Kaum jemand kennt ihn, die zweite englische Liga war in seiner Karriere das Höchste der Gefühle – aber dennoch ist der in Liverpool geborene,... Lee Trundle – das verrückte Fußballgenie aus Liverpool

Kaum jemand kennt ihn, die zweite englische Liga war in seiner Karriere das Höchste der Gefühle – aber dennoch ist der in Liverpool geborene, bekennende Everton-Fan Lee Trundle wohl einer der besten englischen Fußballer der Neuzeit. Mit Betonung auf „Fußballer“ – denn Trundle ist kein zweikampfresistenter Eisenfuß, sondern hat eher brasilianisches Kickerblut in sich.

Lee Trundle trägt die Nummer 10, ist 1976 geboren und somit derzeit 35 Jahre alt. So richtig entdeckt wird er aber erst im Alter von 24 Jahren, nachdem er in jüngeren Jahren für die englischen Non-League-Klubs Burscough, Chorley, Stalybridge Celtic, Southport und Bamber Bridge spielt. Erst dann wird der walisische Klub Rhyl auf den interessanten Kicker aufmerksam, der in fünf Jahren im englischen Amateurbereich 70 Tore erzielte und vor allem durch seine für englische Verhältnisse eigenwillige Spielweise auffällt.

Von Rhyl über Wrexham nach Swansea

Wenn Trundle Tore erzielt, dürfen es nicht einfach nur Tore sein. Jeder Treffer muss etwas ganz Besonderes sein und ein Zusammenschnitt der Volltreffer des Stürmers, der auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, sieht aus wie ein Best-Of diverser Weltklassekicker. Trundle kann mit dem Ball alles: Er verfügt über enormen Spielwitz, spielt mit seinen Gegnern Katz und Maus, erzielt tolle Tore aus allen Lagen, weist eine fantastische Schusstechnik auf. Nach 17 Toren in 19 Toren für Rhyl folgte ein Wechsel in die dritte englische Leistungsklasse zu Wrexham. Für die Waliser erzielte er in den nächsten 2 ½ Jahren 27 Tore in 94 Spielen und ebnete sich so den Weg zu seinem späteren Herzensklub, Swansea City.

Ein Opfer des 21.Jahrhunderts

In den nächsten vier Jahren avancierte Trundle zum Starspieler von Swansea, für das er zunächst nur in der dritten und vierten Spielklasse aktiv war. Seine Saisontrefferstatistiken sprachen eine deutliche Sprache: Trundle erzielte 17, 22, 20 und 19 Saisontore – er war für den Leistungsschnitt der Ligen deutlich zu begabt. Und dennoch kam es nie in Frage, dass sich der brillante Fußballer in der Premier League durchsetzen könnte. Teilweise Probleme mit der Fitness, dann wieder Fehler aufgrund seines verspielten Stils, nicht immer zielgerichtetes Spiel. Womöglich wäre Trundle vor 25 Jahren, als man es mit athletischen Anforderungen und der zweckorientierten Systematik des Spiels noch nicht ganz so ernst nahm, einer der weltweit besten Kicker gewesen.

Kurze Rückkehr zu Swansea

Im Alter von 31 Jahren ging es für Trundle in die zweite englische Liga: Für Bristol City spielte er in der Championship, wurde allerdings nach einer erfolglosen ersten Halbsaison der Spielzeit 2008/09 an Leeds United verliehen. Ein weiteres Leihgeschäft ein Jahr später führte Trundle zurück zu „seinem“ Klub Swansea City, bei dem er auch seine Karriere ausklingen lassen will. Swansea verpasste zum Ende der Saison 2009/10 die Playoff-Plätze zur Premier League nur knapp und Trundle kam in 20 Spielen (18 Einwechslungen) zum Einsatz, in denen er fünf Tore erzielte. Danach stiegen beim walisischen Klub jedoch die Ambitionen – der Aufstieg in Englands Top-Liga sollte her und da passte der nunmehr 34-jährige Trundle nicht mehr ins Konzept.

Trundle-Boom bei Neath Athletic

Trotzdem blieb der Ballzauberer in Wales, diesmal jedoch tatsächlich in der walisischen Liga. Er wechselte zu Neath Athletic, das durch ihn einen regelrechten Aufschwung erlebte. In seiner ersten Saison, 2010/11 erzielte der Liverpooler 19 Tore in 33 Spielen und bewies mit zahlreichen Kabinettstückchen, dass er auch für die höchste Spielklasse von Wales eine Nummer zu groß ist – auch noch mit 35 Jahren. In der aktuellen Saison liegt Neath auf dem vierten Platz der Tabelle, spielt überraschend oben mit und Trundle steuerte bisher immerhin drei Saisontore zu. Mittlerweile muss „Magic Man Trundle“ allerdings den sich langwierig aufgebauten Problemen in seinen Knien Tribut zollen.

Hier seht ihr eine Compilation der schönsten Szenen des unbekannten Superkickers von der Mersey:

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Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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