Am zweiten Spieltag der Gruppe C trafen die Mannschaften von Frankreich und Peru aufeinander. Nach dem knappen Auftaktsieg gegen Australien wollten die Franzosen nun... Analyse: Biederes Frankreich bezwingt Peru knapp

Am zweiten Spieltag der Gruppe C trafen die Mannschaften von Frankreich und Peru aufeinander. Nach dem knappen Auftaktsieg gegen Australien wollten die Franzosen nun einen weiteren großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen. Doch einfach sollte es nicht werden, traf man doch einerseits auf eine unangenehme peruanische Mannschaft, andererseits ließ die Leistung der „Les-Bleus“ doch zu wünschen übrig. Bei Peru stellte sich die Lage anders da, konnte man doch trotz einer starken Leistung gegen Dänemark keine Punkte ergattern und stand nun im zweiten Gruppenspiel mit dem Rücken zur Wand.

Frankreich und die Maxime Vorsicht zuerst

Nachdem es in der Heimat viel Kritik am Auftritt gegen Australien hagelte, veränderte Frankreichs Trainer Didier Deschamps Im Vergleich zum Auftaktsieg seine Mannschaft auf zwei Positionen. Für Tolisso und Dembele rutschten Matuidi und Giroud ins Team. Doch anders als es viele erwarteten, wurde die Spielanlage der Franzosen nicht offensiver und mutiger, sondern im Gegenteil. Man rückte vom 4-3-3 ab, wechselte zu einem 4-4-1-1, in welchem Griezmann hinter der einzigen Spitze Giroud positioniert wurde und Mbappe auf den rechten Flügel ausweichen musste. Auf der linken Seite kamen nicht etwa Lemar, Dembele, Fekir oder Thauvin zum Einsatz, sondern interessanterweise der nominelle Achter Matuidi. Dies hatte wohl den folgenden Hintergrund, da nämlich die rechte Seite der Peruaner mit Advincula und Carrillo sehr sprintstark und lauffreudig agiert, dadurch viel Druck entfachen kann und so auch Dänemark im ersten Spiel immer wieder vor Probleme stellte. Daher entschloss sich Deschamps für diese defensivere Variante auf dem linken Flügel, auf Kosten von einer größeren Durchschlagskraft in der Offensive.

Damit das Ballbesitzspiel dennoch nicht darunter litt, entschied man sich dazu, denn strategischen Fokus im Offensivspiel auf die rechte Seite zu verlagern und die linke Seite (wenn überhaupt) als Durchgangsstation für schnelle Verlagerungen zu nehmen. So ballten sich im Umkreis von Jungstar Mbappe mehrere Spieler, da sich die hängende Spitze Griezmann viel auf dessen Seite fallen ließ und sich für Kombinationen anbot, Außenverteidiger Pavard oft mit nach vorne kam, aber auch Sechser Kante konstant nachschob und diesen verstärkten Fokus einerseits bei Ballverlust absicherte, aber andererseits auch als sichere Anspielstation im Ballbesitz diente. Dadurch baute man quasi eine Raute auf der rechten Seite auf und wollte aus dieser Struktur heraus nach vorne kommen. Im weiteren Verlauf kam dann Zielspieler Giroud ins Spiel, dessen Stärke mit dem Rücken zum Tor genutzt werden sollte und dieser quasi als „Ablagestation“ fungierte. So gab oft Angriffe nach dem gleichen Muster zu sehen, indem Giroud angespielt wurde und dieser den Ball prallen ließ, die Offensivspieler im Tempo nachrückten und versuchten mit einem Doppelpass an der Abwehr vorbeizukommen. Dieses Schema führte im Spiel gegen Australien zum späten 2:1 Siegestreffer, als Pogba unwiderstehlich aus dem Zentrum in die Spitze stieß und sich mit Giroud durchkombinierte.

Interessanterweise verzichteten die Franzosen wie bereits gegen Australien meist auf höheres Attackieren, zogen sich stattdessen in einem 4-4-2 System in die eigene Hälfte zurück und setzten da konstant auf ein eher tieferes Mittelfeldpressing. Nur gelegentlich ging man nach Ballverlust ins Gegenpressing, wo speziell das Zentrum um Kante und Pogba einige Male für starke Ballgewinne sorgte.

Peru mit guter Struktur und viel Aggressivität

Spätestens nach unserer abseits.at-Vorschau, dürften einige auf die peruanische Mannschaft gespannt gewesen sein. Und sie enttäuschte die Erwartungen im Auftaktspiel auch nicht und legte einen beherzten Auftritt hin, weshalb man letztendlich höchst unglücklich als Verlierer vom Platz ging. Gegen die Franzosen nahm man dennoch einige Veränderungen vor, weshalb Kapitän Paolo Guerrero für Farfan in die Mannschaft rückte und des Weiteren auch Sechser Aquino seinen Kollegen Tapia ersetze. Peru agierte aus einer 4-1-4-1 Formation heraus, in der man versuchte gegen den Ball vordergründig den Zwischenlinienraum zu verschließen und die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld knapp zu halten – sich also auf das Verteidigen des Zentrums zu fokussieren. Nachdem man die Überladungsversuche der Franzosen auf der rechten Seite erkannte, nahm man relativ früh einige Anpassungen vor, verschob stärker zur eigenen linken Seite und Sechser Aquino nahm Griezmann oft in Manndeckung und verfolgte dessen Wege.

Im eigenen Ballbesitz versuchte man meist in Ruhe das Spiel aufzubauen und kontrolliert nach vorne zu kommen. So kam es auch nicht überraschend, dass die Peruaner bereits in der Anfangsphase etwas mehr Ballbesitz als die Franzosen hatten. Das hing damit zusammen, dass sich Frankreich einerseits etwas nach hinten zurückzog und vorne keinen Druck ausübte, andererseits aber auch die Peruaner eine recht tiefe Formation im Aufbauspiel hatten, da sich die Außenverteidiger tiefer aufhielten und auch Achter Yotun oft nach links in den Halbraum abkippte. Dadurch hatte man viel Präsenz in tieferen Zonen und konnte da den Ball ruhig zirkulieren lassen. Das ging dann zwar auf Kosten des Tempos im Übergang in die nächste Zone, da man in diesem Bereich dann meist in Unterzahl agierte, allerdings tat dies dennoch dem Vorwärtsdrang keinen Abbruch. So arbeitete man sich meist gemächlich von hinten nach vorne vor und rückte dann als Kollektiv Stück für Stück in die gegnerische Hälfte auf – ergo sehr geordnet und kontrolliert, nicht überfallartig und zügig. Dennoch kam man relativ erfolgsstabil in die Nähe des gegnerischen Strafraum, wobei speziell das Kombinationsspiel auf engstem Raum herausstach, die Peruaner immer wieder gekonnt die Schnittstellen des Gegners attackierten und ihre gute Technik offenbarten.

So sah dann auch die Charakteristik des Spiels überwiegend aus. Peru kam auf längere Ballbesitzphasen und ließ den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren, konnte durch die gute Struktur den Ball in den eigenen Reihen laufen lassen,  während die Franzosen stärker auf das schnelle Umschaltspiel setzen und wesentlich direkter in Richtung Tor agierten. Durch die hohe individuelle Qualität von Mbappe und Griezmann war man in dieser Hinsicht stets eine Gefahr und konnte sich daher auch einige gefährliche Situationen erarbeiten. Über die rechte Seite gingen gefühlt 90 Prozent der Angriffsaktionen, worauf sich die Peruaner auch mit Fortdauer des Spiels wie bereits beschrieben besser einstellen konnten, indem man stärker zur Seite verschob. So musste eine Umschaltaktion zum Führungstreffer durch Mbappe herhalten, der von einem Ballgewinn im Gegenpressing von Pogba profitierte und den Ball nur noch über die Linie zum 1:0 drücken musste. So ging es mit dem Ergebnis auch in die Halbzeitpause.

Peru mit dem Mute der Verzweiflung ohne Lösungen

Nachdem man durch den Rückstand endgültig mit dem Rücken zur Wand stand, musste der Trainer der Peruaner Ricardo Gareca klarerweise reagieren. Er brachte mit Farfan einen Offensivspieler für einen eher defensiv orientierten Mittelfeldspieler, stellte auf ein klares 4-2-3-1 um und erhoffte sich dadurch mehr Durchschlagskraft im Angriff. Die Südamerikaner liefen auch den Gegner nun noch aggressiver an, rückten mit der gesamten Mannschaft in die gegnerische Hälfte auf und schnürten auch ein Gegenpressing-Netz um die Franzosen herum, womit man ein hohes Risiko einging und dadurch viel Rückraum für die schnellen Griezmann und Mbappe anbot. Doch diesen Raum konnten die Franzosen kaum attackieren, da das Gegenpressing der Peruaner gut funktionierte und die „Les-Bleus“ dadurch kaum für Entlastung sorgen konnten. Daher schraubten sich die Ballbesitzzeiten der Peruaner auch noch mehr in die Höhe und gingen auf die 60 Prozent-Marke zu und die Südamerikaner übernahmen endgültig die Kontrolle über das Spiel.

Doch man tat sich weiterhin schwer, Lösungen gegen die gut verteidigende gegnerische Mannschaft zu kreieren. Dank des guten Positionsspiels kam man zwar relativ sauber in das letzte Drittel, doch dort machte sich die mangelnde individuelle Klasse dann doch bemerkbar. Einige Male schaffte man es zwar am Flügel durchzubrechen, jedoch fehlte es dann im Anschluss entweder an der passenden Strafraumbesetzung oder die Hereingaben kamen zu unpräzise. Dadurch, dass die Franzosen mit ihrem tiefen 4-4-2 das Zentrum gut verschlossen, waren die Peruaner eben gezwungen sich am Flügel durchzukombinieren, allerdings ist man als kleinste Mannschaft des Turnieres in der Hinsicht natürlich gehandicapt und fehlt es an den passenden Abnehmern dieser Flanken. So blieben die Peruaner bis auf einige Weitschüsse weitestgehend harmlos und konnten den Franzosen nicht wirklich gefährlich werden, weshalb sie den Vorsprung letztlich auch über das Ziel hinaus retteten.

Fazit

Frankreich holt also den zweiten Sieg im zweiten Spiel und qualifiziert sich damit wie erwartet für das Achtelfinale. Doch die Leistung der „Les-Bleus“ war wie gegen Australien alles andere als berauschend.  Trotz der hohen individuellen Klasse im Kader agierte Frankreich recht bieder und unspektakulär, was ganz klar auf die Kappe von Trainer Deschamps geht. Der lässt seine Mannen sehr konservativ agieren und geht nur wenig Risiko ein, verlässt sich in der Offensive vollkommen auf die individuelle Qualität und Einzelaktionen und richtet den Fokus vordergründig auf die defensive Stabilität. Das mag gegen Mannschaften wie Australien und Dänemark funktionieren, wo man qualitativ eindeutig die Nase vorne hat, doch im weiteren Turnierverlauf werden ganz andere Kaliber auf die Franzosen warten, wo es eben nicht ausreichen wird, sich alleine auf einzelne Spieler zu verlassen, sondern man auch eine gute Struktur in der Offensive und einen passenden Matchplan braucht.

Für die Peruaner hingegen ist es zum Mäusemelken. Im zweiten Spiel zeigte man erneut eine ansprechende Leistung und erneut eine gute Spielanlage, steht jedoch wie bereits gegen Dänemark letztendlich mit leeren Händen da. Dabei zeigten sich dann doch die Probleme im Bereich der individuellen Qualität der Spieler, die zwar dank der guten Struktur ein starkes Kollektiv bilden, jedoch im letzten Drittel die Kreativität und entscheidenden Ideen vermissen lassen und dadurch gegen stark besetzte Gegner wie Frankreich zu wenig Durchschlagskraft entfalten können. Durch die zweite Niederlage ist damit auch das Aus in der Gruppenphase besiegelt und im letzten Spiel gegen Australien gilt es nun wenigstens noch zu punkten, damit die vielen mitgereisten Fans die lange Heimreise nicht mit leeren Händen antreten müssen.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic