Sepp Blatter und Michel Platini wurden von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt. Dies ist das Resultat aus einer dubiosen Zahlung von zwei Millionen... FIFA-Ethikkommission sperrt Blatter und Platini für acht Jahre

Joseph Sepp Blatter_abseits.atSepp Blatter und Michel Platini wurden von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt. Dies ist das Resultat aus einer dubiosen Zahlung von zwei Millionen Franken aus dem Jahr 2011. Blatter betonte bereits jetzt, dass er „sich und die FIFA“ verteidigen wird.

Weiterhin sehen sich die beiden starken Männer des Weltfußballs als missverstandene Opfer. Blatter meinte die Ethikkommission davon überzeugt zu haben, dass die Zahlung an Michel Platini rechtens war. Diese sah das aber offenbar anders, was sich wieder mit Blatters Meinung spießt. Der 79-Jährige kündigte an, bis aufs Äußerste gegen das Urteil zu berufen – zunächst soll ein Einspruch bei der Ethikkommission, danach notfalls beim Obersten Sportgerichtshof in Lausanne erfolgen. Selbiges ließ Michel Platini durch seine Anwälte ausrichten.

Müder Blatter legt kuriosen Auftritt hin

Der offizielle Grund für die Suspendierung von Joseph Blatter.

Der offizielle Grund für die Suspendierung von Joseph Blatter.

Als Blatter zur heutigen Anhörung erschien, wirkte er müde. Der suspendierte FIFA-Boss trat unrasiert vor die Medien, unter seinem rechten Auge klebte nach einem kleinen chirurgischen Eingriff ein Pflaster. Bereits in den ersten Minuten nach seiner Ankunft im Hotel Sonnenberg in Zürich, sprach Blatter von Respekt, Menschlichkeit, zitierte sogar Nelson Mandela. Es tue ihm leid, wie mit ihm umgegangen würde, dass er als Präsident der FIFA noch immer ein „Boxsack“ für alles und jeden ist. Auch der Fußball tue ihm, ebenso wie die über 400 FIFA-Mitglieder leid. Um den wirren Auftritt zu komplettieren, betonte Blatter auch noch, dass der relevante Deal um zwei Millionen Franken zwischen Platini und ihm, auf Basis eines Gentleman’s Agreement beschlossen wurde. Die „mündliche Vereinbarung“ zwischen den beiden angezählten Verbandsgranden fand die Ethikkommission angesichts der Umstände allerdings wenig überzeugend.

„Administrativer Fehler“

Immer nervöser werdend gab Blatter schließlich zu, dass der Geldfluss in den Büchern der FIFA nirgendwo aufscheint. Jedoch sei dies schlichtweg ein administrativer Fehler gewesen und nach Schweizer Recht wären mündliche Verträge nach fünf Jahren nichtig und würden von der Justiz ignoriert. Allgemein beruft sich Blatter immer wieder auf die Rechtsprechung seines Heimatlandes. So bemerkte er etwa: „Ich bin Schweizer Staatsbürger. Wenn du nach Schweizer Recht für acht Jahre suspendiert wirst, dann musst du etwas sehr, sehr Ernstes gemacht haben!“ Nochmalig betonte Blatter, dass diese Sache nichts mit Ethik zu tun hatte, sondern lediglich mit administrativen Fehlern. Dass er etwas „sehr, sehr Ernstes“ machte, dürfte der scheidende Langzeit-FIFA-Präsident weiterhin nicht so sehen.

Punching Ball für alle

Blatters Gedankensprünge wurden im Zuge der Anhörung immer kurioser. Innerhalb der FIFA würde niemand verstehen, wieso er suspendiert wurde. Einmal mehr packte der Schweizer schließlich das Argument mit dem „Punching Ball“ aus, um sich als missverstandenen Prügelknaben hinzustellen. Nachdem er Barcelona zwischendurch zum Gewinn der FIFA-Klub-WM in Japan gratulierte, betonte er, dass er sich für die Kommission und ihr Handeln schäme, attackierte die Medien und machte noch einmal deutlich, dass er bis zur nächsten Wahl – Suspendierung hin oder her – immer noch FIFA-Präsident ist.

„Ich komme wieder!“

Erst vor wenigen Minuten endete die Anhörung. Blatter, der die Fragen der Anwesenden in vier verschiedenen Sprachen beantwortete, wollte keine Fragen zu seinem Gesundheitszustand machen, bestätigte aber, in ärztlicher Behandlung zu sein. Zudem würden ihm „Gott, gute Gene und ein gutes Herz“ helfen. Es ginge ihm bereits besser als vor einigen Wochen und so versicherte er den anwesenden Journalisten in Schwarzenegger-Manier „I’ll be back“.

Collins bekräftigt Reformnotwendigkeit

Auch FIFA-Reformer Damian Collins meldete sich bereits zur Anhörung zu Wort:

“We will see in the next few months whether this is the end of FIFA. They have to implement wide-ranging reforms of the organisation, led by an independent outside body. The fish rots from the head down and we know how rotten the head of FIFA was and we now have to find out just how much of the organisation has been infected. They have outlined changes they want to put to the FIFA congress in February, a lot of those changes are a step in the right direction. What there has to be is proper independent scrutiny of what FIFA does and stop the president of FIFA holding the same power that Sepp Blatter held in the past, where you have a small elite group of people with very little scrutiny of what they do. I’ve heard Sepp Blatter is going to appeal but really there is no point. It’s quite clear he made this payment without a contract, without accruing for it in the FIFA accounts. It was delayed for eight years and paid just before the FIFA presidential elections. That was clearly a conflict of interest and I don’t really think he has got a leg to stand on.”

Karriereende für Blatter so gut wie sicher

Der offizielle Grund für die Suspendierung von Michel Platini.

Der offizielle Grund für die Suspendierung von Michel Platini.

Klare Worte und wohl die Bestätigung durch einen Insider, dass die Funktionärstage des 79-Jährigen gezählt sind. Man darf davon ausgehen, dass die erzwungene Arbeitspause Blatter schwer zusetzen wird. Natürlich wird der greise FIFA-Boss noch ein wenig durch Gerichtssäle tingeln und vergeblich versuchen, seinen Namen rein zu waschen. Aber praktisch betrachtet dürfte der heutige Tag das Karriereende für Sepp Blatter bedeuten, auf den nach der „Exkommunikation“ aus der FIFA nun auch strafrechtliche Konsequenzen warten werden. Selbiges dürfte auch für Michel Platini gelten, denn obwohl dieser altersmäßig noch Möglichkeiten für einen Wiedereinstieg hätte, ist der Ruf natürlich ruiniert. Das mutet bei einem ehemaligen Weltklassefußballer und Idol wie Platini extra bitter an.

Fünf Kandidaten stellen sich FIFA-Wahl

Am 26.Februar findet die Wahl zum neuen FIFA-Präsidenten statt. Derzeit gibt es fünf Kandidaten: Sheikh Salman bin Ebrahim al-Khalifa aus Bahrein, Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, Tokyo Sexwale aus Südafrika, Gianni Infantino aus der Schweiz und der Franzose Jerome Champagne.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen