2016 nahm die nordirische Fußballnationalmannschaft zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder an einem Großereignis teil. In Erinnerung blieben dabei nicht nur die fanatischen... Ulster Story reloaded – Die Fortsetzung von Nordirlands Erfolgsweg

2016 nahm die nordirische Fußballnationalmannschaft zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder an einem Großereignis teil. In Erinnerung blieben dabei nicht nur die fanatischen Anhänger mit der inoffiziellen EM-Hymne „Will Grigg’s on fire“ oder der sensationelle Gruppensieg in der Qualifikation, sondern auch eine ansprechende Leistung, die den Außenseiter bis ins Achtelfinale führte. Rund ein Jahr danach befindet sich die Auswahl von der grünen Insel weiter im Aufwind und darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an der kommenden Weltmeisterschaft in Russland machen.

Gute Ausgangslage, günstige Gruppenkonstellation

Während andere Überraschungsteams des letzten Jahres wie Wales und Island noch um eine mögliche Qualifikation zittern und für das ÖFB-Team der WM-Zug bekanntlich bereits so gut wie abgefahren ist, darf Nordirland bereits nach acht gespielten Runden an das WM-Playoff denken und von der ersten Teilnahme seit 1986 träumen. Nach dem zufriedenstellenden Abschneiden bei der letzten Europameisterschaft wurde Trainer Michael O’Neill weiterhin das Vertrauen geschenkt, auch der Stamm des Turnierkaders wurde nahezu unverändert belassen. Dass der Teamchef auf erfahrene Stammkräfte setzt, beweist das hohe Durchschnittsalter der Startformation gegen Tschechien: Stolze 29,5 Jahre betrug der Altersschnitt, die durchschnittlich mehr als 49 bestrittene Länderspiele pro beginnenden Akteure reihen sich hierbei nahtlos an.

In Gruppe C der laufenden WM-Qualifikation konkurriert Nordirland mit Deutschland, Tschechien, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino. Dabei profitierten die „Boys from Ulster“ ganz besonders vom schwachen Qualifikationsstart der beiden wahrscheinlichsten Rivalen im Kampf um Platz zwei: Norwegen verlor nicht nur das direkte Duell gegen Nordirland, sondern auch beim Gastspiel in Aserbaidschan, was letztendlich Trainer Per-Mathias Högmo den Job kostete. Die Skandinavier liegen damit nur auf Platz fünf in der Gruppe. Auch Tschechien erging es nach Gruppenplatz vier bei der EM kaum besser:  Nach jeweils einem Unentschieden gegen Nordirland sowie gegen Aserbaidschan wurde in Runde acht auch das Duell in Belfast verloren – womit die ehemalige Nummer drei der Welt zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft fehlt. Für die Nordiren war der Weg damit nicht nur aufgrund der Siege in den direkten Duellen bestens geebnet – man konnte auch im Gegensatz zu anderen gegen vermeintlich schwächere Teams konstant punkten.

Taktisch vielseitig, defensiv verlässlich

Betrachtet man die letzten Aufstellungen, fällt auf, dass mit ähnlichem Spielermaterial auf die unterschiedlichsten Formationen gesetzt wird. Wie bereits bei der Europameisterschaft klappt hierbei die Umstellung von Vierer- auf Fünferkette nahezu reibungslos. Gegen Tschechien setzten die defensivstarken Nordiren im Windsor Park sogar auf ein 4-3-3 und wurden letztendlich belohnt.

Dies führt uns zum eigentlichen Prunkstück der Auswahl: Eine sattelfeste und zweikampfstarke Defensive rund um Ex-Manchester-United-Verteidiger Johnny Evans und Routinier Aaron Hughes. Durch die Unterstützung von den meist defensiv orientierten zentralen Mittelfeldspielern ließ man in der Qualifikation bereits mehrmals die gegnerische Offensive erfolgreich anlaufen. Zwei Gegentore in acht Spielen sind damit gemeinsam mit dem Gruppenrivalen Deutschland europaweiter Spitzenwert und bestes Beispiel für die erfolgreiche Verteidigungsarbeit der nordirischen Abwehrreihe.

Offensiv nicht immer „on fire“

Bekanntester Spieler der nordirischen Elf ist nicht zuletzt aufgrund des kuriosen EM-Hypes höchstwahrscheinlich Wigan-Stürmer Will Grigg, der jedoch bis auf 29 Minuten gegen Aserbaidschan keinen weiteren Einsatz in der Qualifikation vorweisen kann. Auch aufgrund einer Knieverletzung litt der Offensivmann unter Ladehemmung, nach nur fünf Toren in der englischen Championship stürmt er nach dem Abstieg nun wieder in Englands dritthöchster Spielklasse.

Stattdessen konnte das ehemalige „enfant terible“ Kyle Lafferty, aktuell bei Heart of Midlothian aktiv, insgesamt dreimal treffen, zusätzlich steht das Torkonto in der laufenden Qualifikation bei vier Spielern auf aktuell zwei Treffern. Ausbaufähig – aber ausreichend, wenn hinten auf eine standhafte Abwehr Verlass ist.

Playoff als letzter Schritt

Durch die bislang souveräne Qualifikation ist der Platz im Playoff schon so gut wie abgesichert, nichtsdestotrotz besitzen auch die letzten Pflichtspiele gegen Deutschland und Norwegen noch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Ausscheidungsspiele im November.

Nach der aktuellen Tabelle der besten Gruppenzweiten wäre Nordirland hauchdünn bei den gesetzten Teams dabei. Der Rückstand auf die Slowakei ist dabei ebenso wie der Vorsprung auf Island und Schweden äußerst gering. Zudem könnte mit Wales ebenfalls noch eine laut FIFA-Weltrangliste, welche für die Setzung der Gruppenzweiten genutzt wird, bessergereihte Mannschaft Nordirland in den ungesetzten Pool stoßen. Im Falle einer Setzung würde Nordirland immerhin möglichen Gegnern wie Italien und Portugal entgehen, was angesichts der anderen potenziellen Konkurrenten sicherlich kein Nachteil wäre.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich

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