Dreieinhalb Jahre werkt Karl Daxbacher nun bereits als Trainer bei der Wiener Austria. Zu Buche stehen ein Vizemeistertitel, ein Cupsieg und zwei Qualifikationen für... Kommentar | Daxbacher der Längstdienende seit Ocwirk – Zeit etwas zu ändern?

Dreieinhalb Jahre werkt Karl Daxbacher nun bereits als Trainer bei der Wiener Austria. Zu Buche stehen ein Vizemeistertitel, ein Cupsieg und zwei Qualifikationen für die Europa League Gruppenphase. Die 1:5-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen Sturm Graz trägt nicht unbedingt dazu bei, seine Kritiker verstummen zu lassen. Es ist Zeit zu handeln. Was muss sich bei der Austria ändern, oder ist es gar an der Zeit zu gehen?

Nach einer sehr turbulenten Zeit unter Mäzen Frank Stronach – in der die Austria nicht weniger als 14 Trainer „verbrauchte“ – musste beim Traditionsverein aus Favoriten erstmals Ruhe einkehren. Ruhe für die das Duo Thomas Parits als Sportdirektor und Karl Daxbacher als Trainer vorerst sorgen konnte. Innerhalb dieser Ruhe wurde das leicht beschädigte Image wieder aufgebessert, die „Marke“ Austria wieder zu neuem Glanz gehoben. Neuer Glanz, der sich stark an den erfolgreichen Zeiten unter Joschi Walter orientiert – als man Österreichs Fußball dominierte, den schönsten Fußball des Landes spielte und auch international für Furore sorgen konnte – was bislang auch ganz gut funktionierte, mit einem kleinen Unterschied zu damals: die Titel fehlen.

Trainer werden an Titeln und Erfolgen gemessen, bleiben diese aus, werden sie als vielzitiertes „schwächstes Glied“ einfach ausgetauscht. Aber nicht überall. Arsenal mit Arsene Wenger, Manchester United mit Alex Ferguson oder Thomas Schaaf bei Werder Bremen bilden unter anderem die Ausnahmen. Erfolgreiche Ausnahmen, an denen sich die Veilchen nun zu orientieren scheinen. Es erweckt fast sogar den Eindruck, man wolle krampfhaft ein Pendant zur (bei den Fans sehr unbeliebten, nahezu verhassten) Stronach-Ära bilden. Kontinuität ist das Schlagwort. Ganz nach dem Vorbild Werder Bremens, wo die „Schäfchen“ seit über 20 Jahren nach der Pfeife des Trainers tanzen und auch in schwierigeren Zeiten dem Coach stets der Rücken gestärkt wird.

Doch wieso hält die Austria gerade an Karl Daxbacher fest? Die Austria, ein Verein dessen Tradition nicht nur für gepflegten Fußball steht, sondern ebenso für häufige Trainerwechsel – auch vor Stronach. Denn bereits jetzt ist Daxbacher der am längsten dienende Coach der Austria seit Ernst Ocwirk von 1964 bis 1971.  Seither hatte die Austria über 30 verschiedene Trainer, welche alle weit weniger Zeit,  viele aber dennoch weit mehr Erfolg aufzuweisen hatten.

Ein beliebtes Argument seiner Befürworter lautet, dass man in der derzeit dominanten Ära von Ligakrösus Red Bull Salzburg keine Titel verlangen dürfe. Ein Argument das auf dem ersten Blick auch schlüssig erscheint, bei genauerem Betrachten aber doch einige „Löcher“ aufweist. So hat Red Bull Salzburg doch insgesamt „nur“ drei von möglichen sechs Meistertiteln und noch gar keinen Cup-Titel von möglichen fünf (da 07/08 aufgrund der Europameisterschaft im eigenen Lande kein Cupbewerb ausgetragen wurde) auf der Habenseite. Auch heuer schwächelt Red Bull Salzburg wieder enorm, die Chance auf den Meistertitel lebt aber noch, da die anderen Vereine, allen voran die Wiener Austria, die Schwächephase nicht wirklich nutzen konnten.

Der Vorstand der Austria scheint dennoch weiterhin hinter Daxbacher zu stehen. Allzu viel vorzuwerfen hat sich der Trainer auch nicht, denn bei der Austria wird gute Arbeit geleistet, gilt man doch in vielen Bereichen als Vorreiter oder gar Vorbild. Nur die Titel fehlen. Titel, an denen Trainer dann eben meist doch gemessen werden, beim an Titeln erfolgreichsten Klub Österreichs wohl sogar noch einen Deut mehr als anderswo.

(Dominik Knapp)

Dominik Knapp