16 Spiele umfasste die U21-Europameisterschaft in Dänemark, die am gestrigen Abend ihren verdienten und erwartungsgemäßen Sieger fand. Spanien besiegte die Schweiz im Finale in... Spanien holt U21-EM-Titel – diese Spieler prägten das Turnier…

16 Spiele umfasste die U21-Europameisterschaft in Dänemark, die am gestrigen Abend ihren verdienten und erwartungsgemäßen Sieger fand. Spanien besiegte die Schweiz im Finale in Aarhus mit 2:0 und holte sich damit zum dritten Mal den begehrten Juniorentitel.

Spanien wirkte von Beginn des Turniers an als vorweggenommener „logischer“ Sieger. Die Elf von Luis Milla zeigte technisch starken Fußball, der von rasanten Tempowechseln bei Ballbesitz lebte, wobei den Spaniern dabei vorallem die große Primera-División-Erfahrung einiger Schlüsselspieler wie Juan Mata oder Javí Martinez zu Gute kam. Nur im ersten Gruppenspiel gegen England hatten die dominanten Spanier Pech, kassierten nach einer technisch starken Partie in der 88.Minute den 1:1-Ausgleich durch den zuletzt von Manchester United an Sunderland verliehenen Danny Welbeck (20). Den Rest der Vorrunde bestritten die Spanier souverän, besiegten Tschechien, das im Gegensatz zu seinen anderen Gruppenspielen nie ein Übergewicht im Mittelfeld erzeugen konnte, mit 2:0 und die überraschend schwachen Ukrainer mit 3:0. Im Halbfinale musste Spanien gegen die giftigen Weißrussen zittern, kam erst nach Verlängerung weiter und war schließlich im wichtigsten Spiel des Turniers das erste Team, das den bis dato souveränen Schweizern eine Niederlage zufügte.

TORSCHÜTZENKÖNIG BEREITS MIT NEUEM VERTRAG

Die beiden dominanten Figuren im spanischen Spiel waren zweifelsfrei Torschützenkönig Adrián López (23, fünf Tore) und der offensive Mittelfeldmotor Thiago Alcantara (20). Adrián erzielte in den letzten beiden Saisonen 16 Pflichtspieltore für Deportivo La Coruña, nachdem er sich in den Jahren zuvor in Leihgeschäften mit Málaga und Alavés mit dem Scoren schwer tat. Bei der U21-EM explodierte der 180cm große Angreifer jedoch, glänzte durch starke Chancenauswertung, agierte immer an der Grenze zum Abseits, bewegte sich jedoch oftmals um Sekundenbruchteile schneller als seine Gegenspieler. Für die kommende Saison wechselt Adrián bereits fix zu Atletico Madrid.

THIAGO ALCANTARA ALS NÄCHSTES BARCA-KÜKEN

Thiago Alcantara vom FC Barcelona wiederum ist ein vorweggenommener Superstar. Dieser Spieler wird in die Fußstapfen von Xavi, Iniesta, Busquets und Co. steigen und den direkten Sprung aus dem „Mini Estadi“ des FC Barcelona B ins große Nou Camp des Champions-League-Siegers schaffen. In den letzten Runden der vergangenen Primera-División-Saison spielte Thiago, der in Italien geboren wurde und neben dem spanischen auch einen brasilianischen Reisepass besitzt, bereits regelmäßig in der ersten Elf von Barcelona, erzielte zwei Tore in „La Liga“ gegen Almería und Real Sociedad. Das Spiel Thiagos lebt einerseits von brillianter individueller Technik, mit der er nicht selten zwei, drei, vier Gegenspieler aussteigen lässt, andererseits aber auch von der nicht minder brillianten Barcelona-Schule und der damit verbundenen, praktisch in die Wiege gelegten Qualität im Kurzpassspiel.

SCHWEIZ – VIEL VERANTWORTUNG IN JUNGEN JAHREN

Die Top-Leistungen der Schweizer waren keine große Überraschung und bestätigten die harte Arbeit auf dem Nachwuchssektor, die unsere Eidgenossen schon seit vielen Jahren auszeichnet. Auch hier taten sich zwei Spieler besonders hervor: Der 19jährige Xherdan Shaqiri, seit zwei Saisonen Stammspieler beim FC Basel, besticht mit einer explosiven Mischung aus Physis und Technik. Der im Kosovo geborene Shaqiri spielte bereits im Alter von 17 Jahren für die erste Elf des FC Basel, bestritt mittlerweile 11 A-Länderspiele und erzielte bereits 13 Pflichtspieltore für seinen Klub – sowohl in der Schweizer Liga als auch in Cup und Champions League. Der zweite Star des Schweizer Teams, Admir Mehmedi (20), wurde in Mazedonien geboren, zeigte mit drei Toren in vier Turnierpartien auf, erzielte in der abgelaufenen Saison 2010/11 zehn Saisontore für den FC Zürich, für den er – wie Shaqiri beim FC Basel – seit dem zarten Alter von 17 Jahren aufläuft. Die Schweiz kann auf diesem Sektor ein Vorbild für den österreichischen Fußball sein. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich diese jungen Spieler auch in Champions League oder A-Nationalteam schnell zurechtfinden, zumal sie in unserem Nachbarland nicht auf der Bank Platz nehmen müssen, bis sie 20 oder 21 Jahre alt sind. Man kann den hungrigen Talenten jedes Landes ruhig etwas mehr zutrauen, wie es die Schweiz mit Shaqiri, Mehmedi aber auch Xhaka oder ein paar Jahre zuvor mit Hochstrasser oder Lustenberger vorzeigten. Nicht nur die Schweiz hat Talente dieser Kragenweite, nur werden sie dort nicht automatisch kleingeredet, sondern ins kalte Wasser geworfen und bekommen das, was 17- bis 20-jährige Talente am allermeisten brauchen: Vertrauen und Spiele!

KAMPFGEIST UND ORGANISATION – ÜBERRASCHUNG BELARUS

Die wohl größte Überraschung des Turniers waren jedoch die Weißrussen, die vor Beginn der EURO von den dänischen und internationalen Medien kleingeredet wurden, dann aber mit Glück ins Halbfinale kamen, die Spanier gehörig ins Wanken brachten und schließlich im Spiel um Platz 3 Tschechien bezwangen. Abwehrchef Yegor Filipenko zeigte sich nach einer durchwachsenen Vorrunde in den Endspielen des Turniers klar verbessert, ebenso wie Solospitze Andrei Varankov von Krivoj Kryvbas Rig (Ukraine), der immerhin BATE-Borisow-Angreifer Maksym Skavysh regelmäßig auf die Bank verbannte, im Semifinale gegen Spanien traf. Die beiden Chefs im Team waren jedoch Torhüter Aleksandr Gutor und „Sechser“ Mikhail Sivakov. Gutor (22) glänzte durchgehend, ist ein instinktiv richtig handelnder Teufelskerl, der sowohl dem Nationalteam als auch seinem Klub BATE Borisow, bei dem er sich erst vor wenigen Monaten durchsetzen konnte, in Zukunft noch viel Freude bereiten wird. Auch Sivakov (23) hat eine blühende Karriere vor sich – der physisch und technisch starke defensive Mittelfeldspieler gehört bereits seit 2008 Cagliari, war zuletzt ein halbes Jahr an Wisla Krakau ausgeliehen, wurde polnischer Meister 2010/11. Egal wo Sivakovs Weg hingeht, sei es wieder Italien, weiterhin Polen oder ein ganz anderes Land: Ab kommender Saison wird der überragende Spieler des weißrussischen Teams „First-Team-Football“ genießen!

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen