„Frauen sind grazile Wesen. Kunstturnerinnen finde ich schön. Aber Mädchen, die wie Brauereipferde auf Fußballfeldern rumstampfen- da hört doch alles auf“. Dieser (nicht datierte)... Passend zur Damen-WM: Ein Plädoyer für die Frauen!

„Frauen sind grazile Wesen. Kunstturnerinnen finde ich schön. Aber Mädchen, die wie Brauereipferde auf Fußballfeldern rumstampfen- da hört doch alles auf“. Dieser (nicht datierte) Ausspruch ist keinem Geringeren anzulasten, als Otto „Rehakles“ Rehhagel, immerhin (u.a.) deutscher Meister und Europameister mit Griechenland.

Mario Basler äußert die Bitte, die Frauen mögen den Rasen nicht kaputt treten. Doch fernab von solchen entbehrlichen Aussagen könnte die Frauen WM 2011 dem Sport einen weiteren Aufschwung geben und dazu führen, dass Stammtischparolen endlich komplett zurückgedrängt werden.

RESSENTIMENTS GEGEN DEN FRAUENFUSSBALL

In kaum einer anderen Sportart wird derart beharrlich auf den Unterschied der Geschlechter hingewiesen. Das Spiel der Frauen sei einfach zu langsam und zu wenig körperbetont. Zum ersten haben wir Österreicher schon gar kein Recht fehlendes Tempo als Argument herzunehmen und zum zweiten müssen wir physiologische Vorraussetzungen schlicht akzeptieren. In den meisten anderen Sportarten wird das akzeptiert, dass Frauen beispielsweise „nur“ einen Siebenkampf in der Leichtathletik betreiben, wird zur Kenntnis genommen und die außerordentlichen Leistungen werden verdientermaßen anerkannt.

Man muss die Weltmeisterschaft in Deutschland als Chance begreifen. Da eine Frauen-WM wohl noch nie so im medialen Fokus gestanden ist, kann man sich ein umfassendes Bild machen. Und wer an der Wertigkeit zweifelt, möge sich das 1:2 der Kanadierinnen gegen die Deutschen auf YouTube zu Gemüte führen.
Ein weiteres Argument gegen den Frauenfußball sind die zuweilen schwankenden Torfrauenleistungen. Also mal ehrlich: Irgendwer England-USA 2010 in Südafrika verfolgt?

Weiteres Argument: Die Dichte sei viel zu gering, daher ist ein Weltmeistertitel nicht so viel Wert wie bei den Herren. Der Frauenkick ist möglicherweise noch nicht so weit, aber wen wundert‘s? Die Herren der Schöpfung haben mindestens ein halbes Jahrhundert Vorsprung (Stichwort Verbot des Frauenfußballs), um ihren Sport zu entwickeln. Zudem spielt die Dichte auch in anderen (umjubelten) Sportarten eine untergeordnete Rolle. Gerade im schiverrückten Österreich wünscht man sich, dass die Relationen gewahrt bleiben(oder wäre es irgendwo anders möglich, dass in einer Nachrichtensendung zuerst auf die Gold Liz eingegangen wird, bevor man über weltpolitische Unruhen berichtet?)

WARUM MAN DIESE WM VERFOLGEN SOLL!

Die Fans in Deutschland wissen was sie wollen. 720 000 verkaufte Karten sprechen eine eindeutige Sprache. Im Eröffnungsspiel der DFB-Elf war das Berliner Olympiastadion ausverkauft, was zugegebenermaßen auch auf die Favoritinnenrolle der Gastgeberinnen zurückzuführen ist. Dennoch ist der Ansturm ein Schritt in die richtige Richtung. Und wenn ein Titelgewinn der Deutschen dazu führt, dass dem Sport der Respekt zuteil wird, den er verdient, dann ist auch das zu verkraften.
Gerade, wenn der Herrenkick Sommerpause macht, hat man die Muse auch dem weiblichen Geschlecht auf die Beine zu schauen.

Wie bei den Herren machen auch bei den Frauen die exotischen Teams das Salz in der Suppe aus. Wer freut sich nicht auf die Hammerbegegnung Australien- Äquatorial Guinea (live in ZDF, 3.7.)? Für mich jedenfalls ein Pflichttermin.

Patrick Redl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen