Nach dem Verbot des öffentlichen Auftritts der Gruppe „Unsterblich“ (Entzug des Fanklubstatus) durch die Generalversammlung des FK Austria Wiens Ende Jänner ging der Protest... Bewegung in der violetten Fanpolitik (2) – Proteste in der violetten Fanszene gehen weiter

Austria FansNach dem Verbot des öffentlichen Auftritts der Gruppe „Unsterblich“ (Entzug des Fanklubstatus) durch die Generalversammlung des FK Austria Wiens Ende Jänner ging der Protest der aktiven Fanszene auch im zweiten Spiel der Rückrunde weiter. In diesem Teil der Serie sollen neben den Vorwürfen der Szene an den Verein vor allem die „normalen“ Fans (in Abgrenzung zur aktiven Szene) sowie der Verein selbst zu Wort kommen.

Um wen es wirklich geht…

Vor Spielbeginn fiel bei einem Blick auf die Osttribüne auf, dass die meisten Fanklubs ihre Banner nicht aufgehängt hatten. Die prominenteste Ausnahme bildeten die „Soccerholics“ die ihren Banner während des gesamten Spiels präsentierten.

Nach der Bekanntgabe, dass man auf eine Sindelar-Gedenkchoreographie verzichtet, wurde zunächst nur das Transparent der Gruppe Unsterblich aufgehängt, ehe dann die restlichen Fanklubbanner der Reihe nach aufgehängt wurden.

Bereits nach wenigen Minuten wurde das von der Austria untersagte Unsterblich-Transparent durch den Fanordnerdienst entfernt, worauf aus Solidarität die meisten anderen Banner als Protestmaßnahme ebenfalls wieder entfernt wurden.

Dass die Solidarität zuweilen eher auf Unfreiwilligkeit basiert, zeigen diverse Augenzeugenberichte. Wie man aus Szenekreisen vernimmt, wird von den führenden Gruppen, falls nötig, Druck ausgeübt, um den Protest einheitlich nach außen hin zu gestalten.

Durch den Ablauf der Ereignisse (und die Spruchbänder, dazu später mehr)  wird offensichtlich worum es bei dem Protest wirklich geht. Standen in der Aussendung vor dem Derby noch vermeintlich ungerechtfertigte Stadionverbote im Fokus, so zeigt sich immer mehr, dass der wahre Grund der „Ausschluss“ – ein irreführender, weil nicht zutreffender Begriff – von „Unsterblich“ die Hauptmotivation für den Kampf gegen den Verein darstellt.

An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass die Meinungsäußerungen der aktiven Szene legitim sind, sofern sie sich, wie bisher, im Rahmen des Gesetzes und des Anstandes bewegen. Bisher verliefen sämtliche Aktionen im Rahmen des Protests friedlich, ein Umstand der, obwohl im Grunde selbstverständlich, positive Erwähnung finden soll.

Die Vorwürfe an den Verein lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Der Verein, allen voran Markus Kraetschmer, hätte einen „verdienten“ Fanklub für neue Sponsoren geopfert und so die Szene verraten (Spruchband: „Kraetschmer: Neue Sponsoren um jeden Preis!? Was zum Teufel soll der Scheiß!?“)

Zusätzlich ortet man einen Kuhhandel zwischen Verein und der Exekutive, die durch das Verbot politischer Statements – allen voran A.C.A.B. („All Cops Are Bastards“) – besänftigt werden soll (Transparent: „Verbrüdert sich unser Verein mit der Polizei noch mehr…bleiben Fan Workshops demnächst leer“)

Neben den optisch auffälligen Signalen wurde auch gegen die Admira auf den organisierten Support verzichtet.

Man präsentierte sich in der Folge zwar leiser, dafür deutlich niveauvoller: Auf Anti-Support, also die Gegnerbeschimpfung, wurde weitestgehend verzichtet. „Nur“ Jürgen Macho musste sich ob seiner Sympathie für Rapid einiges anhören und wurden von manchen mit Schneebällen beworfen. Eine einzige, wenn auch dafür nicht weniger unentschuldbare Entgleisung der Fantribüne.

Vereinsstatement

Der Leiter des Fanservice der Austria, Michael Kohlruss, erklärt die Strategie der Veilchen: „Wir haben im Jänner 2012 klare Regeln für unsere Fanklubs aufgestellt: Keine Gewalt. Keine Politik. Keine Pyrotechnik (außer mit Ausnahmegenehmigungen). Wir haben ein Jahr gewartet um zu sehen, wer sich an diese Regeln hält und haben im Winter die Konsequenzen gezogen.“

Dass der eingeschlagene Weg der richtige sei, zeige sich unter anderem auch darin, dass das Derby zum Rückrundenauftakt das erste seit einer gefühlten Ewigkeit gewesen sei, nach dem die Austria keinen Cent Strafe zahlen musste.

Wie der verbotene „Unsterblich“-Banner ins Stadion gelangte erklärt Kohlruss so: „Obwohl wir die Zutrittskontrollen verschärft haben, geben wir uns nicht der Illusion hin, alles draußen halten zu können. Gerade in der kalten Jahreszeit kann man sich Banner um den Körper wickeln. Wir wissen über welche Kanäle der Banner ins Stadion gelangt sind und sind darauf vorbereitet. Wir können jedoch das Pub als Schleuse ausschließen.“

Die Austria setzt auf verstärkten Dialog, damit solche Provokationen in Zukunft ausbleiben. Allerdings hat die Geduld Grenzen: „Spätestens wenn der Banner aufgehängt wird, müssen diejenigen Farbe bekennen. Durch Überwachungskameras und IDs haben wir sehr gute Instrumente und wissen wer dafür verantwortlich ist. Beim nächsten Mal wird es Hausverbote geben. Man darf nicht vergessen, dass der Banner 80 Minuten NICHT gehangen ist und wir werden diese Zeit in Zukunft auf 0 setzen“:

Fanstimmen aus dem Austrian Soccer Board

Im Gegensatz zu der Fanszene gibt es für die „normalen“ Fans keine offizielle („einheitliche“) Meinung – auch wenn, wie oben erwähnt, der Zusammenhalt der Fanklubs bröckelt. Daher bieten Fußballforen Möglichkeiten Stimmungslagen zu erkennen. Im Austrian Soccer Board wird über die Entwicklungen in der violetten Fanszene eifrig diskutiert.

Seit Bekanntgabe des Verbots der Gruppierung „Unsterblich“ wurden an die 2000 Beiträge rund um das Thema „Fanszene Favoriten“ verfasst. Mit der Stellungnahme der Fans vor dem Derby, den Derbyvorfällen in der U-Bahn und der Protestaktion gegen die Admira gab es allerdings auch weitere „Aufreger“.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Großteil der User hinter dem Weg des Vereins steht. „Unsterblich“ hat sich in den letzten Jahren zu viel geleistet, um jetzt Unterstützung zu erwarten. Einzelne Stimmen hegten die Befürchtung, dass es eine Kollektivstrafe geben könnte, was aber vom Verein heftig dementiert wurde.

Der Vollständigkeit halber muss zugestanden werden, dass die meisten Forumsuser in keinem Fanklub engagiert sind, bzw. nicht aus der aktiven Fanszene stammen, durch die Möglichkeiten des Informationsaustausches aber einen gewissen Einblick in die Fankurve haben. Eine Allgemeingültigkeit kann sich aus den szenekritischen Beiträgen freilich nicht ableiten lassen, eine Tendenz zeigt es jedenfalls sehr wohl an.

Fazit

Die sportlich ausgezeichnete Situation der Veilchen erlaubte es den Verantwortlichen im Winter fanintern aufzuräumen. Die Stimmung ist, wie gesagt nicht zuletzt durch den sportlichen Erfolg, trotz aller Nebengeräusche gut. Abgesehen davon, dass der Ausschluss einer rechtsradikalen Vereinigung zu jedem Zeitpunkt angebracht ist, bewies die Führungsebene gutes Timing.

Die Verteidigungsstrategie der Betroffenen versagt. Desinformation, Halbwahrheiten, Gerüchte und Anschuldigungen erzielen nicht den gewünschten Effekt. Die, teils erzwungene, Solidarität zeigt erste Risse, die breite Masse kann nicht gegen den Verein aufgebracht werden.

Die Austria kommentiert ihr Vorgehen (endlich) offensiv und schafft durch den Informationsfluss Vertrauen in ihr Handeln.

Daneben verkommen beleidigte Spruchbänder von Pseudoopfern leicht zu Kuriositäten, die kaum Interesse bei Unbeteiligten wecken und in Richtung Meistertitel nicht einmal mehr Störfeuer darstellen.

Die Szene entlarvt sich aufgrund ihrer Solidarität mit „Unsterblich“ in Bezug auf ihre Motivation selbst und verspielt dadurch immer mehr Kredit. Beim Verein ebenso wie bei den „Normalos“.

Es bleibt zu hoffen, dass die Austria den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Der Gegenwind war zu erwarten und muss durchgestanden werden.

Auf den Dialog mit den Betroffenen sollte zwar auch in Zukunft gesetzt werden, aber in den wesentlichen Punkten hat der Verein keinen Grund vom eingeschlagenen Kurs abzuweichen.

Peter Stöger schließt übrigens mittlerweile auch ein Zeichen der Mannschaft nicht mehr aus. Sollte die Mannschaft das Gefühl haben, von der Fantribüne zu wenig Unterstützung zu bekommen, werde man sich nicht von ihr verabschieden, wie Stöger zuletzt auf seiner Facebook-Seite bestätigte.

Deutlicher könnte man dem Protest wohl keine Abfuhr erteilen.

abseits.at Redaktion

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