Die kleine Schweiz hat sich mittlerweile im Konzert der Großen etabliert und ist bei den letzten Großereignissen immer dabei gewesen. Bei der letzten WM... WM-Analyse Schweiz: Sturmzentrum als Achillesferse

Die kleine Schweiz hat sich mittlerweile im Konzert der Großen etabliert und ist bei den letzten Großereignissen immer dabei gewesen. Bei der letzten WM in Brasilien 2014 stieß man sogar bis ins Achtelfinale vor, um dann trotz einer starker Leistung höchst unglücklich in der Verlängerung gegen den späteren Finalisten Argentinien auszuscheiden. Doch das ist alles bereits Schnee von gestern und unter Trainer Vladimir Petkovic möchte man beim Turnier in Russland wieder mindestens das Achtelfinale erreichen. Dass mit den Schweizern zu rechnen ist, hat auch ihre starke Qualifikation gezeigt, in der sie 27 Punkte sammeln konnten und nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses hinter Tabellenführer Portugal blieben. Gegen Nordirland setze man sich dann mit einem 1:0-Gesamtscore knapp durch und ergatterte sich so das WM-Ticket.

Das Team von Vladimir Petkovic versucht aus einem 4-2-3-1-System heraus ein attraktives und ballbesitzorientiertes Spiel aufzuziehen und die technisch starken Akteure der Mannschaft optimal einzubinden. Selbst gegen starke Mannschaften ist man durchaus in der Lage diese von hinten heraus auszuspielen und mittels schöner Kombinationen nach vorne zu kommen, wie man dies erst kürzlich beim 1:1-Remis gegen Spanien unter Beweis stellte. Das könnte vor allem in den entscheidenden Duellen gegen Serbien und Costa Rica von Vorteil sein, da diese Teams sich eher über das Spiel gegen den Ball definieren. Probleme könnte man jedoch gegen stärkere Mannschaften bekommen, da das Spiel gegen den Ball strategisch nicht genügend Tiefe besitzt und eher simpel gestrickt ist.

Ein Sommer für die Schweiz

Im Tor stehen die Schweizer und Trainer Petkovic vor einem Luxusproblem. Mit Yann Sommer und Roman Bürki hat man zwei überdurchschnittliche Bundesligaspieler zur Verfügung, die beide mit starken Reflexen und einer guten Strafraumbeherrschung ausgestattet sind, aber auch das Spiel mit dem Ball am Fuß beherrschen. Den Vorzug wird wohl Yann Sommer bekommen, da er doch konstanter sein Leistungsvermögen abruft und nicht so schwankende Leistungen wie Bürki zeigt. Als dritter Torhüter fährt Yvon Mvogo, der Ersatzkeeper von RB Leipzig mit, der vom Verzicht des bisherigen Kadermitglieds Marvin Hitz profitierte, da sich dieser lieber auf die neue Aufgabe bei Borussia Dortmund vorbereiten wollte.

Spieleröffnung als Trumpf in der Abwehrzentrale

In der Verteidigung der Eidgenossen ist die Sachlage in der Frage der Stammplätze relativ klar. Das spielstarke Duo in der Innenverteidigung werden Fabian Schär von La Coruna und Manuel Akanji von Borussia Dortmund bilden. Dahinter steht einerseits der polyvalente Nico Elvedi bereit, der auf allen Positionen in der Defensive eingesetzt werden kann und andererseits mit Johan Djourou ein Routinier zur Verfügung, der viel Erfahrung mitbringt.

Italien-Legionäre beackern die Außenverteidigung

Auf der rechten Seite wird der nimmermüde mittlerweile 34-Jährige Stephan Lichtsteiner, dessen Transfer zum FC Arsenal erst kurz vor der WM über die Bühne ging, zum Einsatz kommen und den Flügel beackern. Auf seiner Position gibt es aber auch einige weitere Optionen, wie Michael Lang vom FC Basel oder wie bereits erwähnt Nico Elvedi. Auf der anderen Seite ist AC Milan Legionär Ricardo Rodriguez gesetzt und vollendet die personell gut ausgestattete Abwehr der Schweizer. Sein Ersatzmann wäre Francois Moubandje vom FC Toulouse, der sich jedoch mit einem Platz auf der Bank begnügen muss.

Xhaka nimmt die Zügel in die Hand

Zumindest eine Position auf der Sechs ist bereits in fester Hand. Mit Granit Xhaka hat man einen Strategen und guten Passspieler zur Verfügung, der aus der Tiefe das Spiel in die Hand nehmen und Struktur geben kann. Auf der Position neben Xhaka kämen mit Denis Zakaria (Gladbach), Gelson Fernandes (Frankfurt), Remo Freuler (Atalanta) und Routinier Valon Behrami (Udinese) gleich vier Spieler infrage und bieten Trainer Petkovic eine Vielzahl an Optionen. Die besten Karten dürfte der junge Zakaria haben, der auch in der Qualifikation den Vorzug bekam. Auf der Position hinter der Spitze dürfte der Routinier Blerim Dzemaili den Vorzug erhalten, da er für die Balance wichtig ist und viel für die Mannschaft arbeitet. Als Ersatz stünde der junge Edimilson Fernandes von West Ham bereit, der die deutlich torgefährlichere und durchschlagskräftigere Option wäre.

Ein Quadratwürfel auf der Außenlinie

Auf rechts ist der dribbelstarke Quadratwürfel Xherdan Shaqiri gesetzt, der die Bühne der WM als Sprungbrett für einen Transfer nutzen möchte. Auf links dürfte Steven Zuber von Hoffenheim den Vorzug bekommen, der ein sehr direkter Spieler ist und häufig zum Abschluss kommt. Als weitere Optionen stünde Breel Embolo bereit, der auf beiden Seiten zum Einsatz kommen könnte, aber auch Freuler, der auch schon auf der rechten Seite aufgestellt wurde.

Sorgen an vorderster Front

Das Sturmzentrum ist die Problemzone der „Nati“ und in dieser Region ist man qualitativ eher dünn besetzt. So bekommt wohl Haris Seferovic den Vorzug, der allerdings im Playoff von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde. Als Alternativen stünden Mario Gavranovic von Dinamo Zagreb, der etwas überraschend in den Kader einberufen wurde und Josip Drmic von Gladbach bereit, die jedoch qualitativ auch nicht über Seferovic zu stellen sind. Embolo könnte zwar auch in der Spitze spielen, wird aber wohl eher am Flügel zum Einsatz kommen.

Petkovic als Garant für Schweizer Erfolg

Vladimir Petkovic schwingt nun seit knapp vier Jahren das Zepter auf der Trainerbank konnte das schwere Erbe, welches Ottmar Hitzfeld hinterließ, richtig gut meistern. In seiner Amtszeit kommt der 54-Jährige auf einen starken Punkteschnitt von 2,0 und qualifizierte sich für das zweite Großereignis infolge. Auch seine gewählte Spielanlage ist durchaus mutig und aktiv, wodurch die Attraktivität nicht zu kurz kommt. Petkovic bewies bereits bei der EURO 2016, dass er seine Mannschaft punktgenau einstellen kann, was für ein Turnier ein wichtiger Faktor ist.

Die abseits.at-Einschätzung

Schaffen es die Schweizer zum zweiten Mal infolge ins Achtelfinale? Dies wäre gut möglich. Unter den Buchmachern gilt man als Favorit auf den zweiten Platz und das nicht zu unrecht. Man ist mit einem guten Trainer ausgerüstet, der eine echte Einheit geformt hat und man spielte nicht umsonst eine bärenstarke Qualifikation. Entscheidend für den Aufstieg in die K.O.-Phase dürfte das Duell gegen Serbien sein, da die Serben wohl der größte Konkurrent auf das begehrte Ticket ins Achtelfinale sein werden. Im Achtelfinale könnte dann mit Deutschland eine Mammutaufgabe anstehen, die wohl eine Nummer zu groß sein würde.

Dalibor Babic