Am späten Donnerstagabend knallten in Pilsen die Korken und ein gigantisches Feuerwerk erhellte den Himmel über der Doosan Arena. Grund dafür war weniger der... „Viktoria“ steht für Sieg: Erfolgself aus Pilsen strebt nach Höherem!

Am späten Donnerstagabend knallten in Pilsen die Korken und ein gigantisches Feuerwerk erhellte den Himmel über der Doosan Arena. Grund dafür war weniger der 49. Geburtstag von Erfolgstrainer Pavel Vrba, als vielmehr der 1:0-Sieg gegen den Vorjahressieger der Europa League und momentanen Tabellenzweiten der Premera Division, Atlético Madrid.

Mit diesem Erfolg stehen die „Plzeňáci“ nun schon zum zweiten Mal in Folge in der K.O.-Runde der Europa League und sind das erste tschechische Team seit zwölf Jahren, dem es gelingt zweimal hintereinander in Europa zu überwintern. Demnach ist es an der Zeit, sich einmal genauer mit dieser Mannschaft zu befassen.

Die Hintergründe

Der FC Viktoria Pilsen, der 1922 als SK Viktoria Pilsen gegründet wurde, fristete lange Zeit seines Bestehens ein Dasein als sogenannte Fahrstuhlmannschaft. Der größte Erfolg für lange Zeit blieb der Titel im tschechischen Fußballpokal 1971 nach einem Sieg im Finale gegen Sparta Prag. Das darauffolgende Finale im tschechoslowakischen Fußballpokal ging zwar gegen Spartak Trnava verloren, dennoch konnte man sich damit für den UEFA-Pokal qualifizieren, in dem man jedoch gegen Bayern München den Kürzeren zog.

Der große Umschwung sollte im Jahr 2010 erfolgen. Nachdem der Unternehmer Tomáš Paclík die Geschicke des Vereins in die Hand nahm, konnte man Ende der Saison 2009/2010 wieder einmal den tschechischen Pokal in die Luft stemmen. Damit verbunden war eine weitere Teilnahme an den Play-Offs zur Europa League. Zu dieser Zeit war jedoch Besiktas Istanbul noch eine Nummer zu groß für die Westböhmen. Im  Jahr darauf errang Viktoria, pünktlich zum 100-jährigen Bestehen, erstmalig die tschechische Meisterschaft. In der Qualifikation zur Champions League schaltete das Team aus „Štruncovy Sady“ zunächst Pyunik Jerewan, Rosenborg Trondheim und den FC Kopenhagen aus, um in der Champions League Gruppenphase einen beachtlichen dritten Platz zu erreichen (hinter dem FC Barcelona und dem AC Mailand), der verbunden war mit der Teilnahme an der K.O.-Runde der Europa League. Dort schied man nur sehr knapp gegen den FC Schalke 04 aus.

Aufgrund der Doppelbelastung belegte Viktoria Pilsen am Ende der abgelaufenen Saison lediglich Rang drei. Daher musste man sich erneut durch eine, drei Runden umfassende, Qualifikation kämpfen, um schließlich an der Europa League teilnehmen zu dürfen. Ausgeschaltet wurden Metalurgi Rustawi aus Georgien, der polnische Vizemeister Ruch Chorzow, sowie der KSC Lokeren aus Belgien. Letztlich wurde mit dem Erfolg am Donnerstag Platz eins in der Europa League Gruppe B, vor Atletico Madrid, Academica Coimbra und Hapoel Tel-Aviv, gesichert.

Die Mannschaft

Auffallend ist bei einem Blick auf die Mannschaft von Viktoria, dass der Kader fast ausschließlich aus tschechischen und slowakischen Spielern besteht. Der Armenier Malakyan und der Russe Adamov sind lediglich Ergänzungsspieler.

Das Prunkstück Pilsens ist das Mittelfeld. Der bereits 37-jährige Kapitän Pavel Horvath agiert als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz. Alles hört auf sein Kommando, er übernimmt alle Standards und ist auch mit 37 Jahren immer noch absoluter Leistungsträger. Zudem bringt er seine reiche Erfahrung ins Spiel der jungen Mannschaft mit ein, die er beispielsweise bei Slavia und Sparta Prag, sowie im Ausland bei Sporting Lissabon und Galatasaray Istanbul sammeln konnte. Die Mittelfeldachse um ihn herum bilden die beiden tschechischen Nationalspieler Vladimir Darida und Daniel Kolář. Die Abgänge von Petr Jiráček (früher Wolfsburg, jetzt Hamburg), Václav Pilař (Wolfsburg) und Milan Petržela (Augsburg) schmerzten zwar, konnten allerdings durch  nachrückende Talente, wie David Štípek und Martin Zeman, gut aufgefangen werden. Zudem wurde Stürmer Michal Ďuriš zu einem Rechtsaußen umfunktioniert.

Einzige Sturmspitze ist der slowakische Nationalspieler Marek Bakoš, der in den letzten drei Spielzeiten in Tschechien 32 Tore, sowie 12 Tore in Champions- und Europa League erzielte. Schwächen darf sich der Goalgetter allerdings kaum leisten, denn hinter ihm stehen bereits die Youngster Jakub Hora (21) und Matěj Končal (18) in den Startlöchern.

Die Innenverteidigung bei Pilsen bilden Marián Čišovský und Václav Procházka, der in der Wintertransferperiode der letzten Saison aus Mladá Boleslav verpflichtet wurde, da der bis dato langjährige Stammspieler David Bystroň, nach dem Champions League Spiel gegen den AC Mailand, positiv auf Amphetamine getestet wurde. Dies zog eine zweijährige Sperre, sowie eine fristlose Kündigung seitens des Vereins nach sich.

Die Außenverteidigerpositionen sind einer der Erfolgsgaranten. Links spielt der ehemalige Englandlegionär und Nationalspieler David Limberský. Sein Pendent auf der rechten Seite ist František Rajtoral, der als junger Spieler schon Erstligaerfahrung beim 1.FK Příbram und bei Baník Ostrava sammeln konnte. Rajtoral ist zudem auch im Mittelfeld einsetzbar und macht somit hinten rechts Platz für den 23-jährigen Radim Řezník. Langfristig gesehen wird sich diese Variante wohl durchsetzen.

Einzig und allein die Torhüterposition lässt in Pilsen viele Fragen offen. Vier Torhüter in den letzten zwei Spielzeiten zeugen nicht von Konstanz zwischen den Pfosten. Marek Čech verließ zum Sommer Viktoria, um sich Sparta Prag als Nummer zwei anzuschließen. Daher wurde Petr Bolek aus Senica verpflichtet, der allerdings hinter den Erwartungen blieb. Momentan steht der Slowake Matúš Kozáčik, der im Sommer aus Famagusta kam, im Tor der Pilsner und wird voraussichtlich auch die Nummer 1 bleiben.

Mit dieser Truppe ist dem FC Viktoria Pilsen in der Europa League noch einiges zuzutrauen. Auch in der Liga werden sie wohl ein weiteres Mal um die Meisterschaft mitspielen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob man im Sommer die Leistungsträger der diesjährigen Spielzeit halten kann und wie lange Routinier Pavel Horváth noch auf internationalem Niveau spielen kann. Sollte die Entwicklung positiv verlaufen, werden wohl auch weiterhin die Zuschauer in Scharen in die Doosan Arena strömen.

Max Teubner, abseits.at

Max Teubner

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