Der dritte und letzte Teil des großen abseits.at-Interviews mit dem Chef der „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) Gernot Zirngast. Nachdem Zirngast in Teil 1 bereits... VdF-Vorstand Zirngast im abseits.at-Interview: "Ich ziehe meinen Hut vor Ali Hörtnagl!"

Der dritte und letzte Teil des großen abseits.at-Interviews mit dem Chef der „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) Gernot Zirngast. Nachdem Zirngast in Teil 1 bereits über Spieler und die Anpassungsnotwendigkeit selbiger sprach und in Teil 2 darüber, wie unprofessionell in Österreich gearbeitet wird, geht es im dritten Teil um nichts anderes als GELD!

abseits.at: Kann man sagen, was man im Schnitt in den Regionalligen verdient?

Gernot Zirngast: Also es ist nicht so, dass man da reich wird, aber es ist so, dass man so gut leben kann, sodass manch einer wirklich sagt: „Ich brauche keinen zweiten Job.“ Wenn er so nach oben kommt, dann ist das ja ok, wenn er jetzt nur ein, zwei Jahren da oben bleibt. Das ist aber eine gefährliche Grenze. Mit 1500, 2000 netto und nebenbei keine Ausbildung – dann hat er für später nichts. Dann fängt der Fußball zwar noch viele in den unteren Ligen ab. Und es gibt Unterschiede, denn wenn das jetzt jemand aus dem Westen liest – bis auf wenige Ausnahmen – da fragt er: „1500 netto?“ So viel verdient man im Osten, bei einigen Vereinen in der Regionalliga Mitte: Zum Beispiel in Pasching oder beim GAK. Im Westen wird es dann immer weniger, vielleicht gibt es so viel bei Anif oder Dornbirn. Bei uns im Osten gibt es sogar Regionalligaspieler, die bis zu 5000 Euro netto im Monat verdient haben.

abseits.at: Wobei man nicht vergessen darf: Wenn ein 20-jähriger 1500 Euro kriegt, ist das nicht
wenig…

Gernot Zirngast: 1500 netto ist nicht wenig – stimmt. Das ist eben etwas, was im Fußball aber so nicht gesehen wird. Die Eltern haben Vorstellungen, was die Burschen mit 19 verdienen müssten, wenn da ein Profiklub kommt. Wenn der da jedoch schon zwischen zwei- und dreitausend netto verdienen soll, was soll der mal verdienen, wenn der wirklich gut wird?

abseits.at: Sind da die St. Pöltner ein Vorbild? Trainer Martin Scherb meinte nach dem Aufstieg: „Die Jungs müssen 10 Stunden arbeiten gehen.“

Gernot Zirngast: So ist es. Es kommt ja nicht nur dazu, dass ich die Jungs als Profi habe, sondern dass ich als Verein auch schauen muss, was die wirklich zwischen den Trainingszeiten machen. Die trainieren nicht jeden Tag zwei Mal. Und da sagt der Martin richtig, dass sie die Möglichkeit dazu haben sollen, zu arbeiten und die haben sie im Verein geschaffen. Da sagen wir, dass die Bundesliga die Vereine unterstützen soll. Und wir müssen noch mehr schauen, dass wir mit regionalen Wirtschaftsunternehmen zusammenarbeiten. Statt einem Sponsoring hat der Spieler einen Nebenjob, wo er 500 dazu verdient, wo er einen Arbeitgeber hat, der das Verständnis mitbringt, weil er auch in den Verein mit integriert ist. Ich meine: ADEG hätte der Liga kein Geld geben sollen, sondern hätte 100 Arbeitsplätze hergeben sollen, damit so mancher Spieler einen geregelten Tagesablauf kriegt und nicht mehr oder minder absinkt, weil dort kommen dann genau die Geschichten raus: Wetten, Herumhängen usw. Das sind die Probleme, wo man die Jungen viel zu viel alleine lässt und da ist das, was in St. Pölten passiert ist, absolut vorbildhaft.

abseits.at: Wie arbeiten Landesligisten?

Gernot Zirngast: In der fünften Liga, in der Landesliga ist ein Tausender pro Monat durchaus an der Tagesordnung. Die Spieler, die von oben kommen, werden gut verdienen. Die, die nie oben waren nicht. Die Sache ist immer nur: Wie handhabe ich das Ganze?

abseits.at: Welche Möglichkeiten hat der Verein?

Gernot Zirngast: Es gibt eine Ausnahmeregelung, für die Spieler nicht als Hauptjob Fußballer sind. Man kann den Aufwand für das Training und die Spiele mit bis zu 60 Euro am Tag vergüten, maximal 540 Euro im Monat. Das ist auch für den Nachwuchs wichtig, wir dürfen nicht vergessen: Es gibt über 2200 Vereine in Österreich. Wir haben hunderttausende Leute, die Fußball spielen und mit dem Fußball „verbandelt“ sind. Volkswirtschaftlich ist das einfach eine Sache, wo ich jetzt sage: Wenn ich als Lehrer jetzt eine Fußballmannschaft im Sommer trainiere, verdiene ich mehr und muss das zu meinem Job dazu zählen und dann versteuern, dann komm ich vielleicht in eine höhere Steuerklasse und mir bleibt im Endeffekt nichts übrig. Da kann er es
gleich umsonst machen. Dass der ein paar hundert Euro dazu verdienen kann, ist absolut gut, weil er auch für den Staat, für die Allgemeinheit was tut. Dieser Vertrag ist vonseiten des Vereins netto gleich brutto. Das ist absolut legal. Bis zur 4. Liga hinauf sollte ich kein Problem haben, diese Beträge dann auch wirklich offiziell auszuzahlen. Was will ich mehr?

abseits.at: Die bereits angesprochene Ausbildungstabelle dient als Orientierung für Transfers. Wo kommen die Transfersummen diverser Websites her? Macht es irgendeinen Sinn, das so anzugeben, wenn es die Ausbildungsentschädigung gibt? Kann man seriös bewerten, was der Herr Junuzovic beispielsweise wert ist?

Gernot Zirngast: Nein, das ist eine Spielerei. Ein Beispiel: Jimmy Hoffer spielt eine gute Saison, auch im Nationalteam. Dann kommt halt ein Verein, der das in seinem Land für einen jungen Spieler nicht als hoch betrachtet und Rapid kriegt fünf Millionen Euro. Anderes Beispiel: Dragovic. Bis zu drei Millionen Euro wollte die Austria haben. Er war ja auch schon fast in Wolfsburg, für die war das aber logischerweise zu viel für einen jungen Spieler, wo ich nicht weiß, wie der wird. Er hatte eine gute, aber nicht außergewöhnliche Saison und zwei Nationalteamspiele.

abseits.at: Wie sagt der Herr Parits in dem Fall dann aber: Der Spieler ist das und das wert?

Gernot Zirngast: Im Endeffekt ist er das wert, was jemand bereit ist zu zahlen. Aus. Mehr kann nicht sein. Das sich wer etwas zusammenreimt, das hat er mal verdient usw. steht auf keiner realen Basis. Es ist mehr oder minder überhaupt nicht nachvollziehbar, was da hin und wieder verlangt wird.

abseits.at: Das heißt, der Verein rechnet sich +/- aus: Ich habe in diesen Spieler 3 Jahre lang 50 000 Euro reingesteckt, also möchte ich mindestens so viel haben?

Gernot Zirngast: Nach einer guten Saison sollen die Preise steigen, nach einer schlechten fallen? Das hat keinen realen Hintergrund. Ich habe gelesen, dass Barcelona die Ablösesumme für Pedro Rodriguez auf 150 Millionen Euro festgelegt hat. Nur, wenn der Herr Rodriguez eine schlechte Saison spielt, dann vielleicht verletzt ist, dann werden sie froh sein, wenn sie ihn überhaupt loswerden. Das sind immer aktuelle Bestandsaufnahmen, die man immer differenzieren muss und schauen muss, welche Saison der Spieler spielt. Die Vereine glauben, dass sie den Spieler eh verkaufen können, wenn sie ein Geldproblem haben. Das ist jetzt vorbei, der Blödsinn war früher so, aber das Geld muss ich ja einmal erst kriegen. Was Rapid in den letzten drei, vier Jahren gehabt hat, da ziehe ich meinen Hut vor Ali Hörtnagl. Es ist aber auch verständlich, dass die Reaktion kommt: Rapid verkauft alles! Aber wo wäre Rapid, wenn sie den Spieler nicht verkauft hätten?

abseits.at: Vor allem: Ein Jelavic, den ich mir für 200 000 Euro kaufe, so viel Geld kann ich in den zwei Jahren gar nicht reingesteckt haben, dass sich die 3,5 nicht rechnen.

Gernot Zirngast: Das ist eben auch die Aufgabe der Präsidenten und Vereine, das ganz realistisch zu betrachten, zu sagen: „Herrschaften, wir sind in Österreich und nicht ein Land wie Deutschland, England oder Frankreich, wo ich den Spieler mit aller Gewalt halten kann“ Das geht nicht. Es kann keinen einzigen Spieler in Österreich geben, den ich nicht ins Ausland verkaufe. Hier wird man nicht Millionär.

abseits.at: Ist das der mögliche Grund für den Wechsel von Mario Kienzl in die zweite Schweizer Liga?

Gernot Zirngast: Er ist mit Sturm, warum auch immer, nicht zusammengekommen. Was dann immer die Beweggründe waren, vielleicht will er seinen Horizont erweitern. Es ist natürlich schon so: Die waren Zweiter in der Liga und die waren bis vor einigen Wochen ganz vorne, von dem her, wenn ich denn ins Ausland will, lässt sich das schon nachvollziehen. Ich denke auch, dass er keine dementsprechenden Angebote in Österreich gehabt hat, als Alternativen.

abseits.at: Manche Vereine halten aber auch ihre Spieler, wie Ried den jungen Royer!

Gernot Zirngast: Die haben wiederum nicht unrecht, wenn sie sagen: Du bist noch nicht so weit, du hast jetzt ein Jahr gespielt, schau mal, dass du dich bei uns einmal festigst, Rückschläge verkraftest. Das ist ja auch für den Verein ein Risiko. Wer weiß, ob die Austria ihn nächstes Jahr wieder haben will?

abseits.at: Herr Zirngast, wir danken für das Gespräch!

Das Interview führte Georg Sander.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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