Über die tollen Derbys in der Landes- und Bezirksliga des oberösterreichischen Unterhauses wurde in diesem Frühjahr bereits ausführlich berichtet. Bevor im Oktober weitere Nachbarschaftsduelle... Groundhopper´s Diary: Erstklassige Derbys in Oberösterreichs 1.Klasse

Über die tollen Derbys in der Landes- und Bezirksliga des oberösterreichischen Unterhauses wurde in diesem Frühjahr bereits ausführlich berichtet. Bevor im Oktober weitere Nachbarschaftsduelle in beiden Gruppen der Landesliga auf dem Programm stehen, gab es am letzten Tag des Septembers in der siebtklassigen 1.Klasse zwei atemberaubende Spiele, die es sich lohnten besucht zu werden. Darunter auch das erste Eferdinger Stadtderby seit 24 Jahren. Dieses Spiel war natürlich auch der Kracher in der 1.Klasse Mitte.

Union Ried/Riedmark – ASKÖ Mauthausen 6:0 (4:0)

Dieser Sonntag sollte es in sich haben. In den Spielplänen waren eine Menge Derbys über das ganze Land verteilt. So hatte man die Qual der Wahl, ob man sich im Weinviertel drei Spiele ansieht, wobei der Höhepunkt dabei das ewig junge 3.Klasse-Derby zwischen Michelstetten und Schletz gewesen wäre oder ob man für zwei für tolle Nachbarschaftsduelle nach Oberösterreich fahren sollte.

Die Wahl fiel auf zunächst auf Oberösterreich, doch um 11.00 Uhr hatte man nochmals die Auswahl zwischen Schiedlberg gegen Bad Hall oder Ried/Riedmark gegen Mauthausen. Schließlich sollte es zum Schlager der 1.Klasse Nordost gehen, wo der Tabellenführer Union Ried/Riedmark auf den Tabellenvierten ASKÖ Mauthausen traf. Die beiden Orte trennen weniger als vier Kilometer und somit konnte bei bestem Fußballwetter mit einem tollen Besuch gerechnet werden.

Die Rieder Arena ist ein einzigartiges Stückwerk mit einem alten Kantinen- und neuen Kabinentrakt sowie einer kleinen Tribüne. Als Kuriosum geht auf der Gegenseite ein Flutlichtmast durch das Dach der Stocksporthalle. Allerdings ist das schönste Motiv der Blick auf die imposante Pfarrkirche neben dem Sportplatz.

Zum Anpfiff fanden sich dann 500 Zuschauer ein, was für ein Spiel der siebenten Leistungsstufe mehr als beachtlich ist. Nachdem in einer Trauerminute dem kürzlich verstorbenen LASK-Jahrhundertspieler Helmut Köglberger gedacht wurde, legten die Rieder gleich ordentlich los und hätten bereits wenige Sekunden nach dem Anpfiff Führung gehen können. Sofern man für die Gastgeber die Daumen drückte, hätte man keinen Grund etwas am Spiel zu beanstanden. Nach zahlreichen Chancen fiel in der 24.Minute das Führungstor des Tabellenführers dann doch etwas glücklich. Florian Wahl kann eine Hereingabe gerade noch mit dem Hinterkopf Richtung Mauthausener Tor verlängern, wo der Tormann der Gäste schon in der kurzen Ecke war, der Ball sich aber unhaltbar ins lange Eck senkte.

Nur sechs Minuten später erhöht Ried diese Führung durch ein Eigentor von Deinhofer auf 2:0. Doch als ob Mauthausen nicht schon genug gestraft gewesen wäre, spielen sich die Rieder förmlich in einen Rausch und so ist jeder Schuss ein Treffer. Schachner und Freiler erhöhen noch vor der Pause auf 4:0 und somit ist dieses Derby bereits nach 45 Minuten entschieden.

In der Pause wird dann der Grillstand gestürmt und die Bierverkäuferinnen arbeiten auf Hochtouren. Dass es auch schon nahe an Punkt 12.00 Uhr ist, verschärft die Situation nochmals. So warten einige Besucher noch auf ihre Grillwurst oder ihre Schnitzelsemmel, als Schachner mit seinem zweiten Treffer in diesem Spiel auf 5:0 für Ried/Riedmark erhöht.

Es sei den Akteuren verziehen, dass das Spiel danach aber etwas verflachte. Allerdings war spätestens nach dem fünften Gegentreffer jedweder Widerstand Mauthausen gebrochen und Ried sparte seine Kräfte für die nächsten Aufgaben. nur David Schachner hatte noch nicht genug. Mit seinem dritten Treffer an diesem Tag sorgte er in der Schlussphase für das 6:0.

Der Torjubel ließ einen Rieder Reservespieler kurz sein Aufwärmprogramm unterbrechen und er fragte einen Zuschauer: „Sechse homma jetzt?“ Auf dessen nickende Antwort kam noch ein „Sehr brav sans, die Jungs!“

Es blieb bei diesem Ergebnis und es wurde im Jubel noch der nächste Heimspielgegner durchgesagt. Dies ist kein geringer als der Tabellenzweite aus Bad Zell. Somit ist auch beim nächsten Spiel in Ried ein guter Besuch garantiert, wobei ein Fan auch von sich gibt: „Zö kummt ois nechstas?! Des wiad wirkli schwa wean!“

Wir besuchen nach dem Schlusspfiff noch den Gedenkstein zum Kriegsverbrechen der „Mühlviertler Hasenjagd“ und den Marktplatz des Ortes besucht, ehe es nach Eferding weiterging.

 

ASKÖ Eferding/Fraham – UFC Eferding 1:1 (1:0)

Noch vor wenigen Jahren kämpfte der UFC Eferding in der viertklassigen Oberösterreichliga um Punkte, doch nach dem Abstieg in die Landesliga ging es 2017 noch eine Klasse tiefer in die Bezirksliga, wo man 2018 nur auf einem Relegationsplatz landete. Diese verlor man gegen die zweite Mannschaft des ASKÖ Oedt und somit war der erneute Abstieg besiegelt. Man musste in die 1.Klasse Mitte, wo auch der Lokalrivale ASKÖ Eferding/Fraham spielt. Dieser ist seinerseits auch relegationserprobt, denn in den letzten beiden Jahren konnte in selbiger der Abstieg in die zweite Klasse verhindert werden.

Diese Konstellation ermöglichte es nun, dass erstmals seit 24 Jahren beide Eferdinger Mannschaften in derselben Liga antreten mussten und es sohin wieder zu einem Eferdinger Stadtderby kommt.

In der Hinrunde hat der ASKÖ Eferding/Fraham auf der Springwiese das Heimrecht. Der enge Sportplatz weist keine Tribüne auf und die vorhandenen Sitzbänke sind schon während des Reservespiels voll. Mit mobilen Sitzbänken von den hinter dem Eingangsbereich aufgestellten Biertischen, wird die Sitzplatzkapazität provisorisch noch ein wenig erhöht. Manche Eferdinger sind auch gleich mit ihrem eigenen Sessel auf die Springwiese gegangen.

Zu Spielbeginn ist der an drei Seiten zugängliche Sportplatz auch rappelvoll. Die offizielle Zuschauerzahl beträgt 700, aber da so ein Derby auch Medienvertreter, Reservespieler und sonstige Vereinsoffizielle in seinen Bann zieht, kratzt man heute wohl an einer vierstelligen Zahl aller Anwesenden.

Zum Einlauf der beiden Mannschaften hat der Block der UFC eine schöne Choreographie mit schwarz-weißen Fahnen aufbereitet und untermalt dieses stimmungsvolle Bild noch mit Rauchtöpfen in den beiden Vereinsfarben.

In der Anfangsphase tröpfelt das Spiel vor sich hin, sodass ein Zuschauer zu einem Fotografen im Vorbeigehen mitgibt: „Do kriagst heit nix gscheids voa dei Linsn, weu a 1.Klass is hoit a 1.Klass, egal wiavü Leit do san!“

In der 32.Minute gibt es aber dann erstmals einen Torjubel und es sind die Gastgeber, die sich ausgiebig freuen dürfen, denn Keller bringt Eferding/Fraham mit 1:0 in Führung. Nun bringt sich auch die ASKÖ-Seite fantschnisch ein und feiert diesen Treffer mit einem bengalischen Feuer.

Die Pause naht und es wäre Zeit für den Besuch des Grillstands. Dieser bietet zwar einige Wurstwaren an, jedoch keinen Bosna. Die Lösung dieses Problems ist aber schnell gefunden, denn genau neben dem Grillstand ist eine Werbetafel von „Musti´s Imbiss“, der sich quasi dem Sportplatz gegenüber befindet und unsere Wunschspeise im Sortiment hat.

Nach dem Wiederbeginn rettet Tormann Horwath den UFC vor einem höheren Rückstand. Ein Fan meint daher: „A guada Goalie is wichtig, weu waunnst sonst nur Pfosten am Föd host, brauchts hoit an Guadn zwischen de Pfosten“.

Als sich die drohende Niederlage für den UFC bereits abzeichnet, gibt es in der 75. Minute Elfmeteralarm im Strafraum des ASKÖ Eferding/Fraham. Der Schiedsrichter zögert nicht lange und zeigt auf den Punkt. Ritzberger lässt sich diese Gelegenheit nicht nehmen und erzielt den Ausgleich. Die UFC-Fans feiern diesen Treffer euphorisch und zünden wieder schwarze und weiße Rauchtöpfe.

Da in der Schlussphase kein weiterer Treffer mehr fiel, bleib es bei der gerechten Punkteteilung. Während das friedliche Volksfest am Sportplatz noch bei dem einem oder anderen Getränk in die Verlängerung ging, wechselten wir noch ein paar Worte mit dem ASB-User „neuschönauer“, ehe wir uns mit erstklassigen Eindrücken von den 1.Klasse Derbys auf den Heimweg machten.

Anbei einige Impressionen:

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.