Vergangenes Wochenende diskutierte Austrian-Soccer-Board- und abseits.at-Gründer Daniel Mandl gemeinsam mit Martin Blumenau (FM4), Wolfgang Winheim (Kurier) und Willi Ruttensteiner (ÖFB) über die aktuelle Misere... Kommentar | Nachbetrachtung der “Sport am Sonntag“- Sendung

Vergangenes Wochenende diskutierte Austrian-Soccer-Board- und abseits.at-Gründer Daniel Mandl gemeinsam mit Martin Blumenau (FM4), Wolfgang Winheim (Kurier) und Willi Ruttensteiner (ÖFB) über die aktuelle Misere und die Zukunftsaussichten beim österreichischen Fußballbund. Es entwickelte sich eine spannende Diskussion, die jedoch weit mehr Sendezeit gebraucht hätte.

Den härtesten Job am Wochenende hatten wahrscheinlich die ORF-Visagisten. Hätten sie bereits im Vorfeld der Sendung Daniels Augenringe gesehen, dann hätten sie ihn wohl schon am Samstag auf den Küniglberg bestellt. Man merkte allerdings, dass beim ORF ausschließlich Vollprofis den Schminkpinsel schwingen, denn Daniels Augenringe (immerhin fast schon sowas wie Markenzeichen) waren im TV kaum zu sehen und er sah gleich ein paar Jahre jünger aus, was Herrn Ruttensteiner später vermutlich zur Aussage verleitete, dass er den Fußball der 90er-Jahre nicht kenne…

INTERESSANTE DISKUSSION MIT DEM FALSCHEN GESPRÄCHSPARTNER

Es entwickelte sich von Beginn weg eine interessante Diskussion, der allerdings das Manko anhaftete, dass von Seiten des ÖFB der falsche Gesprächspartner in der Sendung saß. Der technische Direktor des ÖFB genießt selbst in den ansonsten „ach so kritischen“ Internetportalen einen guten Ruf und ist als Fachmann bei den gut informierten Fans unumstritten. Interessanter wäre es gewesen, wenn Leo Windtner, der Teamchef, oder einer seiner Assistenten rechts von Oliver Polzer gesessen wäre. Diese schlugen jedoch die Einladung zur Sendung aus, sodass Willi Ruttensteiner die Verfehlungen seiner Arbeitskollegen verteidigen musste. Ruttensteiner, der kurz nach der Sendung zum Interims-Nationaltrainer befördert wurde, tat dies sehr vehement, ging von Beginn an zum Gegenangriff über und zeigte alles in allem eine Performance, mit der sein Arbeitgeber zufrieden sein konnte.

GUTE ZUKUNFTSAUSSICHTEN – ABER WAS IST MIT DER GEGENWART

Ruttensteiner bereitete sich gewissenhaft auf die Diskussion vor, studierte etwa die Ergebnisse der Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften, da er antizipierte, dass Kollege Martin Blumenau in diese Richtung Fragen stellen würde. Leider entwickelte sich die Diskussion stark in Richtung Nachwuchsarbeit des ÖFB. Ruttensteiner gab zu, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden und forderte etwas Geduld. Auch wenn die Fans der österreichischen Nationalmannschaft diese Durchhalteparolen schon oft hören mussten, bestreitet niemand, dass die Auswahl in den kommenden Jahren stark verbessert auftreten wird. Österreich hat momentan ein gewaltiges Potential und man muss kein Hellseher sein, um voraussehen zu können, dass die Zukunft nicht so duster wie die Gegenwart aussehen wird. Andererseits hörten wir am Sonntag, rückblickend auf die letzten gut zehn Jahre, diese Durchhalteparolen nicht zum ersten Mal…

Für den jetzigen Nationalteam-Notstand hatte Willi Ruttensteiner keine wirklich schlüssigen Erklärungen parat. Er sagte, dass die Legionäre noch Zeit brauchen würden, da sie im Ausland um einen Stammplatz in der Mannschaft kämpfen müssten. Einmal abgesehen davon, dass viele Legionäre regelmäßig spielen und zu Stützen in ihren Mannschaften avancierten, müsste man mit diesem Spielerpotential trotzdem weit mehr erreichen, als in dieser EM-Qualifikation. Kritik an seinen Arbeitskollegen im ÖFB rutschte ihm erwartungsgemäß nicht über die Lippen.

FAZIT

Schon nach den letzten Länderspielen konnten die Zuschauer vor den Fernsehgeräten feststellen, dass dem Teamchef und seinen Spielern gezielte kritische Fragen zur Taktik gestellt wurden. Mit der Einladung von Daniel Mandl und Martin Blumenau führte der ORF diesen Weg bewusst fort und ließ zwei Kritiker des derzeitigen ÖFB-Systems zu Wort kommen. Es entwickelte sich ein verbaler Schlagabtausch, in dem es keinen Sieger gab. Willi Ruttensteiner konterte gut auf die Vorwürfe, beantwortete aber einige wichtige Fragen nicht (Stichwort: Abschiedstournee von Constantini), die sich nach der Sendung jedoch teilweise von selbst klären sollten. Mittlerweile ist Ruttensteiner nämlich Interims-Teamchef und wird für den Zeitraum, in dem sich der ÖFB auf Teamchefsuche begibt Constantinis Agenden übernehmen. Leider reichte die Sendezeit nicht aus, um alle wichtigen Themen anzusprechen und auszudiskutieren. Ein großes Lob geht an Oliver Polzer, der insbesondere vor der Sendung einen äußerst sympathischen Eindruck auf uns machte und auch das Publikum in einer ungezwungenen Art und Weise in Stimmung brachte.

Stefan Karger

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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