Lange wurde es gemunkelt, nun ist es endgültig fixiert worden. Bright Edomwonyi wechselt vom türkischen Club Rizespor zur Wiener Austria und unterschreibt einen langfristigen... Die Edomwonyi-Verpflichtung als Vorbote der „neuen“ Austria?

Lange wurde es gemunkelt, nun ist es endgültig fixiert worden. Bright Edomwonyi wechselt vom türkischen Club Rizespor zur Wiener Austria und unterschreibt einen langfristigen Vierjahresvertrag bei den Veilchen. Der 23-Jährige Stürmer konnte in der Vergangenheit mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen und legte im Frühjahr eine starke Rückrunde beim Konkurrenten und Pokalsieger Sturm Graz hin, die ihn auch gerne weiterverpflichtet hätten. Doch was kann man von dem nigerianischen Angreifer erwarten und was für ein Spielertyp ist er? Und was sagt dessen Verpflichtung über die zukünftige Spielweise und das bevorzugte System von Thomas Letsch aus? Diesen Fragen wollen wir uns nun eingehender widmen.

Ein „Wühler“ für den Angriff

Nach Lucic, Sax, Matic, Jeggo, Turgeman, Schoissengeyr und Ebner wurde bei der Austria mit Edomwonyi die mittlerweile achte Neuverpflichtung für die kommende Saison dingfest gemacht. Damit weist man nach aktuellem Stand der Dinge bereits einen Kader von 26 Spielern auf und auch die Verantwortlichen der Veilchen sprechen öffentlich von einer fast abgeschlossenen Kaderplanung. Einzig ein Defensivspieler soll in den nächsten Tagen noch fixiert werden, dann steht weitestgehend die neue Austria-Mannschaft, mit der man die Rückkehr in die neue violette Generali-Arena in Angriff nimmt. Durch die möglichen Abgänge von Friesenbichler und Serbest ist da allerdings noch nicht ganz das letzte Wort gesprochen, denn darauf würde man gegebenenfalls nochmal reagieren.

Gespannt waren die Austria-Fans jedoch vor allem bei der Personalie des Offensivspielers, den die Verantwortlichen an Land ziehen wollten. Mit Paintsil, Saba oder eben Edomwonyi geisterte die verschiedensten Spieler und Positionen durch die violette Gerüchteküche und man konnte sich als Außenstehender keinen richtigen Reim daraus machen, was genau für ein Profil gesucht wird. Relevant ist die Frage vor allem deshalb, weil von dieser Frage auch abhing, wie man sich am Verteilerkreis die Zukunft vorstellt, welche Ausrichtung und System gewählt werden soll und wie Trainer Thomas Letsch gedenkt, das Spiel seiner Mannschaft zu gestalten. Dass die Wahl letztlich auf Edomwonyi fiel, beantwortet so einige in diese Richtung aufgeworfene Fragen.

Bright Edomwonyi ist vielen Kennern der österreichischen Liga natürlich bestens bekannt. Er wechselte 2012 aus der Jugend des belgischen Vereins Westerlo nach Salzburg, wo er jedoch nur für die zweite Mannschaft Liefering auflief und danach Leihstationen bei Innsbruck und Hartberg folgten. Bei Hartberg ging dem Nigerianer der Knoten endgültig auf und er legte mit zehn Treffern eine starke Halbsaison hin, wodurch Sturm Graz auf ihn aufmerksam wurde und Edomwonyi an die Mur lotste. Dort verbrachte er zwei Jahre, wo der Stürmer in 58 Spielen 12 Treffer erzielen konnte, also durch keine berauschende Torquote auffiel und bei den Fans der Grazer durch seine technische Schlampigkeit und Schwächen im Abschluss nicht unumstritten war. Dennoch wurde nach einem guten Herbst im Jahr 2016 vom damaligen türkischen Erstligisten Rizespor für eine siebenstellige Ablösesumme verpflichtet, wo er allerdings nicht glücklich wurde und noch dazu den Abstieg seines Vereins miterleben musste. Deshalb folgte im Winter 2018 der Schritt zurück nach Graz, wo er anschließend durch starke Leistungen unter anderem maßgeblich am Cup-Triumph von Sturm beteiligt war. Mit seinen guten Leistungen überraschte er nicht nur die eigenen Fans, sondern wohl auch Sportdirektor Günther Kreissl, der keine Kaufoption im Leihvertrag vereinbarte, wodurch letztlich die Austria die Chance bekam, den Nigerianer von Rizespor zu verpflichten und die Grazer ausstechen konnte.

Physis als Markenzeichen

Wenn man Bright Edomwonyi mit einem Wort beschreiben müsste, würde diese wohl „Unruheherd“ lauten. Der Angreifer ist durch seine Spielweise höchst unangenehm und nervig für seine Gegenspieler. Das liegt vor allem daran, dass er dank seiner guten Athletik eine ungemeine physische Spielweise auf den Platz bringt, wo er einerseits durch seine hohe Grundschnelligkeit auffällt, aber andererseits auch ein enormes Laufpensum abspult und viel Einsatz an den Tag legt. Dadurch ist Edomwonyi speziell gegen den Ball im Pressing äußerst unangenehm für den Gegner und sich letztlich auch von seiner Einstellung her für keinen Meter zu schade. Ähnliche Erfahrungen machte die Austria ja bereits mit Kayode, der mit seiner Schnelligkeit viele Ballverluste selbst bei passsicheren Spielern provozieren konnte, nur ist Edomwonyi noch ein Stück einsatzfreudiger und betreibt insgesamt einen noch größeren Aufwand.

Doch nicht nur gegen den Ball ist der Nigerianer eine Waffe, auch mit dem Ball bringt der Stürmer wichtige Facetten in das Offensivspiel seiner Mannschaft. Die meisten Stürmer werden grundsätzlich in erster Linie an ihrer Torquote gemessen und je nachdem als gut oder nicht gut bewertet. Daher wird auch nicht umsonst auf keiner anderen Position so wenig differenziert bei der Beurteilung eines Spielers, wie bei der Position des Mittelstürmers. Einerseits zurecht, da der Stürmer meist die kürzeste Distanz zum gegnerischen Tor hat und darin die Kernaufgabe auf der Position liegt, nämlich Tore zu erzielen, andererseits passt diese Vereinfachung nicht wirklich in die immer komplexer werdende Fußballwelt, wo von den Spielern immer mehr Fähigkeiten verlangt werden. Daher würde Edomwonyi bei der Frage seiner „Torjägerqualitäten“ wohl eher durchfallen, allerdings lohnt sich ein zweiter und genauerer Blick. Was bei Edomwonyi auffällt ist, dass er es unheimlich gut versteht, seinen Körper einzusetzen und mit dem Rücken zum Tor die Bälle zu sichern. Ob hohe Bälle, enger Raum oder auf der Außenbahn, den Angreifer kann mit den meisten Bällen etwas anfangen und sie für die Mannschaft sichern. Dadurch ermöglicht er seiner Mannschaft ein rasches nach vorne kommen, gibt ihr aber auch Zeit um nachzurücken. Durch seine Robustheit zieht er darüber hinaus meist mehrere Gegenspieler auf sich, da es selbst für physisch gute Verteidiger schwer ist, Edomwonyi vom Ball zu trennen. Diese Erfahrungen durften gerade im Pokalfinale auch die Verteidiger von Red Bull machen, weshalb Edomwonyi nicht von ungefähr die rote Karte von Andre Ramalho provozierte.

Alleine durch diese Facette profitieren seine Mitspieler, denn wenn es ein Spieler mit mehreren Gegenspieler aufnehmen kann, muss an anderer Stelle jemand frei werden. Dieser jemand war vor allem bei Sturm Deni Alar, der von der Spielweise Edomwonyis unheimlich profitierte. Weil der Nigerianer eben weite Wege ging, es mit mehreren Gegenspieler aufnehmen konnte und für Wirbel im Angriff sorgte, öffnete er immer wieder Räume für Alar, der davon profitierte und sich dadurch umso mehr auf seine Stärken als Abschlussspieler im Strafraum konzentrieren konnte. Dass Edomwonyi viele Räume für seine Mitspieler öffnet liegt auch daran, dass er eben konstant die Schnittstellen der Abwehr attackiert und mit einem guten Tiefgang ausgestattet ist. Durch seine Läufe in die Tiefe zieht er den Fokus der Verteidigung auf sich, läuft entweder in den freien Raum hinter der Abwehr oder drückt sie eben nach hinten und öffnet dadurch den wichtigen Zwischenlinienraum. Wie man sieht, Bright Edomwonyi ist ein mannschaftsdienlicher Spieler wie er im Buche steht und von dessen Spielweise profitieren seine Mitspieler in der Umgebung.

Doch nicht umsonst spielt der Nigerianer „nur“ in Österreich und ist ihm bislang der nächste Sprung in eine bessere Liga noch nicht gelungen. Edomwonyis magere Torquote kommt nicht von ungefähr, denn der Stürmer hat so seine Probleme im Abschluss. Bisweilen wirkt es so, als würde der Angreifer nicht gezielt und überlegt abschließen, sondern vordergründig versuchen,  den Ball irgendwie ins gegnerische Tor zu befördern. Es unterlaufen ihm aber auch immer wieder technische Fehler und er wirkt dabei oft zu schlampig und ungestüm in seinen Aktionen, weshalb sich seine guten Szenen mit nicht so vorteilhaften abwechseln. Daher ist diese Inkonsistenz bisweilen auch relativ frustrierend mitanzusehen, da er durchaus auch technisch starke Szenen zeigt, aber nicht genügend Ruhe in sein Spiel bringt. Sein Passspiel ist eher durchschnittlich, beschränkt sich jedoch meist auf einfache Sachen und keine anspruchsvollen Zuspiele. Daher sollte man sich von Edomwonyi keine komplexen Schnittstellenpässe erwarten, er wird sich meist auf sichere Ablagen beschränken und weiß sich in der Hinsicht selbst einzuschätzen.

Ein klarer Wink in Richtung zukünftiger Ausrichtung?

Dadurch, dass die Wahl auf Bright Edomwonyi und nicht auf einen anderen Offensivspieler fiel, kann man auch einiges über die zukünftige Spielweise der Austria ableiten. Das augenscheinlichste ist dabei zweifellos die Tatsache, dass man sich keinen Flügelspieler geholt hat, sondern den „vorerst“ letzten Legionärsplatz mit einem Stürmer belegt. Daher hat man aktuell sogar mehr Spieler in der Sturmspitze zur Verfügung, als auf der Außenbahn, wo man mit Venuto und Sax relativ dünn besetzt ist. Das ist auch ein deutliches Zeichen, welches Spielsystem die Austria in Zukunft in Betracht zieht und präferiert. Auch in der Vorbereitung liefen die Veilchen bislang meist in einer 4-3-1-2 Formation auf – also ohne echte Flügelspieler, dafür mit einer Raute im Mittelfeld und zwei Sturmspitzen, was u.a. die Bullen aus Salzburg erfolgreich praktizieren. Dadurch ergeben auch die Transfers von Jeggo, Matic und Ebner noch mehr Sinn, da man nun über viele zentrale Mittelfeldspieler verfügt, aber auch mit Turgeman und Edomwonyi wurden zwei ausländische Stürmer verpflichtet, die wohl beide nicht für die Bank geholt wurden. Dass man nun auch kurz vor der Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers steht, untermauert diese Quintessenz nur noch, denn dann könnte auch eine Dreier/Fünferkette ein Thema werden, was man im Frühjahr unter Letsch bereits öfters zu sehen bekam. Ergo sind die klassischen Flügelspieler bei Letsch nicht mehr so gefragt, sondern die Außenverteidiger sind dafür zuständig, das Spiel breit zu machen, während sich der Rest in den anderen Räumen bewegt und anbietet. Daher würde nach aktuellem Stand der Dinge die Startaufstellung der Veilchen wohl folgendermaßen aussehen:

4-3-1-2

 3-5-2/5-3-2

Sei es wie es sei, der Kader bietet jedenfalls vielfältige Möglichkeiten und selbst ein System mit „klassischen“ Flügelspielern wäre noch möglich, da man mit Sax und Venuto zwei zur Verfügung hat, aber auch Prokop diese Position bekleiden könnte. Daher sollten die Austria-Fans die nächsten Wochen bis zum Saisonstart die Augen offenhalten und genau hinsehen, denn nach und nach wird sich der Nebel um die „neue“ Austria und die angestrebte Spielweise von selbst lichten.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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