Das Traumfinale der UEFA U17-Europameisterschaft ist perfekt. Am Mittwoch kämpfen in Ljubljana die Niederlande und Deutschland um den begehrten Nachwuchstitel. Während Deutschland bisher souverän...

Das Traumfinale der UEFA U17-Europameisterschaft ist perfekt. Am Mittwoch kämpfen in Ljubljana die Niederlande und Deutschland um den begehrten Nachwuchstitel. Während Deutschland bisher souverän durchs Turnier marschierte – alle Spiele wurden gewonnen – hatten die orangenen Nachbarn mehr Mühe das Endspiel zu Erreichen. Gegen das Überraschungsteam Georgien musste der Titelverteidiger bis in die Schlussminuten auf die erlösenden Tore warten.

Deutschland – Polen 1:0

 

 

 

 

 

 

Im Gegensatz zum abschließenden Gruppenspiel gegen Frankreich griff DFB-Trainer Stefan Böger im Halbfinale gegen Polen wieder auf seine stärkste Elf zurück. Das heißt auch Said Benkarit lief wieder als Solostürmer im 4-2-3-1 von Beginn an auf. Der BVB-Stürmer entwickelt sich aber während der Endrunde immer mehr zum Sorgenkind. War er bisher mit 18 Toren in 23 Spielen ein absolut zuverlässiger Torjäger, versprüht er in Slowenien kaum Gefahr, wirkt schwerfällig und unkonzentriert. Auch gegen Polen trat der zuvor so hochgelobte Benkarit nur einmal gefährlich in Aktion, als er einen Weitschuss an die Latte setzte. Die DFB-Youngsters hatten mit den Altersgenossen aus dem Nachbarland, wie schon deren Gegner in der Gruppenphase, große Probleme mit deren kompakten Spielweise. Das Zentrum wurde mit Linetty und Rudol dicht gehalten, selbst als die deutschen Außenspieler in die Mitte zogen. So verwundert es kaum, dass das 1:0 nach einer Standardsituation fiel. Nach einem Eckball von Stendera köpfte Kapitän Leon Goretzka in der 34. Minute vom kurzen Pfosten aus ein. Der Mittelfeldspieler vom VfL Bochum ist ein geborener Führungsspieler, trainiert bereits regelmäßig bei den Profis mit und steht auf dem Sprung zu ebendiesen. Der Mittelfeldstratege ist für sein Alter körperlich sehr weit und verfügt trotz seiner schlaksigen Statur über beachtliche technische Fähigkeiten. „Leon ist ein Ausnahmespieler, wie ich ihn in der A-Jugend noch nie hatte“, sagt VfL-Nachwuchstrainer Dariusz Wosz. Auch Sportvorstand Jens Todt schwärmt vom 17-Jährigen: „Er ist ein ziemlich kompletter Spieler, schon sehr reif, sehr cool. Er hat eine hohe Spielintelligenz, ist stark in den Zweikämpfen und auch noch torgefährlich.“ Sein Pendant aufseiten der Polen ist Karol Linetty. Der Sechser, der seine Stiefel für Lech Posen schnürt, vereint Technik und Zweikampfstärke sogar noch etwas besser. Zudem tritt er alle Standards, und das sehr präzise. So hämmerte er zum Beispiel in der 70. Minute einen Freistoß an den Querbalken. Da sieben Minuten später auch ein weiterer Distanzschuss des kleinen Kraftpakets nicht ins Tor ging sondern knapp drüber, blieb der DFB-Nachwuchs auch im vierten Endrundenspiel ohne Gegentor und will diese Serie im Endspiel gegen die Niederlande verteidigen.

Niederlande – Georgien 2:0

 

 

 

 

 

 

Der Finalgegner des deutschen Teams begann gegen Georgien mit einem offensiven 4-2-3-1, das sich im Laufe des Spiels zu einem 4-3-3 formte. Coach Albert Stuivenberg konnte in diesem Halbfinale wieder auf Flügelflitzer Jeroen Lumu von Willem II zurückgreifen. Zudem rotierte Stürmer Rai Vloet wieder in die Startelf. Auch Georgiens Trainer Vasil Maisuradze setzte in seinem 4-2-3-1-System auf einen neuen Mann als Spitze. Dato Dartsimelia, der das Siegtor gegen Island erzielte und Georgien damit ins Halbfinale schoss, lief bei dieser Endrunde erstmals von Beginn an auf. Über die Rollenverteilung war man sich zwar schon im Vorfeld einig, dennoch spielte der Außenseiter aus Georgien gewohnt schnörkellos mit, lief die Niederländer früh im Spielaufbau an. Das Pressing wurde aber nicht mannschaftlich geschlossen ausgeübt. Da die Verteidiger, und phasenweise auch defensiven Mittelfeldspieler, tief standen und sich von den gegnerischen Angreifern zurückdrängen ließen, streckte sich die Formation der Georgier und es ergaben große Räume zwischen den Linien – komplett konträr zum 0:0 gegen Polen. Vor allem Kapitän Nathan Ake, der beim Chelsea FC spielt, profitierte davon enorm. Hatte er mit der kompakten Spielweise der Polen noch Probleme, konnte er in dieser Begegnung das Spiel ohne großen Druck ordnen. Nach einer Viertelstunde änderte sich das Spielgeschehen aber schlagartig. Georgiens Kapitän Tchanturia musste nach einer kuriosen gelb-roten Karte vom Feld. Zunächst foulte er seinen Gegenspieler an der Strafraumgrenze, sah dafür Gelb. Beim anschließenden Freistoß lief der bisher souveräne Abwehrchef zu früh zum Ball, blockten diesen und wurde vorzeitig duschen geschickt. In der Folge zog sich Gorozia in die Innenverteidigung zurück, während Papunashvili dessen Position im defensiven Mittelfeld besetzte. Zudem attackierte Dartsimelia die Innenverteidiger beim Spielaufbau nicht mehr so energisch wie in der Anfangsphase. Dass eine numerische Unterlegenheit des Gegners nicht immer ein Vorteil einhergeht, wurde bereits in einem älteren Artikel erläutert. Die georgischen Spieler zogen ihre Linien weiter zusammen und formten einen kompakten Block in der eigenen Spielfeldhälfte. Damit ergab sich über weite Strecken der Partie ein ähnliches Bild wie schon beim Duell Niederlande gegen Polen. Die Oranjes bauten ihr Spiel zu tief auf, brachte aufgrund der verhaltenen Spielweise der Außenverteidiger keinen Winkel in die Viererkette, wodurch man mit Spielverlagerungen keinen Druck auf die Georgier aufbauen konnte. Spielermacher di Vilhena, der als Star der Mannschaft alle Freiheiten genießt, kam trotz hohen Laufaufwands kaum zur Geltung. So kamen die Niederländer erst zu zwingenden Chancen als die Kräfte der wacker kämpfenden Georgier schwanden – ein Problem, das sie schon in der Gruppenphase Punkte gekostet hat. Zunächst verhinderte Goalie Adamia gegen Vloet und Lumu das 0:1, dann landete ein spektakulärer Seitfallzieher von Ake an der Latte. Niederlandes Nummer acht war es schließlich auch der mit einer Flanke auf Hendrix die Entscheidung herbeiführte. Der aufgerückte Innenverteidiger köpfte eine Minute vor Schluss zum 1:0 ein. Beim anschließenden 2:0 von Haye waren die Georgier schon stehend KO und hatten sich bereits aufgegeben.

Finale (16. Mai): Deutschland – Niederlande (18:00)

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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