„Man muss auf Akquise gehen, wenn man den Verein vergrößern will“, sprach Mäzen und Vorstand Jens Redlich. Wenige Stunden später fielen zwei Drittel der... Ruhe in Frieden, Tennis Borussia Berlin!

„Man muss auf Akquise gehen, wenn man den Verein vergrößern will“, sprach Mäzen und Vorstand Jens Redlich. Wenige Stunden später fielen zwei Drittel der auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung abgegebenen Stimmen für den Aufsichtsrat an Redlichs Kandidaten. Die Fans des Traditionsklubs Tennis Borussia Berlin erklärten ihren Verein damit für tot.

Im April feiert TeBe Berlin seinen 117.Geburtstag. Zwei Insolvenzen liegen bereits in der Vergangenheit des Oberliga-Klubs. Man hatte auf die falschen Leute, zwielichtige Investoren vertraut. Jens Redlich ist Chef einer Fitnessstudio-Kette, investierte laut eigenen Aussagen 2,5 Millionen Euro in den Klub – und forderte nun die angemessene Macht ein.

Lebenswichtige Finanzspritze wird am Ende teuer

Per Unterschriftensammlung wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwungen, die die Besitzverhältnisse rund um TeBe Berlin klären sollte. Als der Klub Anfang 2017 vor dem finanziellen Ruin stand, sprang Großsponsor und Vorstandschef Redlich ein und stopfte die Lücke. Schon damals sprach er davon „ein bisschen Kontrolle über das Geld“ haben zu wollen. Damit begann eine Tendenz, die die Fans von TeBe als Diktatur bezeichneten. Auch wenn ebendiese Fans zugeben, dass es TeBe ohne diese Finanzspritze wohl nicht mehr geben würde.

Geplante Umfärbung

TeBe ist seit jeher ein „Mitmachklub“, nicht zuletzt aufgrund der prekären finanziellen Situation. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter füllen Posten aus, die Identifikation mit dem Klub in der Szene ist hoch. Jens Redlich wird nach seiner finanziellen Zuwendung ein autokratischer Führungsstil vorgeworfen. Bei der gestrigen Mitgliederversammlung traten zehn Kandidaten für fünf Plätze im Aufsichtsrat an. Auf dem Stimmzettel wurden die fünf Kandidaten des Vorstands auf die ersten fünf Plätze gereiht, die fünf Gegenkandidaten der Initiative der Abteilung Aktive Fans dahinter. Auf dem Stimmzettel für den Ältestenrat dasselbe Bild.

Speziell der Berliner Tagesspiegel setzte sich intensiv mit den Probleme von TeBe Berlin auseinander, berichtete etwa schon vor der Mitgliederversammlung und erklärt die Gründe für das Fan-Vorstand-Zerwürfnis genauer. Bei der gestrigen MV sprach man mit einigen langjährigen Fans, die sich fassungslos zeigten: „Viele unbekannte Gesichter, viele Bulgaren, die meinten, dass ihr Boss sie geschickt habe“, sagt einer der Langzeitfans. Weiter heißt es „Der Verein wurde heute beerdigt“ und ein anderer Anhänger erklärte „Das war die traurigste Veranstaltung, die ich je erlebt habe“.

Fassungslosigkeit auf Twitter

Öffentlichkeit wollte man bei der fragwürdig ablaufenden Mitgliederversammlung keine haben. Dafür kochte Twitter über und die Wasserstandsmeldungen von der Veranstaltung waren alarmierend. Wir haben einige Tweets direkt von der MV zusammengesammelt, um euch ein Bild davon zu geben, was gestern Abend in den Köpfen der TeBe Berlin Mitglieder vor sich ging. Wer alle Tweets zum Thema lesen möchte, kann dies unter #tebemv direkt auf Twitter tun. Besonders zu empfehlen ist außerdem der Twitter-Account des langjährigen Fans Denis Roters, der live von der MV twitterte.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen