Seit der Übernahme des russischen Oligarchen Roman Abramovich im Jahr 2003 weht beim vierfachen englischen Meister ein neuer Wind. Gut eine Milliarde Euro investierte... FC Chelsea – Eine Milliarde Euro für einen Champions League Titel? Der große Transfervergleich

Seit der Übernahme des russischen Oligarchen Roman Abramovich im Jahr 2003 weht beim vierfachen englischen Meister ein neuer Wind. Gut eine Milliarde Euro investierte der Russe in neue Spieler der „Blues“, um mit diesen Titel zu erringen. In neun Saisonen wurden dreimal der englische Meistertitel, viermal der FA Cup, zweimal der League Cup sowie je ein Mal der Community Shield und letztendlich das große Ziel, die UEFA Champions League, gewonnen. Insgesamt acht Trainer waren in dieser Periode tätig, darunter Jose Mourinho (2004-2007) und Carlo Ancelotti (2009-2011), welche die größten Erfolge neben Interimscoach Roberto di Matteo feiern konnten.

Doch, wie viele Millionen investierte der russische Oligarch wirklich im Vergleich zu anderen europäischen Topklubs? Ist es legitim zu sagen, dass der FC Chelsea nur durch das Geld von Abramovich erfolgreich spielte? Wie schneiden andere Vereine im Gegensatz zu FC Chelsea ab, und kann man auch ohne große Investitionen erfolgreich spielen, sei es national oder international?

Folgend die Transferbilanz des FC Chelsea seit der Übernahme des russischen Oligarchen Roman Abramovich im Jahr 2003.

2003/04

Transfereinnahmen: 950.000 €

Transferausgaben: 172.200.000 €

(z.B. Duff: 26,5 Mio.; Crespo: 26 Mio.; Veron: 22,5 Mio.; Mutu: 19 Mio.)

= -171.250.000 €

2004/05

Transfereinnahmen: 3.300.000 €

Transferausgaben: 161.900.000 €

(z.B. Drogba: 37 Mio.; Carvalho: 30 Mio.; Ferreira: 20 Mio; Robben.: 18 Mio; Cech: 13 Mio.)

= -158.600.000 €

2005/06

Transfereinnahmen: 34.000.000 € (z.B. Tiago: 10 Mio.; Kezman: 9 Mio., Parker: 9 Mio.)

Transferausgaben: 91.725.000 €

(z.B. Essien:38Mio.; Wright-Phillips 31,5 Mio.; del Horno: 12 Mio.)

= -57.725.000 €

2006/07

Transfereinnahmen: 50.450.000 € (z.B. Duff: 15,5 Mio.; Gudjohnsen: 12 Mio.)

Transferausgaben: 94.700.000 € (z.B. Shevchenko: 46 Mio.; Obi Mikel: 23,6 Mio.)

= -44.250.000 €

2007/08

Transfereinnahmen: 44.650.000 € (z.B. Robben: 36 Mio.)

Transferausgaben: 60.900.000 €

(z.B. Anelka: 19,9 Mio.; Malouda: 19 Mio.; Ivanovic: 12 Mio.)

= -16.250.000 €

2008/09

Transfereinnahmen: 44.050.000 € (z.B. Bridge: 13 Mio.; Wright-Phillips: 11,25 Mio.)

Transferausgaben: 30.500.000 € (Bosingwa: 20,5 Mio.; Deco: 10 Mio.)

= 13.550.000 €

2009/10

Transfereinnahmen: 3.915.000 €

Transferausgaben: 28.550.000 € (Zhirkov: 21 Mio.; Sturridge: 5,8Mio.)

= -24.635.000 €

2010/11

Transfereinnahmen: 16.500.000 € (Carvalho: 8 Mio.)

Transferausgaben: 126.500.000 €

(z.B. Torres: 58,5 Mio.; Luiz: 30 Mio.; Ramires: 22 Mio.)

= -110.000.000 €

2011/12

Transfereinnahmen: 30.840.000 € (z.B. Zhirkov: 15 Mio.; Alex: 5 Mio.)

Transferausgaben: 102.100.000 €

(z.B. Mata: 26,7 Mio.; Lukaku: 22 Mio.; Meireles: 13,5 Mio;. Courtois: 9 Mio.; Cahill: 8,4 Mio.)

= -71.260.000 €

Das ergibt folgende Gesamtstatistik:

Einnahmen: 228.655.000 €

Ausgaben: 869.075.000 €

= 640.420.000 €

Somit gab Roman Abramovich über 640 Millionen Euro für Spieler aus, um mit diesen insgesamt elf Titel zu gewinnen. Man kann sagen, erst mit dem Kauf des Russen kam Chelsea wieder in die Erfolgsspur. Der letzte Meistertitel bis dahin datierte aus dem Jahr 1955.

Doch wie steht es um andere europäische Topklubs? Haben diese ebenso hohe Transferausgaben, die den „Blues“ von der Stamford Bridge sehr oft negativ angekreidet werden?

2003/04

Real Madrid: -5.700.000 €

FC Barcelona: -32.950.000 €

Manchester Utd: 3.075.000 €

2004/05

Real Madrid: -47.450.000 €

FC Barcelona: -63.750.000 €

Manchester Utd: -51.685.000 €

2005/06

Real Madrid: -44.400.000 €

FC Barcelona: 3.000.000 €

Manchester Utd: -23.900.000 €

2006/07

Real Madrid: -87.800.000 €

FC Barcelona: -18.000.000 €

Manchester Utd: -2.400.000 €

2007/08

Real Madrid: -78.600.000 €

FC Barcelona: -54.500.000 €

Manchester Utd: -59.100.000 €

Manchester City: -67.650.000 €

2008/09

Real Madrid: -12.900.000 €

FC Barcelona: -40.560.000 €

Manchester Utd: -37.800.000 €

Manchester City: -130.725.000 €

2009/10

Real Madrid: -169.900.000 €

FC Barcelona: -88.500.000 €

Manchester Utd: 77.065.000 €

Manchester City: -117.800.000 €

2010/11

Real Madrid: -82.920.000 €

FC Barcelona: -19.800.000 €

Manchester Utd: -11.175.000 €

Manchester City: -140.900.000 €

2011/12

Real Madrid: -46.800.000 €

FC Barcelona: -12.250.000 €

Manchester Utd: -41.810.000 €

Manchester City: -65.135.000 €

GESAMT (seit 2003)

Chelsea London FC: -640.420.000 €

Real Madrid: -576.470.000 € (ohne Zidane: 73,5Mio.; Figo: 60 Mio.; Ronaldo: 45 Mio.)

FC Barcelona: -327.310.000 €

Manchester Utd: -147.870.000 €

Manchester City (seit 07/08!): -522.210.000 €

Diese Statistiken beziehen sich rein auf Spielertransfers und haben nichts mit weiteren Vereinseinnahmen bzw. Ausgaben zu tun.

Geld gewinnt Titel?

Direkt nach der Übernahme von Abramovich gab Chelsea in 4 Saisonen große Summen für Spieler aus, welche auch heute noch den Stamm bilden. Danach folgten einige Jahre, in denen die Transferpolitik sehr ausgeglichen war und nur leicht ins Negative fiel. Nur durch den Rekordkauf von Fernando Torres (58,5 Mio.) im Jahr 2010 kam Chelsea wieder in die Schlagzeilen. Es machte sich die Ungeduld von Abramovich bemerkbar, der unbedingt die UEFA Champions League gewinnen wollte. So gab er im darauffolgenden Jahr ebenfalls eine große Summe für Verstärkungen aus, was sich letztendlich bezahlt machte. Ausgerechnet mit Interimstrainer Roberto di Matteo, welcher bis dato ein ziemlich unbeschriebenes Blatt in der Fußballwelt war, gelang der große Wurf.

Real Madrid ist aber weiterhin das „Um und Aufauf dem europäischen Transfermarkt. Im letzten Jahrzehnt investierten die Königlichen bei Weitem die höchste Summe für neue Stars. Viele bekannte Namen durften schon das Trikot des Weißen Balletts tragen, doch kontinuierliche Erfolge blieben auch hier aus. Die UEFA Champions League konnte das letzte Mal 2001/02 gewonnen werden, die spanische Meisterschaft nach drei Saisonen Pause auch erst wieder dieses Jahr.

Kombination aus Stars und Jugend

Der FC Barcelona glänzt zurzeit mit einzigartigem Kombinationsfußball. Sie verstärkten sich in den letzten Jahren ebenfalls mit starken Spielern, doch viele ihrer Stars sind aus der eigenen Jugend, was sich mittlerweile bezahlt macht. Spieler wie Valdes und Puyol (seit 1995 beim Verein), Xavi (seit 1991), Iniesta (1996) oder Messi (2000) bilden den heutigen Stamm der Katalanen.

Manchester United schreibt dank des Rekordverkaufs von Cristiano Ronaldo von über 90 Millionen Euro zu Real Madrid weniger rote Zahlen als die vorher genannten Klubs. Doch auch sie haben in den letzten Jahren stets eine negative Transferbilanz. Dank einer guten Ausbildung, Routiniers im Team (Giggs, Scholes) sowie einem überaus erfahrenen Trainer mit Sir Alex Ferguson, der seit 1986 seinen Weg begleitet, konnten auch hier große Erfolge gefeiert werden.

Investoren aus der Wüste

Der neue „Finanzkrösus“ im Fußballsport ist ohne Zweifel Manchester City, welches durch den neuen Hauptsponsor Etihad in den letzten Jahren horrende Summen in Spielertransfers investieren konnte. So gab man seit der Saison 2007/08 unglaubliche 522 Millionen Euro für Stars aus. Erst in dieser Saison konnte man denkbar knapp die Premier League gewinnen.

In Frankreich kam der Hauptstadtklub Paris Saint-Germain in die Schlagzeilen, da ein neuer Investor aus Katar den Klub zum ganz großen Erfolg verhelfen will. Für dieses Vorhaben wurden in einer Transferperiode unglaubliche 106 Millionen Euro für neue Spieler investiert, um Titel und Erfolge zu feiern. Doch in der Europa League scheiterte man schon in der Gruppenphase, und die Meisterschaft ging an einen Underdog verloren. Mission gescheitert?

Ohne Millionen zum Erfolg

Doch in Europa gibt es auch viele andere Klubs, die finanziell nicht sehr stark sind, aber trotzdem ausgezeichneten Fußball spielen und Titel feiern. So zeigt Dortmund in Deutschland eindrucksvoll, wie man mit einer jungen Mannschaft zwei Meisterschaften en suite holen, und auch den Cuptitel souverän im Finale gegen Bayern München gewinnen kann.

In England spielen Arsenal, Tottenham und Liverpool (CL Sieger 2004/05) Jahr für Jahr im Spitzenfeld mit und konnten ebenfalls einige Cuptitel feiern. Diese Vereine stehen für langjährige Tradition, und können auf eine mächtige Fanbasis vertrauen.

In Spanien zeigen in den letzten Jahren der Europa League Double Sieger Atlético Madrid sowie Athletic Bilbao mit ihrer besonderen Transferpolitik (nur Basken im Team „erlaubt“) mächtig auf. Die Ausbildung spielt bei all diesen Teams eine wichtige Rolle, und durch ein vorbestimmtes System, welches seit der Jugend den Spielern antrainiert wird, kann durch schnelles Passspiel ein attraktiver Fußball gezeigt und schlussendlich auch Titel gewonnen werden.

Der französische Verein Montpellier HSC überraschte in der abgelaufenen Saison wie OSC Lille im Vorjahr, und holte sich mit drei Punkten Vorsprung auf Paris SG erstmals in der 93-jährigen Klubgeschichte den Meistertitel. Mit einem Jahresbudget von nur 33 Millionen Euro konnte man trotzdem einen effizienten und schönen Fußball zeigen, und die Favoriten wie Paris SG oder Olympique Lyon übertrumpfen. Der teuerste Spieler und zugleich Torschützenkönig ist mit Olivier Giroud im internationalen Vergleich wohl fast ein Schnäppchen…

Geld erleichtert im Fußball mit Sicherheit einiges. Doch in der Vergangenheit wurde schon sehr oft deutlich, dass Geld keine Titel gewinnt oder zwingend guten Fußball spielt. Daher ist Geld kein Garant für Erfolg, und wir können für die Zukunft nur hoffen, dass die Teams ab 2015 oder auch schon früher auf Financial Fair Play setzen, und dadurch spannende Meisterschaften bzw. internationale Bewerbe ermöglichen.

David Ryborz, abseits.at

David Ryborz

  • MJK

    2.Juni.2012 #1 Author

    Anmerkung
    Bei Athletic Bilbao sind nur Basken „erlaubt“, keine Katalanen.

    Antworten

  • olejens

    21.Juni.2012 #2 Author

    Athletico Madrid schuldet allein dem spanischen Fiskus € 215 Mio, die haben gar keine andere Wahl, als ihre Jugend zu forcieren. Diego soll gehalten werden, kann aber nicht bezahlt werden, Ablöse von Jurado max. 6-7 Mio, obwohl man 14 für ihn kassiert hat. Der gesamte spanische Fussball steht wie der italienische mit dem Rücken zur Wand. Auch in England würde ohne „Wüstensöhne und ähnlichem“ nicht mehr viel gehen, außer dass der nächste Meiser vllt Blackburn oder Preston North End heißen würde.

    Antworten

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