Profiklubs sollen künftig die Polizeieinsätze rund um ihre Spiele selbst bezahlen – wenn es nach Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner geht. Die Begründung ist zwar... Kommentar: Klubs müssen Polizei zahlen, oder: Fußball als Bauernopfer

Profiklubs sollen künftig die Polizeieinsätze rund um ihre Spiele selbst bezahlen – wenn es nach Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner geht. Die Begründung ist zwar irgendwo einleuchtend, aber die Forderung ist dennoch äußerst problematisch.

Beispiel Rapid: Zu einem Risikospiel in Hütteldorf werden Polizisten aus Niederösterreich angefordert, die damit in Wien ihre Überstundenkontingente aufbrauchen und somit in Niederösterreich fehlen. Zudem wird wieder mit der alten „wieso soll das der Steuerzahler pecken?“-Masche geworben.

„Verursacherprinzip“

Bei der Forderung geht es dezidiert um Profifußballspiele, weil diese ein „besonderes Risikopotential“ in sich bergen und zudem Erwerbsinteressen verfolgen. Genauer gesagt soll das so genannte „Verursacherprinzip“ stärker zur Geltung kommen. Für Einsätze während der Veranstaltungen können Klubs schon jetzt zur Kassa gebeten werden. Nun soll dies auf die Phasen vor und nach Spielen ausgeweitet werden.

Präsenz zeigen

Ein großes Polizeiaufgebot braucht es in Österreich lediglich bei Spielen von Rapid, Sturm und der Austria. Nicht unbedingt wegen der ausufernden Ausschreitungen, sondern um Präsenz zu zeigen. Auch wenn es da und dort zu Problemen kommt, seien wir uns ruhig ehrlich: In Belgrad, Buenos Aires oder Tunis sind wir dann doch nicht.

Das Transparent, das die Wende einleitete

Vor fast genau einem Jahr ereignete sich in Hütteldorf ein Schauspiel, das den Stein ins Rollen brachte und die Gräben zwischen dem Innenministerium und der heimischen Fußballszene weiter aufriss. Nach der Präsentation eines Transparents durch einige Rapid-Fans, das Innenminister Herbert Kickl und ÖVP-Polizeisprecher Karl Mahrer im Fadenkreuz zeigte, glänzte die Exekutive in Hütteldorf mit Präsenz. Nach einem 5:1-Sieg Rapids über den Wolfsberger AC, der gerademal um die 100 Auswärtsfans mitbrachte, die natürlich nicht Stein des Anstoßes waren. Was folgte war eine seltsame Pattsituation zwischen dem völlig überzogenen Aufgebot von 28 (gerade erst angereisten!) Polizeiautos auf der Keißlergasse und gegenüberstehend dem geschlossen auftretenden und äußerst diszipliniert agierenden Block West. Die einen zeigten, offenbar auf Geheiß des Innenministers, dass sie da sind, die anderen wiederum, dass sie sich nicht beugen werden. Am Ende zog die Polizei still ab, nichts passierte – und dennoch war jener seltsame März-Abend im Jahr 2018 der Anfang eines Kreuzzugs von Kickls Politik gegen Fußballfans.

„Machen wir’s ihnen halt schwerer“

Mikl-Leitner liefert dem Innenminister mit ihrer Forderung nun eine Steilauflage und Kickl wird sie dankend verwerten. Den Organisatoren der von der Regierung unerwünschten Veranstaltung sollen horrende Kosten auferlegt werden, sodass die Organisation komplizierter wird und idealerweise ein Keil zwischen Veranstalter und Konsumenten getrieben wird. Und wenn mal doch etwas passiert, hat man von Seiten der Politik wohl nicht mal etwas dagegen, zumal man dann neue Argumente für Repression und noch strengere Regeln hat. Nach dem 5:1-Sieg Rapids über den WAC ließ man die Muskeln spielen und schickte ein massives Aufgebot nach Hütteldorf. An diesem Tag sprach ich mit jungen Polizisten, die durchklingen ließen, dass sie dieses Tamtam selbst für eher sinnbefreit erachten. Ein knappes halbes Jahr später war vor dem Hochrisikospiel gegen Slovan Bratislava gähnende Leere auf der Keißlergasse – zumindest vonseiten der Exekutive. Immerhin war dies eine Partie, die Potential für Präzedenzfälle hatte. Ähnliches Bild im Februar 2019: Kaum Exekutive vor dem großen Spiel gegen Inter, dafür umso mehr vor dem Cup-Spiel gegen Hartberg…

Rechte für den Veranstalter…

Wenn die Politik sich einbildet, diese Maßnahme durchsetzen zu müssen, dann sollte der Veranstalter gewisse Rechte erhalten. Etwa in der Frage, wie viel Exekutive für den jeweiligen Event nötig sind. Dies darf dann einfach nicht mehr von irgendeinem nicht-szenekundigen Beamten hinterm Schreibtisch entschieden werden, sondern sollte im Rahmen aller geltender Gesetze, Sache des – sehr wohl sachkundigen – Veranstalters sein. Schwierig wird es außerdem sein, eine Grenze zwischen der eigentlichen Veranstaltung und dem „Rundherum“ dieser Veranstaltung zu ziehen. Wer hat an der Veranstaltung teilgenommen? Wer nicht? Diejenigen, die nicht daran teilnehmen, sollten keineswegs in den Finanzierungsrahmen des Veranstalters eingerechnet werden. Nur wie lässt sich das eruieren?

…und gleiches Recht für alle!

Und zu guter Letzt: Gleiches Recht für alle! Wenn dies zur Norm wird, sollen bitte auch alle politischen Parteien die Sicherheitsmaßnahmen für ihre Wahlveranstaltungen aus der eigenen Kassa bezahlen. Angesichts der Statistiken über Straftaten während und rund um Fußballspiele wäre das nur legitim, denn feststeht, dass der Fußball hier lediglich als Bauernopfer herhält. Kein Einziger und keine Einzige von uns zahlt einen Cent weniger Steuer, wenn die Vereine die Exekutiveinsätze rund um ihre Veranstaltungen selbst berappen müssen. Ziel von Populismus ist es aber, das die Menschen glauben zu lassen. Jedem Skeptiker sei übrigens ein Stadionbesuch in Hütteldorf, Favoriten oder Graz empfohlen. Es geht schon. Es passiert euch nichts.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen