Am ersten Wochenende im August bot es sich an, die neugebaute Pancho Arena im ungarischen Ort Felcsút anzusehen. Da das dortige Erstligaspiel bereits am... Groundhopper’s Diary | Ein architektonisches Meisterwerk und Naturschönheiten

ungarnAm ersten Wochenende im August bot es sich an, die neugebaute Pancho Arena im ungarischen Ort Felcsút anzusehen. Da das dortige Erstligaspiel bereits am Freitag stattfand und sich der Rest der ungarischen Ligen noch in der Sommerpause befindet, wurde man in der Slowakei mit weiteren Spielen für den Rest des Wochenendes fündig. Hierbei hatte man das Glück, dass sich die Spielorte allesamt am Fuße oder in der Hohen Tatra selbst befanden, sodass neben den Spielen noch atemberaubende Eindrücke von diesem Hochgebirgskamm gemacht werden konnten.

Puskás Akadémia FC – Pécsi MFC 2:2 (1:1)

Am Freitag sollte der Felcsúter Fußballverein, besser bekannt als Puskás Akadémia FC, sein erstes Heimspiel in dieser Saison der ungarischen ersten Liga (OTP Bank-Liga) in der neuerrichteten Pancho Aréna austragen. Das 4.000 Zuschauer fassende Fußballstadion liegt im unscheinbaren Ort Felcsút, mit diesem aber der ungarische Premierministers Viktor Orbán stark verbunden ist. Dies ist der Hauptgrund, warum es dort eine Fußballakademie und die Pancho Arena gibt. Namensgeber des nach den Plänen des bekannten ungarischen Architekten Imre Makovecz errichteten Stadions ist Ferenc Puskás, dessen spanischer Rufname „Pancho“ war. Ein besonderes architektonisches Merkmal dieser Spielstätte ist die aus Holz bestehende Dachkonstruktion. Gekostet hat alleine der Bau des Stadions umgerechnet 12 Millionen Euro und wenn man sich den Rest der Anlage ansieht, dann bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass bei der Errichtung dieser auch alles andere als gespart wurde.

So scheiden sich in Ungarn die Geister an diesem Stadion. Einerseits ist architektonisch sicher gelungen, andererseits hat es auch viel Geld gekostet und ist eigentlich nur die Spielwiese des Ministerpräsidenten und seiner Gefolgsleute.

Diesen Eindruck konnte man auch beim Zutritt zum Stadion bereits vernehmen. Es gibt einen überdimensionierten VIP-Bereich, in dem organisatorisch wirklich alles bis ins kleinste Detail geplant ist. Um den Rest der Besucher kümmerte man sich herzlich wenig und so gingen die Kartenbestellungen für die ausländischen Gäste in Verstoß. Da vor den Stadiontoren Hinz und Kunz wieder einmal keine Ahnung hatten, wo sich diese Karten befanden, wurden wir beim VIP-Einlass durchgewunken. Der VIP-Bereich gleicht einem Puskás-Museum, in dem Speis und Trank serviert werden. Wir ließen uns von der Atmosphäre ein wenig anstecken, ehe das Spiel begann.

Offiziell waren 1.100 Besucher – unter ihnen auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán höchstpersönlich – im Stadion. Die Zahl scheint mir zwar etwas zu hoch gegriffen, denn abseits der VIP-Tribüne befanden sich kaum Zuschauer im Stadion. Pécs hatte immerhin 40 Leute im Gästesektor, von denen wiederum 20 für Stimmung sorgten. Diese waren allesamt in weißen T-Shirts gekleidet, um so den Unmut gegen die vom Verband beschlossenen Fancards mit Fingerabdrücken auszudrücken. Einen Fansektor der Gastgeber gab es nicht, wobei eine Person hinter dem Tor – wahrscheinlich der Busfahrer – manchmal die Stimme für Felcsút erhob.

Das Spiel begann für den mit einer 0:4-Heimniederlage in die Saison gestarteten Pécsi MFC denkbar schlecht, denn der Puskás Akadémia FC ging schon nach wenigen Minuten durch einen Elfmeter in Führung. Pécs wurde mit der Fortdauer des Spiels etwas besser und erzielte noch vor dem Seitenwechsel den Ausgleich. Kurz nach dem Wiederbeginn gingen die Gäste aus Südungarn durch einen sehenswerten Treffer nach einer Einzelleistung sogar in Führung und sahen lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Nur ein Eigentor drei Minuten vor dem Spielende – durch den eben eingewechselten Kroaten Čaušić – verhinderte den Sieg der Mannschaft aus Pécs.

ŠKM Liptovský Hrádok – FK Čadca 3:1 (3:1)

Über Budapest ging es weiter in die Slowakei, wo am Samstag noch gemütlich Zvolen und Banská Bystrica besichtigt wurden, ehe es am Nachmittag weiter nach Liptovský Hrádok ging. Auch diese Kleinstadt am Fuße der Hohen Tatra ist aufgrund einer Burg und einer Aussichtsplattform sehenswert. Diese Attraktionen wurden noch besucht, bevor im Štadión pri Belej das Meisterschaftsspiel zwischen dem ŠKM Liptovský Hrádok und dem FK Čadca angepfiffen wurde. Beim diesem Spiel handelt es um eine Begegnung der ersten Runde der neugeschaffenen III. Liga Stred (= Mitte).

Das Stadion an sich bietet Platz für 1.950 Zuschauer. Allerdings werden auf dem Areal nur die überdachte Haupttribüne und der sich daneben befindliche Stehplatzbereich gepflegt. Dies reicht aber aus, um allen Besuchern einen zufriedenstellenden Platz anbieten zu können.

Falls unter den 400 Zuschauern diesmal jemand die erste Viertelstunde verpasst hatte, dann sah einer ein eher langweiliges Fußballspiel. Bis zur 13. Minute war diese Partie dafür umso verrückter. Der ŠKM Liptovský Hrádok ging schon nach wenigen Sekunden durch einen Elfmeter in Führung und ein Abwehrfehler der Gäste bescherte nach sieben Minuten bereits den Treffer zum 2:0. Doch der FK Čadca konnte postwendend ausgleichen. Die Freude über den Anschlusstreffer währte aber nur kurz, denn fünf Minuten später stellte Liptovský Hrádok den alten zwei-Tore-Abstand wieder her und verteidigte diesen bis zum Schlusspfiff.

FK Poprad – Partizán Bardejov 2:0 (0:0)

Von Liptovský Hrádok braucht man über die Autobahn gerade einmal eine halbe Stunde um nach Poprad zu gelangen. So kam man auch ohne großen Zeitdruck zum Anpfiff des Spiels FK Poprad gegen Partizán Bardejov ins Futbalový štadion NTC Poprad. So heißt Poprads Stadion mittlerweile, denn der slowakische Verband hat Poprad zu seinem Standort im Osten der Republik auserkoren und wird in der zweiten Ausbaustufe auch noch die fehlenden drei Tribünen (verglichen mit der Haupttribüne in kleinerer Form) errichten. Derzeit steht nur die große und bereits modernisierte Haupttribüne für 2.000 Besucher zur Verfügung. Sind einmal alle vier Tribünen fertig wird dann das Fassungsvermögen wieder auf rund 6.000 Plätze ansteigen.

Zu diesem Spiel der DOXXbet-Liga Východ (= 2. Liga Ost) kamen immerhin 1.424 Besucher. Eine ordentliche Kulisse für ein Zweitligaspiel in der Slowakei, wobei das Wetter auch gut war und der Eintrittspreis (zwischen € 1,- und € 1,50) billiger war als ein Bier im Stadion.

Die Zuschauer sahen nach einer ereignislosen ersten Spielhälfte einen verdienten Sieg der Gastgeber. Diese nutzen in der zweiten Halbzeit einfach eiskalt ihre Chancen, während Bardejov viel zu unachtsam agierte. Insbesondere beim 2:0. Diesem ging ein Freistoß der Gäste am Poprader Strafraum voraus. Ein Abspielfehler bei dessen Ausführung ermöglichte einen Konter, der spielerisch wunderschön und überlegt abgeschlossen wurde. Wunderschön war auch das Abendpanorama der Hohen Tatra, das vom Parkplatz aus sehr beeindruckend wirkte.

FK Starý Smokovec, Vysoké Tatry – ŠK Odeva Lipany 0:0

Am Sonntag sollte es nach einen Stadtrundgang in Poprad auch in die Hohe Tatra gehen. Hierbei wurde zuerst der malerische Wintersportort Štrbské Pleso besucht, ehe es weiter nach Starý Smokovec ging, wo der Drittligist FK Starý Smokovec, Vysoké Tatry eigentlich seine Heimstätte haben sollte. Doch das dortige Stadion dient mittlerweile als Parkplatz für den Touristenort und so wurde der Nachbarort Tatranská Lomnica angefahren, zumal sich dort zumindest Postadresse des Vereins befindet. Nun wurde einmal durchgefragt, um den Austragungsort des heutigen Spiel in Erfahrung bringen zu können. Nach etlichen erfolglosen Versuchen, kamen wir in der Touristeninformation an. Dort meinte ein jüngerer Mann, dass er uns helfen könnte und fragte, ob wir Fußballfans seien, weil er uns gestern bereits beim Spiel in Poprad gesehen hat und er nur wenige Reihen hinter uns gesessen ist. Dank seiner Hilfe, war nun keine Schwierigkeit mehr, die Spielstätte zu finden.

Es scheint so, als hätte die Gemeinde den Platz im Ortszentrum von Starý Smokovec benötigt und im Gegenzug für den Verein auf einer Wiese am Ortsrand von Tatranská Lomnica einen neuen Sportplatz errichtet. Die Tribüne und due Umkleideanlagen sind ein Provisorium und auch ansonsten ist das Štadión Tatranská Lomnica noch eine Baustelle.

Zum Spiel der III. Liga Východ (= Ost) gegen den ŠK Odeva Lipany kamen 200 Zuschauer. Sie sahen mit dem 0:0 zwar sportliche Magerkost, amüsierten sich aber ganz gut, denn ab der 70. Minute hatte der Großteil der Besucher bei der Ausschank seinen Spaß. Selbst wenn der an diesem Tag gebotene Fußball nicht wirklich überzeugen konnte, lohnt schon alleine das Panorama am Platz in Tatranská Lomnica einen Besuch eines Spiels.

So fand wieder einmal ein abwechslungsreiches Wochenende seinen Ausklang. Die Region slowakische Region Zips (= Gegend um Poprad) hat eindeutig unter Beweis gestellt, dass sie zu den schönsten auf diesem Kontinent gehört. Neben der Hohen Tatra gibt es dort noch zahlreiche Burgen und historische Städte zu besichtigen.

 

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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