Kommenden Samstag  findet im Prager Eden Stadion der tschechische Klassiker statt – Slavia trifft auf Sparta. An diesem Tag spaltet sich die böhmische Millionenmetropole... Prager Derby verspricht Spannung – wiedererstarktes Slavia trifft auf verjüngtes Sparta

Kommenden Samstag  findet im Prager Eden Stadion der tschechische Klassiker statt – Slavia trifft auf Sparta. An diesem Tag spaltet sich die böhmische Millionenmetropole in Rot-Weiß und Weinrot. Kein anderes Spiel in der Tschechischen Republik blickt auf eine so große Tradition zurück, wie das Aufeinandertreffen der beiden ältesten Vereine der Stadt. Der SK Slavia wurde 1892 von sportbegeisterten Studenten gegründet und entwickelte sich daraufhin zum Verein der Prager Elite. Ein Jahr später wurde der Arbeiterverein AC Sparta, damals noch als AC Královské Vinohrady,  ins Leben gerufen.

Die Ausgangslage ist dabei so spannend wie lange nicht mehr. Slavia, das nach seinen beiden Meistertiteln 2008 und 2009 in eine sowohl sportliche, als auch finanzielle Krise geriet, zeigt sich zu Beginn dieser Saison stark formverbessert. Nach den letzten beiden Spielzeiten, die Slavia nur auf einem neunten und einem zwölften Rang  beendete, startete das Team aus Vršovice mit nur einer Niederlage aus acht Partien in die neue Saison und findet sich somit auf dem siebten Tabellenplatz wieder – Tendenz steigend. Der Kader der Rot-Weißen besteht größtenteils aus jungen, einheimischen Talenten, wie z.B. Ondřej Petrák und Milan Nitrianský. Komplettiert wird das Team durch die routinierten Führungsspieler  Lukaš Jarolím, Karol Kisel und den Publikumsliebling Martin Latka.

Weiterhin ist bei Slavia zu erkennen, dass endlich die Negativstimmung und Skepsis der letzten Jahre verschwunden ist. Der Höhepunkt war im letzten Herbst erreicht, als Slavia die Sparta-Legende František Straka als Trainer verpflichtete. Dieser war sowohl Spieler, als auch Trainer beim Stadtrivalen. In früheren Interviews betonte Straka immer wieder, er trage nur einen Klub im Herzen. Seine Verpflichtung war demnach ein Schlag ins Gesicht eines jeden Slavia- und auch eines jeden Sparta-Anhängers. Lautstarke Unmutsbekundungen begleiteten jedes Spiel der Rot-Weißen (z.B. „Straka raus!“ oder „Straka hau ab nach Sparta!“) und führten nach wenigen Monaten, gemeinsam mit dem nicht enden wollenden Misserfolg,  folglich dazu, dass Straka seinen Vertrag auflöste und diese lächerliche Farce für alle Beteiligten ein Ende fand. Zu Beginn dieser Saison übernahm nun der ehemalige tschechische Nationaltrainer Petr Rada das Traineramt bei Slavia und seitdem zeigt sich die Mannschaft stabiler und gefestigter als in den beiden Spielzeiten zuvor.

Eine weitere interessante Personalie auf Seiten Slavias ist Martin Juhár. Der slowakische Außenverteidiger kam im Sommer direkt vom anderen Moldauufer und wird gegen seine alten Kollegen topmotiviert sein. Bei Sparta bekam er letzte Saison wenige Einsatzzeiten, da sich das Team nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren konnte. In der zweiten Saisonhälfte wurde er gar ins zweitklassige B-Team versetzt.  Zu Saisonbeginn zeigte er bereits starke Leistungen im rot-weißen Dress und hat sich somit schon Sympathien bei den Slavia-Fans erspielt.

Bei Sparta hängt, trotz des Erreichens der Europa-League-Gruppenphase nach einem fulminanten Auftritt gegen Feyenoord Rotterdam, der Haussegen derzeit schief. Nur ein Titel in den letzten fünf Meisterschaften und das verlorene Pokalendspiel der letzten Saison entsprechen nicht dem Bild, der sonst so erfolgsverwöhnten Anhänger. Auf einen guten Saisonstark und starke internationale Partien, folgten zuletzt zwei Niederlagen und ein Abrutschen auf Tabellenplatz 3. Die erste Niederlage beim FC Viktoria Plzeň war zwar eher unglücklich, da sie aus einem unberechtigten Foulelfmeter resultierte (0:1), doch die zweite zuhause gegen Sigma Olomouc zeigte schon deutlich die Schwächen des Teams auf (1:2), das nicht in der Lage war vor heimischer Kulisse eine 1:0-Führung zu verteidigen (doppelter Torschütze für Sigma war, der in Österreich bekannte, Michal Ordoš, ehemals Kapfenberg). Zudem blieben zahlreiche hochkarätige Chancen in den letzten Spielen ungenutzt. Es scheint so, als ob Sparta der Doppelbelastung nicht standhalten kann, obwohl der Kader groß und stark genug scheint. Dieser besteht neben dem Publikumsliebling Leonard Kweuke, dem Mittelfeldregisseur Marek Matějovský und dem Routinier Jiří Jarošík  aus vielen jungen Talenten der Chovanec-Ära. Davon zu nennen sind Tomáš Přikryl , Josef Hušbauer und das Megatalent Václav Kadlec.  Unmut macht sich folglich breit im Lager der Sparta Fans, die Woche für Woche ihr Verlangen nach einem Titel laut skandieren und ihre Mannschaft, während des Auswärtsspiel beim verhassten Stadtrivalen, sicher zahlreich unterstützen werden.

Prag freut sich demnach schon auf dieses, für beide Teams, richtungsweisende Derby, das zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder auf Augenhöhe stattfinden wird. Slavia könnte mit einem Sieg bis auf Platz fünf vorrutschen und somit Anschluss an die internationalen Plätze halten. Da Spartas Saisonziel Meistertitel lautet, sind die Weinroten vom Letná quasi schon zum Siegen verdammt, um den Negativtrend zu beenden und den Anschluss an Viktoria Plzeň und den FK Jablonec nicht zu verlieren.

Max Teubner,abseits.at

Max Teubner