Für die Fans von Blau-Weiß Linz und dem LASK ist dieses Spiel, welches das erste Mal seit dem 31.Mai 1997 ausgetragen wird, das bisherige... Geschichtsträchtig: Fanbericht zum ersten Linzer Derby seit vierzehn Jahren

Für die Fans von Blau-Weiß Linz und dem LASK ist dieses Spiel, welches das erste Mal seit dem 31.Mai 1997 ausgetragen wird, das bisherige Highlight des Jahres 2011. Damals gewann der Meister von 1974 mit 3:0 und wurde danach vom Sieger der Spielzeit 1964/65 geschluckt. Die weitere Geschichte ist bekannt. Wie haben sich die Fans präsentiert? Ein Erlebnisbericht der anderen Art.

Die Anfahrt durch Linz gestaltete sich kurz vor dem Spiel als unkompliziert. Etwa gegen 18 Uhr merkte man entlang der Einfahrtsroute von der A1 zur Gugl nicht viel davon, welches Fußballspiel heute stattfinden würde. Erst beim Abbiegen auf den Froschberg sieht man ein paar Polizisten, die darauf hinweisen könnten, dass im Stadion der Stadt Linz ein Match stattfinden würde. Die Parkplatzsuche gestaltete sich dann schon schwieriger, freie Parkplätze gab es nämlich keine mehr, ebenso wenig wie Karten. Im Stadion selbst war die Stimmung schon hochgekocht, aber alles der Reihe nach.

DIE ANFANGSCHOREOS UND SPRUCHBÄNDER

Der Away-Block platzte aus allen Nähten, es schien so, als ob sich so gut wie jeder LASK-Fan in das Areal gequetscht hätte, welches in der letzten Spielzeit noch das Revier von Rapid, Austria, Sturm und Co. gewesen war. Die Choreo war klassisch gehalten, die Vereinsfarben Schwarz und Weiß in Streifen auf den Seiten und das Logo in der Mitte, darunter ein Spruchband mit den Worten „Zurück zu den Wurzeln“. Die Blau-Weißen ließen sich nicht lumpen und entrollten für das große Spiel ein Bild des berühmten Ringkusses aus dem Film „Der Pate“. Darunter befand sich die Ankündigung, dass der SK VÖEST wieder da wäre. Der Vorjahres-Absteiger wollte dann Mitte der ersten Halbzeit ein Spruchband mit besonders derben Wörtern hochhalten, das Transparent, wonach jemand „verrecken“ sollte, war nicht gut lesbar. Besser zu lesen war die Anspielung auf die Übernahme der Austria Tabak Linz in Halbzeit Zwei, der ein Ruhen in Frieden gewünscht wurde: „Tradition. Respekt. Ehrlichkeit.“

HERR IM HAUSE

Gesangstechnisch bot das Linzer Derby alles, was ein Derby haben muss und noch einiges mehr. Neben bekannten Anfeuerungsrufen beider Lager nach dem Vorbild der italienischen Ultrá-Bewegung mischten sich vor allem im blau-weißen Fanblock, der den in den letzten Jahren vom LASK gewohnten Platz gegenüber des Spielereingangs einnahm, einige Chants, die man sonst eher aus Wien-Döbling oder Dornbach kennt – Anleihen am „British Support“. Im Großen und Ganzen schlug aber bei diesem Derby die Klasse die Masse. Die Laskler wirkten, wie man es von Auswärtssektoren eigentlich gewohnt ist, um einiges gesangsfreudiger und waren streckenweise lauter als der Block des blauen Linz. Gewöhnunsbedürftig und bemerkenswert war einerseits das Goalhorn von Blau-Weiß Linz, welches mit „Samba di Janeiro“ wenig Mitgröhlfaktor aufweist und nicht ganz zu den Fans passt und andererseits die Anleihe der LASK-Fans bei „Sister Act“. Über beide Lieder soll hier der Mantel des Schweigens gelegt werden. So wie die Mannschaften sich leistungsgerecht unentschieden trennten, so gab es auch auf den Rängen eine Punkteteilung: Das blaue-weiße Linz zeigte sich um einiges kreativer, das schwarz-weiße Pendant dafür ein bisschen lauter. Fahnenschwenken und Schalparade gehörten auch dazu, aber noch ein nettes Detail am Rande: Die Anfeuerungsrufe der „Vöestler“ und der „Laskler“ waren nicht immer eindeutig zu trennen, so schien es zeitweise, dass beide Fanblocks so etwas wie „Austler“ riefen.

DIE DRITTE HALBZEIT

Auf der Pressetribüne wurde bereits während des Spiels das Unentschieden als gut befunden. Neben dem sportlichen Aspekt zählt für einige Gruppen an „Fans“ ja auch, wer nach dem Spiel besser Prügel austeilen kann. Die Exekutive hatte das Geschehen aber sehr gut im Griff, das 1:1 wurde als polizeiliches Wunschresultat beschrieben, da so keines der beiden Lager einen guten Grund hatte, komplett auszurasten. Im Gegensatz zum letzten Wiener Derby konnten Zusammenstöße vermieden werden, weder in den Medien noch vonseiten der Insider aus beiden Lagern wurden gewalttätige Auseinandersetzungen vermeldet.

Alles in allem war das erste Linzer Derby seit Mai 1997 eine friedliche Angelegenheit, von den Fans enthusiastisch gefeiert und – bis auf den einen oder anderen Chant, dessen Inhalt nichts für das Sonntagsessen ist – weitgehend Werbung für den Fußball. Es bleibt zu Hoffen, dass auch der LASK beim nächsten Derby „ausverkauft“ vermelden kann und die Fans weiterhin zeigen, wie man ein solches Aufeinandertreffen auch gestalten kann.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen