Wie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselten Lazar Markovic und Filip Djuricic zu Benfica

Benfica LissabonWie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

In dieser Ausgabe blicken wir auf zwei interessante Transfers von Benfica, die sich zusätzlich zu Nemanja Matic zwei weitere serbische Toptalente gesichert haben.

Lazar Markovic – ein kommender Star?

Zehn Millionen Euro ließ sich Benfica die Dienste von Lazar Markovic kosten, einem erst 19-jährigen serbischen Stürmer, der einen Fünfjahresvertrag bis 2018 unterschrieb. In der serbischen Liga konnte er in dieser Saison in nur 1396 Minuten für Partizan Belgrad ganze 14 Scorerpunkte verbuchen; für einen so jungen Spieler ist dies auch in einer schwächeren Liga ein hervorragender Wert. Bei Benfica könnte er den nächsten Schritt gehen.

Die Portugiesen agieren mit einem hochinteressanten 4-1-3-1-1/4-1-3-2-System, in welchem Markovics Nationalmannschaftskollege Nemanja Matic als herausragender Sechser das Spiel organisiert und seine Vordermänner absichert. Unterstützt wird er dabei von Enzo Perez, einem weiteren unbekannten, aber durchaus hochklassigen Akteur. Benficas Fußball lebt dabei von seiner Kreativität und Dynamik, immer wieder können sie mit der spielstarken Zentrale und viel Bewegung der Offensivspieler für Gefahr sorgen.

Auf dem Flügel agieren aktuell Nicolas Gaitan und Eduardo Salvio; insbesondere Ersterer gilt als kommender Stammspieler bei einem Topklub. Der junge Lazar Markovic könnte womöglich sein Ersatz sein, und ihn entweder schon bei einem Abgang in diesem Sommer ablösen oder im Verlauf der nächsten Jahre in seine Rolle schlüpfen. Gut möglich ist aber auch, dass Markovic für die gegenüberliegende rechte Seite oder gar die Position als hängender Stürmer vorgesehen ist.

Ein Blick auf das Fähigkeitsprofil Markovics zeigt auch, warum. Markovic ist ein sehr athletischer und enorm schneller Spieler, der bevorzugt über links kommt und dabei seine überragenden Fähigkeiten im Dribbling nutzt. Immer wieder kann er dadurch als Rechtsfuß von links in den Zwischenlinienraum kommen, wo er dann den Abschluss sucht oder Lochpässe spielen kann.

Diese Rolle verkörpert allerdings schon Nicolas Gaitan und er dürfte unumstritten sein, solange er den Verein nicht verlässt. Also könnte Markovic mit seiner Dynamik auf der rechten Seite in den Konkurrenzkampf mit Salvio gehen und dort die Rolle als Breitengeber bei einer asymmetrischen Ausrichtung übernehmen. Gleichzeitig könnte er immer wieder diagonal in die Spitze ziehen und hinter die Abwehr kommen, was man mit ausweichenden Bewegungen des Mittelstürmers erreicht, die sowohl für Markovic als auch für Gaitan Räume öffnen könnten.

Alternativ könnte auch der enorm dribbelstarke Linksfuß Gaitan die Seite wechseln und Benfica stellt auf ein System um, in welchem die Flügelstürmer invers agieren und sich stärker auf den Abschluss fokussieren. Aktuell scheint aber die Rolle als diagonaler Außenstürmer für Gaitan dermaßen perfekt, dass diese Veränderung eher unwahrscheinlich scheint. Markovic dürfte also im Zuge der Rotation oder als Rechtsaußen in die Mannschaft rücken – zentral wäre er zwar ebenfalls eine Option, doch für diese Position wurde noch jemand anders geholt.

Filip Djuricic – Serbiens Kakà?

Der 21-jährige Filip Djuricic verzauberte in der vergangenen Saison die niederländische Ehrendivision. Nun wechselte er für sechs Millionen Euro von SC Heerenveen zu Benfica , wo er voraussichtlich auf seiner Idealposition als hängender zentraler Stürmer eingeplant wird. Ob er sich dort durchsetzen kann, bleibt aber abzuwarten.

Djuricic spielt nämlich oftmals inkonstant und manchmal fehlt es ihm an der nötigen Durchschlagskraft. In seiner Heimat galt er vor einiger Zeit als das größte Talent des Landes und wurde mit Kakà verglichen; doch obgleich es in seinen Bewegungsmustern und seinem Spielerprofil gewisse Ähnlichkeit gibt, fehlt es ihm an der Kreativität im Passspiel und der Durchschlagskraft im letzten Spielfelddrittel.

Die Ähnlichkeit zum großen Brasilianer kommt wohl wegen der Schnelligkeit Djuricics zustande, seiner Dribbelstärke und seinem Laufstil. Aber wenn er sich in puncto Effektivität und Durchsetzungsvermögen nicht verbessert, könnte er in den nächsten Jahren auch bei Benfica nur die zweite Geige spielen.

Aktuell scheint allerdings die Möglichkeit gegeben, dass er noch rechtzeitig den nächsten Schritt geht und bei Benfica eine wichtige Rolle spielt. Die Position des hängenden Stürmers wird bei Benfica zumeist von Rodrigo oder Lima übernommen, zwei durchaus starken Spielern, die in der Rollenverteilung des Teams aber eher als Stürmer statt als Mittelfeldspieler zu sehen sind. Djuricic würde hier wohl etwas bessere Fähigkeiten im Pass- und im Kombinationsspiel bringen können und könnte das Spiel stärker mitgestalten. Bislang war Carlos Martins die einzige Alternative für eine solche Umstellung.

Möglich ist aber auch, dass Djuricic ebenfalls über die Flügel kommt und mithilfe seiner Dynamik und seines spielgestalterischen Charakters eine neue Komponente ins Spiel bringt. Wahrscheinlicher erscheint jedoch, dass er wohl eine Alternative zu Enzo Perez darstellen könnte; auch die Kadertiefe war für Benfica in dieser Saison ein Problem, in der Schlussphase der Saison gaben sie drei von drei möglichen Titeln ab, sie wurden jeweils Zweiter. Djuricic könnte bei passender Entwicklung also der Eins-zu-Eins-Ersatz für Perez werden.

Unwahrscheinlich erscheint somit einzig, dass Djuricic als Mittelstürmer spielt, wie es bei der serbischen Nationalmannschaft der Fall ist. Er kann diese Position zwar einnehmen, aber ist hier falsch aufgehoben und kann seine grundlegenden Fähigkeiten nicht ins Spiel bringen. Bei Benfica gibt es mit Oscar Cardozo einen starken Mittelstürmer, dazu kommen mit Lima und Rodrigo zwei weitere Alternativen, wodurch es keine Notwendigkeit gibt, Djuricic weiterhin auf einer suboptimalen Position einzuschulen. Seine Zukunft dürfte also woanders liegen.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric