Eine gute Stunde lang sah es ganz nach einem historischen Final-Einzug der „Young Three Lions“ aus. Sie gingen wie gewünscht wieder einmal nach einer... WM-Analyse: Kroatien dreht Partie gegen England

Eine gute Stunde lang sah es ganz nach einem historischen Final-Einzug der „Young Three Lions“ aus. Sie gingen wie gewünscht wieder einmal nach einer Standardsituation in Führung und kontrollierten anschließend das Spiel mit ihrer defensiven Stabilität und Robustheit gegen zu diesem Zeitpunkt offensiv harmlose Kroaten. Aber dann musste Gareth Southgate mit seiner Mannschaft knallhart die Unberechenbarkeiten eines Fußballspiels erfahren. Die erste wirklich gefährliche Halbfeldflanke der Kroaten führte zum Ausgleich und die Briten verloren komplett die sonst so souveräne Kontrolle über das Spiel und die defensive Orientierung. Aber nicht nur die unvorhersehbaren Launen eines Fußballspiels hatten ihren Anteil an diesem Umschwung, die Englanden trugen mit ihrer noch extremeren Passivität ihren Teil zum entstandenen Spielverlauf bei.

Wir analysieren ein taktisch eigentlich recht simples Spiel, welches von Rhythmuswechseln, Kontrollverlusten und von hoher Leidensfähigkeit geprägt war.

Grundordnungen und Personal

Weder bezüglich der gewählten Grundordnung noch des Personals gab es auf beiden Seiten wesentliche Überraschungen.
Bei den Engländern ist gefühlt das 5-3-2 / 3-1-4-2 sowieso in Stein gemeißelt, daran änderte Gareth Southgate natürlich auch vor dem Kroatien-Spiel nichts. Walker, Stones und Maguire bildeten wieder die Dreierkette vor Torhüter Pickford, der erneut eine sehr starke Vorstellung (vor allem auch fußballerisch) ablieferte.
Das Zentrum im Mittelfeld kontrollierten Sechser Henderson sowie die beiden Achter Lingard und Alli, die bei eigenem Ballbesitz wieder häufig in die höchste Linie vorrückten und die Stürmer unterstützten.
Die Flügelpositionen im englischen System besetzten ebenfalls erneut wieder Trippier auf rechts sowie Young auf der linken Seite. Topstürmer Kane sowie der pfeilschnelle Sterling bekleideten die beiden Positionen in der Sturmlinie.

Kroatiens Coach Zlatko Dalic setzte gegen England vom Beginn weg auf eine 4-1-4-1 Grundstruktur. Gegen die Russen im Viertelfinale wollte er mit der Aufstellung von Kramaric auf der Zehner-Position hinter Mandzukic für eine zusätzliche Anspieloption im Zwischenlinienraum und grundsätzlich für mehr Präsenz innerhalb des russischen Defensivblocks sorgen. Dafür griff er auf ein recht klares 4-2-3-1 zurück mit Rakitic (der noch dazu regelmäßig zwischen die Innenverteidiger abkippte) und Modric auf den Sechserpositionen. Bedingt durch das aufwändige russische Pressing ging dies aber zu Lasten der Verbindungen zu den Offensivspielern, was erst durch die Einwechslung von Brozovic und der Umstellung auf ein 4-3-3 mit den beiden Superstars auf den Achterpositionen besser wurde. Dalic brachte Brozovic und das 4-3-3 daher gegen die Engländer gleich von Beginn an und sorgte dadurch für ausbalancierte Strukturen bei eigenem Ballbesitz, die aber vor allem in der ersten Halbzeit nicht richtig mit Leben gefüllt werden konnten, wie wir später noch sehen werden.
Die personelle Zusammensetzung blieb ansonsten unverändert. Torhüter Subasic wurde rechtzeitig fit, vor ihm bildeten Lovren und Vida die Innenverteidigung, Vrsaljko und Strinic besetzten die Außenverteidigerpositionen. Neben Sechser Brozovic sowie den Achtern Rakitic und Modric positionierten sich Rebic und Perisic in den Flügelzonen. Sie interpretierten die Positionen breiter als noch gegen Russland, wo sie recht konstant in die Halbräume einrückten. Gegen England blieben sie breiter und wollten vermutlich zusammen mit den Außenverteidigern auf den potentiell „freien“ Räumen neben dem englischen Mittelfeldband für Durchbrüche sorgen. Anschließend sollte Mario Mandzukic bedient werden, der die Position im Sturmzentrum besetzte. So das Vorhaben.

Football is coming home – 65 Minuten lang

Den Engländer mit ihrer Spielweise spielte natürlich der frühe Führungstreffer nach einem wunderschönen Freistoß durch Trippier voll in die Karten. Sie konnten sich daher eigentlich von Beginn an auf ihre stabile Defensive und Umschaltmomente fokussieren, wo sie in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit vor allem durch Sterling noch gute Nadelstiche setzen konnten und auch Chancen auf den zweiten Treffer vorfanden. Die Spielgeschichte lässt sich aber am besten mit Hilfe der Expected-Goals Kurve verdeutlichen:

Im Spiel gegen den Ball gaben die Engländer ihr gewohntes Bild ab. Die 5-3-2 Ordnung wurde sauber auf dem Feld aufgezogen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen in der Abwehrpressing-Zone. Durch die Fünferkette war wie schon das gesamte Turnier über die letzte Linie massiv besetzt und die Schnittstellen extrem eng, weshalb für den Gegner Durchbrüche hinter diese Kette (auch aufgrund der tiefen Grundpositionierung und der Antizipationsstärke von Pickford) äußerst schwer möglich sind. Auch Abschlüsse aus zentralen Zonen konnten so konstant geblockt oder noch rechtzeitig gestört werden. Die Flügelzonen im zweiten Drittel neben den beiden Achtern blieben zunächst wieder offen und wurden durch die horizontalen Verschiebebewegungen des Mittelfelds in die Isolation geführt. Auch die beiden Stürmer arbeiteten in diesem Zusammenhang sehr fleißig nach hinten und positionierten sich häufig sehr tief in der eigenen Hälfte, unmittelbar vor dem eigenen Mittelfeld. Diese Mitarbeit in der Defensive stärkte zwar die Kompaktheit im Zentrum, allerdings ging dies zwangsläufig auch zu Lasten der eigenen Umschaltbewegungen. Sterling konnte in den ersten 45 Minuten individuell dank seiner Schnelligkeit viel Raum überbrücken und Bälle erlaufen und anschließend festmachen, mit Fortdauer des Spiels verpufften diese Nadelstiche aber zunehmend und war mit ein Grund, warum die Briten das Spiel plötzlich hergaben und die Kontrolle verloren.

Noch extremer als sonst war nach dem frühen Führungstreffer zu beobachten, wie sich die Engländer im Kollektiv auf die Strafraumverteidigung konzentrierten. Aktive Balleroberungen mit anschließenden Umschaltbewegungen sind generell schon rar gesät im Spiel gegen den Ball von Southgate, wurden nach dem 1:0 aber völlig eingestellt. Stattdessen stand schlichtweg die kompakte Verteidigung des eigenen Tores sowie des Strafraums im Vordergrund, bevorzugt mit zehn Spielern hinter dem Ball.

Aus dieser Maxime heraus treffen die britischen Spieler auch ihre taktischen Entscheidungen. Rückten die kroatischen Außenspieler Rebic und Perisic mal in die Halbräume ein, wurden diese nicht an den nächsten Verteidiger auf einer der Halbpositionen übergeben, sondern die Flügelverteidiger rückten mit den unmittelbaren Gegenspielern mit ein. Ja keine Zuordnungs- oder Übergabeprobleme verursachen, lautete das oberste Ziel. Durch das Einrücken der Flügelverteidiger wurden die Abstände innerhalb der Fünferkette noch enger und kompakter und die Überzahlsituation in der letzten Linie konnte aufrechterhalten werden. Die ballnahen Achter schoben derweil auf den etwas höher postierten kroatischen Außenverteidiger heraus aber attackierten diesen auch nicht aggressiv, was viele Spieler und Mannschaften mit Hilfe der Seitenlinie bevorzugt hätten. Stattdessen schoben die Achter passiv auf den Flügel heraus und wollten keine dynamischen Situationen oder direkte Zweikampfduelle provozieren. Gegner stellen, Position einnehmen, Pässe zustellen und dann wieder auf die ursprüngliche Position zurückkehren. Dies funktionierte das gesamte Turnier über schon weitestgehend einwandfrei und stabilisierte das eigene Spiel, den gegnerischen Angriffsaktionen konnte so die Dynamik und Spontanität genommen werden.

Ein weiteres Merkmal innerhalb dieser strategischen Ausrichtung war zum Beispiel auch, dass die ballführenden kroatischen Achter nicht unter Druck gesetzt wurden. Modric und Rakitic konnten ziemlich frei schalten und walten und hatten das Sichtfeld permanent in Spielrichtung gerichtet. Ähnlich wie auf den Flügeln wurden auch sie im Normalfall nur passiv gestellt und Alli sowie Lingard gingen in ihren Bewegungen „nie durch“, wie man die direkte und aggressive Zweikampfführung auf Balleroberung aus im Coaching auch gerne nennt. Das Zustellen von vertikalen Passoptionen sowie die Besetzung der defensiven Positionen waren auch in diesen Situationen wichtiger. Alles mit dem Ziel, Überzahl im Abwehrdrittel zu haben und die torgefährlichen Zonen um den Sechzehner herum massiv verteidigen zu können.
Die Mannen von der Insel standen so auch über sehr weite Strecken sehr stabil und kontrollierten das Spiel auch mit weniger Ballbesitz. Bis zum Ausgleichstreffer durch Perisic hatten die Kroaten auch nicht wirklich viele Waffen entgegenzusetzten, um den defensiven Block in Bewegung und aus der Balance bringen zu können.

Zu sehen der Spielaufbau von Kroatien sowie die gewohnte defensive Struktur der Engländer

Kroatischer Flügelfokus ohne Durchschlagskraft

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, bauten die Kroaten das Spiel aus einer 4-3-3 Ordnung heraus auf. Die Positionen wurden dabei recht klassisch interpretiert. Die Außenverteidiger spielten ähnlich wie die Flügelspieler breit und vornehmlich vertikal ausgerichtet, wodurch die Flügelzonen meist doppelt besetzt waren. Im Zentrum besetzte Brozovic den Sechserraum, vor ihm agierten die beiden Achter Modric und Rakitic aus den jeweiligen offensiven Halbräumen. Mit Mandzukic hatten die Kroaten einen Mittelstürmer, der nicht zu weiträumig agierte und als Abnehmer für die vielen Flanken dienen sollte.
Die Ballbesitzstruktur an sich war gut, es gab aber vier wesentliche Aspekte im kroatischen Spiel, welche das Herausspielen von Torchancen erschwerten.

Bedingt durch die englische Ordnung und deren Keilpressing wurden die Angriffsversuche zu einem ganz großen Teil auf die Flügel abgedrängt. Ein typischer Aufbau sah so aus, dass ein Achter den Ball von den Innenverteidigern oder vom Sechser zugespielt bekam, anschließend folgte der diagonale Pass auf den „freien“ Außenverteidiger, der dann entweder eine Flanke aus dem Halbfeld schlug oder mittels Rückpass einen neuen Angriffsversuch einleitete. Wie bereits erwähnt, wurden die Kroaten auf den Flügeln gut isoliert und es entstanden viele recht statische Situationen, dazu war die Flankenqualität nicht immer auf dem allerhöchsten Niveau.
Dazu kamen die schnellen Außenspieler Rebic und Perisic nie in Dribblings, weil sie von den englischen Flügelverteidigern sofort gestellt wurden und so keine Dynamik aufnehmen konnten. Durchbrüche oder gegnerüberwindende Dribblings, welche eine Kettenreaktion in Gang gesetzt hätten, waren dadurch viel zu selten zu sehen und führten zu keinen größeren Problemen bei den gegnerischen Verteidigern.
Ein anderer Punkt, warum das Offensivspiel eine gute Stunde lag lahmte (neben der englischen Defensivarbeit natürlich), war in der Anbindung von Modric und Rakitic an das Spiel zu finden. Sie waren vor dem englischen Block positioniert und wurden daher regelrecht von der gegnerischen Passivität geschluckt. So konnten sie ihre geniale Pressingresistenz selten einbringen und waren nebenbei zu weit von den torgefährlichen Zonen entfernt, um den letzten Pass spielen zu können. Stattdessen spielten sie in toten Räumen meist den simplen vorletzten Pass, der ihren Qualitäten auf gar keinen Fall gerecht wurde.
Zusätzlich hatte die Dalic-Elf mit einer chronischen Unterzahlsituation zu kämpfen. In den vordersten Zonen sahen sich die drei offensivsten Akteure meist fünf bis sechs englischen Verteidigern gegenüber, was sich zwangläufig ergeben musste, für die Durchschlagskraft und Chancen-Erarbeitung aber natürlich nicht förderlich war.

Deshalb hatten die Kroaten zwar eine saubere Struktur bei eigenem Ballbesitz, diese ging aber in der Dynamik, besser gesagt Statik des Spiels unter. Problematisch war, dass Spieler innerhalb dieser Struktur mit Aufgaben konfrontiert wurden, mit denen sie entweder überfordert (Außenverteidiger) oder unterfordert (Achter) wirkten. Dadurch konnte die individuelle Klasse von Rebic und Co. nicht wirklich auf den Rasen gebracht werden. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt, das muss bei diesem verrückten Match immer dazu gesagt werden.

Interessantes Hybridpressing zwingt England zu vertikalerem Aufbauspiel

Das Pressing der Kroaten war ein interessanter und durchaus auch etwas überraschender Aspekt in dieser Begegnung. Nominell ließ Dalic in einem 4-1-4-1 verteidigen. Aber bereits nach wenigen Minuten vermittelten die Kroaten den Eindruck, dass sie trotz ihrer hohen physischen Belastungen in den letzten Tagen aktiv sein wollten und den Aufbau der Engländer früh zu stören versuchten. Dalic bastelte dafür auch die passenden Mechanismen. Aus einem hohen Mittelfeldpressing heraus schoben die Achter immer wieder neben Mandzukic vor und attackierten den ballführenden englischen Halbverteidiger. Mandzukic blieb derweil zentral und kappte mit seinem Deckungsschatten die Verbindungen zu den anderen beiden Verteidigern, wodurch der Aktionsradius für den ballführenden Spieler erheblich eingeschränkt werden konnte und das Pressing der Kroaten erleichterte. Durch das Aufrücken der Achter entstanden 4-4-2 bzw. 4-3-3 Staffelungen.
Hinter der ersten Pressinglinie orientierten sich die Flügelspieler an den britischen Außenverteidigern, wodurch sie häufig auf einer Höhe mit Sechser Brozovic zu finden waren. Brozovic balancierte die Bewegungen der englischen Offensivspieler und deckte die Räume im Zentrum ab, wo er vom ballfernen Achter unterstützt wurde. Der ballferne Achter (vor allem Rakitic machte das) rückte auch situativ auf Henderson vor, damit alle unmittelbaren Passoptionen zugestellt waren. Die folgende Grafikszene verdeutlicht das Hybridpressing von Kroatien noch einmal, welches sie auch zu späterer Stunde noch erstaunlich sauber und dynamisch abrufen konnten.

Für die Engländer war dadurch ihre ruhige Ballzirkulation in der ersten Aufbaulinie oft nicht möglich und sie mussten recht frühzeitig zum langen Ball greifen. Dabei machten sie aber auch keine schlechte Figur. Die längen Bälle waren gut getimt und mit der 3-1-4-2 Ordnung war man für die zweiten Bälle besser positioniert, weshalb daraus einige zweite Angriffe gestartet werden konnten. Die weiter oben beschriebene Passivität mit den tiefen Positionen der beiden Stürmer machte ihnen aber konsequentere Umschaltmomente, wie sie zum Beispiel die Belgier hatten, unmöglich. Dies sollte sich noch rächen.

Es ist halt immer noch Fußball…

… und der bleibt trotz aller Analyse und Vorbereitung immer noch sehr unvorhersehbar und unkalkulierbar. Die Kroaten schlugen gefühlt 50 ungefährliche Flanken, eine rutschte dann allerdings mal durch und sollte den gesamten Spielverlauf auf den Kopf stellen. Jeder, der selbst einmal auf irgendeinem Niveau Fußball gespielt hat, kennt diese Situationen. Die Strukturen sind die gleichen wie vorher, trotzdem hat man plötzlich große Zuordnungsprobleme und die eigene Abwehr schwimmt gewaltig. Hektik und zum Teil auch Ratlosigkeit bricht aus. Was ist jetzt plötzlich los? Wie konnte das passieren? Und was machen wir jetzt? Das sind ungefähr die Fragen, die allen Fußballern quer durch alle Leistungsklassen in solchen Momenten durch den Kopf gehen. Und so wirkten auch die Engländer. 65 Minuten lang agierten sie äußerst stabil und gefestigt und man hatte in keiner Phase das Gefühl, dass sie die Ruhe, Übersicht und Kontrolle verlieren könnten. Gareth Southgate, das hat man bei dieser WM gesehen, geht es in seinem Spiel immer um Kontrolle. Es ist zwar eine andere Kontrolle als sie zum Beispiel Pep Guardiola bevorzugt, im Grunde geht es aber um dasselbe: das eigene Spiel durchdrücken und den Spielrhythmus sowie das Spieltempo bestimmen. Aber genau das ist seiner Mannschaft ab dem Ausgleichstreffer überhaupt nicht mehr gelungen. Ivan Perisic hätte mit einem klassischen Doppelschlag das Spiel vermutlich schon in der regulären Spielzeit entscheiden können. Auch danach hatten die Kroaten noch ein bis zwei gute Chancen, die ungenützt blieben. Aber diese Chancen sind entstanden, ohne dass Dalic bzw. sein Gegenüber Southgate irgendetwas umgestellt hätten. Die Chancen entstanden aus der Eigendynamik heraus, aus der Hektik auf der einen Seite und der Euphorie auf der anderen Seite. Aber das macht den Fußball auch aus.
In der ersten Halbzeit der Verlängerung konnten sich die Briten wieder halbwegs stabilisieren, mit dem Treffer von Mario Mandzukic in der 109. Minute brach aber die zweite Welle aus, die dann aufgrund von einigen Wechseln und den klassischen Szenen in den Schlussminuten erst mit dem Schlusspfiff des Schiedsrichters nach 125 Minuten beendet wurde.

Fazit

Ein packendes Spiel, welches auf der emotionalen Ebene besser war als auf der taktischen. Taktisch lief das Spiel nämlich so, wie man es erwarten durfte. England fokussierte sich besonders nach dem Führungstreffer auf die eigene Defensive und überließ den Kroaten ein deutliches Plus an Ballbesitz, die zwar eine gute Struktur dafür hatten, aufgrund der skizzierten Probleme aber nicht zwingend zu Torabschlüssen kamen.

Die Engländer müssen sich schon ein Stück weit den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nach dem Führungstreffer ihre offensiven Aktionen sehr dosiert einsetzten, was noch sehr höflich ausgedrückt ist. Dadurch gaben sie recht leichtfertig die Möglichkeit auf eine sicherere Führung her und wären so besser auf die Wendungen eines Spiels vorbereitet gewesen. Der angesprochene Kontrollverlust kam also nicht urplötzlich mit dem Ausgleichstreffer der Kroaten, sondern schlich sich schon in der ersten Halbzeit durch den Verzicht auf eigene Offensivaktionen langsam ein. Dadurch waren die Engländer später den Launen des Fußballs hilflos ausgeliefert.

Die Kroaten entpuppen sich als echte Mentalitätsmonster. Taktisch solide bis sehr gut (vor allem das Pressing), ziehen sie ihr Spiel durch und bilden ein stimmiges Gefüge aus individueller Qualität, mannschaftstaktischer Ausrichtung, passenden Matchplänen sowie einer herausragenden Physis und Mentalität. Eigenschaften, die für den ganz großen Wurf tatsächlich reichen könnten. Mit Frankreich wartet ein Gegner, der über eine ähnliche Herangehensweise verfügt wie die Engländer. Rakitic, Modric und Co. werden das Spiel machen müssen und Lösungen entwickeln müssen. Aber auch wenn diese nicht sofort greifen, werden sie dranbleiben und es weiter versuchen, und vielleicht noch einmal einen solchen Spielverlauf provozieren wie gegen die Briten. Zuzutrauen ist es ihnen auf jeden Fall. Vielleicht kann bei einem WM-Finale auch der physische Aspekt etwas vernachlässigt werden. Wir werden es sehen!

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank

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