Dieser Frage wollte eine honorige Herrengruppe Donnerstag Abend nachgehen. Herausgekommen ist dabei ein interessantes Gespräch, das allerdings kaum den Kern des Problems traf und... Rezension einer Gesprächsrunde im Club 2×11: Wie sauber ist der Fußball?

Dieser Frage wollte eine honorige Herrengruppe Donnerstag Abend nachgehen. Herausgekommen ist dabei ein interessantes Gespräch, das allerdings kaum den Kern des Problems traf und Lösungsansätze gänzlich vermissen ließ.

Personen und Thematik

Im Veranstaltungssaal der Hauptbücherei Wien sollten am Donnerstag Österreichs Sportminister Mag. Norbert Darabos, Mag. Philip Newald , Vorstand der Österreichische Sportwetten GmbH, Dr. Thomas Hollerer, Direktor der Abteilung Recht und Administration des ÖFB, Öncel Secgin, ballesterer-Autor und Türkei-Experte und Rene Schnitzler, Ex-Profi in der 1. Deutschen Bundesliga (und seit kurzem auch Buchautor) unter der Moderation von Klaus Federmair von der ballesterer-Redaktion zu einer Podiumsdiskussion zusammenkommen. Dabei wollten sie die Frage klären, ob Österreich in Zeiten der halb Europa erschütternden Spiel- und Wettmanipulationsskandale eine Insel der Seligen sei oder ob diese Malversationen auch hierzulande abseits der Öffentlichkeit Gang und Gäbe seien. Verdachtsmomente hatte es ja bereits gegeben, etwa gegen den Vienna-Spieler Erdzan Beciri oder gegen Wiener Neustadts Edin Salkic, die beide mit auffälligen Handspielen im eigenen Strafraum das Spiel zu Ungunsten Ihrer eigenen Mannschaften entschieden hatten. Bewiesen konnte in allen – nicht nur diesen beiden – Fällen allerdings nichts werden.

Die Diskussion

Es sei vorweg genommen: Viel Neues gab es von den Herren in dieser phasenweise interessanten und informativen Gesprächsrunde nicht zu berichten Mag. Norbert Darabos war der Runde fern geblieben, was angesichts seiner derzeitigen Bundesheer-Probleme niemanden nachhaltig verwunderte. Für ihn sprang Andreas Krannich, Managing Director beim „Sportradar“ (ein Computerprogramm, das unter anderem hohe Wetteinsätze in Relation zu Spielverläufen setzt und somit Verdachtsmomente aufwerfen kann) ein, der wahrscheinlich sowieso mehr zu erzählen hatte als der Verteidigungsminister.

In einem durch eine etwas stockende Moderation langatmig und zäh geführten Meinungsaustausch wurden einige Punkte angesprochen und vom Informationsgehalt auch gut aufbereitet. So wurden die unterschiedlichen Zugänge zur Problematik von einem Ex-Profispieler, dem ÖFB und einem Wettanbieter beleuchtet. Es wurde über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Verdachtsmomente zu überprüfen und verfolgen, gesprochen. Dabei wurden vor allem die Schwächen eines Systems und die fehlenden gesetzlichen Voraussetzungen angeprangert. Was allerdings fehlte, waren konkrete Lösungsansätze. Welche gesetzliche Möglichkeiten müsste es geben, wie soll das Strafmass aussehen, wie kann vorgegangen werden? – Fragen, die weder gestellt noch im Ansatz behandelt wurden. Man hüllte sich in Schweigen, wie Herr Krannich, der dies aus „Datenschutzgründen“ tat. Er merkte lediglich richtigerweise an, dass die Medien mit diesen Themen vorsichtiger vorgehen sollten und, dass es keinesfalls zu Vorverurteilungen wie im Fall Salkic kommen dürfe. Weiters versicherte Mag. Philip Newald, dass in seinem Unternehmen ohnehin alles unternommen werde, um Dinge wie Spielsucht und Wettbetrug im Keim zu ersticken.

Rene Schnitzler wollte, vermutlich um nicht zu viel aus seinem Buch vorweg zu nehmen, seine Sicht der Dinge und seine persönliche Karrierenhistorie ebenfalls nur andeutungsweise verraten. So wurde eingangs Schnitzlers Zugang zur Wettmafia als Spielsüchtiger geschildert, danach wurde über die Spielsucht und die negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft im Allgemeinen und auf junge Menschen im Besonderen philosophiert.

Dass Profi-Fußballspieler, wie allein die Berufsbezeichnung schon verrät, nun mal Spieler sind und das oft nicht nur auf dem Rasen, sondern auch schon mal auch in Casinos (den illegalen, wie Schnitzler anmerkte, da dort nur wenig Öffentlichkeit und vor allem keine Reporter anzutreffen sein, was einer in der Öffentlichkeit stehenden Person natürlich eher entgegenkommt), wollte niemand ansprechen. Und dass ein Glücksspielverbot für Profifußballer die Gefahr, in solch halbseidene Kreise zu geraten, beschränken würde, gab Schnitzler im Zuge einer Publikumsfrage sogar zu – relativierte es aber dann als zu starken Eingriff in die persönliche Freiheit. Dabei wäre das gerade für Verbände und Vereine eine leicht durchzusetzende Beschränkung. Hier hielt sich auch Dr. Hollerer nobel zurück, obwohl es eigentlich sein Ressort wäre und er in diese Kerbe schlagen hätte können. Stattdessen jammerte man weiter über ein Ausufern der privaten Wettanbieter und vergaß auch nicht auf den Seitenhieb auf das „kleine Glücksspiel“, also die Spielautomaten. Deren hohes Suchtpotential wurde zu Recht, aber in diesem Zusammenhang themenverfehlend angeprangert.

Conclusio

Es war eine sehr interessante, wenn auch etwas langatmig vorgetragene Gesprächsrunde mit hohem Informationsgehalt. Die Ohnmacht eines Systems gegenüber gewieften Gangstern wurde angedeutet, jedoch über keine neuen Denkmodelle oder gar Lösungsansätze gesprochen – nicht einmal persönliche Meinungen wurden geäußert -, nur ein halbherziger Ruf nach gesetzlicher Handhabe und Regulation. Es schwang ein klassisch österreichischer Tenor mit: „Man kann eh nix machen und solang‘s nicht schlimmer wird, werden wir damit leben.“ Es möge sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden.

Albert Weniweger, abseits.at

Albert Weniweger

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