Morgen steigt in der Amsterdam ArenA das Europa-League-Finale zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon. In der bunten und hochmodernen Heimstätte von Ajax Amsterdam... 19.600 Tickets für Fans, 28.400 für Sponsoren – die irre Ticket-Ratio der UEFA zum morgigen EL-Finale

UEFA Europa LeagueMorgen steigt in der Amsterdam ArenA das Europa-League-Finale zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon. In der bunten und hochmodernen Heimstätte von Ajax Amsterdam möchte Chelsea seinen vierten Europacupsieg feiern, Benfica seinen dritten.

Die Europa League bzw. deren Vorläufer, den UEFA Cup gewannen die beiden Teams noch nie. Chelsea holte bekanntlich 2012 die Champions League, gewann zudem 1971 und 1998 den Europacup der Cupsieger. Benfica gewann zweimal, 1961 und 1962, den Europacup der Landesmeister, den Vorgänger der UEFA Champions League.

„Verlierercup“

Das Spiel an sich birgt keine große Brisanz – die Augen der Öffentlichkeit sind eher aufs Champions-League-Finale zwischen Bayern und Dortmund gerichtet. Der abfällig als „Verlierercup“ bezeichnete Zweitbewerb der UEFA genießt vor allem bei großen Klubs keinen besonderen Stellenwert. Und dies könnte auch ein Mitgrund sein, warum die UEFA im Rahmen dieses Finals mit den Bedürfnissen der Chelsea- und Benfica-Fans inakzeptabel umgeht.

19.600 Tickets für Fans, 28.400 für Partner und Sponsoren

Die Amsterdam ArenA fasst 52.960 Plätze. Für das Finalspiel am Mittwoch sind aus Sicherheitsgründen 48.000 Zuschauer zugelassen. Jedes der beiden Teams erhält ein Kontingent von 9.800 Eintrittskarten. Insgesamt gehen also nur 19.600 Karten offiziell an die beiden Finalisten. Chelsea verkauft die billigsten Karten für 37 Pfund (43,70€), die teuersten für 117 Pfund (138,30€). Währenddessen gingen auf einer großen Third-Party-Ticketing-Website Finaltickets für bis zu 2.800€ über den virtuellen Ladentisch. Die UK-Abordnung dieser Website ist pikanterweise offizieller Ticketingpartner des FC Chelsea. Die restlichen 28.400 Karten gehen an die Sponsoren, Partner und „Freunde“ der UEFA. Mehr als die Hälfte des Publikums im zweitwichtigsten Spiel des Jahres im europäischen Klubfußball wird sich also voraussichtlich zu keiner Mannschaft bekennen.

VIP-Angebote uninteressant für den normalen Fan

Für Chelsea bedeutet dies, dass nicht einmal die Hälfte der Jahresabonnenten (kolportierte 24.000) ein Finale sehen wird, das praktisch „um die Ecke“ stattfindet. Von den zahlreichen „Normalo-Fans“, die sich die seltene Gelegenheit eines Europacupfinalspiels nicht entgehen lassen wollen, ganz zu schweigen. Die alternativen Methoden der UEFA, Fans den Zutritt zum Stadion zu ermöglichen, sehen der nicht selten mafiös anmutenden Organisation ähnlich. Eine Skybox mit zehn Plätzen und Catering kostete pro Person 890€ – plus Steuern. Ein normales VIP-Ticket kostete immerhin 690€ exkl. Steuern. Natürlich waren die VIP-Bereiche schnell ausverkauft – der durchschnittlich finanzkräftige Fan hat jedoch wenig davon, vor allem wenn man dazu bedenkt, dass die Preise für Flüge und Nächtigungen in den Tagen rund um das Finalspiel von den Anbietern vervierfacht wurden.

UEFA „prüft“

Chelsea hinterfragte das lächerliche Kartenkontingent und die UEFA betonte, dass man diese Problematik im Hinblick auf die nächsten Jahre prüfen würde. Doch schon in der nächsten Saison wird das Problem noch größer, denn der Austragungsort des Europa-League-Finales 2014, das neue Stadion in Turin, fasst noch weniger Publikum. Die UEFA möchte das Finalstadion jedoch nicht zu groß wählen, zumal es laut UEFA-Angaben schwer wäre ein großes Stadion zu füllen, wenn zwei kleine Mannschaften das Finale bestreiten.

Benfica ist der mitgliederstärkste Verein der Welt

Chelsea ist also über die Vorgehensweise der UEFA „not amused“ – aber viel krasser ist die Situation für die Fans von Benfica Lissabon. Was nämlich nicht jeder weiß: Nicht etwa die Bayern, Barcelona, Real Madrid oder Manchester United haben die meisten Vereinsmitglieder, sondern der hervorragend geführte Verein aus Portugal! Benfica Lissabon ist mit etwa 230.000 zahlenden Mitgliedern der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Selbst bei Liga-Heimspielen gegen Nachzügler ist das Estadio da Luz zumindest zur Hälfte gefüllt. Die Heimstätte von Benfica Lissabon fasst über 65.000 Plätze – das Ligaspiel mit dem niedrigsten Zuschaueraufkommen in der laufenden Saison fand am 24.November 2012 statt, als gegen den Abstiegskandidaten Olhanense bei schlechtem Wetter immer noch knapp 25.000 Zuschauer ins Stadion pilgerten.

In your face, zwölfter Mann!

Klar sind manche Mitglieder allgemein aktiver als andere – aber konkret bedeutet dies, dass dank des niedrigen Kartenkontingents der UEFA nur etwa jedes 23. Benfica-Mitglied das Finalspiel live vor Ort sehen wird. Durch das Streicheln der Sponsoren und Partner wird der Europacup in den nächsten Jahren zwar voraussichtlich finanziell weiter lukrativer, jedoch raubt die UEFA zahlreichen Fans Emotionen, die für diese nicht mit Geld aufzuwiegen sind. Es ist immer schwer die richtige Ratio zu finden und jeden Einzelnen kann man sowieso nie restlos glücklich machen – aber die heuer gewählte Ratio ist ein Schlag ins Gesicht des zwölften Mannes.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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