Die Peruaner sind wohl die große Unbekannte in dieser Gruppe. Doch die Südamerikaner werden spätestens bei dieser WM der breiten Öffentlichkeit zeigen, was sie... WM-Analyse Peru: Das potentielle Sensationsteam der WM

Die Peruaner sind wohl die große Unbekannte in dieser Gruppe. Doch die Südamerikaner werden spätestens bei dieser WM der breiten Öffentlichkeit zeigen, was sie im Stande sind zu leisten und dass mit ihnen im Kampf um den Aufstieg ins Achtelfinale zu rechnen ist. Nicht umsonst ist man unter Trainer Ricardo Gareca nun mehr seit 1 1/2 Jahren ungeschlagen geblieben und am aufsteigenden Ast.

Das Prunkstück der Peruaner ist dabei ganz klar die Defensive, die ausschlaggebend für die starken Leistungen ist. Diese Erfahrung durften viele Mannschaften machen, wie z.B. die individuell starken Argentinier, die sich im vorletzten Gruppenspiel die Zähne an den Peruanern ausbissen und regelrecht verzweifelten. Doch die Peruaner sollte man nicht nur auf das Spiel gegen den Ball reduzieren, auch das Offensivspiel hat einiges zu bieten, was im Test gegen Kroatien eindrucksvoll vorgeführt wurde

Szene ab Minute 1:01:00

Das Kollektiv steht bei den Südamerikanern im Vordergrund und soll die mangelnde individuelle Qualität durch mannschaftliche Geschlossenheit kompensieren. Umso wichtiger, dass der Kapitän und Stürmerstar Paolo Guerrero letztendlich doch noch an der WM teilnehmen darf. Das verleiht der Offensive noch mehr Durchschlagskraft und könnte ein wichtiger Faktor sein, um tatsächlich den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen. Das bevorzugte System der Peruaner ist eine 4-4-2/4-5-1-Mischformation, in dem der klare Fokus auf eine stabile Defensive gelegt wird, woraus auch dann das Ballbesitzspiel abgeleitet wird. Auffällig ist dabei das sehr tiefe Abwehrpressing, mit dem man Bälle gewinnen will, ehe man pfeilschnell und kombinatorisch sauber in Richtung gegnerische Hälfte stößt.

Die große Unbekannte im Tor

Die Torhüter der Peruaner dürften nur den größten Kennern des südamerikanischen Fußballs Begriffe sein. Als Nummer Eins wird wohl Pedro Gallese ins Turnier gehen, der beim mexikanischen Klub Veracruz engagiert ist. Als Backup dahinter fungieren Caceda und Carvallo, die beide in der heimischen Liga aktiv sind. Alles in allem sind alle drei Torhüter auf einem ähnlichen Niveau unterwegs und sind keine Schlussleute von internationalem Format.

Mexikanische Legionäre als Duo in der Abwehrzentrale

In der Innenverteidigung wird das Duo Christian Ramos und Alberto Rodriguez zum Einsatz kommen. Ramos ist beim gleichen Verein in Mexiko wie der Stammtorhüter tätig und mit 185cm Körpergröße der Turm der Mannschaft. Rodriguez (Junior/COL) soll mit seiner Routine den Laden hinten zusammenhalten und als Abwehrchef fungieren. Als Ergänzungsspieler steht mit Santamaria (Puebla/MEX) nur ein nomineller Innenverteidiger zur Verfügung, was für die mangelhafte Tiefe auf dieser Position spricht.

Ein elementares Puzzle-Teil auf links

Auf der rechten Abwehrseite ist Luis Advincula (Lobos/MEX) gesetzt, der viel Tempo mitbringt und gerne mit nach vorne geht. Advincula war zuletzt für den schnellsten je gemessenen Sprint bei einem Profifußballspiel verantwortlich und löste damit in dieser Wertung Gareth Bale von der Spitze ab. Auf der anderen Seite dürfte Miguel Trauco zum Einsatz kommen, der bei einem etwas namenhafteren Verein spielt, nämlich beim brasilianischen Erstligisten Flamengo. Trauco nimmt auch eine Führungsrolle im Team seiner Mannschaft ein und ist ein spielstarker Außenverteidiger. Mit Corzo, Araujo und Loyola stehen eher unterdurchschnittliche Ergänzungen zur Verfügung, die allesamt noch in der Heimat tätig sind.

Ein Abräumer und zwei technisch beschlagene Achter

Den Part vor der Abwehr nimmt der defensive Mittelfeldspieler Yoshimar Yotún ein, der in der MLS bei Orlando City tätig ist. Er nimmt einen wichtigen Part bei der defensiven Stabilität ein und hält die Mannschaft zusammen. Ihm zur Seite werden wohl die beiden Achter Renato Tapia von Feyenoord und Christian Cueva von Sao Paulo gestellt, die als Box-to-Box-Spieler fungieren sollen und überall zu finden sind. Ebendiese Spieler sind es auch, die die schnellen Gegenstöße der Peruaner mit starkem Kombinationsspiel auf hohem Tempo würzen. Als Ergänzung dahinter stehen mit Pedro Aquino (Lobos/MEX), Wilder Cartagena (Veracruz/MEX) auf der Sechs und etwas offensiver mit Edison Flores (Aalborg/DK), Paolo Hurtado (Guimaraes/POR) und Sergio Pena (Granada/ESP) eher unspektakuläre Spieler zur Verfügung, die jedoch immerhin in stärkeren Ligen engagiert sind.

Ein alter Bekannter als Flügelstürmer

Mit Ex-Schalke-Spieler Jefferson Farfan hat Peru einen klingenden Namen auf der rechten Seite, der bei Lok Moskau in Russland aktiv ist und daher bestens mit der Umgebung vertraut ist. Sein Pendant auf links ist der pfeilschnelle Andre Carrillo, der in der Premier League bei Watford unter Vertrag steht und speziell im Umschaltspiel eine Waffe ist. Er gilt als kommender Star des Teams. Mit diesem Duo steht und fällt die Offensive und hängt vieles von ihren Aktionen ab. Dahinter steht neben Ruidiaz (Morelia/MEX) noch Andy Polo (Portland Timbers/USA) bereit, jedoch fällt der Ersatz qualitativ deutlich zum ersten Gerüst ab.

Der Anführer meldet sich zurück und einsatzbereit

Der Mann in der Spitze ist unumstritten Kapitän und Torjäger Paolo Guerrero. Der mittlerweile 34-Jährige darf dank eines kuriosen Urteils eines Schweizer Gerichtes doch an der WM teilnehmen, was für die Peruaner eine große Erleichterung ist. Denn hinter dem Routinier wird es eng und ein richtiger Ersatz stünde nicht bereit. Am ehesten noch der kleine und wendige Raul Ruidiaz (Morelia/MEX). So hängt die Last der Torgefahr im Sturmzentrum auf den Schultern des Kapitäns. Würde er ausfallen, fiele bei den Peruanern eine wichtige Entlastungsfacette weg.

Der Erfolgsgarant auf der Bank

Seit 2015 schwingt Ricardo Gareca das Zepter auf der Trainerbank der Peruaner und hat seither eine beachtliche Bilanz aufzuweisen.  Der Argentinier kommt dabei in seiner Amtszeit auf einen Punkteschnitt von 1,71, was als Trainer eines kleinen Fußballlandes durchaus beachtlich ist. Nicht umsonst beendete man die WM-Qualifikation vor den starken Chilenen und präsentierte sich für viele Mannschaften als unangenehmer Gegner. Mit einem starken Kollektiv und der guten gruppentaktischen Arbeit wird die mangelnde individuelle Qualität ausgeglichen und ein stabiles Gerüst gebildet, weshalb sich die Peruaner durchaus Chancen auf ein Überstehen der Gruppenphase ausrechnen können.

Die abseits.at-Einschätzung

Vor vier Jahren Costa Rica, nun Peru? Zweifellos sind die Peruaner einer der heißen Anwärter auf den Titel als „Überraschungsteam des Turnier“. Die Südamerikaner haben zwar individuell nicht die herausragenden Akteure in ihren Reihen, sind jedoch als Kollektiv sehr homogen und harmonieren gut miteinander, weshalb man auch nicht umsonst seit nun knapp 18 Monaten ungeschlagen ist. Das Achtelfinale ist also durchaus drin und man wird sich wohl mit Dänemark um den Platz hinter Frankreich duellieren, weshalb das Spiel gegen die Dänen gleich am ersten Spieltag wohl ein Schlüsselfaktor sein wird.

Dalibor Babic

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