In Zeiten die mit dem Videobeweis die technische Revolution des Fußballs ausrufen, haben wir uns einmal angesehen, wie die digitale Technik in den letzten... Digitalisierung: Als Fußballfan inmitten der digitalen Revolution

_Kameras Hawkeye VideobeweisIn Zeiten die mit dem Videobeweis die technische Revolution des Fußballs ausrufen, haben wir uns einmal angesehen, wie die digitale Technik in den letzten Jahren unsere Lieblingssportart verändert hat! Und diese wird auch in den nächsten Jahren weiterhin nicht aufzuhalten sein, unabhängig ob es Fußballromantiker hin oder Balltreter-Nostalgiker her gefällt. Zu diesem Thema gibt es natürlich schon unzählige Studien, Berichte und Meinungen. Eine Analyse an dieser Stelle bis ins Detail würde den Umfang sprengen. Stattdessen haben wir uns drei Hauptthemenbereiche rausgepickt und möchten einmal möglichst wertfrei aufzeigen, wie sich Big Dat und technische Errungenschaften auf die jeweilige Personengruppe im Spiel ausgewirkt haben. Heute im ersten Teil schauen wir auf den größten Bereich, der uns alle betrifft: Die des Zuschauers oder des Fans! Sowohl am heimischen Dorf-Sportplatz, aber vor allem bei den Profis im Stadion hat sich hier in den letzten Jahren massiv etwas getan.

Auch der Unterhaus-Sportplatz wurde „digital“

Für jüngere Leser ist es vielleicht ein kleiner, kaum zu glaubender Kulturschock! Aber es ist etwa zwei Jahrzehnte her, da wurde nach dem Schlusspfiff in den untersten Klassen erst einmal gewartet. Grundsätzlich bis zum nächsten Montag, wenn die Tageszeitung des Vertrauens die gesammelten Unterhaus-Ergebnisse vom Wochenende abgedruckt aufbereitete. Die Revolution erfolgte – am Beispiel in Oberösterreich – vor etwa dreizehn Jahren, als der Online-Spielbericht in die Schiri-Kabinen Einzug hielt. Mit einem Klick ins Internet – was damals in der Prä-Smartphone-Ära noch ungleich umständlicher war – konnte man relativ rasch nach Schlusspfiff die Ergebnisse der Konkurrenz „abchecken“.

Seit knapp fünf Jahren haben sich nun die Live-Ticker-Apps etabliert. Hobbyreporter neben dem Spielfeld schicken in Echtzeit die aktuellsten Geschehnisse vom Grün ins Netz. Nun hat der Fan quasi in Echtzeit seine persönliche Spieltags-Konferenz am Handy. Die nächste Revolution zog vor etwa zwei, drei Jahren (am Beispiel Oberösterreich) ein, als zahlreichen Vereinen ein Kamerasystem zur Verfügung gestellt wurde. So filmen jetzt immer mehr ambitionierte Kamerakinder die Meisterschaftspartien in den Hobbyligen. Chancen, Tore, strittige Szenen und andere vermeintliche Highlights landen Sekunden später im Netz. Der des Sportplatz-Besuchs verhinderte Supporter kann – vom Hotelzimmer in Liverpool aus genauso wie vom Free-Wifi-Burgerladen in New York – während in der Heimat noch gejubelt wird, schon Sekunden später das gerade erst erzielte Tor streamen.

All das sind jetzt keine Neuigkeiten, aber die Rasanz wie sich selbst der Hobby-Kick in der letzten Generation digitalisierte, überrascht dann doch etwas.

Stadionbesuche und Liveübertragungen

Ganz andere Möglichkeiten bietet da natürlich der Profifußball. Dort wird mittlerweile schon fast jedes Detail digital vermessen und der Fan kann – falls gewünscht – auf einen Statistik-Tsunami aufspringen. Livescore-Apps berechnen schon wenige Minuten nach Ankick für jeden Spieler seine unbestechliche, weil objektiv von Datenbanken analysierte Zwischennote. Die sich dann in Echtzeit laufend weiter entwickelt. In den Halbzeitpausen werfen dann die Fernsehstudios mit allerlei Zahlen um sich. Immer neue, revolutionäre Kennzahlen werden auf den Markt gebracht und feiern sich (kurzfristig) als der heilige Gral der Fußballanalyse – Copyright Mehmet Scholl zum Stichwort „Packing“, dem deutschen Beitrag zu diesem Thema bei der letzten Euro. Diese Zahlen sind natürlich allesamt mehr oder weniger interessant, da sie Eckdaten zur Begegnung und objektive Fakten liefern. Doch sie sind trotzdem nur eine Basis auf der Analysen aufbauen, aber vor allem richtig interpretiert werden müssen. Plakativ ausgedrückt: Ein hoher Ballbesitz-Anteil sagt wenig über die Dominanz aus, wenn der vorrangig durch planloses Horizontalspiel im Mittelfeld entsteht. Genauso wenig beweist eine hohe Passquote Überlegenheit, wenn diese durch ideenloses Hin- und Hergeschiebe in der Viererkette aufpoliert wird.

Viele Fans stoßen alleingelassen mit den Zahlen schon mal überfordert an die Grenzen. Da kann und soll der TV-Experte im Halbzeitstudio mit der richtigen Deutung und Interpretation dieser Daten abhelfen. Dort werden dann auch Szenen seziert und so Bewegungsmuster für den TV-Konsumenten aufgezeigt, sowie subjektive Gefühle mit Werten bestätigt oder möglicherweise auch widerlegt. Zumindest theoretisch könnte es so sein.

Auch geht es in diesem Themenbereich für den Fan nicht nur um die passive Berieselung. Unzählige Fußballverrückte basteln bei Online-Manager-Spielen an ihren virtuelle Mannschaften. Je nach deren Performance am Feld werden Punkte gesammelt, mit denen man sich im Ranking gegen Freunde oder Kollegen misst. So erhalten Spiele im TV zusätzlich auch noch mehr Emotionalität. Und wenn wir schon im Gaming-Sektor sind, darf man natürlich auch nicht eines der jährlich meist verkauften Konsolen-Spiele vergessen. Bei der von EA-Sport entwickelten FIFA-Reihe werden seit 1995 die künstlichen Avatare nicht nur punkto Grafik, sondern auch deren Spielereigenschaften immer realistischer. Auch hier greifen die Programmierer auf die Statistik-Dienstleister zurück und bauen so selbst die Kicker aus weniger präsenten Ligen bis ins kleineste Detail nach.

Was heißt das alles?

Auf jeden Fall bieten die heutigen Techniken für jeden Fußball-Nerd eine schier unbegrenzte Spielwiese. Immer weiterentwickelte Statistikdaten werden auch neue Formen der Grafiken und Informationsdarstellungen folgen bzw. folgen müssen. Hier liegt auch die große Herausforderung an den Datensammler. Das erhobene Zahlenmaterial wie bisher auch weiterhin für Statistik-Freaks in großem Umfang zur Verfügung zu stellen. Trotzdem aber auch den schwierigen Spagat zu schaffen, diese für den „Durchschnittsfan“ in mundgerechten Happen verständlich aufbereitet zu servieren.

Doch unterm Strich bleibt Fußball im Prinzip eine einfache Angelegenheit, mit nur einer bedeutenden Kennzahl: Wie oft der Ball die Torlinie überschreitet. Um bei dieser Frage möglichst keine Fehler und Ungerechtigkeiten mehr zuzulassen, greift mit der Torlinientechnologie und jetzt auch mit dem Videobeweis erstmals die Technik aktiv ins Spielgeschehen ein, statt sich wie bisher sich nur rund um das Spiel zu drehen. Eine auf jeden Fall wesentliche und spannende Entwicklung in der wir uns zurzeit befinden.

Jeder hat zu diesem Thema seine eigene, kontroverse Meinung. Für die einen wird dem Fußball die Seele – weil Emotionen – geraubt. Für andere ist es der erste Schritt zu einer möglichst gerechten, fehlerminimierten Spielkultur. Manche begrüßen zwar einen faireren Fußball, finden aber die aktuell getestete Videobeweis-Umsetzung noch ausbaufähig. Wir haben hier versucht, bewusst möglichst wertfrei zu portraitieren, wie Digitalität und neue technische Möglichkeiten den Fußball-Konsumenten beeinflussen. Gerne könnt ihr in den Kommentaren eure persönliche Sicht der Dinge darstellen.

Morgen schauen wir uns an, wie es mit dem digitalen Athleten so steht! Ehe am Mittwoch dann der wahrscheinlich große Hauptprofiteur der technische Revolution im Mittelpunkt steht: Der Trainer.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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