Andreas Lasnik, Yasin Pehlivan, Ahmet Delic, Martin Pusic und Jürgen Prutsch – diese fünf Profis halten die rot-weiß-rote Fahne in Holland, der Türkei, Ungarn,... Wie geht es eigentlich Österreichs „vergessenen“ Mittelfeldspielern?

Andreas Lasnik, Yasin Pehlivan, Ahmet Delic, Martin Pusic und Jürgen Prutsch – diese fünf Profis halten die rot-weiß-rote Fahne in Holland, der Türkei, Ungarn, England und Italien hoch. Allzu viel wurde allerdings in letzter Zeit nicht über sie geschrieben. Das sind Österreichs Mittelfeldprofis im Ausland!

Andreas Lasnik – NAC Breda
2010/11 war Andreas Lasniks tollste Saison. Obwohl Willem II Tilburg am Saisonende abstieg, spielte der gebürtige Voitsberger eine tolle Saison. Mit neun Toren und elf Vorlagen schien es so, als ob er sich alleine gegen den Abstieg erwehren wollte. Am Ende reichten auch die 20 Scorerpunkte des Freistoßkünstlers nicht aus. Der Steirer hatte sich einen Namen in der Eredivisie gemacht und pokerte bis nach Transferschluss. Erst am 9. September trainierte er erstmals mit der Mannschaft des Mittelständlers NAC Breda mit. Ganz angekommen ist er allerdings noch nicht. Geschuldet ist dies seinem langen Zuwarten und dem Umstand, die Vorbereitung noch nicht mit der Mannschaft mitgemacht zu haben. Sechs Saisonspiele als Wechselspieler stehen zu Buche, dazu eine Vorlage am achten Spieltag bei der 3:4-Niederlage gegen Roda Kerkrade nach einem – natürlich – Freistoß. Doch umsonst wurde Lasnik nicht verpflichtet. In der Winterpause kann er die Vorbereitung mit der Mannschaft machen und wird über Einsätze als Joker hinaus kommen. Dass er das Zeug dazu hat, bewies er in der vergangenen Saison.

Yasin Pehlivan – Gaziantepspor
Er kommt langsam in die Gänge. Nach dem Wechsel von Hütteldorf nach Südostanatolien dauerte es ein bisschen, bis der Nationalspieler Fuß fassen konnte. Das lag zum Einen an der verspätet gestarteten Saison, zum Anderen musste Pehlivan sich erst mal im Land seiner Vorfahren zu Recht finden. Einfach ist es auch im Verein nicht. Gaziantepspor grundelt in dieser Saison in den Niederungen der Tabelle herum. Erst drei Saisonsiege in 15 Meisterschaftsspielen sprechen eine deutliche Sprache. Im Vorjahr waren sie am Ende am vierten Platz gelegen. Pehlivan selbst durfte in sechs Ligaspielen mitwirken. Seit November verpasste er nur ein Ligaspiel, hat sich nun in die Mannschaft hinein gekämpft. Ob die Stadt Gaziantep allerdings der richtige Ort für einen jungen Legionär ist, bleibt dahingestellt. In den letzten beiden Jahren wechselte kein Spieler von Anatolien in eine große europäische Liga und auch nach Istanbul konnte niemand exportiert werden. Mit dem drohenden Abstieg hat sich der Ex-Rapidler aus heutiger Sicht keinen Gefallen getan. Er muss durch starke und viele Spiele auf sich aufmerksam machen, damit er sich im Team von Marcel Koller für andere Vereine interessant macht. Denn Wettskandale und mäßige Auftritte der Spitzenklubs haben der türkischen Liga nachhaltig geschadet. Und ist Istanbul schon weit weg vom europäischen Spitzenfußball, so ist es Gaziantep noch weitaus mehr.

Ahmet Delic – Zalaegerszegi TE FC
Dass es in Ungarns höchster Spielklasse einen Österreicher gibt, ist wohl nur Insidern bekannt. Der 25-jährige Delic hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In Priboj im ehemaligen Jugoslawien geboren, schnürte er seine Fußballschuhe zunächst beim SV Horn, ehe ihn die Admira im Sommer 2003 verpflichtete. Seine beste Saison hatte er in der Südstadt 2005/06, als er 25 Spiele bestritt. In der Folgesaison pendelte er zwischen zweiter und dritter Spielklasse, kam auf insgesamt zwölf Einsätze bei den Profis. Delic wagte im Sommer 2007 den Sprung zu Rot-Weiß Oberhausen in die Regionalliga Nord, der damals dritten Spielklasse Deutschlands. Dort reichte es aber nur für zwei Kurzeinsätze, weswegen er ein Jahr später wieder nach Österreich, diesmal zu St. Pölten zurückkehrte. Auch dort bewies er keinen langen Atem, absolvierte zehn Spiele, zumeist als Einwechselspieler. Bei den Burgenländern lief es nur mäßig gut, im Winter wechselte er zu RLO-Aufsteiger Ostbahn XI nach Simmering. Im Sommer 2010 konnte Delic aber einen Coup landen, indem er zum ungarischen Meister von 2002, Zalaegerszegi  FC, ging. Er bestritt 2010/11 17 Partien in der höchsten Spielklasse sowie sechs im Cup und wurde fixer Bestandteil des Teams. Die Westungarn wurden auch Dank des linken Mittelfeldspielers am Ende Vierter und verpassten den zur Europacupteilnahme berechtigenden dritten Platz nur um zwei Punkte. In dieser Saison läuft es aber für beide schlecht. Der serbisch-österreichische Doppelstaatsbürger begann erst in einer Partie, wurde acht Mal eingewechselt. Zalaegerszegi  selbst liegt abgeschlagen an letzter Stelle und konnte noch keinen Sieg verbuchen. Ahmet Delic hat sich aber dennoch seinen Traum von Erstligafußball erfüllt. Es ist ihm zu wünschen, dass er – egal wo – weiterhin in einer ersten Liga spielen kann.

Martin Pusic – Hull City FC
Martin Pusic hat eine ähnlich lange Liste an Transfers vorzuweisen. In der Jugend bei der Vienna und der Austria, machte er sich in der Saison 2005/06 bei den Döblingern als 18-Jähriger einen Namen. In den zwei Spielzeiten in der Ostliga absolvierte er 51 Partien für die Blau-Gelben und wechselte zur Saison 07/08 zu Schwadorf in die ADEG Erste Liga. In den drei Saisonen bei Schwadorf, bzw. Admira, machte er sich unverzichtbar. Der Linksaußen absolvierte für Richard Trenkwalders Teams insgesamt 72 Partien, erzielte 15 Tore. Gegen Ende seiner dritten Saison musste er zu Admira II in die Ostliga zurück, weswegen er nach Vorarlberg zum SCR Altach wechselte. Bis zum Winter darf er sich nun bei den Tigers beweisen. Zwar erhielt er im Oktober zwei Mal die Chance, bei Hull mitzuspielen, eine Torvorlage in 159 Einsatzminuten wird aber wohl doch zu wenig sein. Die Frage bleibt, ob Pusic nicht von Seiten seines Managements Dinge versprochen wurden, die nicht einhaltbar sind. Des Profits wegen brachte selbiger Manager auch Erwin Hoffer zu Napoli…

Jürgen Prutsch – AS Livorno
Eigentlich sollte der 21-Jährige gar kein Legionär mehr sein. Von Sturm an Altach verliehen, wechselte der Nachwuchsnationalspieler im Jänner 2010 zu AS Livorno in die Serie A. In der Toskana absolvierte der Grazer sechs Spiele, stieg aber in die Serie B ab. Der zentrale Mittelfeldspieler verbuchte 13 Einsätze als Wechselspieler in der zweiten Spielklasse und im Cup. Im Sommer schließlich wollte sich die Admira die Dienste des Italienlegionärs, der noch einen Vertrag bis 2014 besitzt, sichern. Allerdings zog er sich einen Mittelfußknochenbruch zu und der Wechsel platzte. Wo die Karriere des talentierten Spielers weitergeht, steht in den Sternen. Fakt ist, dass Livorno vor einem weiteren Abstieg steht, nach einem ansprechenden Saisonbeginn setzte es zuletzt vier Niederlagen in Serie. Sollte der Gang in die Serie C anstehen, wird Prutsch das Abenteuer Italien wohl endgültig beenden.
Im nächsten Teil der Serie „Wie geht es eigentlich?“ widmen wir uns den Verteidigern. György Garics, Markus Berger, Thomas Piermayr, Tanju Kayhan und der alte Haudegen Mario Hieblinger stehen am Programm.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander