Der dritte große Favorit und mit bekannten Namen gespickte Verein in Russland ist – neben Anzhi Makhachkala und Zenit St. Petersburg – der Traditionsverein... Slutskiys Jungs: Das sind die Vorzüge von ZSKA Moskau!

Der dritte große Favorit und mit bekannten Namen gespickte Verein in Russland ist – neben Anzhi Makhachkala und Zenit St. Petersburg – der Traditionsverein ZSKA Moskau. Nicht nur, dass sie namhafte Spieler besitzen und einen interessanten Fußball spielen lassen, auch ihr Trainer könnte in den nächsten Jahren ein bekannter Name im Fußballgeschäft werden. Aktuell dürfte er hierzulande unbekannt sein, weswegen ein kurzer Blick auf seinen Werdegang interessant ist.

Leonid Viktorovich Slutskiy

Im Dezember 2009 erreichte ZSKA Moskau zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die KO-Phase der UEFA Champions League. Der Trainer hieß Leonid Slutskiy und war erst seit zwei Monaten für die Mannschaft verantwortlich, welche dann knapp gegen den späteren Sieger Inter Mailand ausschied. Zwei Jahre später sollten sie gegen jene Italiener gewinnen und abermals in die Runde der letzten 16 Vereine einziehen, auch da war Slutskiy der sportliche Verantwortliche – und er ist es bis heute.

Seine Karriere als Spieler endete mit 19 Jahren, als er von einem Baum fiel, wo er die Katze eines Nachbarn herunterholen wollte. Die Torhüterkarriere war dank „Fluffy“ beendet, zehn Jahre später fand er sich als Coach in den Niederungen des halbprofessionellen Fußballs Russlands wieder, von wo er sich nach oben arbeitete. Mit dem FC Moskau trainierte er dann in der ersten Liga, in seiner letzten Saison führte er den Verein ins Pokalfinale und auf den vierten Platz, welcher die höchste Platzierung in der Vereinsgeschichte darstellte. Slutskiy wechselte danach zu Krylia Sovetov, mit dem FC Moskau ging es danach bergab und heute existiert der Verein gar nicht mehr.

Zwei Saisonen später wurde er Coach bei ZSKA Moskau und gewann bis heute mehr als die Hälfte seiner Spiele. Bislang wurde man Zweiter und Dritter, dieses Jahr könnte der erste Platz folgen. Aktuell spielt ZSKA mit einem 4-2-3-1-System, praktizierte aber schon öfters ein 4-4-2 und gar ein 4-1-3-2. Slutskiy ist hierbei anpassungsfähig, bei Krylia formierte sich seine Mannschaft zumeist im 4-1-4-1, der FC Moskau spielte im 4-4-2. Bislang hatten sie auch nur gegen Zenit St. Petersburg weniger Ballbesitz, ansonsten bewegten sie sich meistens im Bereich von knapp unter 60%, was für die Dominanz dieser Mannschaft gegenüber ihren Gegnern spricht.

Nicht nur Ballbesitz zur Sicherheit, sondern auch sattelfeste Defensive

In sechs von neun Spielen behielt ZSKA eine weiße Weste. Kein Wunder, denn in ihrem Tor steht auch Igor Akinfeev, der vor einigen Jahren noch als kommender Weltklassetorwart galt und aktuell das Tor der russischen Nationalmannschaft hütet. Auch wenn er den riesigen Vorschusslorbeeren noch nicht ganz gerecht wird, so ist er ein Torhüter auf internationalem Niveau und ein sicherer Rückhalt. Er ist mit dem Fuß gut, auf der Linie sehr gut und beim Herauslaufen bockstark, wovon auch die Innenverteidiger profitieren.

Vor ihm spielen zumeist Vasili Beretzuskiy und Sergej Ignashevich. Beide sind erfahrene Spieler, welche sowohl im Zweikampf als auch im Aufbauspiel stark sind. Insbesondere Ignashevich kann man als verkappten Spielgestalter bezeichnen, da er schöne lange Pässe von hinten heraus spielen kann. Vasili Beretzuskiy besitzt die Stärken eher im athletischen Bereich, wie auch sein Bruder und Ersatzspieler Alexei.

Jener Alexei war als Rechtsverteidiger gesetzt, doch wurde vom 22jährigen Mario Fernandes verdrängt. Dieser gilt (trotz hoher Verletzungsanfälligkeit) als großes Talent, ist sehr athletisch, verfügt über gute Fähigkeiten im Kombinationsspiel und ist auch defensiv überaus stark. Für die Zukunft dürfte er wohl ein Spieler sein, den auch die Topklubs Europas ins Auge fassen könnten.

Ein weiterer nomineller Rechtsverteidiger, Kirill Nababkin, streitet sich auf der gegenüberliegenden Außenbahn mit dem jungen Georgy Shennikov um einen Platz in der ersten Elf. Der 21jährige Shennikov ist dynamischer und ausdauernder, während Nababkin in diesen Bereichen keineswegs schwach und in puncto Spielintelligenz und Abgezocktheit dank seiner Erfahrung überlegen ist. Langfristig dürften das Talent von Shennikov sowie seine Richtigfüßigkeit jedoch den Ausschlag zu seinen Gunsten geben.

Das Mittelfeld verspricht hohe spielerische Qualität

Aleksandrs Cauna dürfte der unbekannteste Name sein, doch aktuell scheint er als Stammspieler eingeplant zu sein. Der Lette ist offensiv wie defensiv gut und beackerte das gesamte Spielfeld, kann aber auch für Rasmus Elm absichern. Dieser bildet zumeist den zweiten Part der Doppelsechs und soll mit seiner Technik für eine stabile Ballzirkulation sowie das Einleiten von Angriffen sorgen. Neben seinen hervorragenden Pässen kann er auch sehr gefährliche Freistöße schießen, was den Schweden zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft macht.

Ein zweiter Schwede könnte statt Cauna neben Elm in die Mannschaft rücken, nämlich der robuste Pontus Wernbloom. Zurzeit hat er das Nachsehen aufgrund spielerischer Unterscheide und Caunas guten Leistungen. Mit Pavel Mamaev besitzt ZSKA einen weiteren solchen Spielertypen auf der Bank, der die Position neben Elm bekleiden und diesem den Rücken freihalten kann.

Wichtig ist der Spieler und dessen potenzieller Ersatz davor: Keisuke Honda und Alan Dzagoev. Normalerweise agieren sie beide gleichzeitig, Dzagoev rückt auf links heraus und gibt einen verkappten Spielgestalter, der sich immer wieder torgefährlich mit nach vorne einschaltet. Honda hingegen sucht die Passverbindung zu Elm und soll mit seiner Pass- wie Dribbelstärke die Kollegen neben und vor ihm freispielen. Durch seine hervorragenden Fähigkeiten am Ball kann er gar als hängende Spitze oder als tiefliegender Spielmacher auf der Sechs agieren, wodurch er als Ersatz für Elm bei einer Verletzung des Schweden in Frage kommen würde.

Die Offensivabteilung als Fragezeichen

Dzagoev würde dann auf die Position des nominellen Zehners rutschen, er könnte wiederum von beispielsweise Mark Gonzalez vertreten werden. Dieser agiert zwar breiter als Dzagoev, doch bringt der Chilene am Ball sehr viel mit und kann mit seiner Technik bis zur Grundlinie dribbeln, von wo er dann gute Flanken in den Sechzehner spielt.

Gegenüber ist Zoran Tosic unumstritten Stammspieler. Der Serbe war bereits in der deutschen Bundesliga und sogar bei Manchester United aktiv, beeindruckt durch seine Schnelligkeit und das Durchsetzungsvermögen im Offensivzweikampf. Als rechter Flügelstürmer agiert der Linksfuß invers und kann dadurch gefährlich auf das Tor ziehen. Sein Ersatz ist der sehr junge Oliseh Sekou, der aber noch ein paar Jahre braucht und diese Position ebenfalls anders interpretiert.

Probleme gibt es hauptsächlich ganz vorne. Der talentierte Tomas Necid ist einmal mehr verletzt, er stagniert außerdem und wird sein hohes Potenzial kaum nutzen können. Seydou Doumbia ist ebenfalls verletzt, was dazu führte, dass ZSKA in den letzten Partien enorm viele Chancen brauchte, um ein Tor zu machen. Ahmed Musa ist aktuell Stamm in Ermangelung anderer Optionen. Er ist polyvalent, extrem schnell und wird in einigen Jahren womöglich internationale Klasse darstellen, zurzeit fehlt es noch an der Cleverness und Abgeklärtheit vor dem Tor.

Mit Doumbia steht ein Akteur nach seiner Genesung bereit, der durch seine enorme Athletik und technischen Fähigkeiten an einem guten Tag jeden Torhüter zur Verzweiflung bringen kann.

Sollte der Kern der Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten fit bleiben, verspricht dies einen heißen Tanz um die Meisterschaft.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric