Dieser Beitrag entführt zunächst in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, in der Nahe der oberösterreichischen Gemeinde Sierning ein Hügel den wenig schmeichelhaften Namen... Ein Stück österreichische Fußballgeschichte mitten in Kenia – die ACAKORO Football Academy

Dieser Beitrag entführt zunächst in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, in der Nahe der oberösterreichischen Gemeinde Sierning ein Hügel den wenig schmeichelhaften Namen „Zigeunerberg“ trug. Einem breiteren Publikum bekannt wurde dieses Fleckchen Erde in der Nähe von Steyr durch Erich Hackl, der in diesen Breiten des Traunviertels „Abschied von Sidonie“ nahm. Die Geschichte des Romamädchens, welches von einer Arbeiterfamilie aufgenommen den Grauen der NS-Zeit nicht entkommen konnte, endete im Jahr 1943. Nun werden sich viele Fragen, was Erich Hackls Werk mit österreichischer Fußballgeschichte gemein haben könnte. Zugegeben, die hier angestellten Parallelen mögen etwas weit hergeholt erscheinen, gleichzeitig schafft es der Fußball wie keine andere Nebensache der Welt, Barrieren zu sprengen, Vorurteile als ebensolche zu entlarven. So nahm in Sierning bei Steyr eine Erzählung ihren Ausgang, die im Gegensatz zu Sidonies Schicksal von ihren ersten Erzählschritten an als Erfolgsgeschichte erachtet werden kann. Es war das Jahr 1946, in welchem Sierning sich aufmachte, auf mehreren Ebenen einen nachhaltig positiven Fußabdruck in der Welt des Fußballs zu hinterlassen.

Ein „Schattenkind“ als Pionier

Was oder besser gesagt wen verbindet Fußball-Österreich mit folgenden Attributen: LASK-Legende, ehemals drittbester Saisontorschütze Europas, mehrfacher Meister mit Austria Wien und ÖFB-Teamkapitän? Und vor allem: Was hat diese Person mit Kenias Hauptstadt Nairobi zu tun? Erstere Frage lässt sich für Fußballexperten landauf und landab wohl noch vergleichsweise einfach beantworten: Die Rede ist von Helmut Köglberger, dessen beeindruckende Karriere ihn aus der angesprochenen 9.500-Einwohner-Gemeinde Sierning bis zur Kapitänsbinde im ÖFB-Team führte und dessen berührende Geschichte als Kind eines US-amerikanischen Besatzungssoldaten das Nachrichtenmagazin Profil seinerzeit als die eines „Niemandskindes“ beleuchtete. Helmut Köglberger sprengte nicht nur aufgrund seiner Biografie, sondern vor allem mit Blick auf seine menschlichen Qualitäten Grenzen, die der Fußballsport in seiner Kindheit, Jugend und auch während seiner Karriere noch aufzeigte. Der Name Köglberger hat aber nicht nur in Österreichs Fußballlandschaft Spuren hinterlassen. Vielmehr schrieb und schreibt Helmuts Sohn Stefan seit mehreren Jahren die spannende Historie der Familie auf seine ganz eigene Weise fort. Was uns zur Beantwortung der eingangs gestellter zweiter Frage bringt.

Auf den Spuren von Albert Camus

„Alles, was ich im Leben über Moral und Verpflichtungen des Menschen gelernt habe, verdanke ich dem Fußball.“ Dieses Zitat des französischen Philosophen Albert Camus ziert die Homepage der ACACORO Football Academy. Stefan Köglberger – studierter Deutsch- und Geschichtelehrer – brach 29-jährig seine Zelte in Österreich ab, um in Nairobi Gutes zu tun. Genauer im Korogocho-Slum, einem Armenviertel mitten in Kenias Hauptstadt. So geschehen im Jahr 2013. Ziel des Projektes war und ist es, stark benachteiligten Kindern eine sportliche wie akademische Perspektive zu bieten. Zentral dabei sind vor allem die Werte, die einem der Fußball für die Bewältigung des Alltags zur Seite stellen kann. Insgesamt werden bei ACACORO etwa 150 benachteiligte Jungen und Mädchen betreut.

Neben dem Schulbesuch in einer von insgesamt vier Partnerschulen ermöglicht man den Kindern eine warme Mahlzeit täglich, kommt für Schulgebühren, Schulmaterialien und Schuluniformen auf. Ebenso werden täglich Trainingseinheiten absolviert, wobei ein Character-Development-Schwerpunkt vorgesehen ist. Zu guter Letzt bietet ACACORO seinen Schülerinnen und Schülern rundum medizinische Versorgung und einen sicheren Transport von und zu ihren Familien an. Herausforderungen, mit denen sich wohl keine heimische Fußballschule beschäftigen muss.

Breite Resonanz und sportliche Erfolge

Was als Wagnis begann, entpuppte sich schnell als Erfolgsgeschichte. Seit dem Jahr 2014 war die Fußballakademie Thema in vielen Medienformaten innerhalb und außerhalb Afrikas, etwa bei CNN Africa genauso wie in den Oberösterreichischen Nachrichten oder dem KURIER. Plattformen, die überlebensnotwendig sind, ist ACACORO doch auf Spendengelder angewiesen. Dass diese sinnvoll und nachhaltig investiert werden, zeigt ein Blick auf die Erfolge, welche man in den Jahren seit der Gründung verbuchen konnte. So triumphierte das U11-Team der ACACORO Football Academy 2015 und 2016 beim renommierten Donauauencup, wobei im Finale gegen die spanischen Spitzenteams Atlético Madrid und auch gegen den FC Barcelona die Oberhand behalten wurde.

Ein Jahr nach dem zweiten Titel wurde eine der Mitbegründerinnen von ACACORO, Jackline Acoth, zur Trainerin der kenianischen U20-Damen bestellt. Im abgelaufenen Kalenderjahr 2021 erhielten drei Mädchen aus der ACACORO-Akademie Sportstipendien an einer angesehenen High School in den USA. Auch im Herrenbereich trägt die wertvolle Arbeit Früchte: So zählen zwei der jüngsten Kadermitglieder des aktuellen kenianischen U20-Teams zu den Absolventen von ACAKORO. Sechs von sieben bisherigen Abgängern gelingt es zudem, nach dem Ende ihrer Ausbildung den Schritt in den kenianischen Profifußball zu tun und so ihre Familien zu unterstützen. Die wohl wichtigste Errungenschaft: Sämtliche in der Akademie betreuten Kinder besuchen täglich die Schule und entwickeln sich zu mündigen, selbstbewussten und positiven Persönlichkeiten. Und wer weiß, vielleicht wandelt eines Tages eines der Kinder auf den Spuren von Victor Wanyama, Kenias bisher erfolgreichstem „Fußballexport“, der seine Schuhe einst für Celtic Glasgow, den FC Southampton und Tottenham Hotspur schnürte.

Prominente Unterstützung

Die Liste der Unterstützerinnen und Unterstützer von ACAKORO ist lang und namhaft. Stellvertretend erwähnt werden können hier etwa Ex-ÖFB-Präsident Leo Windtner oder Oberösterreichs Ex-Verbandspräsident Willi Prechtl. Gründer Stefan Köglberger hat seine Zelte in Nairobi zwar mittlerweile wieder abgebrochen, dem Erfolg der Akademie tat dies allerdings keinen Abbruch. Stattdessen schreibt Köglberger mit seinem Team die Erfolgsgeschichte seines Vaters Helmut auf seine ganz eigene Art und Weise weiter. Eine Geschichte, zu der jeder und jede von uns unterstützend beitragen kann und die in der Gemeinde Sierning ihren Ausgang nahm.

Bankverbindung AKACORO Football Academy

Hilfsverein ACAKORO – Football for the Future
Raiffeisenlandesbank OOE
Kontonummer: 2.845.170
IBAN: AT06 3400 0000 0284 5170
BIC: RZOOAT2L

Julian Berger, abseits.at

Julian Berger

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