Als im Juli 2011 die Gruppen für die Qualifikation der 2014 in Brasilien stattfindenden Weltmeisterschaft ausgelost wurden und Österreich wieder mit Kasachstan in eine... Groundhopper’s Diary | WM-Qualifikation in der Steppe Zentralasiens

Als im Juli 2011 die Gruppen für die Qualifikation der 2014 in Brasilien stattfindenden Weltmeisterschaft ausgelost wurden und Österreich wieder mit Kasachstan in eine Gruppe gelost wurde, war es sofort klar, dass diesmal das flächenmäßig größte Land Zentralasiens besucht werden würde. Der Binnenstaat Kasachstan ist mit einer Fläche von 2.724.900 km² sogar der neuntgrößte Staat dieser Erde. Allerdings ist er mit knapp 17 Millionen Einwohnern ziemlich dünn besiedelt. Zum Vergleich hierzu: In Österreich tummeln sich die Hälfte der Einwohner Kasachstans auf 84.000 km².

Warum Kasachstan überhaupt ein UEFA-Mitglied ist, liegt einerseits daran, dass 5,4% des kasachischen Staatsgebiets auf europäischem Territorium liegen und andererseits daran, der Verband es vor einiger Zeit befürwortete von der AFC zur UEFA zu wechseln. Im Jahre 2002 war es dann so weit und Kasachstan wurde Vollmitglied bei der UEFA.

Die Anreise

Nur war endlich der Abflugzeitpunkt gekommen, doch bevor es nach Astana ging wurde noch ein mehrstündiger Zwischenstopp in Kiew eingelegt. Es gibt zwar eine direkte Flugverbindung von Wien nach Astana, aber die ist dann doch doppelt so teuer wie die Anreise mit einer Zwischenlandung in Kiew. Immerhin gab es bei diesem Aufenthalt auch genügend Zeit, um auch der ukrainischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Da ich mittlerweile schon zum dritten Mal dort gewesen bin, konnte ich mich auch gleich als Fremdenführer profilieren. Jedenfalls verging die Zeit in Kiew wie im Fluge und auch die Weiterreise nach Astana gestaltete sich kurzweilig.

Von Aqomola zum Eishockey

Durch die Zeitverschiebung kamen wir kurz vor fünf Uhr morgens in Astana an und mussten noch etwa eine Stunde warten, bis der erste Bus ins Stadtzentrum fuhr. Bei Sonnenaufgang erreichten wir aber schon unser Hotel und dort erholten wir uns von den Reisestrapazen. Am Nachmittag besuchten wir die Altstadt. Hierbei darf man sich nicht eine Altstadt im europäischen Sinne vorstellen, denn dort befinden sich – wie auch im Rest der Stadt – ausschließlich Neubauten. Altstadt wird dieser Teil nur genannt, weil dies das Zentrum des ehemaligen Aqmolas war. So hieß Astana übrigens bis zum Jahre 1998. In diesem Jahre wurde auch die Hauptstadt von Almaty nach Aqmola verlegt und Aqmola zugleich in Astana umbenannt. Sehr viel Einfallsreichtum bewiesen die Kasachen bei dieser Namensgebung  nicht, denn Astana heißt übersetzt einfach nur Hauptstadt. Unser erster Tag in Astana endete dann doch noch mit einem sportlichen Event. Bei der Eishalle sahen wird die Ankündigung, dass Astana in der MHL gegen Magnitogorsk spielt. Also nichts wie rein in die Halle und für umgerechnet 1,50 Euro dem Spiel beiwohnen. Die MHL ist übrigens die Minor Hockey League und ist die U21-Meisterschaft der KHL-Teams. Die russischen Gäste gewann das Spiel an diesem Abend ziemlich locker mit 6:3.

Weite Wege und vergebenen Chancen

Am Tag des Länderspiels stand ausgiebigstes Sightseeing auf dem Programm. Auch wenn Astana eine junge und durch und durch geplante Stadt ist, gab es doch einiges zu sehen und aufgrund der Weitläufigkeit der Stadt musste auch einiges zu Fuß zurückgelegt werden. Selbst wenn eine Busfahrt in Astana auch nur umgerechnet 30 Cent kostet, kann man auf diese Busse in den Parks und Fußgängerzonen leider nicht zurückgreifen. Nach der Besichtigung der Moscheen, der Pyramide des Friedens und der Eintracht, des Khan Shatyry-Einkaufszentrums, der Prunkmeile rund um den Bajterek-Turm und dem Ak-Orda-Präsidentenpalast war die Zeit gekommen um Richtung Astana-Arena aufzubrechen.

Die 2009 eröffnete Arena ist ein moderner Prunkbau, der knapp über 30.000 Zuschauern Platz bietet. Natürlich ist auch dieser Neubau steril und für den kasachischen Fußball etwas überdimensioniert. Gespielt wird ausschließlich auf Kunstrasen. Der wahrscheinlichste Grund dafür ist das schließbare Dach des Stadions. Denn ist das einmal geschlossen, bekämen die Grashalme kein Sonnenlicht. Im Übrigen war das Dach der Arena auch an diesem Abend geschlossen. Das liegt weniger an der Regenwahrscheinlichkeit, sondern an den eklatanten Temperaturunterschieden in der Steppenlandschaft Kasachstans. Während es unter Tags bei Sonnenschein und blauem Himmel in Astana noch über 20°C hatte, sanken die Temperaturen nach dem Sonnenuntergang ziemlich rasch in die Nähe des Gefrierpunktes. So war es im Innenraum der Arena doch um einiges angenehmer als außerhalb, zumal das Spiel auch erst um 22.00 Uhr Ortszeit angepfiffen wurde.

Über das Spiel muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Österreich beherrschte das Geschehen ganz klar und die Kasachen verbarrikadierten sich im eigenen Strafraum. Die wenigen sich bietenden Chancen vergab das ÖFB-Team dann auch noch kläglich. Am unterhaltsamsten an diesem Spiel war eigentlich die Pause. In dieser strömten dutzende Kasachen in Bereich der österreichischen Fans. Jeder wollte ein Foto mit einem Fan aus Österreich haben, denn Auswärtsfans aus Europa verirren sich nur sehr selten zu einem Heimspiel der kasachischen Nationalmannschaft. Wir nahmen es mit Humor und erfüllten die zahlreichen Fotowünsche allesamt. Wenigstens kann ich jetzt mit einem Pony im Streichelzoo mitfühlen. Das Spiel wurde auch in der zweiten Spielhälfte nicht wirklich besser. Es wurde gegen Ende zwar etwas hektischer und die Kasachen begannen Zeit zu schinden, aber am Ende bescherte ihnen die Ideenlosigkeit des ÖFB-Teams doch einen Punkt. Dieser wurde von 10.000 Kasachen in der Arena gefeiert. Wir nahmen den überfüllten Bus zurück zum Hotel und waren dort natürlich auch das Objekt der Begierde. Die Kasachen hätten wohl noch Stunden über Fußball und Österreich plaudern können – besonders stolz sind sie darauf, dass Aktobe vor sieben Jahren das Europacup-Heimspiel gegen Mattersburg gewann –, aber irgendwann waren wir dann doch beim Hotel angekommen und mussten uns von ihnen verabschieden. Aber selbst im Supermarkt trafen wir um halb zwei Uhr nachts noch auf Kasachen – diesmal Fans vom FK Aktobe –, die unbedingt ein Foto mit uns machen wollten.

Abschluss in Astana

Am Sonntag ging es in das Freilichtmuseum Atameken. Kurz gesagt ist es das Minimundus Kasachstans. Die Fläche des Museums hat die Umrisse der Fläche Kasachstans und so sind auch die jeweiligen Sehenswürdigkeiten des Landes auf dem maßstabsgetreuen geographischen Ort des Landes zu finden. Erwähnenswert ist auch der internationale Teil des Atameken, denn dort ist auch das Wiener Strauß-Denkmal nachgebaut worden. Zu unserer Belustigung fiedelte dort jedoch nicht Johann sondern Axel Strauß.

Danach war es schon Zeit, um zwei Busstationen weiter zum Stadion im. Qajimuqan Mungaytpasuli zu fahren. In diesem Stadion trägt der kasachische Zweitligist FK Astana-1964 seine Heimspiele aus. Zum letzten der diesjährigen Saison war der Armeeklub CSKA aus Almaty zu Gast. Da der FK Astana unter der Woche zu Hause nur ein 0:0 erreichte, waren die Aufstiegschancen in die oberste Spielklasse vor den letzten beiden Spieltagen nur mehr theoretischer Natur. Dies drückte natürlich auch auf die Kulisse, denn es kamen trotz freien Eintritts nur rund 200 Besucher. Bedenkt man, dass der Österreich-Sektor heute auch fast geschlossen im Stadion war, machten die aus Österreich kommenden Besucher rund 10% der Zuschauer aus. Almaty war übrigens schon vor dieser Runde abgestiegen und es entwickelte sich leider ein nicht besonders attraktives Spiel. In der zweiten Halbzeit würde dieses aber etwas besser. Almaty scheiterte zuerst vom Elfmeterpunkt und Astana wurden zwei Treffer jeweils wegen einer Abseitsposition aberkannt. Fünf Minuten vor dem Ende fiel dann doch noch der erlösende Treffer für die Gastgeber. Durch diese drei Punkte blieb zumindest vor der letzten Runde die Aufstiegschance für Astana in Takt und die Mannschaft konnte mit dem rund 40 Fans umfassenden Block feiern.

Wir verbrachten danach die letzten Stunden in Astana, ehe es per Bus wieder zum Flughafen ging. Die Zeit bis zum Abflug wollte man sich dort mit ein paar Bieren vertreiben, jedoch hatte da die Polizei mal wieder etwas dagegen. So einigten wir uns, dass die Flaschen als Mitbringsel in die Koffer wanderten sowie, dass wir unsere letzten Tenge im Duty-Free-Shop und nicht für eine Strafe ausgegeben können.

Alles in allem war die Reise nach Zentralasien wirklich ein tolles Erlebnis. Vor haben mich die netten und kommunikativen Leute überzeugt, sodass ein weiterer Besuch Zentralasiens sicher nicht ausgeschlossen ist.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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