun Kanakubo nur wenige Einsätze bekam. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Rollenverteilung weniger klar. Hier ist eigentlich der gelernte Stürmer Yu Kobayashi gesetzt. Der 27-Jähirge ist schnell, technisch gut und hat einen sehr präzisen Schuss. Während er bisher noch wegen seiner Torausbeute eher auf der Flanke eingesetzt wurde, zeigt er in dieser Saison auch hervorragende Scorerqualitäten, weswegen er im Oktober auch erstmals ins Nationalteam einberufen wurde. Er zieht eher selten in die Mitte, sondern passt entweder in die Gefahrenzone, oder schießt direkt aus einem relativ spitzen Winkel.

Wenn Kobayashi im Doppelsturm eingesetzt wird, bekommt Kentaro Moriya das Vertrauen. Der 26-Jähirge ist jedoch eher ein durchschnittlicher Spieler, der viel läuft, aber kein Starspieler ist.

Sturm

In der Sturmspitze ist der Goalgetter Yoshito Okubo gesetzt. Der 32-Jährige, der auch schon für RCD Mallorca und den VfL Wolfsburg spielte, ist bekannt für seine Torjägerqualitäten. Er hat einen ausgeprägten Torriecher und arbeitet auch Defensiv gut mit, um mögliche Bälle zu erobern. So wurde er in der Saison 2013 mit 26 Toren und 2014 mit 18 Toren Torschützenkönig der J. League. Sein Konkurrent Yasuhito Morishima zeigte sich in der zweiten Liga ebenfalls schon sehr treffsicher, schaffte es bisher jedoch nicht aus Okubos Schaffen zu treten. Als weiterer Stürmer, der derzeit jedoch kaum Einsatzchancen hat, steht auch noch der Nordkoreaner Byong-Jun An im Kader.

Fazit

Wie schon in der letzten Saison hatte Kawasaki auch dieses Jahr einen gut besetzten Kader, der lange in der Lage war, um um die Meisterschaft mitzuspielen. Positiv herauszuheben ist die gute Altersverteilung im Kader, da die meisten Spieler derzeit im besten Fußballalter sind. Eher negativ ist die Verletzungsanfälligkeit, die besonders bei den Defensivspielern in den letzten Jahren immer wieder beobachtet werden konnte. Allgemein zeigt Frontale einen sehr ansehnlichen Offensivfußball mit schönen Passstafetten, Tempodribblings und einem Spiel, das auf den Torerfolg ausgerichtet ist.

Wichtige Spieler

Kengo Nakamura, Yoshito Okubo, Yu Kobayashi

Größte Talente

Shogo Taniguchi (23), Kyohei Noborizato (23), Ryota Oshima (21)
Andreas Mejavsek, www.abseits.at

Andreas Mejavsek

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