Zum vierten Mal fand der Ute Bock-Cup am Wiener-Sportclub-Platz statt. Die Organisatoren von Goodball, die ebenfalls „Kicken für Kohle“-Turniere veranstalten, traten an, um ihren... Menschenwürde und Fußball – tolle Stimmung beim Ute-Bock-Cup 2012

Zum vierten Mal fand der Ute Bock-Cup am Wiener-Sportclub-Platz statt. Die Organisatoren von Goodball, die ebenfalls „Kicken für Kohle“-Turniere veranstalten, traten an, um ihren Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

26 Teams traten an, um „Geld zu sammeln“, aber noch mehr um, wie dem Veranstaltungsaufruf zu entnehmen war, „auf die untragbaren Zustände und die fließbandmäßigen Abschiebungen von Flüchtlingen hinzuweisen. Wir wollen für eine positive Stimmung hinsichtlich humanistischer Grundwerte eintreten und fordern diese ein. Menschenwürde braucht keine Papiere.“ Mit dabei waren unter anderem die Organisatoren FreundInnen der Friedhofstribüne (Fanclub des Wiener Sportklub), die Döblinger Kojoten (Fanklub First Vienna FC), die Arge ToR (Fanklub Blau-Weiß Linz), schreibende Vertreter etwa von Schwarz-Weiß Augustin oder dem Ballesterer, NGOs (Streetwork Wieden, Seri Network) oder auch Gäste aus Berlin (TeBe Party Army) oder der Schweiz (VfL Bura Bura 00). Bei herrlichem Sonnenschein konnten Männer und Frauen zwei der wichtigsten Dinge der Welt miteinander Verbinden: Ein Ausrufezeichen für die Menschenrechte zu setzen und – natürlich – Fußball.

Weite Anreise

Eine besonders weite Anreise hatte eine Fangruppe von Tennis Borussia Berlin hinter sich. Im vergangenen Jahr war eine Abteilung der WSK-Fans in Berlin beim Event „Fußball geht auch anders“ – diesmal besuchte die „TeBe Party Army“ die Wiener. „Den Ute-Bock-Cup kennt man auch in Deutschland“, so Kuba aus Berlin. Solche Turniere seien in ihrer Gesamtheit wichtig, da es „auch im Fußball Probleme gibt, wie Sexismus und Homophobie“. Das habe auch gar nichts mit Politik zu tun. Als „totalen Schwachsinn“ bezeichnete Kuba angesichts wachsender gesellschaftlicher Relevanz des Fußballs, diese Dinge nicht zu thematisieren. Spaß am Fußball haben und dabei Geld sammeln sei eine tolle Sache.

Ebenfalls weit angereist, wenn auch aus anderem Grund, war der VfL Bura Bura 00 aus der Schweiz. Die Sportler sehen sich als Freunde, die Spaß an allen Sportarten haben und auch nicht vor Uni-Hockey zurückschrecken. Allerdings „machen wir alles, können aber nichts“, einmal im Jahr geht es aus der Schweiz raus, zum Beispiel zur Schlammfußball-WM. Über Umwege lernte man den Stadionsprecher des Wiener Sportklub kennen und entschied sich für die Teilnahme am Ute-Bock-Cup. „Es gab einen speziellen Anreiz, ein Bonus, hier mit diesem Hintergrund teilzunehmen“, so Scott.

Echter Fußball

Auf vier Feldern traten die Teams an. Die Spielfelder waren durch Hütchen und „Kipptore“ begrenzt, die Schlussfrauen und- männer mussten in etwa ein Handballtor verteidigen. Bei fünf FeldspielerInnen und eben einer Torfrau bzw. einem Tormann waren beliebig viele ErsatzspielerInnen erlaubt. Das war auch notwendig, da das Turnier von 11 Uhr Vormittag bis in die Abendstunden dauerte.

Die Stimmung war friedlich, allerdings mitunter auch einmal – wie bei echten Fußballspielen – durchwegs aufgeheizt. Beim Spiel der Döblinger Kojoten gegen Teleprint kam es zu einer typischen Rudelbildung nach einem falsch ausgeführten Elfmeter. Vor allem die Schiedsrichter bekamen aufgrund der ab und an eklatant ersichtlichen technischen Mängel oft den einen oder anderen, mehr oder weniger höflich formulierten Hinweis, eine Situation falsch eingeschätzt zu haben. Flo von der Arge ToR war auch ob des Ehrgeizes einiger Teams überrascht: „Wir dachten, wir wären mit dem stärksten Team seit langem angetreten.“ Rausgeflogen ist man trotzdem früher. Der sportliche Ehrgeiz der jungen Damen und Herren kam eben nicht zu kurz. Die Physiotherapieabteilung hatte auch einiges zu tun, einem Berliner soll im Knie etwas angerissen sein. Somit spiegelten sich am gut besuchten Sportclub-Platz bei aller Hingabe zum gemeinsamen Ziel, Geld für AsylwerberInnen zu sammeln, alle Emotionen wider, die den Fußball ausmachen.

Rundherum

Entlang der Haupttribüne konnten sich die zahlreich erschienen Fans und Agierende über verschiedene Fanprojekte und NGOs informieren – eine Spendenbox stand ebenfalls bereit. Ab dem späten Nachmittag sorgten verschiedene DJs für gute Stimmung, am Abend hieß der Hauptact auf der Bühne Mieze Medusa & Tenderboy. Wer nach einem langen und anstrengenden Tag noch immer nicht genug hatte, zog sich mit den Hartgesottenen in das Dornbacher Vereinslokal „Flag“ zurück. Gerüchten zu Folge wurden noch in den frühen Montagmorgenstunden die einen oder anderen Nachteulen beobachtet.

Gewonnen haben den Ute-Bock-Cup übrigens die Jungs von Ballesterer, der Frauenpokal ging an die „Gaynialen“. Punkto Reinerlös freuen sich die Veranstalter, wenn das Vorjahresergebnis von 17.000 Euro wieder erreicht werden kann. Wer noch etwas drauflegen möchte, kann das unter folgender Bankverbindung tun:

Bezeichnung: Freund/innen der Friedhofstribüne

Konto: 40176440002

BLZ: 43000

IBAN: AT744300040176440002

BIC/SWIFT-Code: VBWIATW1

Betreff „Ute Bock Cup Spende“

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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