Die noch junge Saison sorgt beim sechsfachen französischen Meister Girondins Bordeaux für viel Zündstoff. Nach einer Wutrede wurde Trainer Gustavo Poyet entlassen, die Trainersuche... Turbulenter Saisonstart von Bordeaux – Henry lehnt Trainerposten ab

Die noch junge Saison sorgt beim sechsfachen französischen Meister Girondins Bordeaux für viel Zündstoff. Nach einer Wutrede wurde Trainer Gustavo Poyet entlassen, die Trainersuche beginnt nach der Absage von Thierry Henry von Neuem.

Rückspiel der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde im Stade Matmut-Atlantique in Bordeaux. Der sechsfache französische Meister Girondins Bordeaux sichert sich mit einem unspektakulären 2:1-Erfolg gegen den ukrainischen Vertreter Mariupol den Aufstieg ins Play-off. Mit nur knapp 11.000 Zusehern ist das 2015 eröffnete Stadion am Ufer der Garonne eher spärlich gefüllt. Ebenso wartet nur eine Handvoll Journalisten im Pressebereich des Stadions auf den uruguayischen Bordeaux-Coach Gustavo Poyet. Der Trainer betritt den Raum, die Pressekonferenz beginnt. Doch über das Match sollte kaum ein Wort verloren werden. Stattdessen gibt es für den Trainer nur ein Thema: Der Verkauf des Stürmers Gaëtan Laborde.

Stein des Anstoßes: Poyets fünfminütige Wutrede

„Das ist einer meiner schlimmsten Tage bei diesem Klub. Es ist eine Schande gegenüber mir, den Spielern und den Fans“, äußerte Poyet seinen Unmut. Zuvor transferierte Bordeaux den 24-jährigen Mittelstürmer für drei Millionen Euro zu Ligakonkurrent Montpellier – offensichtlich ohne den Trainer in Kenntnis zu setzen. „Ich habe der Führung gesagt, dass wir ihn nicht gehen lassen dürfen, bis wir einen Ersatz verpflichtet haben. Das haben sie nicht gemacht und Laborde trotzdem ziehen gelassen. Ich bin um 11:35 Uhr hier eingetroffen. Laborde war nicht hier. Er war in Montpellier. Niemand hat mir etwas darüber gesagt“, kritisierte der Trainer das Vorgehen des Vereins.

Der Uruguayer kämpfte während seiner Wutrede nicht nur mit seinem Temperament, sondern auch mit der französischen Sprache. Als eine Pressesprecherin des Vereins nach rund zwei Minuten die Konferenz beenden wollte, entgegnete Poyet ungestüm: „Ich höre auf, wann ich will. Nicht, wann du willst.“ Zum Schluss deutete der Trainer schließlich seinen Rücktritt an: „Ich brauche eine Erklärung des Klubs: Vom Besitzer oder dem Präsidenten. Sie werden mir das erklären und wir werden sehen, ob ich weitermache oder nicht. Ob ich zurücktreten werde? Ich weiß es nicht.“

Auf einwöchige Beurlaubung folgt Trainersuche

Der Vorstand von Girondins reagierte bereits am nächsten Tag und stellte Poyet frei –  offiziell vorerst nur für eine Woche. „Er wurde zu jedem Zeitpunkt auf Stand gehalten. Ich bin wirklich überrascht über diese impulsive Reaktion wegen des Weggangs eines Spielers, der schon seit einiger Zeit zu erwarten gewesen ist“, erklärte Bordeaux-Präsident Stephane Martin noch am Donnerstag. Bereits Anfang Juli empörte sich Poyet bereits über das Verhalten des Vereins hinsichtlich des wahrscheinlichen Abgangs von Flügelspieler Malcolm. Mittlerweile gilt eine Trennung als fix, die Suche nach einem neuen Trainer ist (erneut) voll im Gange.

Seit Poyets Freistellung leitet Interimstrainer Eric Bedouet das Training des Meisters von 2009, der Favorit auf den freien Trainerposten war indes bereits schnell gefunden: Thierry Henry, Arsenals Langzeit-Stürmer und zuletzt Belgiens Co-Trainer unter Roberto Martínez, soll mit einem Engagement in Bordeaux spekuliert haben. Zuvor war Henry bereits bei Aston Villa im Gespräch gewesen. Am Wochenende verkündete der Verein jedoch ein vorläufiges Ende der Gespräche mit Henry, mittlerweile berichten verschiedene Medien von einer Absage. Vorrangig sollen Forderungen von Henrys Seite von den zukünftigen amerikanischen Investoren nicht erfüllt worden sein. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt damit erneut, mittlerweile gelten Ex-Leicester-Meistermacher Claudio Ranieri sowie der ehemalige Chelsea-Trainer Antonio Conte als mögliche Kandidaten. Vorübergehend bleibt Bedouet an der Seitenlinie. Nach Resultaten, wie dem 2:1-Erfolg gegen Monaco, ist der 64-Jährige wohl auch einer der Anwärter auf den Job als Cheftrainer.

Auf misslungenen Saisonstart folgt Last-Minute-Sieg

Sportlich gelang Bordeaux nach zwei Liga-Niederlagen, unter anderem im „Derby de la Garonne“ bei Toulouse, gegen Monaco die späte Wende. Erst ein Treffer in der Nachspielzeit durch Francois Kamano sicherte den Erfolg nachdem Minuten zuvor noch ein Elfmeter vergeben wurde.

Vor dem Duell gegen Europa-League-Starter Rennes wartet auf Girondins noch das Rückspiel gegen Gent um den Einzug in die Gruppenphase. Nach einem 0:0 in Belgien müssen die Franzosen vor eigenem Publikum gewinnen, Gent ist aktuell wettbewerbsübergreifend sieben Spiele in Folge ungeschlagen. Nachdem Bordeaux in der letztjährigen Qualifikation bereits in Runde drei gegen Ungarns derzeitigen Meister Videoton das Nachsehen hatte, soll die Gruppenphase kein zweites Mal verpasst werden.

Amerikanische Investoren kurz vor Übernahme

Bereits in den letzten Monaten bahnte sich indes der Verkauf des Vereins an die Amerikanische Investmentgesellschaft General American Capital Partners (GACP) an. Diese soll den sechsfachen Meister zu einem Kaufpreis von 70 Millionen Euro vom französischen Sender M6 übernehmen. GACP-Boss Joseph DaGrosa sicherte in den Verkaufsverhandlungen Investitionen von insgesamt 80 Millionen Euro während der nächsten drei Jahre zu. Damit wäre Girondins Bordeaux nach Olympique Marseille der zweite französische Verein im Besitz von amerikanischen Investoren. Ausständig ist bislang noch die Zustimmung des Stadtrates, diese soll Ende September erfolgen.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich