Vor allem im Jugendfußball ist es Aufgabe des Trainers Bewegungen und Techniken zu korrigieren. Hierfür benötigt der Trainer das sogenannte Trainerauge bzw. den diagnostischen... Das Trainerauge – worauf es ankommt und wie der Trainer mit Gesehenem umgehen kann

Ball, Lupe, Spielerinfo, TeaminfoVor allem im Jugendfußball ist es Aufgabe des Trainers Bewegungen und Techniken zu korrigieren. Hierfür benötigt der Trainer das sogenannte Trainerauge bzw. den diagnostischen oder sogar „Röntgenblick“. Dieser verschafft dem Trainer den Durchblick für den Kern der Sache, z.B. einen Fehler, aber auch einen Überblick über das Gesamte.

Doch was genau macht dieses Trainerauge aus? Welche Voraussetzungen sind nötig und wodurch wird es beeinflusst? Antworten auf diese Fragen gibt der nachfolgende Artikel.

Das Trainerauge setzt ein gutes „Bewegungssehen“ voraus. Dies ist die Fähigkeit des visuellen Systems, dynamische Prozesse differenziert wahrnehmen und analysieren zu können.

Um sich bewegende Objekte, also auch einen Spieler in Aktion, scharf sehen und identifizieren zu können, müssen diese aus physiologischer Sicht durch koordinierende Augen- und Kopfbewegungen in der Fovea centralis, dem Ort des schärfsten Sehens, abgebildet werden.

Alles sehen. Vieles übersehen. Das Wesentliche erkennen.

Noch wichtiger als die physiologischen Voraussetzungen ist jedoch die Beurteilung des Gesehenen. Diese ist wiederum abhängig von der Beobachtungskompetenz aber auch von der Beurteilungskompetenz.

Als Grundbedingung für die Beobachtungskompetenz gilt die Beobachtungsfähigkeit. Darüber hinaus hängt die Beobachtungskompetenz zum einen von Faktoren wie der Motivation des Trainers zur Bewegungskorrektur, aber auch von seiner Konzentration und seinem Beobachtungsverhalten ab. Gerade für die Konzentration sind unter anderen Umweltbedingungen entscheidend. Es ist also darauf zu achten, sich als Trainer möglichst frei von Störeinflussen und Ablenkungen zu machen.

Außerdem spielt die Position des Trainers, d.h. seine Distanz zum Spieler und seine Perspektive auf das Geschehen, eine wichtige Rolle, um die Bewegung bzw. Technik adäquat bewerten zu können.

Um das Beobachtete nun im Sinne der Beurteilungskompetenz einordnen zu können, benötigt der Trainer eine hohe Sollwertpräzision. Folglich muss der Trainer eine möglichst genaue Vorstellung von der Bewegung haben, um dann den gezeigten Ist-Wert der Bewegung mit dem Soll-Wert der Bewegung abgleichen zu können.

Die Soll-Wert-Vorstellung wird durch die Bewegungserfahrung des Trainers, also der Erfahrung, die der Trainer selbst im Fußball und insbesondere mit der zu korrigierenden Bewegung/Technik gemacht hat, beeinflusst. Die Bewegungserfahrung des Trainers muss des Weiteren durch Wissen in der Trainingsmethodik und der Biomechanik, die der Trainer sich durch verschiedene Qualifikationsmöglichkeiten aneignen sollte, ergänzt und erweitert werden.

Die Funktionalität entscheidet!

Letztendlich kommt es aber immer auch auf die subjektive Erfahrung des Trainers bei der Unterscheidung zwischen wichtigen und eher zweitrangigen Bewegungsmerkmalen an. Denn im Spiel entscheidet am Ende die Funktionalität der Technik und nicht deren Ästhetik!

Bewegungssehen

Florian Ingwersen, abseits.at

Florian Ingwersen

  • vanGaalsNase

    18.Juli.2015 #1 Author

    Dass der Trainer einen analytischen Blick auf das Geschehen hat, ist sehr wichtig. Aber das sollte sich weniger auf die reine Bewegungsausführungen beziehen, als vielmehr auf taktische Aspekte. Denn Bewegungen/Aktionen/Techniken sind immer die Ausführung einer Entscheidung. Würde die technische Ausführung unabhängig von der Entscheidung betrachtet werden, sind wir beim biomechanischen Einschleifen. Und das ist eher überholt.

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