Da in einem Jahr das neue Luxemburger Nationalstadion im Süden der Hauptstadt des Großherzogtums eröffnet wird, sind die Tage des Stade Josy Barthel gezählt.... [Groundhopper’s Diary] Luxemburg – Ein Abschied und ein winterlicher Gruß

Da in einem Jahr das neue Luxemburger Nationalstadion im Süden der Hauptstadt des Großherzogtums eröffnet wird, sind die Tage des Stade Josy Barthel gezählt. Das derzeitige Nationalstadion dient nicht nur als Heimstätte für die Nationalmannschaft, sondern auch als Austragungsort für Europacupspiele der Luxemburger Vereine, falls diese die ersten Qualifikationsrunden überstehen. In den ersten Qualifikationsrunden gibt sich die UEFA noch mit den kleineren Stadien des Landes zufrieden, danach muss allerdings im mit 8.054 Plätze fassenden und somit größtem Stadion des Landes in Luxemburg-Stadt gespielt werden. Da der F91 Diddeleng heuer erneut den Einzug in der Gruppenphase der Europa League geschafft hat, lautete unser Motto zu deren letzten Heimspiel in dieser „Auf geht´s!“.

F91 Diddeleng – APOEL Nicosia 0:2 (0:2)

Da das Spiel gegen den zypriotischen Vertreter APOEL Nicosia erst um 21.00 Uhr angepfiffen wird, erreichen wir Luxemburg und das Stadion zeitgerecht. Für den F91 Diddeleng, der den meisten hierzulande aufgrund der Begegnungen in der Champions League Qualifikation gegen Rapid Wien und Red Bull Salzburg ein Begriff ist, ist es heute das Spiel der letzten Chance, um international überwintern zu können. 2.912 Zuschauer wohnen bei nasskaltem Novemberwetter dieser Begegnung bei, wobei es sich die meisten der Besucher unter der überdachten Haupttribüne bequem gemacht haben. Abgesehen vom gut gefüllten Gästesektor ist der Rest der unüberdachten Sitzplätze im Stadion nur spärlich bevölkert. Der Gästeblock ist hingegen fast voll und sorgt mit einigen Pyro-Aktionen und zahlreichen Gesängen für eine sehr gute Stimmung vor und während des Spiels.

Die Anfangsphase verläuft sehr ausgeglichen, doch in der elften Minute gibt es den ersten Aufreger in dieser Partie, weil der italienische Schiedsrichter Rocchi nach einem Handspiel von Schnell auf Elfmeter für APOEL entscheidet. Uroš Matić, der in Österreich beim Sturm Graz und Austria Wien spielte, übernimmt die Verantwortung und lässt sich diese Chance zur Führung nicht entgehen. Die vom Deutschen Ex-Internationalen Thomas Doll trainierten Zyprioten haben übrigens mit Andrija Pavlović noch einen weiteren Spieler mit Österreichbezug in ihren Reihen. Doch der Ex-Rapidler sitzt auch in Zypern, so wie bei Rapid, meist nur auf der Bank. Auch heute wärmt er diese wieder über 90 Minuten lang.

Im weiteren Verlauf der ersten Spielhälfte haben beide Teams mit einem Stangenschuss noch je eine gute Möglichkeit den Spielstand zu ihren Gunsten zu verändern. Insgesamt gesehen haben aber die Gastgeber mehr vom Spiel und die besseren Chancen. Die 43.Minute sollte dann wieder einmal den Spielverlauf auf den Kopf stellen, zumal eine Freistoßhereingabe von Matić zu einem Kopfballtreffer durch Merkis führt. Zwei Tore aus Standardsituationen sorgen somit für eine komfortable Pausenführung von 2:0 für APOEL und wohl auch für eine Vorentscheidung in dieser Begegnung.

Die zweite Spielhälfte ist lange arm an Höhepunkten. Erst in der 71.Minute verhindert Diddelengs Tormann Joubert mit einer tollen Parade einen höheren Rückstand. In der 84.Minute hat Sinan mit einem Stangentreffer die beste Chance zum Anschlusstreffer der Luxemburger. Zu diesem Zeitpunkt ist APOEL nur mehr zu zehnt, zumal Vouros eine Minute davor mit Gelb-Rot vom Platz musste. Für den unrühmlichen Abschluss in dieser Begegnung sorgt dann Diddelengs Sinan, der nach einer Verwarnung in der Schlussminute den Schiedsrichter kritisiert und mit Rot vom Feld muss.

Kurz danach ist dieses Spiel zu Ende. Düdelingen ist somit ausgeschieden. Da ein weiterer Konkurrent um den Aufstieg, nämlich Qarabağ, beim FC Sevilla keine Punkte holte, ist APOEL dank dieses Siegs bereits vor dem letzten Gruppenspiel in die K.O.-Phase der Europa League aufgestiegen.

UN Käerjéng 97 – FC Jeunesse Junglinster 6:0 (3:0)

Nach zwei Tagen in Frankreich sollte es für und wieder zurück nach Luxemburg gehen. Wir fahren mit ausreichendem Zeitpolster bei Regen aus Nordfrankreich los, jedoch sagt die Wetterprognose für ganz Luxemburg Schneefall ab der Mittagszeit vorher. Kurz vor Grenze zum Großherzogtum stoppen wir noch in Belgien bei einer Fastfoodkette. Während der etwas längeren Pause sehen wir, wie sich draußen alles in eine Winterlandschaft verwandelt und wissen somit auch, dass der Wetterbericht leider zu 100% richtig gelegen ist. Resignierend starten wir danach das Auto und erreichen nach wenigen Kilometern das völlig verschneite Käerjeng.

Dass bei solchen Wetterbedingungen ein Spiel angepfiffen werden sollte, halten wir für undenkbar. Doch als wir uns dem Käerjenger Dribbel nähern, sehen wir, dass sich die Mannschaften aufwärmen. Wir betreten das moderne Sportzentrum und bekunden, dass in unseren Breiten bei diesen Verhältnissen niemals angepfiffen werden würde. Dies kostet den Vereinsoffiziellen beim Eingang nur ein müdes Lächeln. Die Luxemburger sind da wohl etwas härter im nehmen und so werden die Linien vom Schnee befreit. Der Schiedsrichter lässt kurz vor dem Anpfiff den Ball durch den Schnee rollen und merkt, dass er nach wenigen Metern stecken bleibt. Normalerweise hätte er das Spiel nicht anpfeifen dürfen, aber was soll´s. 100 Zuschauer sind da und es ist die letzte Runde vor der Winterpause. Also lässt er die 22 Akteure bei irregulären Verhältnissen raus aufs Feld. Der UN Käerjéng 97 trifft in einem Spiel der auf den FC Jeunesse Junglinster.

Wir befinden uns hier in der Promotion d’Honneur, der zweithöchsten Spielklasse des Landes. Während der aus den Vereinen  US Bascharage und Jeunesse Hautcharage entstandene UN Käerjéng, der vor rund zehn Jahren bereits dreimal international spielte und lange ein Bestandteil der BGL-Ligue (vormals Nationaldivision) und somit höchsten Spielklasse Luxemburgs war, auch in dieser Saison in der Spitzengruppe der zweiten Liga zu finden ist, belegt Junglinster derzeit einen direkten Abstiegsplatz. Das Spiel leidet von Beginn an unter den schwierigen Platzverhältnissen für beide Teams. Martin meint schon etwas verzweifelt, dass hier wohl gar kein Tor mehr fallen wird. Ich bestätige ihn, denn solche Bedingungen kommen eigentlich dem Außenseiter zu Gute.

Mit dem Mitte der ersten Spielhälfte etwas schwächer werdenden Schneefall übernehmen die Gastgeber auch das Kommando auf dem schneebedeckten Rasen. Tore sind nun nur mehr eine Frage der Zeit. Fortes Gomes bricht nach einer halben Stunde den Bann. Danach stellt Thibaut Bourgeois mit einem Doppelpack auf 3:0 und sorgt somit für eine klare Pausenführung. Martin lässt dann noch einen Seitenhieb in meine Richtung los, in dem er zwar meint, dass es alle Teams bei diesen Bedingungen schwer haben, doch einzig Junglinster damit nicht zu recht kommt.

Er sollte damit aber absolut Recht behalten, denn Junglinster hat auch nach dem Seitenwechsel nichts zu melden. Käerjeng ist weiterhin tonangebend und hatte mit Bouregois heute einen Stürmer mit Torlaune in seinen Reihen. Mit drei weiteren Treffern schraubt er sein Torkonto in diesem Spiel auf fünf Treffer. Käerjeng schickt Junglinster mit einem 6:0-Debakel in die Winterpause. Wir begeben uns einige Kilometer weiter und eine Liga höher, denn wir haben noch das Erstligaspiel in Déifferdeng auf dem Plan.

FC Déifferdeng 03 – FC Rodange 91 2:1 (0:0)

Da der Schneefall nun immer schwächer wird und sogar in Käerjeng gespielt wurde, sind wir sicher, dass im Stade Municipal de la Ville de Differdange auch gekickt wird. Wir sehen schon von weitem die bereis erleuchteten Flutlichtmasten und so wissen wir, dass auch beim zweiten Spiel des heutigen Tages nichts mehr schief gehen kann. Da die Parkometer in Differdingen auch am Sonntag mit Münzen gefüttert werden müssen und wir ohne Risiko nach dem Spiel die Heimfahrt antreten wollen, entscheiden wir uns diesmal für die Sicherheitsvariante im Parkhaus, das unmittelbar an das Stadion angrenzt.

Doch dass gespielt wird, ist gar nicht so selbstverständlich. Einer Unterhaltung auf Luxemburgisch konnte ich entnehmen, dass das Derby Petange gegen Niederkorn, nebenbei noch Erster gegen Zweiter in der BGL-Ligue, abgesagt werden musste, zumal es dort sieben Zentimeter geschneit hat. In Differdingen ist der Rasen zwar auch schneebedeckt, aber man ist hier weit weg von einer Höhe von sieben Zentimeter.

348 Besucher verlaufen sich an diesem Nachmittag auf der mächtigen Tribüne des Stadions, wobei man ehrlicherweise sagen muss, nicht alle! Ein Kiebitz macht es sich auf der unüberdachten Längsseite bequem. Dort sind meistens die Auswärtsfans von Differdingens Gegner im Europacup untergebracht, wie es zahlreiche Sticker von britischen und irischen Vereinen zeigen. Der heutige Gegner hat keine erkennbare Fangruppe mitgebracht. Es handelt sich um den FC Rodange, der ebenfalls in Südwesten Luxemburgs beheimatet ist. Doch im Gegensatz zu den Nachbarn aus Differdingen, Petange und Niederkorn ist man am Tabellenende der Liga klassiert und wird wohl nur mit Mühe den Abstieg vermeiden können.

Auf dem tiefen Boden hält man aber lange Zeit gut mit und geht mit einem 0:0 in Pause. Bedanken kann sich Rodange hier auch bei einem Differdinger Stürmer, der vermeinte einen ins Tor kullernden Ball noch über die Linie drücken zu müssen. Das Schiedsrichtergespann kennt keine Gnade und ahndet diese Abseitsposition sofort.

In der Pause begeben sich die meisten Besucher ins Warme und somit in das in die Tribüne integrierte Vereinshaus. Hier sind wir begeistert von diversen Wimpeln zahlreicher Gegner von den Europacupauftritten der Luxemburger, die von Aserbaidschan, über Estland und Wales, bis hin nach Zypern reichen.

Nach dem Wiederbeginn kommen wir ins Schmunzeln als sich zwei ältere Herren auf Luxemburgisch über das Spiel debattieren. Die Sprache hat aufgrund der deutschen, französischen und flämischen Einschläge einen ganz besonderen Klang, aber wenn dann noch über einen „Witzgeschner“ gesprochen wird, bekommt das eine zusätzliche unterhaltsame Note.

Das Spiel wir nun auch unterhaltsamer, denn der FC Déifferdeng 03 (so der luxemburgische Name) geht in der 65.Minute durch Vandenbroek verdient in Führung. Fünf Minuten später sorgt der Rodanger Ramdedovic mit einem Eigentor für die Entscheidung in diesem Spiel. Da in den letzten Minuten auch so wirklich gar nicht passiert, verlassen wir in der 88.Minute das Stadion, um so dem Stau im Parkhaus zu entgehen. Wie es das Schicksal so will, verkürzt Albuquerque in der Schlussminute auf 1:2. Dieser Treffer ändert aber nichts mehr am Sieg der Gastgeber, die an vierter Stelle überwintern. Rodange bleibt zwar Tabellenletzter, aber die Konkurrenten gegen den Abstieg sind allesamt weniger als drei Punkte entfernt, sodass der Klassenerhalt der Gäste schwierig aber nicht unmöglich ist. Luxemburg wird jedenfalls wieder besucht werden, zumal das neue Nationalstadion im Herbst 2020 seine Pforten öffnet.

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.