Russland, Dubai, USA oder Katar. Viele Stars, meist schon etwas in die Jahre gekommen, zieht es am Ende der Karriere in eines dieser Länder.... Zurück in die Heimat – Die Rückkehr der brasilianischen Altstars und ihre jungen Konkurrenten

Russland, Dubai, USA oder Katar. Viele Stars, meist schon etwas in die Jahre gekommen, zieht es am Ende der Karriere in eines dieser Länder. Ganz nach dem Motto: Fußballerisch keine Zukunft, finanziell schon! Nur viel Geld lockt Spieler in die Länder, deren Fußballligen nicht zu den stärksten der Welt gehören. Jahr für Jahr pilgern viele Spieler eben in diese Länder um von Scheichs, Oligarchen oder Investmentmillionären für ihre oft geringfügigen Anstrengungen bezahlt zu werden. Anders als in Russland, Katar oder Dubai geht es bei einem Wechsel nach Brasilien allerdings nicht nur um das Geld. Viele der Altstars möchten auch noch einmal für die 2014 stattfindende Heim-WM aufzeigen, jedoch treffen sie gerade in Brasilien auf große Konkurrenz. Der folgende Artikel zeigt, welche blutjungen Talente auf die erfahrenen Urgesteine treffen!

Heimatbezug & doch das Geld..

Eine wichtige Rolle bei der Wahl der letzten Profistation ist sicher das Land. Viele Kicker entscheiden sich natürlich für ihre Heimat und da kommt die brasilianische Liga gerade recht. Ronaldinho, Juninho, Fred, Belletti oder Deco, sie alle spielten in den besten Ligen Europas und sind heimgekehrt. Natürlich fühlt man sich in der Heimat am wohlsten, doch auch die Wirtschaft Brasiliens boomt. Aufgrund der Heim-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 investieren viele Firmen in den Fußball, so können die Klubs riesige Summen an Gehältern ausschütten, um ihre Stars zurückzuholen. Zusätzlich kommt den Spielern die Steuerregelung in Brasilien zu Gute: Beispielweise muss Ronaldinho sein Gehalt anstatt mit 43 % zuvor in Italien nur noch mit 27,5% versteuern. Auch das ist mit Sicherheit ein Grund für die Rückkehr der Stars.

Warum kompliziert wenn es auch einfach geht?

Ein weiterer Grund für eine Heimkehr ist natürlich auch die Heimweltmeisterschaft im Jahr 2014. Im Hinblick darauf versuchen vor allem Spieler wie Ronaldinho, sich noch einmal für das Nationalteam zu empfehlen und das gelingt am einfachsten mit einem Stammplatz. Diesen Stammplatz haben die meisten dieser Altstars in der brasilianischen Liga sicher, in Europa hingegen wäre das nur schwer möglich gewesen. Es stellt sich vor allem die Frage, ob Ronaldinho oder Juninho bis 2014 überhaupt regelmäßig gespielt hätten. In ihrer Heimat steigen auch die Chancen, vom Teamchef bemerkt zu werden. Ob es wirklich noch eine Weltmeisterschaft mit Ronaldinho und Konsorten geben wird, ist allerdings fraglich. Zu groß ist wohl die junge Konkurrenz rund um Neymar, Ganso oder Leandro Damião. Genau diese jungen Talente machen den Schritt, den ihre Vorbilder vor rund zehn Jahren getätigt haben, nicht. Warum auch? In Brasilien verdient man fast genauso gut wie in Europa, die schwächere Konkurrenz und die höhere Akzeptanz eigenwilliger Spieler sprechen ebenso für den Verbleib der Talente. Viele Experten prognostizieren Neymar beispielsweise, dass er sich in Europa aufgrund seines Charakters und seiner Eskapaden nicht durchsetzen kann, in Brasilien werden solche Eigenheiten noch eher geduldet.

Alt gegen Jung

Ronaldinho

Mit 21 Jahren ging Ronaldo de Assis Moreira, Künstlername Ronaldinho, nach Frankreich zu Paris Saint-Germain. Danach folgte die wohl beste Zeit seiner Karriere beim FC Barcelona, wo er von 2003 bis 2008 die Fußballschuhe schnürte. In dieser Zeit wurde er unter anderem zweimal Weltfußballer des Jahres und gewann 2006 die Champions League. Nach dem Wechsel 2008 zum AC Milan konnte der heute 31-Jährige nie an die genialen Zeiten bei Barcelona anschließen und wurde bei den Mailändern ausgemustert. Seit Jänner 2011 spielt Ronaldinho wieder in seiner Heimat für Flamengo, in der aktuellen Torschützenliste liegt er mit seinen 15 Treffern an der fünften Stelle. Unter Nationaltrainer Mano Menezes durfte Ronaldinho zuletzt auch gegen Bosnien-Herzegowina für die Seleção auflaufen, zuvor wurde er unter anderem für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika vom damaligen Teamchef Carlos Dunga nicht berücksichtigt.

Ganso

Paulo Henrique Ganso, meist kurz nur Ganso, ist eines der größten brasilianischen Fußballtalente. Seit seiner Entdeckung 2005 kickt der Jungstar beim FC Santos, gemeinsam mit einem vielleicht noch größeren Talent, Neymar. Ganso ist das Hirn des brasilianischen Vereins und wurde schon als neuer Zinedine Zidane gehandelt. Der 22-jährige Spielmacher zeigte sein Talent auch schon in der Seleção, unter anderem im Spiel gegen Deutschland. Wichtig ist für Mittelfeldspieler im Moment sicher die Wahl des nächsten Vereins, da dieser Wechsel auch seine Zukunft in der Nationalmannschaft entscheiden kann. Er muss sich die Frage stellen, ob er zu einem europäischen Topklub wechselt oder bis 2014 in Brasilien bleibt. Falls er nach Europa wechselt kommt es darauf an, ob er sich durchsetzen kann oder nicht. Als Bankerldrücker beim FC Chelsea oder Real Madrid wird das Unternehmen Heim-Weltmeisterschaft sicherlich gefährdet.

Fred

Den 28-jährigen Frederico Chaves Guedes, kurz Fred, kennen die meisten Fußballfans von seiner Zeit bei Olympique Lyon. Von 2005 bis 2009 erzielte er bei den Franzosen in 72 Spielen 32 Tore. Nach längerer Verletzungspause verlor Fred Ende 2008 allerdings seinen Stammplatz an Karim Benzema und Milan Baros. Aufgrund dessen wechselte er im Jänner 2009 zurück in seine Heimat zu Fluminense FC. In Brasilien konnte sich der Stürmer wieder durchsetzen, aktuell liegt er mit 22 Toren an der zweiten Stelle der Torschützenliste der brasilianischen Liga und ist zudem Kapitän seiner Mannschaft. Natürlich hofft auch er auf einen Einsatz bei der Heim-WM, im Gegensatz zu Ronaldinho wäre Fred 2014 erst 31 Jahre alt. Unter Menezes kam er zuletzt im Oktober 2011 gegen Costa Rica zum Einsatz.

Neymar

Der 20-jährige Neymar da Silva Santos Junior spielt seit seiner Jugend beim FC Santos und gilt als größtes Talent Brasiliens. Der Stürmer zeigt immer wieder mit genialen Toren und Dribblings auf und bekam schon Angebote von nahezu allen europäischen Topklubs. Allerdings hat Neymar beim FC Santos noch einen Kontrakt bis 2014, den er auch erfüllen möchte. Fraglich ist allerdings, ob der Jungstar den millionenschweren Angeboten widerstehen kann und wirklich in der Heimat bleibt. Genauso wie für Ganso gilt für ihn: Ein Wechsel kann über alles entscheiden. Sollte es ihn also doch nach Europa ziehen, kommt es natürlich darauf an, wie er sich einleben und durchsetzen kann. Im Nationalteam unter Menezes ist Neymar gesetzt, zuletzt spielte er auch beim Sieg gegen Bosnien-Herzegowina.

Seleção neu?

Für die Altstars wird es sicherlich schwer werden sich gegen die zahlreichen brasilianischen Talente durchzusetzen. Auf der anderen Seite ist es für die Talente wichtig, bei ihren Vereinen einen Stammplatz zu haben und sich bei einem möglichen Wechsel nach Europa, den richtigen Verein zu suchen. Finanziell ist die brasilianische Liga sicherlich ein Paradies, aber auch eines mit Grenzen. Neureiche Vereine wie Manchester City oder Paris Saint-Germain können die brasilianischen Vereine sicherlich zu einem Verkauf ihrer Talente drängen. Im Hinblick auf die Heim-Weltmeisterschaft wäre es trotzdem sinnvoller für Neymar, Lucas, Leandro Damião, Ganso – und einige andere -, wenn sie in ihrer Heimat bleiben. Dass sich in den nächsten zweieinhalb Jahren innerhalb der Nationalmannschaft noch einiges ändern kann ist auch klar. Es kann also nur schwer prognostiziert werden, ob sich Jugend oder Erfahrung durchsetzen wird. Auch wenn die jungen Talente klar im Vorteil sind, kann sich ihre Karriere auch schnell zum Negativen wenden und so bleibt die Chance für Ronaldinho, Juninho und Co, sofern sie ihre Form bis dahin halten können.

Michael Prügl, abseits.at

Michael Prügl

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