In Deutschland ist der „Ösi“ schon lange in Mode. Doch es gibt noch einige andere Kicker aus unserem Alpenland, die ihr Geld im Ausland... Wie geht es eigentlich Österreichs „vergessenen“ Stürmern?

In Deutschland ist der „Ösi“ schon lange in Mode. Doch es gibt noch einige andere Kicker aus unserem Alpenland, die ihr Geld im Ausland verdienen. Neben bekannten Nationalspielern wie Paul Scharner, Marc Janko oder Veli Kavlak gibt es noch viele, die etwas unterhalb des Radars agieren. Und das mitunter nicht schlecht.

Thomas Pichlmann – Hellas Verona

Es könnte ein wunderschöner Karriereherbst für den 31-jährigen Wiener werden. In Österreich blieb ihm der große Durchbruch versagt, weswegen er die Wiener Austria, für die er in 24 Spielen drei Tore erzielte, verließ und 2008 bei US Grosseto in der Serie B anheuerte. In der Toskana fühlte er sich richtig wohl. In 80 Spielen netzte er 25 Mal ein. Ende August 2010 heuerte er dann bei Hellas Verona an. Der italienische Meister von 1985 dümpelte seit 2002 in der Serie B, seit 2008 in der Lega Prima Divisione, der dritten Spielklasse. Pichlmann wirkte in der Saison 2010/11 in 29 Saisonspielen mit und verhalf Hellas mit sieben Toren zum Aufstieg in die Serie B. Mitte August zog er sich einen Seitenbandriss zu und verpasste dadurch den Saisonanfang. Als Pichlmann zurückkehrte, lag Verona auf dem 13. Rang. Doch mit dem Wiener begann der Erfolgslauf, der Hellas nicht nur auf einen Aufstiegsrang, sondern gar auf den zweiten Platz hievte. Am elften Spieltag feierte er beim 1:1 gegen Nocerina in der 88. Minute sein Comeback. Seitdem gab es acht Siege, wirkte in sechs davon mit. Gegen Brescia, Crotone, Reggina und zuletzt Albinoleffe traf er, gegen Bari leistete er die Vorarbeit zum Siegtreffer, welchen er gegen Albinoleffe selbst erzielte. Trainer Andrea Mandorlini baut voll auf den 1,88-Meter großen Legionär. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Spieler, der sich in Österreich nicht durchsetzen konnte, im Ausland reüssiert. Darüber hinaus wäre er im Falle eines Aufstieges für italienische Verhältnisse junge 31 Jahre alt, also jünger als Luca Toni und Miroslav Klose.

Rubin Okotie – St. Truiden

Was wurde nicht über Rubin Okotie geredet! Unbestritten verfügt er über alles, was ein moderner Stürmer braucht, wäre da nicht das Knie. Ein Radiologe erzählte, er habe Okoties Knie nach der Verletzung bei der Austria gesehen und befunden, dass so eigentlich nicht mehr Profifußball gespielt werden könne. Nichtsdestoweniger schenkte der 1. FC Nürnberg dem Stürmer das Vertrauen und verpflichtete den damals noch Rekonvaleszenten im Sommer 2010. Für die erste Mannschaft der Franken absolvierte Okotie aber lediglich sechs Spiele, wurde dabei nur eingewechselt. Im Sommer kam es dann zur Posse um den Stürmer. KV Mechelen, Mittelständer in der belgischen Jupiler Pro League, hatte ihm bereits einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt, er entschied sich jedoch für VV St. Truiden – einen Abstiegskandidaten. Bis 2013 ist er noch bei Nürnberg, die Leihe läuft bis Juli 2012. So richtig rund läuft es aber auch im belgischen Abstiegskampf nicht, ein Tor und nur ein Spiel von neun über die volle Spielzeit stehen auf der Habenseite. Der in Karachi geborene Stürmer muss in der Rückrunde mächtig Gas geben, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Daniel Sikorski – Polonia Warschau

Im Sommer 2005 wechselte Sikorski von der AKA St. Pölten im Alter von 18 Jahren zum FC Bayern München. Drei Jahre lang kickte er bei Bayern II, spielte 135 Partien in der Regionalliga Süd und der 3. Liga. 2007/08 waren es 12 Tore in 28 Spielen, im Jahr darauf 11 sowie 4 Vorlagen. Das sollte auch die beste Saison gewesen sein. Eine echte Chance in der ersten Mannschaft bekam Sikorski angesichts der übermächtigen und teuren Konkurrenz allerdings nicht. Im Frühjahr 2010 verlor er schließlich auch das Stammleiberl in der dritten Liga und wechselte in das Land seiner Vorfahren. Bei dem südpolnischen Verein Gornik Zabrze wurde der bullige Mittelstürmer sofort Stammspieler. Im Sommer schloss sich für Sikorski endgültig der Kreis. Er wechselte zu Polonia in die Hauptstadt Warschau, wo er am 2. November 1987 das Licht der Welt erblickt hatte. In der Vorsaison am Ende noch einen Platz hinter Gornik gelegen, machte sich der Wechsel auf den ersten Blick mehr als bezahlt. Während die Südpolen im unteren Mittelfeld klassiert sind, liegen die Hauptstädter mit sechs Punkten Rückstand auf Leader Slask Wroclaw auf Platz drei und somit auf Europacupkurs. Für Sikorski persönlich läuft es in seiner Geburtsstadt nicht so rund. Zwar nahm er an 14 von 17 Ligaspielen teil, bestritt aber keines über die volle Distanz und erreichte auch noch keinen Scorerpunkt. In der Vorsaison standen am Ende immerhin sechs Treffer und vier Vorlagen zu Buche! Noch ist der Ex-Bayernakteur Bankbeamter, der Wechsel in die Extraklasse scheint sich aber bezahlt zu machen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander