Nachdem vor rund einem Monat bereits im Bezirk Braunau tolle Derbys in der oberösterreichischen Landesliga West besucht wurden, stand in dieser Liga wenige Wochen... Der ganz normale Wahnsinn – Unterhausderbys in Oberösterreich

Nachdem vor rund einem Monat bereits im Bezirk Braunau tolle Derbys in der oberösterreichischen Landesliga West besucht wurden, stand in dieser Liga wenige Wochen später das Spiel der Spiele auf dem Programm. Hierbei handelte es sich um das Marchtrenker Stadtderby zwischen dem SV Viktoria und dem SC. Da es hierbei um den Meistertitel ging, kamen 1.400 Zuschauer in die ASKÖ Arena. Ein Wert, der mit 1.550 Zuschauer in der sechstklassigen Bezirksliga Nord noch einmal getoppt werden sollte. Auch beim Nachbarschaftsderby zwischen Union Vorderweißenbach gegen Union Bad Leonfelden ging es um den Meistertitel. abseits.at war bei beiden Begegnung vor Ort und gibt es eine tolle Nachlese mit vielen Bildern.

SV Viktoria Marchtrenk – SC Marchtrenk 1:2 (0:0)

Am Freitag, dem 18.05.2018, stand das 12. Marchtrenker Stadtderby am Spielplan der oberösterreichischen Landesliga West. Schon vor exakt einem Jahr hätte bereits die zehnte Auflage dieser Begegnung besucht werden sollen, doch damals wurde das Spiel bereits nach wenigen Minuten auf Grund eines Orkan ver- und schließlich auch abgeblasen, sodass man unverrichteter Dinge die ASKÖ-Arena verlassen musste.

Heuer war der Wettergott gnädiger und schickte eine Stunde vor Spielbeginn nur eine Gewitterzelle über Marchtrenk. Zu Spielbeginn lachte dann, zusammen mit den 1.400 Besuchern dieses Spiels, die Sonne vom Himmel. So stand einer weiteren Auflage vom Aufeinandertreffen des SV Viktoria Marchtrenk gegen den SC Marchtrenk nichts mehr im Wege. Da der SC Marchtrenk die Tabelle anführt und der SV Viktoria als Tabellenzweiter nur einen Punkt hinter dem Lokalrivalen liegt, geht es heute nicht nur um die Nummer Eins in der Stadt, sondern auch um den Meistertitel und den damit verbundenen Aufstieg in die Oberösterreichliga. Vor dieser Rekordkulisse wollte sich natürlich kein Team Blöße geben und so prägte die Taktik die Anfangsphase. So manch ein Zuschauer wurde schon ungeduldig und meinte: „Jetzt brauch ma a Toa, damit wieda a weng Feia drin is!“

Tore sollten in den ersten 45 Minuten keine fallen. Dafür gab es eine zehnminütige Unterbrechung wegen eines Rettungseinsatzes. Für diesen sorgte allerdings kein Spieler, sondern ein Zuschauer, der offensichtlich ein wenig über den Durst getrunken hatte. Ein trinkfester Marchtrenker meinte: „Ein Rettungseinsatz wegen eines Besoffenen ist unglaublich, aber noch unglaublicher ist es, dass ich – bei meinem Bierkonsum – nicht der zu Rettende bin!“

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte zeigen die Fans der Viktoria eine tolle Fahnenchoreographie und sie zeigen damit den Gäste-Fans eindeutig, wer hier der Herr im Haus ist. Aber auch auf dem Spielfeld hatten die in grün-weiß spielenden Gastgeber nun mehr Anteile, jedoch verteidigten die in blau-gelb spielenden Gäste weiterhin sehr geschickt.

So sah nach 75 Minuten alles nach einem torlosen, aber sportlich gerechten Unentschieden in Marchtrenk aus. Allerdings sollte sich dies gleich zu Beginn der Schlussviertelstunde ändern, denn Stürmer Oravec köpfelt aus kurzer Distanz den Ball über die Linie, nachdem Plavac, der Schlussmann der Viktoria, mit einem tollen Reflex den Gegentreffer vorerst noch verhindern konnte. Auch drei Minuten später ist er machtlos, als Verteidiger Klostermann einen Schuss von Mehic unhaltbar in die eigenen Maschen abfälscht.

Das Derby war binnen drei Minuten zu Gunsten des SC Marchtrenk entschieden, sodass der Anschlusstreffer der Viktoria in der vierten Minute der Nachspielzeit aus einem Freistoß nur mehr statistischen Wert hatte.

Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans des SC zusammen mit ihrer Mannschaft und Trainer Adam Kensy ausgiebig auf dem Rasen. Sie wissen, dass diese drei Punkte wohl den Meistertitel samt Aufstieg bringen.

Apropos Aufstieg. Dieser ist sogar noch für die Viktoria möglich. Die Bedingungen hierfür sind Tabellenzweiter zu bleiben und mehr Punkte als der Tabellenzweiter der Landesliga Ost zu haben. Derzeit würde man diese Voraussetzungen erfüllen, weil man einen Punkt mehr als St. Martin im Mühlkreis hat.

Bleibt dies auch nach 26 Runden so, dann kann man dieses tolle Derby auch in der Oberösterreichliga besuchen.

Union Vorderweißenbach – Union Bad Leonfelden 4:2 (1:0)

Da ein Bekannter im Herbst zufällig bei Bad Leonfelden gegen Vorderweißenbach war und 800 Zuschauer bei diesem Lokalderby bewohnten, war es irgendwie logisch, dass das Rückspiel in Vorderweißenbach in der Frühjahrssaison als Pflichttermin am 26.05.2018 in den Kalender genommen wurde.

Dass Vorderweißenbach Tabellenführer und Bad Leonfelden der erste Verfolger des nur acht Kilometer entfernten Nachbarn aus dem oberen Mühlviertel ist, daran änderte sich auch 13 Runden später nichts. Doch drei Runden vor dem Saisonende hat die Union Vorderweißenbach fünf Punkte Vorsprung auf die Union Bad Leonfelden. Das bedeutet für die Gastgeber, dass ein Sieg gegen den Lokalrivalen den Meistertitel in der Bezirksliga Nord und somit die Rückkehr in die Landesliga Ost bedeutet.

Aber auch die Union Bad Leonfelden braucht die Punkte, denn als einer der punktebesten Zweitplatzierten würde man zumindest die Relegationsspiele für einen Aufstieg in die oberösterreichische Landesliga Ost erreichen. Da der einzige Konkurrent um die Teilnahme, die Union Julbach bereits am Nachmittag ihr Spiel verlor, bleibt es zwei Runde vor dem Saisonende auf alle Fälle beim Abstand von vier Punkten. Also steht selbst bei einer Niederlage für Bad Leonfelden nichts gegen ein Relegationsduell gegen die unweit entfernten Freistädter entgegen.

Auch wenn es noch einige Parkplätze in Sportplatznähe gibt, sind schon 15 Minuten vor Spielbeginn alle Plätze auf dem Sportplatz mehr als besetzt. Selbst eine Behelfstribüne außerhalb des Zaunes ist voll besetzt.

Als die beiden Mannschaften einlaufen sind 1.550 Besucher am Sportplatz. Eine unglaubliche Zuschauerzahl für ein Spiel der sechsten Leistungsstufe des Landes. Die Begegnung an sich ist lange ausgeglichen und hart geführt. Vorderweißenbach ist in der glücklichen Lage, dass ein Unentschieden quasi den Aufstieg bedeutet, aber natürlich ist ein Sieg besser, denn eine Aufstiegsfeier nach Heimderby wäre die Krönung dieser Saison.

In der 42.Minute geht Vorderweißenbach durch einen verwandelten Elfmeter von Prihoda dann tatsächlich in Führung und somit steht der Sportplatz kurz vor dem Seitenwechsel Kopf.

In der Pause werden mit der Bad Leonfeldner Reserve ein paar Worte gewechselt und man befindet sich noch Mitten im Gespräch als die Vorderweißenbacher in der 52.Minute auf 2:0 erhöhen.

Als in der 67.Minute Mühleder auf 3:0 für Vorderweißenbach erhöht, ist der Aufstieg für die Gastgeber wohl endgültig fixiert. Aber Bad Leonfelden zeigt Moral und Dank zweier Treffer in der 71. und der 81.Minute ist dieses Derby auf einmal wieder völlig offen und verspricht eine heiße Schlussphase.

Doch da spielen die Vorderweißenbacher nicht mit. Nur wenige Sekunden nach dem Anschlusstreffer der Gäste, stellt Mühleder mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend auf 4:2 für Vorderweißenbach. Nun waren die Gäste gebrochen und die letzten Minuten wurden kontrolliert zu Ende gespielt.

Danach kannte der Jubel bei den Gastgebern kein Grenzen mehr. Es wurde ordentlich mit den Fans gefeiert. Die Union Vorderweißenbach kehrt mit einem 4:2-Derbysieg gegen die Union Bad Leonfelden wieder in die Landesliga Ost zurück.

Ein tolles Derby und Fußballfest geht zu Ende, wobei man der Union Bad Leonfelden in der wohl bevorstehenden Relegation wohl beide Dauen drücken muss, damit es auch ein Klasse höher wieder zu diesem außergewöhnlich tollen Derby in der Landesliga Ost kommt.

Wieder einmal wurde alles richtig gemacht, um ein Lokalderby in Oberösterreich zu besuchen. Denn bei solchen Spielen herrscht in Oberösterreich Ausnahmezustand und man muss ihnen einfach beiwohnen. Es gibt wohl kaum bessere Unterhausspiele als oberösterreichische Derbys.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.