Mit Ende der Saison läuft der Fernsehvertrag der Bundesliga aus und bereits im Herbst sollen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die Verantwortlichen...

Mit Ende der Saison läuft der Fernsehvertrag der Bundesliga aus und bereits im Herbst sollen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die Verantwortlichen erwarten sich eine Steigerung der Erlöse und auch die Qualität der Übertragungen soll angehoben werden. Abseits.at wirft einen Blick in die Schweiz, wo seit dieser Saison ebenfalls ein neuer TV-Vertrag in Kraft ist und analysiert, was die Bundesliga von den Eidgenossen lernen kann.

Die Schweiz gilt in fußballerischen Fragen hierzulande nicht selten als Vorbild. Die Nationalmannschaft ist Stammgast bei internationalen Turnieren, Basel spielt im Europacup groß auf und auch die Infrastruktur ist der hiesigen deutlich überlegen – bessere Sportplätze wie etwa in Wiener Neustadt würden in der Super League niemals zugelassen werden. Auch Skandale wie um Xamax Neuchatel, Sion oder Servette Genf können da das Bild nicht nachhaltig trüben, unter dem Strich scheinen unsere westlichen Nachbarn einfach auf nahezu allen Ebenen einen Schritt voraus zu sein.

Österreich als einstiges Vorbild

Etwas auszuklammern gilt es hier jedoch die Vermarktung, denn in diesem Bereich galt lange Zeit Österreich als Vorbild. Im September 2005 durfte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl in der Sonntags Zeitung noch davon schwärmen, wie gut es den heimischen Vereinen ginge – unter anderem auch dank Premiere und ATV, die der Liga damals jährlich rund 14 Millionen Euro überwiesen, während in der Schweiz gerade erst ein neuer TV-Kontrakt über lediglich 6,6 Millionen Franken (etwa 5,5 Millionen Euro) abgeschlossen worden war.

Auch Umfang und Qualität der Berichterstattung bewegten sich damals in Österreich in ganz anderen Sphären, als dies in der Schweiz der Fall war, denn während hierzulande sämtliche Spiele der ersten beiden Spielklassen live übertragen wurden, ging man bei den Eidgenossen erst langsam dazu über, mehr als eine Partie der Super League pro Runde live auszustrahlen. Man konnte zum damaligen Zeitpunkt also mit Fug und Recht behaupten, dass Österreich der Schweiz in Medienfragen ein großes Stück voraus ist.

Mittlerweile ist viel Zeit ins Land gegangen und sowohl in Österreich als auch in der Schweiz existieren neue Verträge. Die Bundesliga kassiert derzeit knapp 18 Millionen Euro jährlich von Sky und ORF, während in der Schweiz im vergangenen Frühjahr ein nahezu revolutionärer Vertrag festgemacht wurde.

Revolutionäre Veränderungen

Seit dieser Saison überträgt das öffentlich-rechtliche Fernsehen SRG SSR wie in Österreich ein Spiel pro Runde, des Weiteren werden alle Partien im Pay-TV gezeigt. Die CT Cinetrade sicherte sich die Rechte an allen Spielen und strahlt diese im Bezahlfernsehen Teleclub sowie in den Netzen der SwissCom in hochaufgelöster Bildqualität aus.

Super und Challenge League wurden neue Bewerbslogos verpasst

Finanziell zahlte sich der Kurswechsel voll aus, denn anstatt wie zuletzt 16 Millionen Franken erhalten die Vereine bis 2018 jährlich die stolze Summe von 28 Millionen (rund 23 Millionen Euro). Das ist insofern bemerkenswert, da es in der Schweiz nahezu keine Konkurrenz am Fernsehmarkt gibt, denn private Sender sind anders als in Österreich auf überregionaler Ebene nahezu inexistent.

Eine einheitliche Linie

Mit der neuen Vereinbarung gingen einige Änderungen einher, die unter anderem den Spielplan betreffen. Ab sofort finden zwei Spiele am Samstag um 19:45 statt, zwei weitere am Sonntag um 13:45 sowie die Free-TV-Partie um 16:00. Der Name wurde von AXPO Super League auf Raiffeisen Super League geändert und der Vermarktungspartner InfrontRingier Sports & Entertainment konnte fünf neue exklusive Ligasponsoren gewinnen. Zu diesen zählen Swisscom, Mitsubishi, Sporttip, Allianz und Manor.

Auch das optische Erscheinungsbild der Liga wurde ordentlich aufgemöbelt. Den beiden höchsten Spielklassen wurden neue Logos spendiert und die gesamte Corporate Identity überarbeitet, sodass mittlerweile von der Internetpräsenz bis hin zu den TV-Inserts eine einheitliche Linie vorhanden ist, die eine stimmiges Bild zeichnet.

 Das einheitliche Design der Liga spiegelt sich auch im Internet wieder

Stichwort TV-Inserts: Anders als in Österreich, wo Sky und ORF ihre eigenen Grafiken verwenden, wurde in der Schweiz analog zur Deutschen Bundesliga ein eigenes Design für die Super League entworfen, das sich von der Spielstandsanzeige, über Aufstellungen bis hin zu weiteren Einblendungen zieht. Damit schafft man mehr Identität als bisher und verleiht der Liga ein einheitliches Gesicht.

 

Das neue Corporate Design bei den Mannschaftsaufstellungen…

…und weiteren Einblendungen.

Die zweite Liga, die so genannte Challenge League, wurde in der Schweiz bisher immer äußerst stiefmütterlich behandelt, sodass sich die Vereinspräsidenten noch vor wenigen Monaten nach den Verhältnissen in Österreich sehnten, wo eine umfassende Berichterstattung vorgenommen wird. An diesen Standard kam man jedoch auch mit dem neuen Vertrag nicht heran, aber immerhin wird das Top-Spiel der Runde mittlerweile am Montagabend live auf Teleclub übertragen und im Zuge dessen gibt es auch Highlights der restlichen Partien.

Fazit

Was kann die Bundesliga nun von unseren westlichen Nachbarn lernen? Das deklarierte Ziel ist es, die Marke von 20 Millionen Euro, die jährlich erlöst werden sollen, zu überspringen. Angesichts der Situation in der Schweiz, wo gerade auf dem Free-TV-Sektor deutlich weniger Konkurrenz als hierzulande vorherrscht, muss das auch realisierbar sein. Dazu wird es allerdings notwendig sein, dass alle Vereine an einem Strang ziehen und nicht wie bei der letzten Rechtevergabe persönliche Interessen im Vordergrund stehen – es bleibt zu hoffen, dass in der Vergangenheit nicht potenzielle Partner vergrämt wurden.

Auch eine einheitliche Corporate Identity, die sich über alle Medien zieht, würde der Liga sehr gut zu Gesicht stehen, um die oftmals zitierte Marke Bundesliga zu stärken – dazu könnte auch ein kurzer Trailer vor allen Übertragungen beitragen, der in vielen Ländern bereits zum Standard zählt. Die Anspielzeiten der Eidgenossen sollte man sich hingegen nicht unbedingt zum Vorbild nehmen, denn in diesem Punkt scheint die Bundesliga mit dem aktuellen Schema besser aufgestellt zu sein – gerade in der kalten Jahreszeit ist 19:45 recht spät und auch ob 13:45 von den Zuschauern angenommen werden würde, darf etwas bezweifelt werden.

Eine der entscheidenden Fragen wird wohl die Verbreitung im Free-TV sein. Gibt es weiterhin 36 Spiele im frei empfangbaren  Fernsehen oder wird diese Anzahl reduziert? Es gibt Argumente dafür und dagegen, eine signifikante Steigerung der TV-Gelder wird jedoch nur mit einer Verknappung der Bilder der möglich sein, da dann aus dem Pay-TV-Sektor ungleich mehr zu erlösen ist. Darüber hinaus sollte künftig auch auf die Qualität der Sendungen geachtet werden, denn gerade der ORF weist hier Mängel auf, die zuletzt von Liga- und Vereinsvertretern durchaus offen moniert wurden. Wie in der Schweiz sollten ab der kommenden Saison auch alle Spiele in HD produziert werden.

Schlussendlich wird es wie so oft auf Angebot und Nachfrage hinauslaufen – welcher Sender bietet für welche Rechte was? Eine einheitliche Linie der Liga wäre hier von enormer Bedeutung, um das Maximum auszuschöpfen.

Was die zweite Liga betrifft, hat Österreich gegenüber der Schweiz und auch fast allen anderen europäischen Nationen die Nase klar vorne. So umfangreich wie über Heute für Morgen Erste Liga wird in nur ganz wenigen Ländern über die zweite Spielklasse berichtet. Lediglich in Österreich, Deutschland, Italien und Frankeich werden alle Spiele live übertragen. Sollte dieser Standard beibehalten und die Qualität im Free-TV noch ausgebaut werden, wäre man wohl sehr nahe am Optimum.

OoK_PS, abseits.at

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.