Weltmeisterschaften und Großereignisse im Allgemeinen sind nicht nur für Fußballfans eine Ausnahmesituation. Diese gilt auch für Wettanbieter. Wir haben uns mit Philip Newald, Geschäftsführer... tipp3-Geschäftsführer Philip Newald im Interview: „Wir alle brennen auf die WM!“

Weltmeisterschaften und Großereignisse im Allgemeinen sind nicht nur für Fußballfans eine Ausnahmesituation. Diese gilt auch für Wettanbieter. Wir haben uns mit Philip Newald, Geschäftsführer von tipp3 getroffen und über die WM, das Nationalteam, seinen Herzensverein Rapid und die hochinteressante Initiative Motion4Kids gesprochen.

abseits.at: Philip, Österreich ist zwar bei der Weltmeisterschaft leider nicht dabei, aber ich nehme an, ein Großereignis wie eine Weltmeisterschaft ist trotzdem für jeden heimischen Buchmacher eine Herausforderung. Wann habt ihr mit der Vorbereitung auf das Turnier begonnen und wie sieht aktuell euer Arbeitsalltag aus?

Philip Newald: Stimmt, es ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance für einen Buchmacher. Begonnen haben wir im Oktober 2017. Wie es in einem Unternehmen wie dem unseren üblich ist, haben wir damals ein Projekt über sämtliche Themenfelder gestartet. Über das Thema Vertrieb, die Produktentwicklung, die Markenpolitik, die Öffentlichkeitsarbeit und alles was noch dazugehört. Der Markt in Österreich wird immer umkämpfter und es ist schwierig sich zu differenzieren. Deshalb setzen wir stark auf den Ruf des „österreichischen Buchmachers“. Das ist auch der Grund, weshalb wir einen starken Bezug zu zwei großen österreichischen Sportinstitutionen herstellen, nämlich dem Nationalteam und dem SK Rapid – unsere zwei mit Abstand größten Engagements.

Beim Nationalteam hat sich zuletzt ja einiges geändert…

Beim Nationalteam war es nach dem Koller-Aus so, dass alle – inklusive uns – ein wenig desorientiert waren und nicht wussten, wie es weitergeht. Dass sich das so schnell wieder gefunden hat, ist sehr positiv und erfreulich. Ich hätte nicht gedacht, dass sich das Team so schnell wieder findet. Ich kannte Franco Foda persönlich noch nicht, die Informationen über ihn gingen in alle Richtungen. Aber jetzt bin ich extrem froh, dass er da ist. Er hat die Zügel fest in der Hand und es ist toll, dass es gelungen ist, mit ihm gemeinsam den Weg fortsetzen zu können, den wir mit Marcel Koller begonnen haben. Das ist für uns natürlich angenehm, weil wir nichts komplett Neues aufsetzen müssen, sondern den Weg fortsetzen können. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, etwa was den humorvollen Umgang umgeht, sind gut. Sehr positiv war auch, dass der ÖFB die „Mini-WM“ mit Spielen gegen Russland, Deutschland und Brasilien aufsetzte. Für einen Buchmacher wie uns ist es sehr wichtig, dass mit Beginn der WM bereits eine gewisse Flughöhe im Umsatz da ist, anstatt langsam anzulaufen.

Wieso ist das so?

Bei Großereignissen ist es so, dass die ersten Tage normalerweise schleppend verlaufen und dann springt die Maschine erst an. Jetzt ist es so, dass de facto eine gefühlte WM-Atmosphäre herrscht. Das bewerten wir sehr positiv.

Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit Franco Foda von der mit Marcel Koller?

Es ist mit Foda fast einfacher, weil er schon wusste, was auf ihn zukommt. Für bzw. unter Koller war das Ganze ja eine neue Entwicklung. Auch, dass ein Teamchef so etwas überhaupt mit einem Buchmacher macht und sich auf diese Art inszenieren lässt. Franco Foda hat das so auch bestätigt und er sieht das positiv, auch weil er sich damit von einer positiv-humorvollen Seite zeigen kann, die man normalerweise als Teamchef nicht unbedingt im Alltag raushängen lässt. Die Zusammenarbeit ist im Allgemeinen sehr professionell. Foda ist klar in seinen Aussagen, aber ausgemacht ist ausgemacht und alles, was Foda verspricht hält er auch. Auch der Werbedreh mit Foda und seinem Co-Darsteller, der gecastet wurde, war sehr lustig und sicher für beide interessant.

Was ist deiner Meinung nach der größte charakterliche Unterschied zwischen Koller und Foda? Oder der größte Unterschied in der Arbeit mit ihnen…

Die Verankerung Fodas in Österreich. Der Umgang mit Medien ist einfacher für ihn, weil er durch seine lange Zeit in Österreich schon alles und jeden kannte. Koller musste erst erkennen, wer wofür steht, was er zu erwarten hat. Mit Koller war es nach einer Anlaufzeit ebenfalls perfekt, aber mit Foda ist es leichter, weil er schon auf seine Erfahrungen aufsetzen konnte. Man muss sehen, was passiert, wenn es für Foda mal nicht so gut läuft. Diesbezüglich war Koller super, weil er sowohl in Zeiten des Erfolgs, als auch des Misserfolgs gleich angenehm in der Zusammenarbeit war.

Sonntag ist bei tipp3 „Foda-Tag“. Worum handelt es sich dabei?

Die Idee wurde eigentlich nach einem Spritzer geboren. Ein sehr lässiger Kollege von uns meinte: „Kann man aus dem Vatertag nicht den Foda-Tag“ machen?“ Auch den Spielern hat das getaugt und sie haben die Idee gleich mitgetragen. Gerade Marko Arnautovic kann das mit seiner Aussprache gut rüberbringen. Die Hauptarbeit für uns ist, die größeren Medien zu instruieren, worum es geht. Wir brauchen immer mehr Dinge, die anders als bisher. Die „Thiem-Team-Wette“ hat gut funktioniert und viele Leute, die sich bisher nicht so sehr mit uns auseinandersetzten, haben dadurch erst erfahren, dass wir auch Tenniswetten anbieten. Solche Dinge braucht man jedenfalls und der Foda-Tag passt perfekt hinein. Soziale Medien, YouTube und Co. sind für solche Ideen natürlich prädestiniert.

Wer ist für tipp3 der Favorit bei dieser Weltmeisterschaft und deckt sich das mit deiner persönlichen Meinung?

Laut nüchternem, heruntergerechnetem Quoten-Thema sind Brasilien und Deutschland die Favoriten. Deutschland hat zwar fünf Partien hintereinander nicht gewonnen [und nach dem Transkript dieses Interviews Saudi-Arabien besiegt; Anm. d. Red.], aber dennoch wird die Mannschaft vorne mitspielen. Brasilien scheint sich auch stark gefunden zu haben. Danach kommen die beiden Mannschaften, denen auch ich viel zutraue: Frankreich und Spanien. Insbesondere Spanien, wo die Emotionalität durch die ganze Situation im Land mitspielt. Frankreich ist etwas schwerer einzuschätzen. Schwer zu sagen, ob das eine Mannschaft ist, wo das Gefüge schon perfekt passt. Danach kommen Mannschaften wie England – bei uns mit Quote @20 – oder Belgien. Weltmeister werden diese Teams vielleicht nicht, aber sie müssen endlich mal zeigen, was sie draufhaben. Auf einen Weltmeister Belgien bekommen wir lustigerweise sehr viele Einsätze aus Oberösterreich. Wir rätseln noch wieso, es scheint dort eine Liebe zu Belgien zu geben. Genauso, wie es in Salzburg zum Beispiel statistisch eine Liebe zu England gibt. Es ist witzig, dass es da so extreme Ausschläge gibt.

Wie ist es in Wien?

Wien ist gut ausgeglichen. Deutschland ist hier bei den Tipps weit oben. Die Frauen setzen interessanterweise stark auf Brasilien. Es ist allgemein ein Phänomen, dass bei einer WM der Frauenanteil an unseren Usern stark steigt, sicher auch weil von einer WM wesentlich mehr berichtet wird, als im sonstigen Fußballalltag. Auch lustig ist, dass das Burgenland eine Liebe zur Schweiz haben dürfte… das sind tatsächlich relevante Ausschläge in der Statistik. Ich glaube aber, dass es dafür keine tiefenpsychologischen Gründe gibt.

Wenn du heute auf einen Weltmeister wetten müsstest…

…würde ich Spanien nehmen. Und ich habe auch auf Spanien gewettet.

Wer ist für die Buchmacher der Favorit auf den Torschützenkönig?

Hier liegen Messi, Ronaldo und Neymar relativ gleichauf. Die Wetten gehen aber deutlich in Richtung Ronaldo. Ich persönlich glaube, dass diese WM die große Probe für Messi werden wird. Es wird wohl alterstechnisch die letzte WM sein, die er prägen kann. Ich glaube auch, dass es eine starke Messi-WM werden kann, auch wenn ich Argentinien nicht gut einschätzen kann. Weil normalerweise gibt es bei Argentinien ja immer irgendetwas, was nicht passt.

Gibt es Außenseiter-Tipps auf den Torschützenkönig, der häufig angespielt wird?

Das entwickelt sich normalerweise erst, wenn das Turnier läuft. Momentan gibt es noch keinen, der aus der Reihe tanzt.

Gibt es zahlreiche Außenseitertipps auf den Weltmeister? Also sagen wir, abgesehen von den „großen Acht“, also weitgehend den Teams aus dem ersten Lostopf?

Senegal ist heuer ziemlich beliebt und wird stark angespielt. Die haben eine attraktive Quote und irgendwie hat sich das in den sozialen Medien so verbreitet. Senegal hat sieben oder acht Top-Spieler und die werden natürlich sehr heiß sein.

Was bedeutet die WM eigentlich für euer Tagesgeschäft in den Trafiken?

Es ist uns heuer gelungen 600 Trafiken mit sehr vielen Informationen zu versorgen. Bei den Trafikantinnen und Trafikanten gibt es also mittlerweile einen sehr hohen Wissensstand und auch Vorfreude. Das ist dank vieler Schulungsprogramme gelungen und wir haben diesbezüglich schon viel Schweiß und Blut vergossen. Über Fußball zu reden ist die einfachste Methode, vieles über sein Gegenüber herauszufinden. Unsere Vertriebspartner erkennen das mittlerweile auch immer mehr, sehen, dass das wirkt und es hilft ihnen natürlich auch abseits der WM, wenn sie viel über ihre Kunden wissen. Wir haben mit den Trafiken endlose Gespräche geführt, bis der Groschen am Ende gefallen und eine kritische Masse erreicht wurde. Und jetzt sind es eben 600 Trafiken österreichweit.

Seid ihr mit Teams in Trafiken gegangen oder gab es Workshops bei euch?

Zusammengeholt, hingegangen, geschult – alles! Das ist Basisarbeit, die wichtig ist. Dieses Vertriebsnetz ist für uns ein Wettbewerbsvorteil und den dürfen wir natürlich nicht liegenlassen. Heuer habe ich wirklich den Eindruck, dass die Trafikantinnen und Trafikanten brennen und positiv motiviert sind.

Wie lange dauerte es, bis diese kritische Masse erreicht wurde? Das muss ja ein sehr langer Prozess gewesen sein…

Wir bearbeiten dieses Thema seit der Gründung unseres Unternehmens. Es ist wichtig, mit Kunden und Produktpartnern gemeinsam Produkte zu entwickeln. Wir haben hier bei uns einen „Innovation Hub“, was nichts anderes ist, als ein kreativer Raum, in dem wir gemeinsam Konzepte erstellen und besprechen. Da sitzen wir stundenlang zusammen und besprechen was funktioniert und was nicht. Der Prozess an sich nahm aber erst in den letzten Monaten so richtig Schwung auf.

Ist mit dem Beginn der WM euer Stress geringer, weil die Vorbereitungen bereits stressig genug waren? Oder geht’s jetzt erst richtig los?

Da gibt es zwei Teile: Alle, die mit Vertrieb und Marketing zu tun haben, sind mit ihrer Hauptarbeit fertig. In der Öffentlichkeitsarbeit muss man immer schauen, dass man mit den Botschaften gut durchkommt und das muss natürlich schon immer weiterverfolgt werden – teilweise auch stark ins Detail und in einzelne Regionen gehend. Aber die Vorbereitungsarbeit in diese Richtung ist erledigt. Aber auf der anderen Seite ist das Buchmacher-Team und für die geht es jetzt erst so richtig los. Die Umsatzverteilung liegt plötzlich auf zwei, drei Partien pro Tag und da musst du in einen Flow kommen. Wenn die Leute am Anfang zu viel verlieren, wird es unattraktiv. Wenn aber an ein paar Tagen 200% ausgeschüttet werden, tut’s richtig weh. Am Ende des Tages soll es so sein, dass die Kunden Spannung und Spaß hatten. Als Kunde kann man sich mit wenig Geld die ganze WM noch ein bisschen interessanter machen. Ob es jetzt 15 oder 50 Euro sind, die du in diesen Faktor Spannung investiert: Du bist stärker dabei, du diskutierst darüber und schon bist du näher dran.

Wie sieht bei euch aktuell die Umsatzverteilung aus?

72% haben wir in den Trafiken und Annahmestellen, 28% online und von diesen 28% machen wir etwa die Hälfte des Umsatzes mit Live-Wetten. Was online natürlich noch dazukommt und was viele Leute vielleicht nicht wissen, ist, dass Wetten ab einer gewissen Einsatz-Größenordnung geprüft werden müssen. Da musst du dann entscheiden, ob du die Wette annimmst oder nicht. Das ist zusätzlicher Stress für die Buchmacher, wenn sich alles auf so wenige Spiele konzentriert. Das Angenehme ist, dass man bei einer Weltmeisterschaft annehmen kann oder muss, dass das Thema Manipulation keine Rolle spielen wird.

Kommen wir zum SK Rapid. Du sitzt im Kuratorium, warst in den letzten Jahren in einigen Arbeitsgruppen dabei. Wie war die vergangene Saison für dich und was erwartest du dir für die Zukunft?

Das ganze Jahr war ein bisschen eine schware Partie. Der richtige Funke, dass man fünf, sechs Runden echte Freude daran hatte, sprang nie über. Es waren viele gute Momente dabei, desaströs war es aber auch nicht. Es ist nicht schlecht, es ist nicht gut, aber wir wissen natürlich über die Erwartungshaltung aller in der Rapid-Familie Bescheid. Der Frust, dass eine Mannschaft wie Sturm solider spielt und den Titel holt, den sich bei Rapid alle wünschen, ist spürbar. Und das sollte schon langsam einmal passieren. Wieder einmal war Salzburg für sehr kurze Zeit nicht perfekt unterwegs und da hätten wir einfach da sein müssen. Es ist aber weiterhin sehr beeindruckend, wie viel Kraft dieser Verein als Ganzes hat. Also mit allen Menschen, allen Seiten, der ganzen Community. Da sieht man also schon noch immer, wie cool dieser Verein ist und was da drinsteckt. Aber der nächste Schritt muss bald passieren und dieser muss wahrscheinlich im sportlichen Bereich passieren. Die Mannschaft muss zusammenfinden, in der Hierarchie und ihrem Auftreten wachsen, sodass zumindest der zweite Platz absolut drin ist. Dritter und Cup-Semifinale ist natürlich ok, aber die Ansprüche sind höhere.

Du sagst, dass man nie fünf, sechs Partien hintereinander den Eindruck hatte, dass Rapid wieder „geil“ ist. Von außen hat man immer wieder den Eindruck, dass sich der Fokus bei Rapid gesellschaftlich stark verschoben hat. Stichwort Hospitality, doch immer weiter weg vom klassischen Arbeiterverein. Ist Rapid als Ganzes wirklich noch cool?

Im Vergleich zu vielem anderem was heutzutage extrem verwaschen ist, ist Rapid noch immer cool. Aber der Coolness-Faktor hat sicher gelitten. Ich bin ein Fan davon, Traditionen herauszustreichen und zu leben. Teilweise gelingt das eh. Steffens Abschied hat mich zum Beispiel positiv überrascht, das war richtig geil. Das ganze Jahr mit Steffen war nicht gut, die Situation war nicht befriedigend und niemand wusste, wieso er nicht spielt. Aber bei seinem Abschiedsevent im Kursalon Hübner und seiner letzten Partie gegen Altach spürte man schon, was da alles drin ist. Die Liebe zum Verein, Steffens Liebe zum Verein, die Liebe aller zu Steffen. Da hat man schon wieder gesehen, wie cool Rapid sein kann. Vielleicht ist weniger mehr: Man sollte sich nicht in der Breite verlaufen, sondern sich auf ein paar Dinge pro Jahr richtig konzentrieren.

Du warst in der Leitbild-Kommission, die vor einigen Jahren in mühevoller Kleinarbeit ein Leitbild für den SK Rapid erarbeitete. Wir haben in letzter Zeit in mehreren abseits.at-Artikeln stark kritisiert, dass dieses Leitbild im Alltag nicht umgesetzt wird. Ist das ein Grund dafür, dass das „Rapid-Gefühl“ nicht ganz so intensiv ist, wie etwa in den erfolgreichen Jahren oder den letzten Jahren im Hanappi-Stadion?

Es wurde alles ein bisschen abg’schmirgelter. Es ist nicht mehr so rough, wie es einmal war. Es gibt mehr Entertainment und im Business-Bereich redet man mit vielen Menschen, wo man teilweise das Gefühl hat, dass sie auf Einladung hier sind, aber nicht genau wissen, wo sie hier überhaupt sind. Die das echte Rapid-Gefühl eben nicht kennen. Das ist eben jetzt schon anders, einfach wegen der Größe, des Wachstums. Man muss sich darüber klar werden, dass das Ganze einfach richtig groß geworden ist. Dieser Sprung ist für keinen Verein, auch international, nicht einfach. Das Stadion finde ich nach wie vor gut, da wurde vieles richtig gemacht…

…aber es fehlen die „Rapid-Momente“.

Stimmt. Die „Magic Moments“ gab’s bisher noch nicht. Aber bei Steffens Abschied sah man wieder, was alles möglich ist. Ich bin ein großer Freund dieser Legendenverherrlichung, des Rapideums, der Tradition mit der Rapid-Viertelstunde. Das wird schon noch zelebriert, aber ich denke, dass man das schon noch eine Spur stärker forcieren kann, ohne ins Überpathetische abzugleiten. Das ist es, was uns alle an diesen Verein bindet.

Aber es passt nicht zusammen. Alles ist sehr groß, es ist irgendwie noch cool, aber eben nicht mehr so rough. Rapid ist schon lange kein Aushängeschild der Arbeiterklasse mehr. Und zudem gewinnt der Verein nichts. Welcher Impuls ist notwendig um das zu ändern bzw. um einen Titel zu holen?

Es muss ein Flow hineinkommen. Es muss ein Momentum geben, das alle auf die Seite des Klubs holt, auch mit den Spielern, den Transfers. Ich bin kein Freund des Begriffs „Ausbildungsliga“. Klar ist diese Liga ein Sprungbrett, aber ich finde, dass das etwas anderes ist, als eine Ausbildungsliga. Als zum Beispiel Maxi Wöber verabschiedet wurde, war das cool. Das war ein Rapidler, der den Weg ins Ausland geschafft hat, auch wenn er nur kurz bei Rapid war. Aber es war ein Moment, als alle stolz auf ihn waren, dass er den Weg geschafft hat, auch weil es zu einem Top-Klub ging. Aber so etwas kippt schnell und man hört dann mittlerweile Dinge wie, Spieler X möchte eigentlich lieber in die zweite deutsche Bundesliga wechseln. Um so etwas öffentlich zu sagen, ist Rapid zu groß. Wenn’s so ist, ist’s so, aber das darf man nicht kommunizieren. Da muss man als Rapid schon ein anderes Selbstvertrauen an den Tag legen.

Gibt es in der zweiten deutschen Bundesliga nicht auch intern große Unterschiede? Etwa so, dass man sagen kann: Ich verstehe, dass Schaub zum 1.FC Köln wechselt, aber ich könnte es nicht verstehen, wenn er zum Beispiel nach Heidenheim wechseln würde?

Wenn sie gehen, gehen sie eh. Sie sollen es nicht zu früh thematisieren, egal wo sie hingehen. Wenn das Angebot passt und der Karriereplan eben so ist, dann ist er so. Für Schaub ist die Veränderung sicher in Ordnung. Bei Rapid drehte er sich irgendwie ein bisschen im Kreis.

Unser letztes Thema ist dein Herzensthema Motion4Kids. Du hast da etwas richtig Tolles auf die Beine gestellt. Es handelt sich um eine Initiative, in der Projekte eingereicht werden können, die Kindern die Wichtigkeit und auch den Spaß von Sport und Bewegung im Allgemeinen näherbringen sollen.

Ja, auf dieses Thema bin ich tatsächlich sehr stolz und es ist auch toll angelaufen. Die Hauptarbeit war, diese berühmte steuerliche Absetzbarkeit herbeizuführen. Sportinvestitionen waren bisher nicht steuerlich absetzbar. In Deutschland haben 80% der wohlhabenden Familien allesamt Sportstiftungen und in Österreich gab es das bisher nicht. Durch viel Arbeit und viele Gespräche haben wir nun gemeinsam eine „Lücke“ erzwungen – die Bildung. Zahlreiche Analysen haben gezeigt, dass Bewegung die beste Arbeit für Bildung ist. Investitionen in die Bewegung von vor allem Drei- bis Zehnjährigen wurde als bildungsfördernd akzeptiert. Daher ist die steuerliche Absetzbarkeit gegeben, was ein riesiger und wichtiger Schritt war, um Finanzierungsquellen zu erschließen. Das Zweite ist, dass wir keine eigenen Projekte machen, sondern die intelligente Community auffordern nachzudenken. Wie kann man „Räuber und Gendarm“ modern machen, etwa mit GeoCaching? Wie kann man Influencer und Blogger dafür gewinnen, um den Kindern klarzumachen, dass das Smartphone und das Zocken auf der PlayStation nicht der Alltag sein kann? Es werden bereits sehr coole Projekte eingereicht und unsere Aufgabe ist es, die Schnittstelle zwischen der Community und Financiers herzustellen. Das managen wir professionell, sauber und ordentlich und bringen unser Know-how und unser Netzwerk ein.

Und bei Motion4Kids kann jeder seine Projektideen einreichen?

Ja, der erste Call ist bis 31.Juli offen. Bis dahin kann eingereicht werden. Danach entscheidet ein Kuratorium aus unterschiedlichsten Menschen – unter anderem Top-Mediziner, Steffen Hofmann, der sich hier stark engagiert und Wirtschaftsprüfern – welche Projekte gefördert werden. Das Ziel ist es, mehrmals pro Jahr solche Calls aufsetzen können, wo Projekte eingereicht werden. Wir wollen da keine Revolution in wenigen Monaten anzetteln, sondern haben einen Plan über zehn Jahre und wollen das Mindset der Öffentlichkeit in die Richtung lenken, dass man das Match gegen das Handy nicht hoch gewinnen wird, sondern die Kraft des Gegners nützen muss. Das bringt die Digitalisierung eben mit sich und es kann natürlich koexistieren.

Wie bist du auf die Idee gekommen, so eine Initiative ins Leben zu rufen? Wie hat das Ganze angefangen?

Ich habe selbst drei Kinder, die Gott sei Dank diese Themen betreffend sehr ausgeglichen sind. Aber ich war mit ihnen so häufig auf Spielplätzen und mir sind richtig viele Kids aufgefallen, die wirklich nur noch in die Natur gehen, um aufs Handy zu starren. Nicht nur, dass sie so viel Zeit am Handy verbringen – auch der Rest ist so langweilig. Alles, was man nicht sharen kann, ist nicht interessant. Ich habe zwar noch keine Midlife Crisis, aber mit 46 denkst du dann schon mal drüber nach, welche positiven Veränderungen du der Welt im Allgemeinen ermöglichen willst. Bevor ich Vize-Präsident bei irgendeinem Eishockey-Verein werde, möchte ich lieber eine Kombination aus Unternehmerischem mit positivem, sinnvollem Impact auf die Beine stellen.

Das Interview führten Daniel Mandl und Stefan Karger

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen