Sie sind zwar nicht in aller Munde, aber die Statistik und Auswertungen ihrer Tore und Assists sprechen für sie: Spieler wie Wilfried Bony, Sanaharib... Sind jedes Tor und jeder Assist gleich viel wert? Der Versuch einer relativen Scorerwertung am Beispiel Eredivisie

Sie sind zwar nicht in aller Munde, aber die Statistik und Auswertungen ihrer Tore und Assists sprechen für sie: Spieler wie Wilfried Bony, Sanaharib Malki, John Guidetti, Bas Dost oder Leandro Bacuna sind die „echten“ Top-Torjäger der bisherigen Eredivisie-Saison. Und die besten Assistgeber spielen nicht etwa bei Ajax, AZ oder PSV, sondern bei Heracles Almelo, RKC Waalwijk und dem SC Heerenveen.

Torschützenlisten sind halt so eine Sache. Jeder Torschützenkönig lebt eben auch hie und da von einem deppensicheren Assist eines seiner Hinterleute. Und auch die Assistwertung wird nie Sinnbild für tatsächliche Kreativität sein – Eckbälle, erlittene Fouls oder vergebene Torchancen verfälschen auch hier das Bild. Die niederländischen Blogger von 11tegen11 erstellten nun ein System, das nicht nur zählt wie viele Tore oder Assists ein Spieler auf dem Konto hat, sondern auch welche! Es gibt immerhin Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtstoren, Toren zum späten 1:0 und zum zwischenzeitlichen 1:4. Und vor allem macht es einen Unterschied gegen welchen Gegner ein Spieler direkt erfolgreich ist, weshalb die Erfinder des Systems auch zahlreiche Wettquoten auswerteten. So ist etwa Marc Jankos Tripplepack beim 4:0 gegen Abstiegskandidat RKC Waalwijk „weniger wert“ als John Guidettis (Feyenoord Rotterdam) Hattrick gegen den FC Twente vor elf Tagen, der seinem Team einen wichtigen, wie mühsamen 3:2-Sieg bescherte. Klar, drei Tore sind drei Tore – aber ein 3:0-Sieg ist halt auch nicht mehr wert als zwei 1:0-Siege…

Für Art, Ort und Zeitpunkt der Tore werden nun Punkte vergeben. Selbiges gilt für Assists. Als Resultat erhält man hochinteressante „relative“ Torschützen-, Assist- und schließlich auch Scorerwertungen. Übrigens auch mit österreichischer Beteiligung.

Ivorer als relativbester Torschütze der Eredivisie

Der relativ gesehen beste bzw. wertvollste Torschütze der niederländischen Eredivisie ist der Ivorer Wilfried Bony. In Wahrheit liegen noch acht Spieler in der Torschützenliste vor dem 23-Jährigen, aber Bony, der bei neun Saisontoren aus 16 Spielen hält und angesichts diverser Auswechslungen aktuell pro Tor nur 151 Minuten benötigt , holte effektiv die meisten Punkte für sein Team. Er traf beim 1:0-Auswärtssieg gegen De Graafschap, beim 1:1 gegen PSV Eindhoven, sowie beim 1:1 gegen Heerenveen. Beim 2:0 bei Excelsior Rotterdam erzielte er beide Treffer, ebenso wie beim 2:1-Sieg über Utrecht. Sein entscheidendes Tor im Cup gegen ADO Den Haag fließt in diese Statistik nicht mal ein. Der Mann von der Elfenbeinküste ist damit aktuell deutlich der für sein Team wertvollste Angreifer der Eredivisie.

Ein Syrer und ein Schwede auf dem Podest

Doch auch die nächsten sechs Spieler in der Liste der effektiven Torjäger sind von Interesse: Auf Platz 2 liegt Sanaharib Malki, der wie Bony bei neun Saisontoren hält, für eines im Schnitt jedoch nur 115 Minuten benötigt. Der 27-jährige Syrer, der lange in Belgien spielte, hievte den Roda JC in die sichere Tabellenmitte und entschied mit seinen Toren fünf Spiele, einige davon sehr spät. Eine noch eindrucksvollere Torquote hat der Drittplatzierte: John Guidetti, 19 Jahre alt, von Manchester City an Feyenoord Rotterdam verliehen, erzielte in zwölf Spielen elf Tore und hält aktuell einen Torschnitt von 78 Minuten! Der zuvor beschriebene Hattrick gegen den FC Twente war nur eine Partie, in der der junge Schwede sein Team auf die Siegerstraße umleitete.

Absolut Führender ist relativer Vierter

Erst auf dem vierten Platz findet sich der Führende der „absoluten“ Torschützenliste wieder: Heerenveens Bas Dost, in den Niederlanden kein Unbekannter mehr, erzielte in 17 Spielen 14 Tore und wird bereits mit zahlreichen Klubs in England in Verbindung gebracht. Schon als der heute 22-jährige Dost 2009/10 für Heracles Almelo kickte, war klar, dass man sich diesen Namen merken müsse. Dost feierte in der laufenden Saison schon so manches Torfestival, etwa beim 5:0 bei Excelsior Rotterdam, bei dem er alleiniger Torschütze war – doch auch wichtige (womöglich sogar wichtigere) Eröffnungstore waren dabei, wie etwa sein 1:0 beim 5:1-Sieg über AZ Alkmaar. Gleich hinter ihm folgt Leandro Bacuna: Wenn der 20-Jährige für den FC Groningen traf verlor sein Team nur ein einziges Spiel. Unter seinen sechs Saisontoren finden sich etwa der Siegtreffer zum 1:0 über Ajax Amsterdam oder der wichtige Ausgleich zum 1:1 gegen VVV – das Spiel endete 2:1 für Groningen.

Janko relativ Siebter

Auf Platz 6 steht derzeit Jerson Cabral, niederländischer U21-Teamspieler in Diensten von Feyenoord Rotterdam. Seine fünf Tore waren so wichtig, dass er in der relativen Wertung sogar vor Marc Janko liegt, der den siebten Platz einnimmt und doppelt so viele Tore erzielte wie Cabral. Auf den weiteren Plätzen folgen Ola Toivonen (PSV Eindhoven), Rasmus Elm (AZ Alkmaar), David Teixeira (Groningen) und Willie Overtoom (Heracles Almelo).

Gesamtpaket Overtoom nur von Bony besiegt

Apropos Willi Overtoom: Der 25-jährige Mittelfeldspieler vom Tabellenzwölften aus Almelo liegt auch in der Wertung der relativ wertvollsten Assists auf Platz 8 und ist damit, Tore und Assists zusammengerechnet, hinter Bony der „zweitwertvollste“ Kicker der Eredivisie. Hinter den beiden Topleuten folgen der serbische Mittelfeldspieler Dusan Tadic vom FC Groningen, der 21-jährige Luciano Narsingh vom SC Heerenveen und der Schwede John Guidetti.

Narsingh praktisch bester Assistgeber – theoretisch ist’s Vejinovic

Eben erwähnter Narsingh ist übrigens der beste Assistgeber der Eredivisie und bereitete schon zehn Tore vor, womit er sich ins niederländische U21-Team spielte. Trotzdem liegt er in der Liste der wertvollsten Assistgeber nur auf dem dritten Platz. Zweiter ist der routinierte RKC-Waalwijk-Akteur Robert Braber, der erst fünf Tore – dafür aber sehr wichtige – vorbereitete. Der Führende der relativen Assistwertung bereitete sechs Treffer vor und heißt Marko Vejinovic. Der 21-Jährige spielt derzeit für Heracles Almelo und bereitete etwa Duartes 1:1 gegen den FC Twente in der Schlussminute vor.

System weiterdenken

Besonders auffällig ist nicht nur, dass die meisten „Effizienzkönige“ in unseren Landen sehr unbekannt sind, sondern auch, dass sie durch die Bank sehr jung sind. Womöglich ist diese Liste auch ein kleiner Indikator dafür, dass besonders junge Spieler wie Vejinovic, Narsingh oder Dost, oder aber Legionäre wie Bony, Malki oder Guidetti  in entscheidenden Situationen mehr Biss haben und unbedingt Entscheidungen herbeiführen wollen. Was an einer derartigen Liste aber komplett fehlt, sind die Mitverursacher der vielen Tore und Assists. Seien es fehleranfällige Abwehrspieler, der Assistgeber für den Assistgeber, oder das eigene defensive Mittelfeld, das im richtigen Moment den richtigen Schritt hinaus machte. Die niederländischen Kollegen gaben mit dieser Auswertung einen sehr interessanten Denkanstoß, den es jetzt jedoch weiterzudenken gilt. Fände man ein System, wie man in relative Leistungsauswertungen nicht nur den effektiv erfolgreichen Spieler, sondern auch Einflüsse in seiner direkten räumlichen und taktischen Umgebung einfließen lassen kann, könnte man eine derartige Liste noch repräsentativer gestalten. Abseits.at wird darüber nachdenken und freut sich über Anregungen oder Ideen von Lesern! 🙂

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen