Am 19.Oktober 2011 hob um 9:35 eine KLM Maschine mit einer Gruppe von neun Austria-Fans in Richtung Holland zum Europa League Auswärtsspiel der Wiener... Der Ausflug nach Amsterdam und Alkmaar, erzählt von einem Austria-Fan

Am 19.Oktober 2011 hob um 9:35 eine KLM Maschine mit einer Gruppe von neun Austria-Fans in Richtung Holland zum Europa League Auswärtsspiel der Wiener Austria in Alkmaar ab. Ziel der Reise war vorerst die Hauptstadt Hollands, Amsterdam. Nachdem man es sich in einem Hostel mit dazugehörigem Pub bequem gemacht hatte, wurde erstmal die Stadt unsicher gemacht. Der eigentliche Anlass dieser Reise, sollte am nächsten Tag knapp 50 Kilometer nördlicher stattfinden. Um 13,40 Euro (Hin- und Retourpreis) setzte man sich am Amsterdamer Bahnhof in den Zug Richtung Alkmaar, um der 90.000-Einwohnerstadt einen violetten Besuch abzustatten.

Malerisch und mit einem englisch angehauchten Stil erwartete uns die Stadt Alkmaar mit perfektem Wetter inklusive Sonnenschein. Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, nachdem es in Amsterdam noch wie aus Schaffeln geschüttet hatte! Besonders bemerkenswert waren auch die Wohnhäuser, die mit ihren gut einsehbaren Wohnzimmern glänzten, welche durch ihre Lage im Erdgeschoss einladend zur Schau gestellt wurden. Für Einbrecher wohl ein leichtes, die Lage „abzuchecken“, doch anscheinend muss man sich in Alkmaar nicht mit diesem Problem herumschlagen.

Nachdem man sich in der Innenstadt noch einmal gestärkt und bereits viele bekannte Gesichter aus der Heimat gesichtet hatte, ging es weiter mit dem Linienbus (1,60 Euro pro Fahrt) an die Stadtgrenze, genauer gesagt zum Wohnzimmer des AZ Alkmaar, dem AFAS-Stadion. Gleich um die Ecke befand sich auch das Hotel der mitgereisten Austria Fans, die mit der Mannschaft den Weg nach Alkmaar angetreten hatten. In der dortigen Bar, teilten sich sowohl holländische als auch österreichische Fans auf freundschaftliche Weise das Bier. Der Fußmarsch danach vom Hotel zum Stadion war zwar ein ziemlich langer, vor allem nachdem man fast um das halbe Stadion gehen musste, um endlich am Gästesektor anzukommen, doch auf diese Weise konnte man auch ein wenig das Stadion begutachten. Bemerkenswert war wohl das direkte Vorbeigehen am Heimsektor, der zwar noch nicht gefüllt war, trotzdem aber manchmal ein gewisses Risiko mit sich bringt. Bei Heimspielen gegen „gewaltbereitere“ Fangruppierungen, könnte dies wohl zu kleineren Schwierigkeiten beitragen, bei diesem Spiel blieb jedoch alles ruhig.

Endlich im Stadion angekommen, wurde man von den Security-Leuten an den Eingängen gefragt, ob man eh nur mit Zigaretten den Weg ins Stadion sucht und keine „Joints“ bei sich hätte. Gleich beim Betreten der Tribüne fiel auf, dass vor dem Gästesektor nicht einmal ein Netz gespannt wurde, um möglichen Wurfgeschoßen die Reise aufs Spielfeld zu erschweren. Das Vertrauen in die gegnerischen Fans steht wohl beim Ehrendivision Tabelleführer im Vordergrund. Die Haupttribünen, aber auch der Sektor der „Hardcore“-Fans füllte sich nur sehr langsam, viele Zuschauer bevorzugten anscheinend die Anreise kurz vor dem Anpfiff, was natürlich auch mit der Startzeit von 19:00 Uhr zusammenhängen könnte. Auffallend im Gästesektor waren die unzähligen Aufkleber eines Fanklubs des IFK Malmö, die aber auch bereits in Amsterdam zur Genüge gesichtet wurden.

Kurz vor Spielbeginn wurde Joey Didulica sowohl von den Alkmaar-, als auch von den Austria-Fans feierlich verabschiedet, spielte dieser doch für beide Teams und musste seine Karriere erst vor wenigen Tagen beenden. Mit einem Alkmaar-Schal in der einen und einer Austria-Fahne in der anderen Hand wurde Didulica bei seiner Stadionrunde umjubelt. Die obligatorische Welle vor dem violetten Sektor durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Das Spiel hatte begonnen und die Austria präsentierte sich in hervorragender Spiellaune. Schon in den ersten Minuten konnte man gut erkennen, dass die Wiener voll auf Sieg spielten und, dass Alkmaar ein wenig mit diesem Schwung überrascht wurde. Die fast logische Folge war das 0:1 nach 19 Minuten durch ein Eigentor von Marcellis, der einen Eckball von Zlatko Junuzovic nur mehr per Kopf ins eigene Tor verlängern konnte. Alkmaar wurde nach dem Tor zwar ein wenig stärker, aber die nächste Unachtsamkeit in der Abwehr verwertet Alexander Gorgon eiskalt zum 0:2 für die Gäste – der Austria Sektor stand Kopf. So ging es dann auch in die Halbzeit.

Auch beim Pausentee konnte man zwei interessante Situationen beobachten. Zum Ersten braucht man sich nach diesem Spiel wohl nie wieder beklagen, dass es in Österreich schwer sei, zu seinem Halbzeit Getränk zu kommen. Als würde es etwas gratis geben, standen die Massen bei den Kantinen. Und das zweite Novum war die leere Haupttribüne, die doch recht gut besucht wurde, in der Halbzeit aber einem Bombeneinschlag gleichte. Wenn noch 20 Menschen dort saßen, wäre es wohl bereits viel gewesen! Die Tribüne füllte sich aber sofort wieder bei Wiederanpfiff. Der Druck der Holländer war von der ersten Minute der 2.Halbzeit an hoch, die Austria konnte sich jedoch immer wieder mit Kontern retten. Leider wurden diese viel zu schlampig ausgeführt und so passierte das, wovor die meisten Austria-Fans Angst hatten, Alkmaar macht das 1:2 und schlussendlich auch noch den Ausgleich. Diesmal standen die rund 14.500 Fans von AZ Kopf und erzeugten einen Lärm, den man nicht oft in einem Stadion erlebt. Interessant dürfte noch der Umstand sein, dass die Heimfans das Stadion bereits fünf Minuten vor Schluss in Scharen verließen, obwohl der Ausgleich nur zwei Minuten davor fiel und Alkmaar sogar auf das 3:2 drängte.

Hätte man die Austria-Fans vor dem Spiel gefragt, jeder hätte sich wohl über ein Unentschieden gefreut, diesmal waren es aber klar verlorene Punkte für den FK Austria. Das Verlassen des Stadions konnte auch ohne Komplikationen bewältigt werden, es gab auch keine „Sperre des Sektors“ nach dem Spiel, alle Austrianer durften sofort die Reise nach Hause antreten. Für unsere Reisegruppe ging es dann per Bus und Zug wieder zurück nach Amsterdam, welches wir dann ebenfalls am Samstag per Flugzeug Richtung Wien verließen. Und wie es sich für eine Auswärtsfahrt mit der Austria gehört, landeten wir pünktlich um 19:11 Uhr (!!) am Wiener Flughafen.

Die Reise nach Holland hat sich auf jeden Fall mehr als gelohnt, vor allem die Atmosphäre im Stadion war beeindruckend, ein Beweis dafür ist auch ein Schaltausch zwischen dem Auswärtssektor der Austria und der Haupttribüne. Die Stadt Alkmaar ist zwar von der Größe eher mit Ried oder Mattersburg zu vergleichen, hat aber ebenfalls sein Flair und wird sicher irgendwann mal wieder besucht werden. Das fünf Jahre alte Stadion an sich wirkt ziemlich bombastisch, kaum zu glauben, dass hier nur 17.000 Zuschauer ihren Platz finden.

[http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/thumb_alkmaar1.JPG] [http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/thumb_alkmaar2.JPG] [http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/thumb_alkmaar3.JPG]

(Gigi)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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