Mit dem Dopplereffekt macht jeder Schüler Bekanntschaft: Ein Signal dehnt sich bei Veränderungen des Abstands zwischen Sender und Empfänger während der Dauer desselben aus.... Anekdote zum Sonntag (99) –  Der Maierhof(f)er‘sche Knalleffekt

Mit dem Dopplereffekt macht jeder Schüler Bekanntschaft: Ein Signal dehnt sich bei Veränderungen des Abstands zwischen Sender und Empfänger während der Dauer desselben aus. Diesen Vorgang kann man hörbar wahrnehmen, wenn beispielsweise ein Auto mit raschem Tempo an einem vorbeisaust. Stefan Maierhofer und Erwin „Jimmy“ Hoffer haben mit einem anderen Effekt ihre Bekanntschaft gemacht: Dem Knalleffekt.

Sie ließen es öfter krachen, aber einmal so richtig und zwar mit einem Böller made in China. Das Duo Maierhof(f)er spielte sich 2008 in die Herzen der Rapid-Fans und dank des Meistertitelgewinns auch in die Geschichtsbücher des Rekordmeisters. Obwohl der „Lange“ und „Jimmy“ nur eineinhalb Saison gemeinsam für die Hütteldorfer stürmten, war es eine Zeit, die beiden bis heute viel bedeutet: Eine Freundschaft fürs Leben wurde geschlossen. Ihr harmonisches Verhältnis auf und neben dem Platz charakterisierte der Gablitzer Maierhofer im Dezember 2008 folgendermaßen: „Mit meiner Größe erwische ich viele Kopfbälle und verlängere sie. Ich mache auch viele Räume für den Jimmy auf und er mit seiner Schnelligkeit für mich. Wir verstehen einander gut, gönnen einander die Tore. Wir haben uns gesucht und gefunden. Es macht mit ihm einfach Spaß.“ Ende Juli 2009 war diese paradiesische Zeit, in der Rapid zwei starke Saison spielte, jedoch vorbei. „Jimmy“ packte die Koffer und verabschiedete sich gen Neapel. Sein Kumpel blieb drei Ligaspiele länger, dann ergriff auch er die Chance zu wechseln: Der Spieler, dem keine Profikarriere zugetraut wurde, wurde von einem Premier-League-Klub unter Vertrag genommen.

Beständig glücklich sollte jedoch keiner der beiden Niederösterreicher im Ausland werden: Stefan schnürt seine Schuhe zurzeit bei Mattersburg, der schnelle „Jimmy“ spielt in Karlsruhe. Die beiden Angreifer durchlebten Abenteuer, die sie beinahe im Jahreswechsel zu verschiedenen Klubs geführt haben. Vielleicht erinnern sie sich heute hin und wieder an eine vergleichsweise unbeschwerte Zeit bei Rapid und im Nationalteam. So mancher sah in den beiden Burschen „Max und Moritz“ mit Schienbeinschonern. Erwin und Stefan saß mitunter der Schalk im Nacken. So kam es, dass die Stürmer nach einem Heimspiel einen nicht explodierten Knallkörper der Westtribüne auf dem Rasen des damaligen Hanappi-Stadions entdeckten. Was tun? Erst einmal mitnehmen. Der „Knallfrosch“ übernachtete danach in Maierhofers Kabinenkasten, ehe die Jungs nach dem nächsten Training weitergrübelten, wo sie denn das Ding am besten explodieren lassen sollten. Hobbyangler Hoffer wollte mit dem Kracher anfangs auf Fischfang gehen. Diese Idee wurde aber ob ihrer Grausamkeit den Wasserlebewesen gegenüber schnell wieder verworfen.

Der nächste Vorschlag war deutlich „besser“: Man beschloss den Böller in der – um diese Zeit – fast leeren Garage gegenüber dem Stadion zu zünden. „Da war außer uns niemand – da konnte nichts passieren.“, meinte der naturwissenschaftliche Experte Dr. Stefan M., der während des Basic-Physikunterricht („Wie entsteht ein Echo?“) wohl gerade im Schulhof gaberln geübt hat. Gesagt, getan: Sie entflammten den Kracher und warfen ihn möglichst weit weg.  „Es machte einen urgewaltigen Krach!“, erinnerte sich Maierhofer. Es klingelte in ihren Ohren, doch damit nicht genug. Postwendend kam noch ein zweites Geräusch hinzu: Eine Sirene begann ohrenbetäubend zu heulen. Die Druckwelle der Explosion hatte die Alarmanlage der Garage ausgelöst. Die damalige Nummer 9 der Wiener schaltete blitzartig: Nichts wie weg hier. Gott sei Dank war Hoffers Audi Q7 startbereit. Ungestört konnten die „bösen Buben“ den Schranken passieren und bogen in die nächste Seitengasse ein. Aus den Augenwinkeln sah Maierhofer noch, wie zwei Funkstreifen mit Karacho die Keißlergasse entlang gerast kamen. Glück gehabt. Der physikalische Anschauungsunterricht (Was ist eine Druckwelle?) ging somit für die Protagonisten glimpflich zu Ende.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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