Die Gruppenphase der WM-Qualifikation in Europa ist beendet. Während Österreich sich nicht qualifizieren konnte, schloss Deutschland als Erster ab und ist damit in Russland... Einschaltquotenanalyse der European Qualifiers zur WM 2018 in DACH

Die Gruppenphase der WM-Qualifikation in Europa ist beendet. Während Österreich sich nicht qualifizieren konnte, schloss Deutschland als Erster ab und ist damit in Russland dabei. Für die Schweiz besteht noch die Möglichkeit, über den Umweg Playoffs Kurs Richtung Russland zu nehmen. Es waren für jede Nation zehn Spiele zu absolvieren. Dieser Artikel analysiert die Einschaltquoten und Marktanteile in den jeweiligen Ländern, bevor ein Vergleich aller drei Länder durchgeführt wird. Abschließend folgt ein Blick auf die Übertragungen von RTL NITRO.

Vorgehensweise

In Deutschland und Österreich werden beide Halbzeiten getrennt ausgewiesen, sodass hier der Durchschnittswert berechnet wurde. In der Schweiz dagegen sind beide Spielhälfte immer zusammengefasst ausgegeben. Weiterhin gibt es Unterschiede, ab welchem Alter die Zuschauer gemessen werden. In Deutschland und der Schweiz geschieht dies bereits ab drei Jahren, in Österreich dagegen erst ab 13 Jahren. Gerade beim Fußball schauen bekanntlich auch viele Kinder zu, sodass die Werte dadurch ein wenig verzerrt werden. Zudem handelt es sich bei den gemessenen Zuschauern in der Schweiz lediglich um die Region der Deutschschweiz (5,4 Millionen Einwohner). Außerdem ist es wichtig zu betonen, dass nur Zuschauer im jeweiligen Heimatland in die Zahlen einfließen, also nicht z.B. Österreicher, die das Spiel der Deutschen auf RTL sehen.


Deutschland


Gegen den klar schwächsten Gegner San Marino waren die Zuschauerzahlen erwartbar am schlechtesten. Dagegen schnitt sogar das einzige 18-Uhr-Spiel (Auswärtsspiel Aserbaidschan) besser ab. Dass am 2. und 3. Spieltag gegen Tschechien und Nordirland die besten Werte erzielt werden konnten, ist einerseits dadurch bedingt, dass es die nominell besten Gegner waren, andererseits dadurch, dass in der frühen Phase der Qualifikation noch Spannung herrschte. Am vorletzten Spieltag, an dem noch ein Punkt für die direkte Qualifikation benötigt wurde, kam es gegen den Gruppenzweiten und somit direkten Konkurrenten Nordirland nochmal zu einem Höhepunkt.
Interessant ist die Betrachtung der Wochentage. Die beiden Sonntagsspiele um 20:45 Uhr (erster und letzter Spieltag) schnitten sehr schlecht bezogen auf den Markanteil ab, sogar am zweit- und drittschlechtesten. Dies liegt daran, dass viele Deutsche im Ersten „Tatort“ schauen und erst zur zweiten Halbzeit umschalten, wenn der „Tatort“ vorbei ist, sodass der Marktanteil erst in der zweiten Spielhälfte ansteigt, aber dies die schlechte erste Halbzeit nicht kompensieren kann. Bezogen auf die Zuschauerzahl sind diese Spiele aber auf Position 4 und 5, weil Sonntag der zuschauerstärkste Tag der Woche ist.


Österreich

Es gab drei 18-Uhr-Spiele: Das Auswärtsspiel in Georgien und die beiden Spiele gegen Irland. Das erstgenannte fand an einem Montag statt, demnach konnten viele berufsbedingt nicht schauen und in Folge wurde die schlechteste Zuschauerzahl aller Spiele erzielt. Die beiden Spiele gegen Irland waren, wenn man die sportliche Lage betrachtet, dann gleich dahinter, denn an den letzten drei Spieltagen war die Chance auf die Qualifikation nur noch marginal bzw. überhaupt nicht mehr vorhanden, sodass man diese Spiele gesondert betrachten muss, da viele keinen Sinn mehr darin sehen, einzuschalten. Auf den Marktanteil bezogen dagegen ist speziell das Auswärtsspiel in Irland herauszustellen, welches an einem Sonntag stattfand. Einerseits trägt dazu wie schon oben genannt die Tatsache bei, dass Sonntag der Tag mit der höchsten Fernsehnutzung ist, andererseits war es das „Endspiel“ um die letzte realistische verbliebene Chance auf die Endrundenteilnahme. Es wird am Beispiel des Irland-Spiels also die Diskrepanz zwischen Zuschauerzahl und Marktanteil deutlich. Das andere Sonntagsspiel, welches das Auswärtsspiel in Serbien am 3. Spieltag war, erzielte auf die Zuschauerzahl bezogen den besten Wert, weil einerseits noch genug Spannung vorherrschte, andererseits die Serben in Österreich die zweitgrößte und in Wien die größte ausländische Bevölkerungsgruppe sind. Viele haben dann nicht, falls sie die Möglichkeit überhaupt besaßen, im heimischen Sender geschaut, sondern im ORF. Dazu kommt die sportliche Stärke der Serben, die bekanntlich auch Gruppensieger wurden. Der Marktanteil war wiederum nicht so hoch, weil am Sonntag wie angesprochen generell viele fernsehen.


Schweiz


Die Linie des Marktanteils verläuft mit Ausnahme des Lettland-Heimspiels wie das sportliche Abschneiden. Bekanntlich gewann die Schweiz die ersten neun Spiele. Nach dem vierten Spieltag setzte bei der Bevölkerung wohl die Erkenntnis ein, dass die Qualifikation ein Selbstläufer wird und sich das Einschalten erst am letzten Spieltag zur Finalissima in Lissabon um die direkte Qualifikation wieder lohnt. Die einzige Besonderheit stellt das bereits angesprochene Samstagsheimspiel um 18 Uhr gegen Lettland dar, welches die drittschlechteste Zuschauerzahl erzielte, aber den zweithöchsten Marktanteil. Die Schlussfolgerung daraus wäre, dass es für die Fernsehschauenden an diesem Abend nur ein mäßig attraktives Alternativprogramm gab. Das andere 18-Uhr-Spiel, einen Spieltag später an einem Sonntag gegen die Färöer, performte hingegen nicht so gut, weil am Sonntag das bereits genannte Phänomen der hohen Fernsehnutzung mit attraktivem Programm auch in diesem Land wieder auftritt. Etwas überraschend ist vielleicht, dass am 1. Spieltag gegen den noch frisch gebackenen Europameister nicht eine höhere Zuschauerzahl und ein höherer Marktanteil herausspringen konnte.


Gesamtvergleich

Als Vergleichswert wurde der Marktanteil gewählt, da aufgrund der sehr weit auseinanderliegenden Einwohnerzahlen Deutschlands (80,2 Mio.), Österreichs (8,8 Mio.) und der Deutschschweiz (5,4 Mio.) das reine Vergleichen der Zuschauerzahl in Millionen bzw. Hunderttausend nicht sinnvoll ist. Der Marktanteil in Prozent gibt an, wie hoch der Anteil derer ist, die eine bestimmte Sendung auf einem Sender schauen im Vergleich zur Gesamtzuschauerzahl über alle Sender hinweg. Zusätzlich verzerrt er nicht so stark wie die Zuschauerzahl, die aufgrund des Wochentages oder Wetters stark unterschiedlich sein kann, beispielsweise ist in den Sommermonaten die Fernsehnutzung geringer, was wahrscheinlich auch der Grund für die niedrige Zuschauerzahl bei Schweiz – Portugal ist, da im September 2016 sehr gutes Wetter herrschte und zusätzliche vielleicht noch eine „Fußballmüdigkeit“ aufgrund der Europameisterschaft zwei Monate davor bestand.

Weil natürlich jede Nation einen unterschiedlichen Qualifikationsverlauf hatte, ist es schwer, etwas Erkenntnisreiches zu identifizieren. Deutschland und die Schweiz sind sportlich bis auf das letzte Spiel vergleichbar, bei den Marktanteilen hatten sie eine ähnliche Entwicklung bis auf jeweils einen Ausreißer nach unten bzw. oben.
Beim direkten Ländervergleich fällt auf, dass die Spiele der Schweiz bis auf eine Ausnahme immer den höchsten Marktanteil hatten, obwohl es sportlich erst wieder am letzten Spieltag spannend wurde. Dies spricht für die Attraktivität und Beliebtheit der „Nati“ bei der Deutschschweizer Bevölkerung im Verhältnis zum übrigen Fernsehprogramm.


Abschließend die Durchschnittswerte aller drei Länder im Vergleich:


Exkurs: Spiele auf RTL NITRO

Pro Spieltag durfte RTL NITRO eine Partie ausstrahlen. Für das einzige 18-Uhr-Spiel Niederlande – Luxemburg am 4. Spieltag ließen sich keine Werte finden, weshalb nur neun Spiele abgebildet sind. Es wurden erneut Mittelwerte aus beiden Halbzeiten gebildet, da die Werte für die Spielhälften getrennt ausgewiesen wurden. Dieser Sender wird natürlich nicht von so vielen Leuten geschaut wie die oben genannten Sender, aber trotzdem sind auch hier einige Erkenntnisse festzustellen. Die Zahlen beziehen sich nur auf Deutschland:

Etwas überraschend konnten am letzten Spieltag die höchsten Werte generiert werden, obwohl vorher klar war, dass die Lage für die Niederlande nahezu aussichtslos war, denn Schweden hätte mit sieben Tore geschlagen werden müssen. Es spielte demnach wahrscheinlich das sogenannte Zuschauen aus Schadenfreude über einen der größten Rivalen bei vielen Deutschen eine Rolle. Auch die Spiele der Türkei schnitten aufgrund der vielen türkischen Bürger in Deutschland gut ab. Den Europameister gegen Ungarn wollte hingegen am wenigsten sehen. Ähnlich enttäuschend war die Neuauflage des EM-Finals 2012 (Italien – Spanien) am 2. Spieltag.

Christoph Trompeter, abseits.at

Christoph Trompeter

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