Nach einem zehnjährigen Verbot aufgrund des blutigen Kriegs evaluiert die FIFA derzeit, ob wieder Fußball-Länderspiele in Syrien stattfinden können. Einige Spieler reagierten entsetzt auf... Wiederaufbau in Syrien: Die FIFA und der „Deal“ mit dem Assad-Regime

Nach einem zehnjährigen Verbot aufgrund des blutigen Kriegs evaluiert die FIFA derzeit, ob wieder Fußball-Länderspiele in Syrien stattfinden können. Einige Spieler reagierten entsetzt auf den „Versöhnungsversuch“ der FIFA mit Diktator Assad.

Der syrische Fußballverband ist nur ein politisches Gesicht von Assad, und der FIFA-Plan ist ein Verrat an den Fußballern, die verhaftet und getötet wurden und an den anderen Spielern, die sich gegen die Ungerechtigkeit gewehrt haben„, sagt etwa Samer al-Kurdi, Spieler des Klubs Al-Karamah Homs, der einst volle Stadien zurückließ, um gegen Assads Regime zu demonstrieren.

Der einstige Spieler, der mehrere Jahre im politischen Exil verbrachte, führt weiter aus: „Die FIFA will sich mit dem syrischen Regime versöhnen, das Fußballer getötet und verhaftet, sie eingesperrt und ihre Stadien zerstört hat.

In dieselbe Kerbe schlägt Abdul Karim al-Halabi, der früher Profifußballer im völlig zerstörten Aleppo war und heute politischer Aktivist ist, der Syrien im Zuge des Kriegs ebenfalls verlassen musste: „Die FIFA weiß, dass die Pro-Assad-Kräfte das al-Hamdaniya-Stadion und das Aleppo-Stadion genutzt haben, um Kinder in den östlichen Stadtteilen von Aleppo zu bombardieren, und will diese Stadien nun reparieren.

Noch immer hunderte regimekritische Sportler inhaftiert

Die großen Stadien des Landes wurden während des Kriegs vom Assad-Regime teilweise als improvisierte Gefängnisse, aber auch als Militärbasen und Lagerstätten für Waffen und Munition verwendet. Dass die FIFA das Assad-Regime bzw. den syrischen Fußballverband nun beim Wiederaufbau der zerbombten Infrastruktur unterstützen will, mutet auf den ersten Blick positiv an, ist laut Beobachterm aber äußerst problematisch.

„Dies ist ein äußerst problematischer Schritt seitens der FIFA, da er im Grunde genommen laut und deutlich die Botschaft aussendet, dass sie Syrien für sicher genug hält. Eine Vorstellung, die mit jedem wahllosen Angriff und jedem neuen Fall von Verhaftung und gewaltsamem Verschwindenlassen weiter widerlegt wird“, meint Hiba Zayadin von Human Rights Watch.

Davon abgesehen, dass Syrien auch für Fans für derartige Veranstaltungen lange noch nicht sicher und stabil genug ist, werden auch die Gefahren für die Spieler falsch eingeschätzt. Die syrischen Sicherheitskräfte werden in Sportmannschaften ausschließlich politisch loyale Spieler und Funktionäre dulden. Bereits in Zeiten des Krieges, wurden 199 syrische Athletinnen und Athleten von Pro-Assad-Kräften ermordet, zumindest 497 wurden inhaftiert, 207 sind noch heute in Haft oder spurlos verschwunden.

Von Rechten und Pflichten…

Mit den Bestrebungen das Assad-Regime beim sportlichen Wiederaufbau zu unterstützen, ohne große Fragen oder Forderungen zu politischen Voraussetzungen zu stellen, unterstützt die FIFA de facto den Despoten. Und wie immer geht es um eine ganze Menge Geld. Schwer zu glauben, dass sich um Zuge der „Evaluierung“ durch die FIFA und die damit einhergehende finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau, nicht auch die falschen bzw. Kriegstreiber bereichern und damit noch mächtiger werden.

Die FIFA könnte Druck auf die syrischen Behörden ausüben, damit diese die inhaftierten Fußballer freilassen und die Verhaftung von Sportlern aufgrund ihrer politischen Einstellung verhindern“, so das „Syrian Network for Human Rights“. Der Weltverband hält sich allerdings weiterhin bedeckt in der Frage, ob man dem syrischen Verband für die bevorstehenden Hilfen auch entsprechende (politische) Pflichten auferlegen will – und ob diese dann auch eingehalten würden, steht auf einem anderen Blatt…

Für seine „Heim“-Länderspiele wich die syrische Nationalmannschaft in den letzten Jahren nach Jordanien oder Dubai aus. Regimekritische Nationalspieler oder Funktionäre stehen aktuell nicht im Aufgebot.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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