Die Dänen bereiten sich nach einigen Jahren der Abstinenz über ihre vierte Teilnahme bei einer WM vor. Nachdem man im Play-Off Irland mit 5:1... WM-Analyse Dänemark: Variantenreichtum und ein echter Superstar

Die Dänen bereiten sich nach einigen Jahren der Abstinenz über ihre vierte Teilnahme bei einer WM vor. Nachdem man im Play-Off Irland mit 5:1 aus dem eigenen Stadion fegte, sicherte man sich das Ticket für die Endrunde in Russland. Nicht nur, dass man den Sprung unter die 32 besten Teams der Welt schaffte, man kann sich durch die Auslosung auch gute Chancen auf ein Weiterkommen ins Achtelfinale ausrechnen.

Die Dänen sind von der individuellen Qualität her über ihre beiden Kontrahenten um den zweiten Platz zu stellen und können einige interessante Spieler aufbieten. Doch im Vordergrund steht die mannschaftliche Geschlossenheit und dass man viele Phasen des Spiels recht ordentlich beherrscht.

Trainer Age Hareide setzt zumeist auf ein 4-2-3-1/4-4-1-1-System, wobei man auch schon im 5-3-2 auflief, um die drei starken Innenverteidiger im Kader gemeinsam auf den Platz zu bringen. So stehen dem Trainer der Dänen einige Varianten zur Verfügung und die Spielerprofile bieten ausreichend Flexibilität an.

Sohn einer Torhüter-Legende als Nummer Eins

Als Nummer Eins dürfte wohl England-Legionär Kasper Schmeichel in das Turnier gehen. Der Torhüter von Leicester City ist mit tollen Reflexen ausgestattet und verfügt über eine gute Strafraumbeherrschung, auch wenn ihm die fußballerische Klasse etwas abgeht. Dahinter hat man mit Jonas Lössl und Frederik Ronnow zwei solide Ergänzungen zur Verfügung, die im Notfall einspringen können, ohne dass man sich große Sorgen machen müsste.

Aus Drei mach Zwei

Die wohl am stärksten besetzte Zone dürfte das Abwehrzentrum der Dänen sein. Alleine in der Innenverteidigung hätte Trainer Hareide fünf gute Optionen, entschied sich jedoch dafür, Andreas Bjelland auszusortieren. Als gesetzt dürfte wohl das Duo aus Andreas Christensen und dem erfahrenen Kapitän Simon Kjaer gelten, wobei Letzterer der unstrittige Abwehrchef bei den Dänen ist. Eine weitere starke Alternative ist der großgewachsene Jannick Vestergaard, der sich ebenfalls einen Startplatz verdient hätte und in brenzligen Situation auch offensiv eine echte Waffe sein kann. Ergänzt wird das Trio noch vom großgewachsenen Mathias Jorgensen, der bei Huddersfield Town unter Vertrag steht.

Ein Ex-Austrianer als Fixstarter bei der WM

Auf den Außenbahnen dürfte wohl aufgrund fehlender Alternativen auf der linken Seite das Ex-Veilchen Jens Stryger Larsen zum Einsatz kommen, der sich schon während seiner Zeit in Wien einen Stammplatz im Nationalteam erarbeiten konnte. Von seiner angestammten rechten Abwehrseite wird er wohl nach links beordert, was für den beidbeinigen Larsen jedoch kein Problem ist. Das entstandene Loch auf rechts wird vermutlich von Henrik Dalsgaard eingenommen, der bei Brentford in der zweiten englischen Liga tätig ist und einen starken rechten Fuß besitzt. Als Ergänzung stehen mit dem Ex-Salzburger Peter Ankersen und Jonas Knudsen zwei solide Kräfte zur Verfügung, die jedoch auf der Bank Platz nehmen werden.

Der Spielmacher als Herz der Mannschaft

Aufgrund mangelnder Alternativen dürfte der 33-jährige William Kvist die Position im defensiven Mittelfeld bekleiden. Zwar ist der Sechser nach wie vor ein intelligenter Fußballer und liest das Spiel gut, jedoch merkt man dem Routinier den körperlichen Verschleiß langsam an und das höchste Tempo ist er nicht mehr in der Lage zu gehen. Noch dazu wurde er in der vergangenen Saison beim FC Kopenhagen zwischenzeitlich wegen interner Probleme in die B-Mannschaft abgeschoben. Als weitere Optionen stünden zwar mit Delaney und Schöne zwei interessante Profile zur Verfügung, die jedoch etwas offensiver ausgerichtet sind und die Balance innerhalb der Mannschaft etwas kippen lassen würden. Bremen-Legionär Thomas Delaney ist aber ohnehin „eines weiter vorne“, also auf der Acht gesetzt. Er ist ein relativ kompletter Spieler ist und wurde nicht umsonst erst kürzlich um 20 Millionen Euro von Borussia Dortmund verpflichtet. Als Ergänzung im Notfall stehen Lasse Schöne und Lukas Lerager parat, um die Rolle zu übernehmen. Auf der Zehn kommt der Spielmacher und Star der Mannschaft Christian Eriksen zum Einsatz. Wird es bei den Dänen gefährlich, hat der Tottenham-Star seine Füße meist im Spiel. Mit Michael Krohn-Dehli steht ein passabler Ersatz zur Verfügung, der auch von der Bank Schwung in eine Partie bringen kann.

Viel Durchschlagskraft auf rechts

Auf der linken Außenbahn kommt meist der flinke Pione Sisto von Celta Vigo zum Einsatz, der eine gute Saison in Spanien hinter sich hat und einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung machen konnte. Sein Pendant auf rechts wird mit Yussuf Poulsen oder Andreas Cornelius ein nomineller Stürmer sein, die sich jeweils noch um den Startplatz am rechten Flügel duellieren und viel Durchschlagskraft ins Spiel mitbringen sollen. Mit Viktor Fischer steht ein weiterer interessanter Mann im Kader, der seine Karriere mit großen Vorschusslorbeeren begann, diese jedoch aufgrund von Verletzungen nie erfüllen konnte. Mit Martin Braithwaite hat man noch einen „Wühler“ zur Verfügung, der für viel Wirbel sorgen kann.

Der Lord muss auf die Couch

Die Dänen ohne den Lord? Leider bittere Realität. Nicklas Bendtner wurde aufgrund einer Verletzung aussortiert und muss daher seiner Mannschaft von zu Hause aus die Daumen drücken. Doch um Ersatz müssen sich die Dänen keine Sorgen machen. Die Rolle als vorderste Spitze übernimmt zumeist Nicolai Jörgensen und der Stürmer weiß zweifellos, wo das Tor steht. Als Ersatz hätte man mit Yussuf Poulsen, Andreas Cornelius, Martin Braithwaite weitere interessante Optionen zur Verfügung, die jedoch vordergründig auf dem Flügel zum Einsatz kommen werden. Daher ist der hochveranlagte Kasper Dolberg Ersatz von Jörgensen und bringt tolle Fähigkeiten und eine feine Technik mit ins Spiel der Dänen.

Ein Salzburg-Schreck als Erfolgscoach

Seit der Amtsübernahme im Jahr 2016 formte der ehemalige Erfolgstrainer von Malmö Age Hareide ein starkes Team, welches gut miteinander harmoniert und in dem ein Rädchen ins nächste greift. Sein Punkteschnitt in seiner zweijährigen Amtszeit lässt sich mit 1,74 durchaus sehen und man lieferte immer wieder gute Spiele gegen starke Gegner ab. Die Frage ist, ob der Haudegen auf dieser großen Bühne seine Mannschaft passend einstellen und man die guten Ansätze auf den Platz bringen kann.

Die abseits.at-Einschätzung

Nach langer Abstinenz gleich die Gruppenphase überstehen? Für die Dänen klingt dieses Szenario nicht unwahrscheinlich, ist man doch von der individuellen Qualität her hinter den Franzosen wohl die klare Nummer Zwei in dieser Gruppe. Seit dem 11.10.2016 ist man nun ungeschlagen geblieben und Trainer Hareide leistet wirklich gute Arbeit, weshalb man sehr stabil wirkt und viele Bereiche des Spiels beherrscht. Daher wird es spannend zu sehen sein, ob sich letztlich das starke Kollektiv von Peru, oder die individuelle Klasse von Dänemark durchsetzen wird. Aufgrund der nicht so stabilen Defensive, dürfte dann im Achtelfinale gegen starke Gegner jedoch die Endstation erreicht sein.

Dalibor Babic

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